Riesling Große Gewächse 2010 – Eine Bestandsaufnahme nach zwei Jahren Flaschenreife

Nach gut zwei Jahren war es an der Zeit eine repräsentative Bandbreite von 2010er-Großen Gewächsen Riesling zu verkosten um die Entwicklung des Jahrganges zu überprüfen. In unserem Artikel zur Arrivage-Verkostung vor zwei Jahren (Hier lesen) sprachen wir dem Jahrgang durchaus eine gehobene Güte zu, womit wir eher die Ausnahme darstellten. Uns gefiel der feste Kern der Rieslinge und die straffe Säure, zumindest in jenen Weinen, die nicht zuviel an Apfelsäure enthielten. Entscheidend war auch möglichst sauberes Lesegut zu verarbeiten, was bei der stark ausbreitenden Fäulnis im Herbst 2010 nicht einfach war.

Als Fazit nach den beiden Verkostungsabende lässt sich festhalten, dass viele Weine heute die weiterhin strafe Säure ausgezeichnet integrieren. Die Gewächse wirken fest, klar in der Fruchtaromatik und machen Hoffnung auf eine weitere positive Entwicklung. Wenig erstaulich zeigten sich in dieser frühen Phase der Entwicklung die formal „kleineren“ Gewächse weiter in ihrer Entwicklung und konnten so gelegentlich den eigentlichen Stars den Rang ablaufen; sie waren einfach bereits harmonischer und zeigten mehr Tiefe und Spiel. Die Kunst einen Wein zur rechten Zeit zu öffnen, darf nicht unterschätzt werden. Es liegt also nicht nur in der Verantwortung des Winzers, sondern auch an der Kenntnis über die Reifeentwicklung großer Rieslinge beim geneigten Weinfreund. So waren wir heute sehr angetan von Wittmanns Aulerde oder von Mosbachers Kieselberg, ohne dass wir ihnen noch eine Verbesserung zutrauen. Die Weine erreichten teilweise aber ein derart unverschämtes Niveau, dass wir nur raten können sie gerade jetzt zu genießen, vermutlich werden sie kaum besser werden; aber es hängt natürlich auch vom eigenen Geschmack ab. In einigen Jahren wird sich das Bild vermutlich ändern. Besonders stark schätzen wir die Kollektionen von Keller, Schönleber und Bürklin-Wolf ein, die in 2010 erneut überaus ansprechende Große Gewächse abfüllten, die sich in unserer Blindverkostung wiederholt durchsetzten.

In Hektik muss man mit dem 2010er-Jahrgang aus unserer Sicht nicht fallen. Die meisten GGs scheinen uns für eine längere Entwicklung bestens vorbereitet, manche werden erst in 10 Jahren vollständig geöffnet haben. Selbst nach mehreren Tagen der Belüftung wollten einzelne Gewächse noch keine Angaben machen – sie blieben infantil, verschlossen, aber mit viel Potential ausgestattet. Winzer, deren Weine aus Tradition viele Jahre Reife benötigen, haben wir bewusst nicht geöffnet, wie z.B. Breuer, Rebholz oder Querbach.

In der Breite macht es heute noch wenig Sinn, die 2010er zu öffnen, oder sie von der Karte im Restaurant zu bestellen; da nehme man die 2009er. Die hohe Säure konserviert die Weine und lässt sie nur langsam reifen, gerade die formal großen Weine zeigen zwar ihr Potential deutlich an, sind jedoch inmitten ihres Winterschlafes und noch mind. zwei Jahre von ihrer ersten Genussphase entfernt. Gedulden sie sich noch ein wenig, der Wein wird es ihnen danken.

Allgemein bleiben wir bei all den Schwierigkeiten derzeit bei unserer ursprünglichen Einschätzung; 2010 wird vermutlich als das hochwertigere Jahr für trockene GGs im Vergleich zu 2009 in die Geschichte eingehen und zählt somit zu den überdurchschnittlichen Jahren des ersten Jahrzehnts.

Die Verkostung der Weine erfolgte für die Teilnehmer blind, wobei KA teilweise die Weine kannte. Die Flaschen wurden am Vorabend für ca. 30 Minuten einfach oder doppelt dekantiert und am Verkostungstag nochmals mindestens 30 Minuten vorab in eine Karaffe gefüllt. Die folgende Reihe an Weinen wurde nachträglich nach Gütern und Anbaugebiet geordnet. In der Verkostung kam die Weine in anderer, zufälliger Reihenfolge ins Glas.

Mosel

Loch (Weingut Herrenberg) Ockfen Bockstein
Indifferente Süße, Zitrus, geht in Richtung Putzmittel. Am Gaumen von mittlerem Körper, fast leichtfüssig, mit angenehmen Restzucker, feine Süße, etwas Gerbstoff, hat was bewegliches, klare Steinfrucht, die Mineralik erinnert an Schiefer, die Säure kraftvoll, aber fein, wirkt beweglich, so schön Süße und Säure sind, so wenig spielen sie heute miteinander, vielversprechendes Finish, er wirkt heute nicht fertig, dürfte sich jedoch entwickeln.
88-91+


Loch (Weingut Herrenberg) Wiltinger Schlangenberg Alte Reben
Ganz leichte Anklänge an Spülmittel, Kalkstein, sehr verschlossen, granithartes mineralisches Fundament. Sehr klarer Antrunk, deutlicher Apfelgeschmack, wahrnehmbare Restsüße, die pikante Säure wird von der Süße gepuffert, noch ein gänzlich unfertiger Wein, mit einer schönen Länge, heute schwer zu bewerten, hinten sehr unruhig. Die Anlage lassen uns hoffen.
88-92+


Markus Molitor Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken **
Leichte rote Beerenfrucht, eine Ahnung von steiniger Mineralität, Kräuter, cremig, kalte Cola, Hefearomen, Spontitouch, komplett verschlossen, alle Anlagen vorhanden. Am Gaumen herrlich reintönig, kristaline Struktur, hat eine innere Spannung, großer mineralischer Biss und strafe Säure ohne sauer zu wirken, unterschiedliche Eindrücke am Tisch, aber alle sind begeistert. Ein insgesamt noch sehr junger, verschlossener Riesling, der sich aber bereits heute für Freund mineralischer Weine mit viel Freude trinken lässt, langer salzig-mineralischer Nachhall.
93+


Rheingau

Peter-Jakob Kühn Oestricher Doosberg
Kräutertee, sehr würzige, herb, Botrytisanklänge, Wachs.  Mittlerer Körper, saftig, leicht süßlicher Auftakt, erinnert an sehr junge noch unreife Aprikose, bereits im Antrunk übernimmt die resche Säure das Kommando und peitscht auf den Gaumen, Apfelbutzen, mineralische Ahnung, Feuerstein, die (Apfel?)-Säure löscht den Wein fast aus, mittlere Länge. In diesem Zustand kaum zu trinken und aufgrund fehlender Säure heute nicht einmal ein sehr guter Wein.
87? KA, 84? GM


Peter-Jakob Kühn Mittelheim St. Nikolaus
Harmonische Nase, kräutrige Ausrichtung, Grapefruit, Zitruszesten, wirkt eigentümlich, aber sehr klar. Mittlerer Körper, klare Steinfrucht, erneut eine resche Säure, die aber jetzt deutlich feinsinniger und reifer wirkt, ist aber an der Grenze, wird im Übrigen am Tisch kontrovers diskutiert, einige sprechen von Bitternoten im Abgang, die Früchte sind ummantelt von Käuterteearomen, sehr fest und lang. Auch hier konnten wir uns nicht auf eine gemeinsame Wertung einigen. KA vertraut auf Lage und Winzer, GM moniert (zu Recht) das aktuell fehlende GG-Niveau.
89-91+, 86-87 GM


Weingüter Wegeler Geisenheim Rothenberg 2010
Leider Kork


Nahe

Schäfer-Fröhlich Monzinger Halenberg
Feuerstein, gedeckte Nase, ein Hauch rote Beeren, pure Mineralik ohne besondere Ausprägung, vom Sponti zugedeckt, nicht unangenehm. Mittlerer Körper, enorm straff, sehr dicht, aber fokussiert, toller Säurebogen, klar, rein, etwas unnahbar, große Struktur, vermeidet jegliche Form von Schwülstigkeit, einer der fokussiertesten Weine des Abends, herrlich klare, Steinfrucht, über den gesamten Verlauf sehr klar in seiner Ausrichtung, unruhiges, mittellanges Finish. Wir attestieren ihm eine möglicherweise große Zukunft.
91 – 93+


Schäfer-Fröhlich Bockenau Felseneck
Deutliche Spontinote, primär mineralisch betonte Nase, etwas Handcreme, wirkt insgesamt verschlossen, feiner Blütenton, die scheue Frucht wirkt maskiert, feuchter Tonboden, Anflug von Aprikose. Mittlerer Körper, sehr frische, klare Frucht in Antrunk, weißer Pfirsich, jahrgangstypisch rassige Säure, vielversprechend gute Anlagen, hat Biss, wirkt positiv stoffig, zeigt Ansätze von Volumen, mittlerer Nachhall mit leichter Süße, bringt alles mit, ist aber noch gänzlich verschlossen. Uneinheitliche Meinungen am Tisch, insgesamt leicht unter unseren Erwartungen. Weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.
89-92+


Emrich-Schönleber Monzingen Frühlingsplätzchen
Kork

Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg
Feuerstein, Zündholz, Spontinoten, sehr würzig, komplett fruchtfrei, vollkommen jugendliche Steinfrucht, Gletschereis, hoch feinsinnige und komplexe Nase. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, herrlich reintönig, im Antrunk bereits sehr kühl, wie ein Gebirgsbach, feinste Anlagen, ein grandioser Riesling von höchster Eleganz, die Säure ist da, aber gänzlich integriert und steht genau da wo sie soll, heute kaum Frucht wahrnehmbar, leicht Rauchnote, festes mineralisches Fundament, ein Monolith, sehr langer Nachhall von großer Feinheit. Erneut ein großer Halenberg von Schönleber.
93-95 +


Dönnhoff Norheim Dellchen
Elegante, klare Apfelnase, etwas Rauch von der Mineralik, wirkt klassisch, gut komponiert, dahinter erdig-kräutige Anklänge, bleibt aber elegant und feinsinnig. Mittelkräftiger Antrunk, zeigt Zug und Noblesse, sehr klare Frucht, klar auf der Apfelseite, kombiniert mit jugendlichen Steinfrüchten, schöner Säurebiss, festes Fundament, zeigt Tiefe und Kraft an, behält aber jederzeit eine Spur Feinheit, bemerkenswerte Länge.
92-93

Dönnhoff Niederhausen Herrmannshöhle
Fruchtbetonte Nase nach gewachstem, rotwangigem Apfel,  Assoziationen zu Honigmelone und tropischen Früchte, steinbetonte Mineralität, insgesamt etwas gedeckt. Im Mund sehr frisch von mittlerem Körper, Apfelschalen, geschnittene Gräser, saftiger Antrunk, wirkt sehr balanciert, bestens integrierte Säure, insgesamt gewogen, lässt sich jetzt bereits schön trinken, im weiteren Verlauf wirkt die Frucht ein wenig gedeckt und simple gestrickt, es stellt sich die Frage ob die heute fehlende Tiefe irgendwann sich entwickelt, oder der Wein aromatisch limitiert ist. Wie auch bei der Arrivage-Probe bleibt der Wein etwas hinter unseren Erwartungen zurück.
89-90+


Rheinhessen

Wagner-Stempel Siefersheim Höllberg
Erdbetonte Mineralik, Botrytis, Maracuja, reife Pfirsiche, wirkt voluminös, Malz. Kräftiger Körper, sehr stoffig, in seiner Anlage ein barocker Riesling, mit saftigem Antrunk, hochreife ins tropische gehende Frucht, gute Länge mit salziger Mineralik, sehr kräftig, aufrauschende Säure, manche sprechen von grünen Noten im hinteren Bereich, insgesamt erstaunlich weit geöffnet, ein Wein der auch jung getrunken werden darf, wir haben Sorge dass die Botrytis weiter geschmacklich zunehmen könnte, daher eher kein GG zum Reifen, die weitere Entwicklung wird es zeigen.
88-91

Wagner-Stempel Siefersheimer Heerkretz
Feine, gewogene fruchtige Nase, glockenklar, wenig entwickelt, etwas Kernfrüchte, aber auch mittelreife Steinfrüchte, rote Beerenfrüchte, Rauch, Basalt, wirkt klar, ein Hauch Wachsnoten. Sehr straffer Antrunk bei einem mittelkräftigen Körper, Zitrusnoten, in der Mitte erholsam schlank und klartönig, da greift aber auch die Säure ohne Rücksicht in den Gaumen und breitet sich auch aromatisch aus und für Guido verschiebt die Säure das gesamte Aromenbild des Weines, dadurch wirkt er uncharmant kühl und distanziert, genau dies fasziniert Rainer. Sehr unterschiedliche Eindrücke am Tisch. Einig sind wir uns darin, die nächste Flasche erst in fünf Jahren aufzumachen.
93 (KA), 88 (GM) – Potential

Wittmann Westhofen Aulerde
Botrytisgeschwängerte Nase nach Orangencreme und Honig, Linoleum, ansonsten nicht viel, wirkt üppig und schwer. Im Mund völlig anders, er besitzt zwar ein hohe Konzentration, die dank aber seines wirklich einmaligen Säurespiels fast zu vibrieren beginnt, die Säure schäumt fast, herrlich packend und animierend ohne jede Aggressivität, vielmehr ist sie subtil, höchste Spiel  und Noblesse, ein reiner Gaumen-Wein, der uns gänzlich in seinen Bann zieht, bemerkenswerte Länge. Trotz der schwierigen Nase ein großer Riesling – heute.
94-96

Wittmann Westhofen Kirchspiel
Rote Beeren, Apfel und Marzipan, Kalkstein, eigenwilliges aber herrliches Nasenbild. Mittlerer Körper, mineralischer Antrunk, viel Kalkstein, dahinter eine verschlossene Frucht, die heute noch sehr über eine rote Beerenfrucht kommt, enorme Konzentration, aber dank seines mineralischen Ausdruck hochelegant, sehr würzig und herbe, über den gesamten Verlauf verbleibt eine Ahnung Frucht im Hintergrund und so gewinnt der Wein eine große Tiefe und Komplexität, Anklänge von Lakritz extrem kräutrig, im hinteren Verlauf bohrt er sich immer weiter in die Tiefe und lässt auf eine große Zukunft hoffen, sehr langes Finish. Erneut ein grandioses Kirchspiel.
94 – 95 +

Wittmann Westhofen Morstein
Wirkt sehr mineralisch, nach Basalt, Kalkpulver, blitzsauber und reintönig, weißer Rauch. Kräftiger Körper, leicht nussige Anklänge im Antrunk, verschlossene nicht klar zu identifizierbare Frucht, wirkt heute sehr uncharmant, stoffig, Restsüße wahrnehmbar, ungemein mineralisch geprägt, weißer Rauch, die Säure sehr straff, schon sehr gut eingebunden, eigenständig, spannungsgeladen und komplett verschlossen, gute Länge, interessant für Sensorikfreaks, aber nicht zum heute Trinken.
91 – 93+

Wittman Westhofen Brunnenhäuschen
Verschlossene, durchaus vielschichtige Nase, nach leicht süßlichen Orangen, feiner Hauch von Wachsaromen, erdig-würzige Mineralik, aber auch feuchter Kieselstein.  Saftiger Antrunk, cremiges Mundgefühl, sehr feste, aber gut integrierte Säure, wirkt saftig, fest, ja pikant, aber ohne jede Peitsche, ein wenig Restzucker, bestens integriert, wird aber von der Würzigkeit bestens begleitet, sehr zugänglich und konzentriert, die Komponenten sprechen bereits miteinander, es wird sich fügen, aber es fehlt heute etwas an Spiel und Feinheit, wird sich vermutlich finden.
92 +

Keller Nierstein Pettenthal, 2010
Angereifte Steinfrüchte, Aprikose, hochreife gelbfleischige Früchte an der Grenze zu tropischen Anklängen, Schwarzbrot. Kräftiger Körper, viel Fülle, auch hier angereifte Steinfrüchte, spielt mit der Restsüße, noch wenig aufgefächert, erinnert an Maracuja-Creme, wirkt insgesamt stimmig, weil von souveräner Festigkeit und deutet seine Komplexität an, verspielte, bestens integrierte Säure, sehr lang.
92-94+

Keller Dalsheimer Hubacker, 2010
Kalkstaub, Kakao, rotbeerige Frucht, Rauch, röstige Würzigkeit. Am Gaumen erstaunlich trocken, gewaltiger Zug am Gaumen, herrliche kandierte, hinreichend schmeichelnde Zitrusfrucht, sehr straff und klar über den gesamten Verlauf, die Säure ist keck, sitzt aber perfekt und zeigt herrliches Spiel und Zugkraft, schon heute wunderbar zu trinken, große Länge mit Zitrusschalen am Ende, sehr fein-salziges Finale, das herrlich mit der Säure spielt. Schon heute mit Freude zu trinken, dürfte aber noch drei weitere Jahre Flaschenreife danken.

93-94+


Keller Westhofen Kirchspiel, 2010
Rauch, erdwürzige Mineralität, klare Rieslingfrucht, Zitrusanklänge. Mittlerer Körper, sehr saftiger strahlender Antrunk, dominiert von einer glockenklaren Steinfrucht, die bereits ein wenig geöffnet wirkt, Schalen von rotwangigen Äpfeln, die Säure resch, am oberen Bereich, nur im Nachhall wirkt sie uns noch ein wenig unwirsch, insgesamt aber ein toller Wein, der alle Anlagen mitbringt. Es bleibt für uns der beste Kirchspiel den Keller bisher gemacht hat.
93-94 +

Keller Westhofen Morstein, 2010
Extrem verschlossene Nase, harter Kalkstein, ein Lüftchen Zitrus, sonst nichts. Am Gaumen enorm fest, man kaut Steine, festes steiniges Fundament, herrlich aufrauschendes Säurespiel, der Bogen schwingt über den Gaumen, Kakao, aristokratische Noblesse, mit deutliche salziger Mineralität. Aller Voraussicht ein großer Riesling, der noch mindestens fünf Jahre Flaschenreife benötigt.
94+


Pfalz

Koehler-Rupprecht Saumagen Auslese trocken
Gelbe Steinfrucht, Anflug von roten Beeren, Cassis, Botrytisanklänge. Kräftiger Körper, man merkt den Fassausbau, sehr verschlossen, leichte Cremigkeit, jahrgangsbedingte Säure, hat aber ausreichend freien Extrakt und vielversprechende Fruchtanklänge, bemerkenswerte Länge, große Zukunft.
91+, 89+ GM


Mosbacher Deidesheim Kieselberg, 2010

Leicht süßlich-dropsige Nase, recht reife Aprikose, dunkle Mineralik, Kieselsteine, die Mineralität reizt die Schleimhaut, zarte Kaffeearomen, am Gaumen kräftig, erneut eine verschlossene, ins süßlich gehende Rieslingfrucht, die Säure ist ein faszinierendes Spiel, perlt wie verrückt über den Gaumen, vibriert, feiner Fencheleinschlag, die Mineralität tänzelt mit der Säure und beide ergeben ein einmaliges Süße-Säure-Spiel, langes Finish. Jetzt ein Hochgenuss.
93 – 95

Bassermann-Jordan Deidesheim Kalkofen, 2010
Schoko, Orangenblüte, kandierte Zitronen, gleichberechtigt eine feine Mineralität eher steinbetont, mit würzigen Anklängen. Am Gaumen mittlerer Körper, feine Süße, kleines Zuckerl was dem Wein ungemein gut tut, sehr deutlich auf der Zitrusfrucht, dadurch wirkt er aromatisch enger gefasst, aber seht stimmig und brillant, wirkt ungemein straff, mittlere Länge, bricht aufgrund seiner Jugend etwas ab, aber jetzt mit Freunde zu genießen.
92


Bürklin-Wolf Forst Ungeheuer, 2010
Würzige Nase nach kalter Cola, Lacknoten, Brotkruste, glacierte Früchte ohne Süße, Im Kern aber sehr sauber, erweckt Trinkfreude. Am Gaumen sehr füllig, wuchtig, enorme Fruchtfülle, anschließend kommt die 2010er-Säure, zeigt Strahlkraft, auffällig ist das Nebeneinander der Eindrücke, alles ist vorhanden, aber jedes Element spielt sein eigenes Spiel, kein Teamwork. Zeigt aber über den gesamten Verlauf sein Potential an, mittlere, unruhige Länge, liegen lassen.
91-92+


Bürklin-Wolf Forst Pechstein, 2010
Würzig-mineralische Nase, feine Basaltnoten, verwoben mit einer sehr feinen, klassischen Rieslingfrucht, vor allem Kernfrüchte. Am Gaumen fest von mittlerem Körper, grüner Apfel und Orangenschalen, zeigt Brillanz ja fast Noblesse, hartes mineralisches Fundament, dass heute noch kaum Zeichen setzen kann, viel Zug am Gaumen, die Säure reif, mit lebhaftem Spiel, ist sich bereits am Integrieren, sehr langer, aromenreicher Abgang. Der Wein benötigt noch fünf Jahre Flaschenreife, erst dann wird sich vermutlich das Terroir zeigen können.
92 – 94+


Von Winningen Forst Jesuitengarten, 2010
Vanille, süßliche Holzwürze, Waldmeister, fruchtige Fülle. Am Gaumen von mittlerem Körper, wirkt noch sehr unfertig, feste, durchaus pikante Säure, aber reif und berauschend, die Frucht allemal zu erahnen, Cola Fläschchen, zeigt Tiefe und Komplexität auf, sehr lang, aber gänzlich in der Höhle zurückgezogen, das Holz bereits auf dem Rückzug und sehr gut integriert, gibt dem Wein neben der pikanten Säure eine angenehme Schmelzigkeit mit auf den Weg, bemerkenswerte Länge.
92+


Von Winningen Deidesheim Langenmorgen, 2010
Spontinote, süßliche Holzwürze, Zündholz, grüner Apfel, am Gaumen sehr fest, das Holz tickt im Antrunk etwas hoch, nimmt aber im weiteren Verlauf immer weiter ab und spielt gekonnt mit der Frucht, die an angereiften Äpfeln und Zitrusfrüchte erinnert, eine feine Restsüße spürbar, feste Struktur und Tiefe, enormer Druck am Gaumen, hinten kommt immer mehr Kalkstein und Wildkräuter auf, die sich beide erstaunlich gut aromatisch mit den Holznoten verbinden, leicht salziger Nachhall. Sehr eigenständig und schon heute mit Gewinn zu trinken.
93+


Wachau

Knoll Loibner Berg Vinothekfüllung
Unterschiedliche Düfte von Kohlrabi bis Kakao, deutlicher Botrytiseinschlag. Pure Spannung am Gaumen, die Säure zieht straff und hoch elegant von vorne bis ganz hinten durch, sehr konzentriert, von der Aromatik extrem verschlossen, Birne, weiße Melone, auch am Gaumen, für einige am Tisch heute in Tick zu viel an Säure, aber sehr reif, aromatisch zurückgezogen, noch infantil, unbedingt zehn Jahre reifen lassen.
90 – 93+


Elsass

Zind-Humbrecht Hunawihr Clos Windsbuhl, 2010
Herrlich mineralische Nase nach Feuerstein, sehr klar, packend und fest, fast kühl, weiße Beerenfrucht, weißer Pfirsich, altholzige Kaffeenoten. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, wirkt bereits im Antrunk kühl und fest, kaum Frucht, sehr feinporige, lebhafte Säure, drahtiger Wein, klar wie ein Gebirgsbach, null Botrytis, im weiteren Verlauf scheue Fruchtanklänge aufkommend, enormer Zug am Gaumen, man ahnt das Potential und die Tiefe des Weines, abbrechendes Finish, ein ganz großer Riesling, der aber heute nicht seine Möglichkeiten ausspielen möchte.
92+
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Ein Kommentar zu “Riesling Große Gewächse 2010 – Eine Bestandsaufnahme nach zwei Jahren Flaschenreife

  1. Sehr interessante Bestandsaufnahme des Arschjahrgangs. Bestätigt mich in meiner Annahme, dass er sich im GG Bereich doch gut und vorallem sehr lange entwickeln wird. Wesentlich besser als der, meines Erachtens, hoch geschriebene 2011er, der ja bereits jetzt vielfach durch Reifetöne auffällt. Aber sowas darf in bestimmten Gruppen ja nicht äussern sonst gibts gleich von den Meinungsmachern eins auf den Deckel. 😉 Am Ende haben die schlanken Jahre noch immer diese Nase vorn gehabt. Siehe 2004 – was wurde da drüber gelästert und wurde als schmales Jahr verschrieen. Und jetzt machen die GGs aus diesem Jahr einen unglaublichen Spass und haben in Vertikalen meist die Nase vorn. Die damals viel besser eingestuften 05er finden sich nun in der Regel am anderen Ende der Skala.

    Im Übrigen möchte ich hier an dieser Stelle mal ein großes Lob für euren Blog aussprechen und danke sagen. Ich lese hier nämlich sehr gerne mag die Art eurer VKNs. Auch natülrich, weil wir die gleichen Weininteressensgebiete haben und somit viele eurer verkosteten Weine auch in meinem Keller lagern!

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