Weingut Keller Riesling Kabinett -P- (Niersteiner Pettenthal), 2013

Keller Riesling Kabinett P, 2013 (100 von 1)Wer verstehen will, dass auch durchaus ein Kabinett in die Kategorie „Groß“ vorstoßen kann, der möge diesen Wein öffnen. Kabinett geht nach meinem Ermessen nicht besser, nur anders. Und nein, wir werden in keiner Weise von Weingut gesponsert. In der Nase riecht man am blanken Felsen, kühl, scharf gezeichnet, Orangenzesten, grüner Apfel, junger Weinbergspfirsich, alles sehr zart, ja filigran komponiert, bei aller Fruchtigkeit auch sehr ernsthaft, ein hochfeines Bukett, insgesamt noch in seiner Jugendlichkeit verwurzelt, aber dennoch groß. Am Gaumen fällt der Wein in keiner Weise ab, perfektes Süße/Säure-Spiel, filigran-tänzelnd läuft dieser Kabinett über den Gaumen, dabei vibriert die Säure, die Apfel- und Apfelsinnenaromen springen umher, alles tänzelt, alles in Bewegung, entsteht ein kurzer Eindruck von Süße, springt sogleich die Säure keck entgegen, dadurch aufregend animierend zu trinken, über den gesamten Verlauf wirkt dieser Kabinett wässrig, die Aromen intensive Essenzen, ohne jemals anstrengend zu wirken, der feste mineralische Kern ruht souverän im Hintergrund, verbreitet die notwendige Spannung, noch ist dieser Pettenthal nicht ganz aufgefächert, dafür betöhrt mich seine jugendliche Agilität, und so leert sich die Flasche in Windeseile. Ein grandioser Kabinett, wie ich ihn nur ganz selten erleben durfte.

Vom Weingut, 18,50 Euro, 95 Punkte (groß), jetzt bis 2030

 

Kühling-Gillot Riesling trocken Niersteiner Pettenthal Großes Gewächs, 2009

2009-KGPGG

Seit der Arrivage-Probe hatte ich diesen Wein nicht mehr im Glas. Umso mehr war ich voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit diesem Boliden. Kraftvoll schon in der Nase, aus dem Glase drückend Ananasaromen, ja auch ein Hauch von Christbirne. Hinzu kommen frische Zitrus-Aromen, die für ein wenig an beschwingter Balance sorgen. Deutet seine betonte Mineralität bereits hier an.

Üppig im Antrunk, mein Gott, was für ein Konzentrat. Der Gaumen sucht in leicht rezeptorischer Überlastung nach Erlösung — und findet diese in einer feinporigen Säure. Der Wein nimmt einen spannenden Verlauf auf, changiert zwischen betonter steiniger Mineralität, einer feinen Säure und der transparenten, sehnig-seidigen, gelben und hochkonzentrierten Frucht, die fast schon als ölig bezeichnet werden kann. Wärmender, mächter Stil.

Steiniges, gelbfruchtiges Finale, leider aber nicht ganz sauber, denn hier schmeckt man den Alkohol zum ersten Mal störend heraus. Bemerkt hatte ich ihn schon beim Antrunk. Deutlich mittellanges Finale.

Dieser Wein gewinnt, wenn man ihn ein bis zwei Grad kühler ins große Glas gibt. Ihn davor zwei Stunden in der Karaffe zu belüften, dankt er mit zusätzlichem Ausdruck, dann zeigt er zusätzlich dunkle Brotkruste und etwas Anis.

Was als Fazit bleibt? Ein Riesling für Freunde mächtiger Weine, absolut auch ein Wein, der in sich ruht wie ein Felsblock — leider aber sitzt der Fokus im Finale nicht perfekt, was dem reifen und durchaus warmen Jahr geschuldet sein dürfte. Wer hiervon mehrere Flaschen hat, darf guten Gewissens eine probieren — meine war jedenfalls voll zugänglich. Eile ist aber nicht angesagt.

Aus dem Fachhandel, 29 EUR, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018+