Weingut Wagner-Stempel Siefersheimer Riesling „Vom Porphyr“, 2010

IMG_0337Der Porphyr ist so etwas wie mein Hauswein von Daniel Wagner, und er ist natürlich aufgrund seines Bodens eine Besonderheit. Dieses Vulkangestein neigt für meinen Geschmack gelegentlich zur übermäßigen Fülle, doch bei diesem Ortswein hatte ich bisher noch nie auf unangenehme Weise diesen Eindruck. Bereits auf der Arrivage-Probe konnte mich der 2010er überzeugen und nach nun vier Jahren Flaschenreife ist eigentlich nicht viel passiert – er überzeugt erneut. 2010 wird wohl immer ein Jahrgang bleiben, der unterschiedliche Eindrücke hervorbringt und über dessen Qualität sich trefflich streiten lässt. Auch dieser Wein steht unter Spannung, zwischen seiner Restsüße, seiner hoch stehenden Säure und der für den Jahrgang hohen Extraktdichte.

In der Nase finde ich eine jugendliche und reintönige Rieslingfrucht wieder, die Spannung aus 2010 wird sofort deutlich, kandierte Zitrusfrüchte, selbst in der Nase meine ich bereits salzige Noten zu erahnen, glacierte Apfelfrucht, glockenklare Steinfruchtaromen, noch sehr jugendlich anmutend und ein kompaktes, leicht reduktives Bukett. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, sehr saftiger und reintönig fruchtiger Auftakt, auf allen Früchten liegen grobe Salzkristalle. Trotz seiner vorhandenen Restsüße wirkt er sensorisch recht trocken, ein straffer, ja fordernder Verlauf, nichts für Fruchtliebhaber. Die packende Säure nimmt ihm seinen letzten Charme, dafür hat er einen herrlich erfrischenden Zug am Gaumen. Die heftige Extraktdichte des Jahrgangs wird deutlich, sehr nachhaltig, noch ein wenig verschlossen, trotzdem ein sehr guter Nachhall. Für mich ein weiterer gelungener, durchaus anspruchsvoller 2010er-Riesling, der jetzt genossen werden kann. Meine letzte Flasche werde ich allerdings noch fünf Jahre aufbewahren, im Wissen wie exzellent der Porphyr reifen kann.

Vom Weingut, 15 Euro, 90 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2022

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