Smaragde versus Große Gewächse (21.06.2008)

15 Rieslinge auf hohem Niveau wurden in der Bonner Weinrunde am 21. Juni 2008 aufgezogen. Smaragde und Große Gewächse traten gegeneinander an, um den beliebten Wettstreit Österreich gegen Deutschland auf unseren Gaumen auszutragen. Austragungsort war die Weinhandlung „Grün der Zeit“ in der Bonner Altstadt. Präsentiert wurden vier Flights — ein jeder mit Gewächsen vom selben Jahrgang aus beiden Nationen. Verkostet wurde — wie immer in der Weinrunde — blind. Aufgedeckt wurde nach den Flights.
1. Keller Riesling Hubacker Großes Gewächs, 2005
Dunkles Gelb im Glas, ein leichter Petrolton, schwelgerisches Bukett von eingelegten gelben Früchten und Melone, im Mund dicht und konzentriert mit opulenter Frucht und viel Druck am Gaumen. Die Säure ist saft. Insgesamt sehr aromatisch und opulent. Große Tiefe, langer Abgang. Großartig. (93 Punkte)
2. Hirsch Riesling Heiligenstein, 2005
Helles Gelb, Schiefernote in der Nase, grüner Apfel, kühl, etwas grasig. Im Mund schiefermineralisch, mit einer starken pikanten Säure, adstringierend, vielleicht sogar etwas gerbstoffhaltig. Dazu komplexe Kräuteraromen, guter Abgang. (89 Punkte)
3. Hirsch Riesling Gaisberg, 2005
Wieder eine Feuersteinnote, dazu weißer Pfirsich und Zitrustöne. Im Mund eine kühle frische Säure, milder als beim Heiligenstein, aber nicht so integriert. Auch wieder eine packende Mineralität. Insgesamt etwas unaufgeräumt, der Abgang ist etwas kürzer. Hat Potenzial, ist aber noch zu jung. (87 Punkte)
4. Keller Riesling Kirchspiel Großes Gewächs, 2005
Eine ungemein feine, tänzelnde, delikate Steinfruchtnote, vor allem von reifen Marillen, roter Grapefruit und milden Kräuternoten. Die Frucht wird gestützt von einer kühlen, filigranen Struktur von Mineralität und einer durchaus präsenten, aber weichen, integrierten Säure. Ein faszinierendes Spiel von schöner Extraktdichte und leichter Bitterstoffe. Der Abgang auf etwas niedrigerem Niveau, aber sehr lang. Wiederkennbar zum Hubacker, nur mit mehr Eleganz als Opulenz. (92 Punkte)
5. Rudi Pichler Riesling Terrassen Smaragd, 2001
Ein sattes dunkles Gelb, trotzdem grüne Reflexe. In der Nase etwas schwierig — sehr kräftig, kräuterig, etwas dropsig, erste Reifetöne. Eine etwas saure Kernfrucht, dazu leichte exotische Noten, Banane. Im Mund dominiert eine packende, schwere, aber runde Säure vor kompakten Frucht- und Pflanzenaromen. Wird hinten brandig. Hat aber gute Länge. Insgesamt etwas grob, saftig. Gut, aber anstrengend. (85 Punkte)
6. Reichsrat von Buhl Riesling Spätlese trocken Forster Pechstein, 2002
Zitronengelb, ein Bukett von gelber Steinfrucht, aromatische Kräuter, Kamille. Im Mund auch Ananas. Sehr schön cremige Frucht, aber zugleich kräftig, nussig, etwas herb. Weiche Säure, druckvoll am Gaumen. Wieder ein langer Abgang. (88 Punkte)
7. Dr. Bürklin-Wolf Jesuitengarten, 2001
Ein dunkles tiefes Gelb im Glas, intensives Bukett mit reifer Ananas und einer würzigen Honignote. Im Mund eine opulente gelbe Apfelfrucht. Schöne integrierte Säure, mineralisch, deutliche harmonische Reifetöne. Ungemein dicht. Hervorragend! (90 Punkte)
8. Hirtzberger Riesling Singerriedel Smaragd, 2002
Dichtes dunkles Gelb, zunächst leichte Firnisnoten, die aber verfliegen. Dann ein opulenter weißer Pfirsich und eine schöne Feuersteinnote. Im Mund ein atemberaubend dichtes Fruchextrakt und ein pulsierender, weit geöffneter Aromakern. Eine sanfte Mineralik, etwas rauchig, geröstete Torfnoten. Die Säure ist reif, der Wein auf dem Punkt. Zupackende Struktur, ungeheure Tiefe und Länge. (93 Punkte)
9. F.X. Pichler Riesling Loibener Berg Smaragd, 2002
Helles Gelb im Glas, in der Nase eine leichte, filigrane Birnearomen und frische Zitronennoten, auch etwas Alkohol in der Nase. Im Mund eine feine, strahlende Frucht auf einer weichen Säure. Etwas brandige Spitzen. Leisere, elegantere Aromatik, die Struktur ist nicht optimal integriert. (88 Punkte)
10. Ökonomierat Rebholz Riesling Kastanienbusch, 2003
In der Nase eine schlanke Frucht von Ananas- und Zitrusnoten. Auch im Mund eine filigrane Aromatik von reifen Zitrusfrüchten und milden Blumenkräutern. Wieder eine enorme Extraktdichte. Eine saubere integrierte Säure, die dem Wein schöne Transparenz gibt. Hinten brandige Spitzen. Insgesamt recht schlank und trocken, das optimale Große Gewächs zum Essen. (89 Punkte)
11. Nigl Riesling Privat, 2003
In der Nase weiße Blumen, Anflüge von exotischen Früchten. Im Mund deutlich Restzucker, Alkohol, auch im Aroma alkoholisch bitter und schal. Die Frucht wird überdeckt, es fehlt an Frische. Unverkennbar ein 2003er mit zu viel Sonne und zu wenig Säure. (83 Punkte)
12. Bründlmayer Riesling Heiligenstein, 2003
In der Nase eine verhaltene Steinfrucht und kühlende Kräuter. Auch hier wieder Restzucker und viel Alkohol. Breit und herb. Dieselbe Problematik, aber frischer und aromatischer als der Wein zuvor. (84 Punkte)
13. Dönnhoff Riesling Hermannshöhle, 2003
Filigranes Bukett mit einer schönen, ungemein schmelzigen, feinen Steinfrucht und frischen Zitrusanklängen. Im Mund spürbarer Restzucker, der aber durch eine tiefe, feingliedrige Säure und Mineralität gepuffert wird. Ein pulsierende, elegant geöffneter, fast opulenter Aromakern auf einer spielerischen Struktur, filigran, feinsaftig, schmelzig texturiert und komplex. Sehr lang. Großartig! (93 Punkte)
14. Breuer Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg, 1999
In der Nase eine frische Frucht von Steinobst und Mirabellen, Feuerstein, edle, etwas buttrige Reifetöne. Im Mund schöne integrierte Aromatik, ungemein schmelzig, ausgeprägte mineralische Aromatik am Gaumen. Die Säure ist lebendig und weich. Sehr lang. Auf den Punkt gereift.
(92 Punkte)
15. Emmrich-Knoll Riesling Ried Schütt Smaragd, 1999
In der Nase überraschend und unorthodox. Holundersirup, Lindenblüten, süße flüchtige florale Noten. Auch im Mund aromatisch, aber überraschend trocken. Entwickelt trotz seines Alters viel Druck am Gaumen. Komplex, tief, lang. Eleganz ohne Ende. (92 Punkte)
Berauscht von der durchweg gelungenen Probe, konnten wir uns am Ende nicht zurückhalten und öffneten noch einen Reparatur-Riesling von der Ersatzbank. Und wurden bestraft: Der Hirtzberger Riesling Singerriedel Smaragd 1997 hatte Kork. Wir schworen Abbitte und behalten eine fantastischen Abend in Erinnerung. Am Ende siegte Deutschland klar nach Punkten. Aber Österreich schlug sich ganz hervorragend. Der volle Dank gilt Steffen für die gute Idee, für die tolle Auswahl und für die atemberaubenden Weine!

Advertisements

Ein Kommentar zu “Smaragde versus Große Gewächse (21.06.2008)

  1. Pingback: Emmerich Knoll Riesling Ried Schütt Smaragd, 1999 « Nur ein paar Verkostungen …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s