Probe im Rahmen der Bonner Weinrunde – Chablis & Mâconnais

Heiko lud im Rahmen der Bonner Weinrunde uns mal wieder zu einer Probe in sein Lieblingsgebiet ein, dem Burgund. Dieses Mal ging es in die nördlichste und südlichste Appellation, Chabils und Mâconnais. Da galt es für mich nix als hin, denn diese Gebiete habe ich nicht wirklich regelmäßig im Glas. Mir war nur klar, dass es heute haufenweise Chardonnay, in all seinen Facetten, geben wird. Nach dem Aufdecken, es wurde wie immer blind verkostet, war mir dann doch das eine oder andere Weingut bekannt. Es schwankte, doch insgesamt war ich positiv über die Qualitäten und dem Preis-Leistungs-Verhältnis überrascht. Die Reise hatte sich also durchaus gelohnt!


Hier das Protokoll zu den einzelnen Weinen:

1 Domaine William Fevre Domaine-Wein Chablis, 2007
Es ging los mit dem Gutswein von einem der renommiertesten Erzeugern im Chablis. Saubere, kühle Nase nach kreidiger Mineralik, Zitronen, vegetabilen und floralen Anklängen, recht schlank, für manche am Tisch wärmt der Alkohol ein wenig. Mittlerer Körper, leicht angetrocknete Zitrusfrüchte, erneut Kalkstein, kräftige Säure, ordentlicher Verlauf ohne sonderliche Tiefe, mittlerer Nachhall, Einfache, aber gute Qualität.
12,70 Euro, 83 KA-Punkte, 83- 85 Runde


2 Daniel Barraud „En Crêches“ Saint-Véran Chablis, 2009
Deutliche, von Botrytis geprägte Nase, wenig überzeugend eingebundene Barrique-Note, Fruchtaromen erinnern an eingemachte Birnenspalten. Auch im Mund viel Holz, Rauch, Vanille, kaum aromatische Tiefe, etwas Birne, nussige Nuancen, bitterer, kurzer Nachhall.
10 Euro, 81 KA-Punkte, 81 – 87 Runde


3 Daniel Barraud Cuvée „Alliance“ V. Poully-Fuissé Chablis, 2005
In der kräftigen Nase Klebstoff, reife Aprikosen, gut eingebundene, wenngleich kräftige Barrique-Note. Ebenso im Mund eine Klebstoffnote, die an Patex erinnert. Ansprechendes Früchtespiel nach Quitten, Birnen und Haselnüssen. Die Säure sticht etwas kräftig hervor und im hinteren Verlauf erneut Bitternoten, die aber deutlich dezenter sind. Der Alkohol wärmt ein wenig. Mittellanger Nachhall.
14 Euro, 83 KA-Punkte, 83-85 Runde


4 Domaine Billaud-Simon Chablis „Tête d´Or”, 2005
Saubere, ausdrucksstarke Nase mit vielschichtigen Früchten nach Äpfeln, Zitrusfrüchte und tropische Anklänge, die eine gelungene Verbindung mit der Mineralik eingehen, erinnert stark an Feuerstein. Fruchtbetonter, recht feiner Antrunk, mittlerer Körper, harmonischer Verlauf, gute Säurestruktur, auch an die Nase erinnernde Fruchtaromatik überzeugt, grasige und mineralische Anklänge, mittlerer Nachhall. Ein wirklich gelungener Chardonnay, der ohne wahrnehmbares Holz auskommt und dadurch viel Frische bereithält. Gefällt mir sehr gut. Sehr gutes PLV.
13 Euro, 87 KA-Punkte, 85 bis 89 Runde


5 Jean-Marc Brocard Cuvée „Extrême“ Chablis, 2004
Zunächst fällt der Schwefel in der Nase auf. Insgesamt recht eigenwilliger Duft nach Buttermilch, erdige Noten, grünen Bohnen und Karamell – also ziemlich fruchtfrei, aber auf merkwürdige Weise stimmig. Auch im Mund fruchtfrei und wirkt wegen seiner heftigen Säure sehr streng. Erneut die Karamell-Noten, obwohl der Wein nie ein Holz gesehen hat. Feste, tiefe Mineralik nach Jod, Asche und Brotrinde, daneben florale und grassige Anklänge. Ziemlich eigenwillig, dem ich trotzdem einiges abgewinnen kann.
13 Euro, 86 KA-Punkte, Punkte von der Runde nicht notiert


6 Domaine Pinson 1er Cru Mont-De-Milieu Chablis, 2004
Ausdrucksstarke, komplexe Nase nach dunklen Beeren, Orangen und Birnenspalten, leichter Honigtouch, kreidige Mineralik, feines Holz, hat Kraft und Tiefe. Animierend saftiger Antrunk, erneut ein vielschichtiger Früchtekorb, überzeugt sofort aufgrund seines pikanten Säure-Süße-Spiel, vielschichtige Mineralik, kräftige, aber reife Säure, sehr langer, fruchtbetonter Nachhall. Ausgezeichnet.
14,50 Euro, 90 KA-Punkte, 87 – 90 Runde


7 Domaine Billaud-Simon 1er Cru Montée De Tonnerre Chablis, 2004
Etwas gewöhnungsbedürftige Nase nach Zitronenthymian, Bohnenkraut, Zitrusschale und Orangen. Am Gaumen sehr fruchtig-saftig, uns überrascht die leichte Restsüße, kräftiger Körper, mir fehlt es ein wenig an Frische, die Runde wiederspricht. Die Frucht erinnert an rote Beeren und Äpfel, im Abgang eine sehr schöne salzige Mineralik, mittellanger Nachhall.
19,50 Euro, 85 KA-Punkte, 88 – 91 Runde


8 Domaine William Fêvre 1er Cru Fourchaume „Vaulorent“ Chablis, 2004
Expressive Nase von großer Klasse, nach rotwangigen Äpfeln, Zitrusfrüchten, weißen Johannisbeeren und Ankänge von Holunder. Heu und feine Röstdüfte nach Karamell und Brotkruste fügen sich aufs Beste hinter den Früchten ein. Auch im Mund unmittelbar überzeugend, derart saftig der Antrunk und stimmig im Verlauf. Die Säure zupackend, aber sehr fein und bestens integriert. Erneut komplexe Fruchtaromen, mit wunderbarem dunklem Holunderaroma. Das Holz gibt dem Wein den notwendigen Körper, hält sich ansonsten zurück, höchsten etwas Karamell ist wahrzunehmen. Hinten viel salzige Mineralität, der Verlauf sehr lang. Noch höhere Bewertung verhindert eine etwas kantige Säure zum Abschluss. Trotzdem ein toller Chardonnay!
31,40 Euro, 91,5 KA-Punkte, 90 – 93 Runde


9 Jean-Marc Brocard Grand Cru Les Clos Chablis, 2004
Der Grand Cru hatte natürlich Kork. 😦
31 Euro


10 Robert-Denogent Les Pommard Vieilles Vignes Saint-Véran Mâconnais, 2005
Fruchtbetonte Nase nach Orangen und unfreifen Äpfeln. Kräuter-würziger Antrunk, kräftiger Körper, etwas spitze Säure, straffer Verlauf, im Nachhall kommen mineralische und grasige Anklänge auf, erinnert an Bockshornklee, frisch-herbe Stilistik, mittellanger Nachhall.
17 Euro, 88 KA-Punkte, 87 – 90 Runde


11 Rogert Lassarat Les Racines Puilly-Fuissé Mâcconnais, 2005
Primär mineralische Nase nach Feuerstein und erdigen Noten, daneben Malz, Birnen, florale Anklänge, zeigt durchaus etwas Tiefe an. Im Mund gefällt der Wein auch dank seines saftig-fruchtigen Verlaufs, die Mineralik und die Säure sind sehr ansprechend und auch der Nachhall hat ordentlich Länge. Was mich etwas stört ist der Holzeinsatz, deutlich an Karamell und leicht süßlichem Vanille zu erkennen, dadurch verkleben die Aromen ein wenig. Trotzdem sehr gut.
19,50 Euro, 88 KA-Punkte, 87 – 91 Runde


12 Domaine Saumaize-Michelin Clos sur la Roche Pouilly-Fuissé Mâconnais, 2002
Etwas eigenwilige, aber überzeugende Nase nach Kokos, Pflaumenkonfitüre, Akazienhonig und Heu. Enorm dichter und straffer Antrunk, wunderbare Anklänge nach Basalt, Kalk- und Feuerstein, sehr gut eingebundenes Holz, knochentrocken, aber die enrome Extraktdichte verleiht ihm etwas Schmelz, der Wein bleibt über den gesamten Verlauf sehr straff und fordernd, reife, feine Säure, sehr langer Verlauf. Große Klasse.
17,50 Euro, 91 KA-Punkte, 88 – 92 Runde


13 Domaine Saumaize-Michelin Ampelopsis Pouilly-Fuissé Mâcconais, 2002
Sehr harmonisches Bukett nach Hasselnüssen, Pflaumen und Brotkruste. Das Holz ist mir mit seiner intensiven Butterscotch-Note doch zu viel. Diese fällt auch im Mund wieder auf und verhindert bei mir in die 90er zu punkten. Ansonsten ist auch diese Wein überzeugend. Eher auf der weichen, schmeichelnden Seite, Birnen und Apfel-Aromen, sehr reife, feine Säure, guter stimmiger Verlauf und ein langer Nachhall notiere ich auf der Habenseite. Aber Butterplätzchen, Vanille und Karamell sind mir einfach zu viel.
22 Euro, 88 KA-Punkte, 88 – 91 Runde


14 Oliver Merlin Terroir de Vergisson, Pouilly-Fuissé Mâconnais, 2002
Sahne-Nuß, Malz, Butterscotch, Pflaumenwein und Rosinen strömen kräftig aus dem Glas. Auch im Mund ein kräftiger Wein, viel Holz, noch so eben gut eingebunden, enorme mineralische Tiefe nach Rauch und erdigen Noten, cremige Textur, hohe Extraktdichte, Botrytisnoten, sehr langer Nachhall.
19,50 Euro, 89 KA-Punkte, 86 – 90 Punkte


15 Chateau Fuissé Vieilles Vigne Puilly-Fuissé Maconnais, 2002
Altholzige Nase, Botrytistouch, Rosinen, getrockente Kräuter, Pflaumen, schwerfällige Mineralik, erinnert mich an Thunfischöl. Im Mund erstaunlich frisch-fruchtiger Antrunk, guter Verlauf, hat ordentlich Zug am Gaumen, Apfel- und Birnenanklänge, deutlich, aber ansprechende Holzaromen, erdige Mineralik, im hinteren Verlauf taucht erneut die Botrytis auf, läuft daher etwas schleppend aus.
29,50 Euro, 87 KA-Punkte, 87 – 90 Runde


16 Domaine de la Bongran Cuvée Tradition Thévenet Mâcon-Village, 2000
Zum Abschluss gab es noch Süßwein. Botrytis geprägte Nase, die recht unangenehm nach Kartoffelschalen und Rosinen riecht. Kräftiger, ja fast ungehobelter Auftakt, Botrytis ohne Ende, man schmeckt den Alkohol, Kräuter, mineralische Anklänge, süß, langer Nachhall, aber einfach misslungen.
19 Euro, 80 KA-Punkte, 79 – 85 Runde

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s