Riesling Große Gewächse 2011 nach fast vier Jahren Flaschenreife – Rheingau und Rheinhessen

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Nach dreieinhalb Jahren Flaschenreife hielten wir es für an der Zeit nachzuschauen, wie es um die großen Riesling-Gewächse aus dem Jahrgang 2011 steht. Den Anfang machten wir mit 20 Rieslingen aus Rheingau und Rheinhessen, und wir waren erstaunt, wie früh der Jahrgang schon zugänglich ist. Bei all ihrer Festigkeit öffnen sich sogar schon einige der Langstreckenläufer, ohne dass damit ihre Lebenszeit in der Zukunft begrenzt sein dürfte. Und einer unserer sonst üblichen Favoriten stellte uns vor ein Rätsel, das wir vorerst nicht gelöst bekamen. Wo die Weine stehen, könnt Ihr hier weiterlesen →.

Spätburgunder vom Weingut Schön aus Rüdesheim

Weingut Schön 3x Spätburgunder (1 von 1)Der nur 4 ha große Familienbetrieb hat sich in den letzten Jahren auf die Erzeugung von Spätburgunder aus den Rüdesheimer Steillagen konzentriert. Diese Spätburgunder liefen mir letztes Jahr zufällig über den Weg und liesen mich aufhorchen. Nun bestellte ich einfach drei aktuelle Weine, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheim Drachenstein, 2011
Kühles, mineralisch geprägte Bukett mit sauberer Pinot-Frucht, ist mit seiner reifen pflaumigen Frucht durchaus als deutscher Spätburgunder zu erkennen, zeigt sich aber ohne Überreife und klar. Am Gaumen mit guter Dichte, klar-fruchtiger Auftakt mit schöner steinwürzig mineralischer Note, dunkle Waldfrüchte und Pflaumen, läuft angenehm fokusiert über den Gaumen, ohne nervigen Holzeinfluß, die Säure zeigt Spiel und bringt die notwendige Frische in den Wein, hält sich aber ansonsten angenehm zurück, die Tannine sind reif, aufgrund der Jugend des Weines sind sie noch nicht ganz integriert, aber dies sollte in 2-3 Jahren der Fall sein, über den gesamten Verlauf durchaus harmonisch zu nennen, nicht sehr tief, ohne Hitze trotz 14 % vol, passabler Nachhall mit bitteren Noten.
Vom Weingut, 16,80 Euro, 84+ Punkte (gut), 2016 bis 2021

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2011
Vielschichtiger, noch unentwickelter Duft nach leicht dropsigen roten und schwarzen Waldbeeren, diverse getrocknete Kräuter, Nadelhölzer, Gräser, interessant, recht wuchtiger Eindruck. Am Gaumen deutlich kraftvoller als der Drachenstein, im Antrunk fällt sofort die Extraktsüße auf, intensiv-saftige rote Beeren im Auftakt, die Alkohol leicht wärmend, liegt aber noch gut im Rahmen, über den gesamten Verlauf zeigt der Wein eine hohe Fruchtkonzentration, die etwas zu weich geratene Süße zieht sich nur mühsam bis in den Nachhall hinein, mit stein-würziger Mineralität unterpuffert, vermutlich hat der Wein kein Neuholz gesehen, ob seiner Jugend noch nicht ganz harmonisch, gewisse Spannung, langer Nachhall, ein gelungener Spätburgunder, der sich noch ein Jahr beruhigen muss.
Vom Weingut, 17,00 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2025

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2012
Deutlich feinsinniger, aber noch recht unentwickelt kommt der 2012er-Schlossberg daher. In der Nase zeigt klare Anklänge von roter Johannisbeere, getrocknete Gewürze, Nadelhölzer, Schiefernoten, insgesamt nuaciert und kühl. Am Gaumen von hinreichender Dichte, herrlich gewogener Auftakt mit schönem Früchtespiel, wirkt sehr frisch, klar und ohne Breite und Überreife, deutlich mineralischer als der 2011er, die Säure steht höher und sorgt für einen straffen Verlauf, festes mineralischen Fundament, zieht sich hinten noch leicht zu, die Tannine sehr fein, langer, nuancierter Nachhall. Gelungen.
Vom Weingut, 17,80 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2016 – 2027

Besonders die Weine aus dem Schlossberg haben mir sehr gut gefallen. Welches Jahr man bevorzugt ist schlußendlich Geschmacksache. Wer eigentlich die burgundischen Vertreter bevorzugt, dem empfehle ich den 2012er. Zwar hat man auch hier ein aromatisch typisch deutschen Vertreter im Glas, jedoch mit klarer Frucht, ohne Holzeinfluß und übermäßiger Konzentration. Für diese Steillagen sind die Weine als günstig zu bezeichnen. An der Ausstattung könnte noch gearbeitet werden.

 

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

VDP Weinbörse 2015: Rheingau und Nahe

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Im zweiten Teil unseres Berichts von der VDP Weinbörse in Mainz geht es um die Rieslinge aus dem Rheingau und von der Nahe. Zumindest im ersten, ausgerechnet dem klassischsten aller Riesling-Gebiete, dem Rheingau, hat das Wetter 2014 erneut ordentlich zugeschlagen. Trotzdem, die Winzer haben vieles gutgemacht, uns hat so mancher Weine richtig gut gefallen. Überquert man den Rhein, ist alles anders – an der Nahe sind die Weine (wie fast jedes Jahr) blitzsauber, crisp, mineralisch, als gäbe es hier nichts anderes als immer nur das beste Wetter. In beiden Gebieten haben wir Rieslinge gefunden, die wir sehr gut empfehlen können. Weiterlesen →

Peter Jakob Kühn Riesling Spätlese Oestrich Lenchen, 2005

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Die großen trockenen Weine von Peter Jakob Kühn sind bekannt und polarisieren stark. Die restsüßen Weine aber haben einen Ruf, über den wenig gestritten wird. Der Ausdruck des Kühn-Stils mit Restsüße kann enorm sein. Man trinkt so etwas viel zu selten. Umso erfreulicher, dass noch diese Spätlese aus dem Jahr 2005 in meinem Keller schlummerte. Aus einem diffusen Gefühl heraus — immerhin stammt sie aus einem heißen, säurearmen Jahr, zudem ist sie mit einem Schrauber verschlossen — entschied ich mich, den Sonntagabend mit mir zu verbringen. Und war überrascht.

Im Glas ein schon etwas dunkleres sattes Zitronengelb. Die Nase ist sehr fein mineralisch. An Aromen weiße Steinfrucht, vor allem Nektarinen, dazu frisch geschnittene grüne Kräuter und eine, nicht wie sonst geradewegs aus dem Glas strömende, sondern hier nun ganz feine Tabakigkeit — fast als wenn der Wein versucht, sie zu verbergen. Im Antrunk spürt man sofort den Jahrgang. Viel Extrakt, viel Konzentration, viel Restzucker. Der Wein rinnt opulent und süß über die Zunge. Die Textur ist viskos, die Steinfrucht wirkt ungemein reif und aromatisch, dazu gesellt sich eine helle Honignote. Auch die Kräuter werden kräftiger, sie nehmen jetzt Thymian-Noten an. Vor allem aber schlägt die Tabakigkeit voll zu. Der Wein macht unmissverständlich klar, was seine Herkunft ist. Man vermeint die Kräuter zwischen den Kühnschen Rebzeilen zu schmecken, und den Kamillentee, den der Winzer seinen Pflanzen reicht. Der Wein ist eigensinnig, vor allem durch die Herbheit, mit der die opulente Süße gepuffert wird. Die Säure ist reif und weich, sie spielt hier keine Hauptrolle. Das Spiel setzt sich mehr aus der kräuterigen herben Note und der Süße zusammen. Interessant ist auch, wie sich der Wein im Mund aufbaut, nach der Süße setzt er sich Stück für Stück zusammen, ab der Mitte strömt eine mineralische Frische aus ihm heraus und am Ende verabschiedet er sich mit einem kühlen Hauch. Obendrein ist erfreulich, dass die für eine solche Spätlese satten 10 Prozent Alkohol sensorisch überhaupt nicht auffallen. Insgesamt ist dieser Wein mit seiner süß-kräuterigen Art, seinen Muskeln, der hohen Konzentration und der sanften, aber deutlichen Mineralität kein Eleganzwein. Er ist ein Erlebniswein, der unbedingt als Solist getrunken werden möchte. Und zwar bald, es kann gut sein, dass er nicht noch besser wird.

Vom Weingut, 18,50 EUR, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt ruhig trinken