Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016.

Mit Ausnahme von nur einem Wein präsentierten sich alle Weine ausgezeichnet. Viele Weine haben nun ihr Plateau erreicht und zeigen erste Reifenoten. Diese sind aber ansprechend mit den reifen und saftigen Fruchtnoten verbunden und sorgen für mein Empfinden heute für die extra Portion Tiefe und Vielschichtigkeit. Man merkte einigen Rieslingen die Wärme des Jahrganges an, ansonsten stehe ich weiterhin zu meinen Aussagen in dem Bericht der 2007er-GGs von letztem Jahr (Weiter lesen).

1. Flight Mosel und Saar

Weingut Heymann-Löwenstein Winningen Uhlen R Erste Lage, 2007

In der Nase viel Keks, Kakao und hochreife, gelbfleischige Früchte, Botrytis, insgesamt ein recht drückendes Bukett, dem es an Feinheit mangelt. Am Gaumen dickes Extrakt, viel Süße, erneut gelbe, teilweise angetrocknete Früchte, ausdrucksstarke bodenwürzige Mineralität, viel Schmelz, etwas zäher Trinkfluss, Säure ist vorhanden, aber kämpft ordentlich gegen das Extrakt an, erste zarte Reifenoten, sehr langer und durchaus vielschichtiger Nachhall. Der Wein provoziert aufgrund seiner Machart wenig überraschend sehr unterschiedliche Eindrücke bei den Verkostern. Ich finde es positiv, dass der Wein Herkunft zeigt und insgesamt harmonisch und stimmig wirkt. Heute ist er mir noch zu jung, er hat noch zu viel Babyspeck. Ob dieser noch rechtzeitig abschmelzen wird, bevor die Reifenoten die Frucht überlagern wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich erinnnere mich aber noch sehr gut an überaus genussreiche Heymann-Löwenstein-Momente mit Flaschen aus den 90er-Jahren. Es kann also durchaus gut ausgehen.

90(+)/100, jetzt und vielleicht bis 2022

Weingut Wegeler Bernkastel Doctor Erste Lage, 2007

Von ganz anderer Art und meinen persönlichen Vorlieben deutlich eher entsprechend dann der Doctor von Wegeler. Die Blume präsentiert eine fein gereifte recht typische Moselfrucht, viel angereifte Steinfrüchte, ein Hauch tropische Noten, herrliche Schiefermineralität, sehr fein und helltönig, es stellt sich eine große Vorfreude auf den ersten Schluck ein. Im Mund frisch, mit einer lebendigen Rieslingfrucht im Antrunk, schönes und feines Säurespiel über den gesamten Verlauf, die Grundlage des Geschmacksbilds ist eine animierend, fein-salzige Mineralität mit deutlicher Schieferwürze, noch herrlich frisch, ja jugendlich wirkend, insgesamt animierend und harmonisch im Verlauf, gute bis sehr gute Länge, mittlere Tiefe. Ein überaus ansprechender Riesling.

92/100, jetzt bis 2022

Weingut van Volxem Kanzem Altenberg Erste Lage Alte Reben, 2007

Süßlicher Duft von hochreifen Pfirsichen, Mandarinen und Maracuja, Honig, süßliche Blüten. Am Gaumen auffallend süß, hat mit einem trockenen Riesling nichts gemein. Von dieser Formalität abgesehen ein durchaus harmonischer Eindruck am Gaumen. Im Antrunk ganze Bäche von Maracuja und Pfirsichsaft, dagegen steht eine reife, aber hinreichend agile Säure, würzige Mineralität, dazu Karamell- und Kakaoaromen, trotzdem reintönig und durchaus animierend zu trinken, jetzt gut gereift und auf seinem Höhepunkt, mäßiger Tiefgang, gute Länge. Wer´s mag wird glücklich, mir fehlt es an der Feinheit und der agilen Säure für die das Gebiet steht. Dazu passt meines Erachtens nicht der üppige Stil des Hauses. Auch das mag eine Formalität sein, aber Herkunft sieht für mich anders aus.

89/100, jetzt bis 2022

Weingut von Othegraven Kanzem Altenberg Erste Lage, 2007

Der Altenberg von von Othegraven ließ mich enttäuscht zurück, denn der Wein war bereits deutlich über seinem Höhepunkt. Im Bukett sehr verhalten, etwas Kräuterwürze und Zitrusfrucht, das war’s auch schon. Im Mund extraktvoll, bereits im Antrunk Bittertöne und Kräutertee-Aromatik, wirkt auch kantig, dadurch entwickelt sich wenig Trinkfluss, auch hier deutlicher Restzucker, der sich aber besser einbindet, dadurch sensorisch trockener, viel getrocknete Kräuter üben den gesamten Verlauf, erdwürzige Mineralität, deutliche Reifearomen, die Alkohol wärmt, mittlere Tiefe, sehr langer und druckvoller Nachhall. Es kann durchaus sein, dass wir eine beeinträchtigte Flasche hatten, denn in seiner Jugend hatte ich einen betont positiven Eindruck von dem Wein. Wer Bestand hat, sollte den Wein zur Vorsicht probieren.

87/100, in dem Zustand besser jetzt noch trinken

2. Flight Nahe

Schloßgut Diel Dorsheim Burgberg Großes Gewächs, 2007

Kühles Bukett mit einer hochfeinen Stein- und Apfelfrucht, würzige Mineralität, ein Hauch Kakao und Blüten. Am Gaumen glockenklar, feinfruchtig, packender Auftakt und ein herrlich animierendes Säurespiel, viel Zug am Gaumen, trotz erster Reifearomen noch frisch und agil, mineralische Noten und etwas Würze, mittlere Tiefe und Dichte, sehr langer und nuancierte Nachhall. Ein gelungener Riesling, der aufgrund seiner Harmonie und Frische überzeugt. Die aktuellen Jahrgänge erscheinen mir aufgrund ihrer Komplexität und Stringenz noch besser.

92/100, jetzt bis 2020

Weingut von Racknitz Niederhausen Klamm, 2007

Deutliche Spontinote, dahinter eine quietschlebendige, ja noch jugendliche Frucht, erinnert an Abrieb von der Zitrone und Grapefruit, glockenklar und noch ein Baby, steinwürzige Mineralität und rote Beeren im Hintergrund. Am Gaumen von mittlerer Dichte, ungemein klarfruchtig, festes mineralisches Fundament von feuchten Kieselsteinen, fordernde wilde Säure, straffer Verlauf, etwas kompakt und verschlossen, dadurch wenig Tiefgang, ein wenig kurz und unruhig im Nachhall. Erneut ein toller Riesling von dem Weingut, der erst am Beginn seiner Entwicklung steht. Noch einige Jahre reifen lassen.

90-91+/100, 2017 – 2023

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Großes Gewächs, 2007

Vollständig geöffnetes Bukett mit Maracuja, Keks, reifen Steinfrüchten, mineralische Würze im Hintergrund, mittlere Tiefe. Am Gaumen zunächst kräftig und recht süß, Passionsfrucht, überreife Steinfrüchte im Antrunk, dann jedoch greift eine steinwürzige Mineralität ins Geschehen ein und zügelt Süße wie Dichte, dazu trägt auch eine lebendige und feine Säure bei, dadurch nimmt der Wein enorm an Fahrt auf und lässt sich animierend trinken, im weiteren Verlauf immer komplexer und vielschichtiger, diverse Kräuter, Röstaromen, Tabak, Stein, die Frische nimmt zu, sehr nachhaltig, sehr langer Nachhall. Bis zum Antrunk nicht auf dem gewohnten Niveau, aber dann geht die Post ab. Insgesamt bestätigt auch diese Flasche das ausgezeichnete Niveau der 2007er-Hermannshöhle.

92-93/100, jetzt bis 2022

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Großes Gewächs, 2007

Süßliche, leicht dropsige Frucht, Cassisblätter weisen auf die noch vorhandene Jugendlichkeit des Weines hin, mit der Zeit im Glas aufkommende Grapefruit, komplexe Kräuterwürze, zeigt Tiefgang an. Am Gaumen schlichtweg großartig, weil tief, konzentriert und trotzdem leichtfüßig, herrlich saftige Zitrus und Grapefruit im Antrunk, rote Äpfel, pikante Säurestruktur, festes mineralisches Fundament, erste Reifenoten, verliert hinten heraus leider etwas an Schwung, sehr langer und nuancierter Nachhall. Eine Magnum eine Woche später war noch deutlich besser, die Flasche war aber auch in diesem Zustand überzeugend.

92-93/100, jetzt bis 2025

3. Flight Rheinhessen

Weingut Wagner-Stempel Siefersheim Heerkretz Großes Gewächs, 2007

Drückendes Bukett von Apfelschalen, reifer Ananas, erste Reifenoten. Am Gaumen sehr kraftvoll mit süßem und öligen Auftakt mit Aromen von Maracuja und hochreifen Steinfrüchten, cremige Textur, fließt dicht und zäh über den Gaumen, dadurch für meinen Geschmack etwas anstrengend, zum Glück steht dem eine agile Säure entgegen, erdwürzige Mineralität, röstige Anklänge, ungemein nachhaltig, durchaus beeindruckend mit sehr langem und saftigen Nachhall, noch keine Reifenoten zu vernehmen. Stößt auf viel Begeisterung am Tisch, einige zücken eine große Bewertung. Mir fehlt es an Spiel und Beweglichkeit, aber aufgrund seines jugendlichen Eindruckes, könnte er noch an Feinheit gewinnen.

91+/100, jetzt bis 2020

Weingut Battenfeld-Spanier Nieder-Flörsheim Frauenberg Großes Gewächs, 2007

Tiefes Bukett mit Tabak, Zitrus, erdnaher Mineralität, markante Würze, reintönig. Am Gaumen mit überraschend dichter Struktur, ein wenig kompakt, dadurch noch nicht ganz geöffnete Frucht, die Säure zeigt guten Biss, festes mineralisches Fundament, auch hier viel Würze, hinten heraus tritt die Frucht deutlicher hervor, jugendlicher Eindruck, gute bis sehr gute Länge. Gefällt mir ausgesprochen gut, würde ich noch zwei Jahre liegen lassen.

91-93+/100, 2017 – 2025

Weingut Wittmann Westhofen Brunnenhäuschen Großes Gewächs, 2007

Das Brunnenhäuschen präsentiert sich ganz typisch im Duft: würzig, mineralisch, Schalen von Kern- und Steinfrüchten, tabakige Anklänge im Hintergrund, reintönig, sehr hochwertig. Am Gaumen glockenklar, ungemein fester und saftiger Auftakt, erneut Zitrusfrüchte, herrlich straffer Verlauf, packende Mineralität, komplexe Kräuter- und Röstaromen, grandioser Säurezug, zeigt Tiefe an, noch absolut jugendlich, guter Nachhall. Ein ausgezeichneter Riesling mit Potenzial für mehr. Bereits heute sein Geld wert, könnte sich aber noch weiter steigern.

92-93+/100, jetzt 2027

Weingut Keller Westhofen Abtserde Großes Gewächs, 2007

Was der Wittmann vielleicht in ein paar Jahren werden kann, ist Kellers Abtserde heute schon – schlichtweg groß. Glockenklarer, tiefer und fester Duft von jugendlichen, rotwangigen Äpfeln und Steinfrüchten, steiniger Mineralität, Krokant, Tabak, röstige Anklänge, wird Minute für Minute im Glas immer betörender. Am Gaumen reintönig wie ein Gebirgsbach, transparente Rieslingfrucht, messerscharfe Zeichnung, packende Mineralität, viel Steinsalz und Kreide, dazu erdnahe Würze, röstige Anklänge, bei aller Konzentration ist die Abtserde wie so oft fein und beweglich, das Gegenstück zum Morstein, führt mich in die Tiefe des Rieslings, sehr langer und fordernder Nachhall. Schlichtweg ein großer Riesling am Beginn seiner Trinkreife.

95+/100, jetzt bis 2030

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