VDP Weinbörse 2015: Rheinhessen und Mosel

Alle Jahre wieder ertönt der offizielle Startschuss für einen neuen Jahrgang auf der Weinbörse in Mainz – zumindest für die Winzer aus dem Verband deutscher Prädikatsweingüter. Dieses Jahr war es am 26. und 27. April soweit, den Vorhang zu lüften und zu zeigen, was die Weine des Jahrgangs 2014 zu bieten haben. Der VDP präsentierte sich erneut bestens organisiert, und von nahezu allen Verbandwinzer konnte der Besucher die aktuellen Kollektionen verkosten. Vorgestellt wurden die Gutsweine, die Ortsweine und ausgewählte Weine aus Ersten Lagen – also vornehmlich Weine, die entweder frisch abgefüllt sind oder in Bälde auf die Flasche kommen.

Wir waren gespannt, denn 2014 eilte ein der Ruf als schwierigster Jahrgang seit langem voraus. Das Wetter schlug Kapriolen. Eine in allen Weinbaugebieten sensationell frühe Blüte, frühe Hitze, ein nasser Sommer und über das Jahr verteilt so ziemlich alles, was ein Winzer nicht braucht. Aber so schlimm war es dann doch nicht, zumindest nicht überall. Viele Winzer mussten stark selektieren, im Herbst spielte dann aber vielerorts das Glück mit. Wer vor dem großen Regen ab Mitte Oktober die Ernte eingefahren hatte, konnte auf eine gute Lese zurückblicken, mit warmen Tagen, weniger Feuchtigkeit als befürchtet und gut temperierten Nächten. Im Ergebnis bieten die Weine ein bisschen weniger Extrakt als 2013 und auch etwas weniger Säure; in ihrer Art sind sie immer noch saftig und nachhaltig, aber feiner, ausgewogener und etwas leichter im Alkohol. So zumindest dort, wo man den schwierigen Jahrgang gut und mit genügender Reife der Trauben in den Keller einbringen konnte.

2014 war ein schwieriges Jahr mit aufwendigem Kampf gegen Wetter, Schädlinge und Fäulnis, somit gibt es Unterschiede zwischen den Anbaugebieten. Wir – das sind Thorsten Mücke (TM, Franken und Pfalz), Guido Müller (GM, Rheingau und Nahe) und Rainer Kaltenecker (KA, Mosel und Rheinhessen) – nahmen uns die für den Riesling wichtigsten Gebiete vor und wollen hier davon berichten. Dabei geht es uns nicht darum, die geschmacklichen Profile im Detail aufzuzeichnen, diese werden sich eh noch stark ändern, wenn Ruhe in die Flaschen kommt. Interessant und aussagekräftig ist die Jungwein-Verkostung vor allem, um einen groben Eindruck davon zu bekommen, welchen Charakter der Jahrgang hat und wie die Weingüter ihn auf ihre Weise zum Ausdruck bringen. Den Anfang macht die Weine aus Rheinhessen und von der Mosel. Weitere Artikel gibt es zu den Gebieten → Rheingau und Nahe und → Pfalz und Franken.

Rheinhessen

In Rheinhessen konzentrierte ich mich ausschließlich, mit wenigen Ausnahmen, auf die trockenen Rieslinge. Die Eindrücke fielen gemischt aus, so wie auch die klimatischen Bedingungen in Rheinhessen sehr unterschiedlich waren. Die Rieslinge zeigen den Charme des Jahrganges, sind im Schnitt etwas leichter und zugänglicher als im Vorjahr ausgefallen. Die Eindrücke waren aber sehr unterschiedlich.

Battenfeld-Spanier

Das Weingut präsentierte dieses Jahr gewohnt klare, schlanke, rassige Riesinge, natürlich ohne jede Botrytis. Einer der wenigen Betriebe, bei denen mir die Weine dieses Jahr noch besser gefielen als 2013, einfach weil sie noch mehr Schliff zeigen. Insgesamt eine starke Kollektion. Bereits der Riesling trocken, der Gutswein, ist durchaus feinsinnig mit animierender klarer Frucht und gutem Zug am Gaumen. Der Eisbach Riesling trocken, der gehobene Gutswein, ist in der Aromatik etwas ambitionierter, recht trocken ausgebaut (ca. 3 Gramm Restzucker) und für Freude von mineralischen Rieslingen zu empfehlen. Die beiden Ortsweine liegen bei 5-6 Gramm Restzucker und präsentieren sich sehr unterschiedlich, aber beide sehr gut. Der Hohen-Sülzen Riesling wird geprägt von einer steinigen Mineralität, ziehender Säure und klarer Steinfrucht, schon heute überaus animierend zu trinken. Die Mineralität im Mölsheim Riesling erinnert an Rauch und Asche, erdige Anklänge, reife, aber straffe Steinfrucht mit tropischen Note, die Säure heute noch nicht ganz eingebunden, muss noch etwas reifen. Hier kann man diesen Jahr eigentlich jeden Riesling uneingeschränkt empfehlen.

Kühling-Gillot

Auch Kühling-Gillot präsentierte sich typisch. Die Spontannoten kommen hier viel deutlicher zum Vorschein, dazu sind die Weine auch körperreicher. Alle Rieslinge, selbst der Gutsriesling Qvinterra, werden von einer weiteren Flaschenreife profitieren. Bereits im Qvinterra Riesling meine ich die Kraft des roten Hangs zu spüren, die reifen gelben Früchte werden heute noch von einem deutlichen Sponti_Ton überlagert, ein insgesamt sehr guter Gutsriesling. Auch die beiden Ortsweine waren typisch und sehr gut, wobei ich dieses Jahr den Nackenheim Riesling bevorzuge, zumindest in diesem Entwicklungsstadium. Glockenklare, gelbe Früchte, am Gaumen dicht, ohne Breite, saftige Früchte über den gesamten Verlauf, herrliches Säurespiel, guter Zug, animierender Trinkfluss. Der Nierstein Riesling muss sich noch entwickeln, hier überlagert der Sponti-Ton die Aromen. Am Gaumen viel Rauch, Flint, ruppige Säure, verschlossene Frucht, wirkt sauber und gelungen, aber braucht es etwas Geduld. Auch hier zeigt sich die Stilistik des Hauses sehr gut, kräftige Rieslinge, mit viel Säurespiel und einer tiefen Mineralität, auch hier ohne jede Botrytis. Ebenfalls eine durchaus gelungene Kollektion.

K. F. Groebe

Das Weingut Groebe präsentierte dieses Jahr eine eher passable Kollektion. Hier steigt man am besten bei den Ortsweinen ein, wobei der etwas höhere Preis für den Westhofen Riesling „Alte Reben“ zu empfehlen sind, denn hier kann der Riesling zeigen, was er kann. Er duftet reintönig nach Zitrus, schon Anklänge an Kalksteinen, am Gaumen noch etwas süß, aber die Säure spielt herrlich auf, guter Zug am Gaumen, hinten heraus könnte die Frucht noch etwas klarer gezeichnet sein. Ansonsten hatte ich meine Probleme, allen voraus mit dem Riesling trocken, der mir gerade mal 78 Punkte entlockte, weil ihm Harmonie und Klarheit fehlt. Er wirkt fast sauer, auch der feinherbe Riesling „1763“ zeigte eine verwaschene Frucht, weiß aber trotzdem zu überzeugen. Der einfache Westhofen Riesling weiß zu gefallen, ansprechende Mineralität, saftige Frucht, florale Noten, hinten treten vegetabile Noten auf. Im Gesamten könnten die Weine aber alle etwas feiner und verspielter wirken.

Gunderloch

Hier tut sich was. Die Rieslinge wirkten dieses Jahr viel schlanker und trockener als in den Vorjahren. Man bemüht sich augenscheinlich um einen anderen Weinstil. Dies gilt vorrangig bei den Ortsweinen, die jeweils nur um die 1 Gramm RZ haben. Die Weine wirken dadurch frisch und geradlinig, aber in ihrer Ausrichtung noch nicht ganz klar. Frucht und Säure spielen nicht harmonisch, die mineralischen Noten wirken ein wenig kantig. Die Weine überzeugen aber mit einem vitalen Säurespiel, einer klaren, jugendlichen Frucht, ggf. werden diese Rieslinge von mehr Flaschenreife profitieren, heute kam ich nicht über 84 Punkte hinaus. Der Riesling trocken war gut und noch in der Tradition des Weingutes gehalten, sprich geprägt von reifen gelben Früchten, wahrnehmbarer Restsüße, jedoch nicht übertrieben, ein wenig simpel vielleicht. Viel besser die Spielwiese Riesling „Als wärs ein Stück von mir“, ein Riesling mit langer Maischestandzeit, der ohne jede Schönung abgefüllt wird und mir heute am besten gefallen hat. Das Bukett bietet Rauch und Jod, Kreidestaub, dazu passt die gelbe Frucht ganz ausgezeichnet, am Gaumen fällt die höhere Restsüße von 5,5 Gramm nicht sonderlich auf, sie gibt dem Wein aber eine feine Cremigkeit. Er ist schon heute herrlich unangestrengt zu trinken, ist sehr gewogen und bietet eine sehr gute Qualität für alle, die neben einer saftigen Frucht auch eine deutliche rauchige Mineralität schätzen. Der Trend hin zu lyrisch/literarischen Wein-Bezeichnungen haben wir hoffentlich bald hinter uns. Die Entwicklung auf dem Weingut ist sehr zu begrüßen und man darf auf die nächsten Jahre gespannt sein. Eine weitere Qualitätsverbesserung erscheint aber notwendig, um wieder an alte Zeiten anzuknüpfen.

Wagner-Stempel

Erneut eine schöne Kollektion hat Wagner-Stempel abgefüllt. Bei den Gutsweinen gefällt mir der Silvaner trocken wie so oft besser als der Riesling. Er ist wie immer geradlinig, schlank und rassig. Der Riesling trocken ist natürlich gut gemacht, aber wenig aufregend. Das ändert sich dann bei den beiden Ortsweinen. Ja, seit diesem Jahr gibt es hier endlich zwei davon. Neben dem überzeugenden Riesling Siefersheim Porphyr, der gewohntermaßen in seiner Jugend immer ein wenig sperrig und unzugänglich ist, kommt der Riesling Fürfeld Melaphyr hinzu. Dieser stammt vom gleichen vulkanischen Gestein, das in dieser Lage aber an der Luft getrocknet ist und nicht im Untergrund. Das führt der Lehre nach zu einem kräuterwürzigen Rieslingstil. Davon konnte ich noch nichts finden, vielleicht liegt es an der jungen Rebanlage. Für mich duftete der Wein nach Blüten, jugendlichen, sehr feinen Kern- und Steinfrüchten, dahinter feuchte Kieselsteine, sehr animierend, am Gaumen saftige Fruchtigkeit, zupackende Säure, glockenklare Aromatik, sehr stimmiger Verlauf, nicht sonderlich tief oder komplex, aber ein betont feiner Riesling. Heute würde ich den Melaphyr öffnen, in zehn Jahren den Porphyr, bei dem sich auch die 2014er-Ausgabe ausgezeichnet entwickeln dürfte. 2013 gefällt mir mit seiner Rassigkeit aber noch besser.

Weingut Winter

Die Kollektion von Winter war nicht mein Fall. Die Weine wirken getrimmt auf eine übermäßige Fruchtigkeit, wobei mich die Frucht mehr an Limonade und Weingummi erinnert, was natürlich der Jugend geschuldet sein kann – ich habe aber auch die Reinzuchthefen im Verdacht. Die Weine wirken doch sehr gemacht. Mir fehlt es hier an Harmonie und Natürlichkeit. Dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Rieslingkollektion, wobei der Riesling Geyersberg Großes Gewächs 2013 mit seiner Kräuterwürze und Mineralität sehr gut ist, der Riesling Leckerberg Großes Gewächs 2013 war ebenfalls immer noch von einer künstlich wirkenden Frucht bestimmt. Alle Rieslinge fallen weiterhin kräftig aus.

Weingut Wittmann

Anschließend ging es weiter zu Wittmann und da wurde der Unterschied sehr deutlich. Hier präsentierte sich der Guts- sowie der Ortsriesing sehr harmonisch, klar, mit Tiefgang. Was Wittmann bereits als Gutswein abfüllt ist einfach stark, der Riesling trocken war für mich der beste Gutswein an dem Tag. Viel Zug am Gaumen, angehend komplexe Rieslingfrucht, glockenklar, fordernde, verspielte Säure, steinwürzige Mineralität und schöne Länge. Viel Wein fürs Geld. Der Westhofen Riesling bewegt sich nochmals deutlich darüber, vielschichtige, ansprechende Mineralität, die Säure springt umher, wirkt fein und reif, herrlicher Zug am Gaumen, noch etwas ruppiger Abgang, braucht einige Jahre der Reife um sich zu entwickeln, dann vielleicht sogar ausgezeichnet. Bei Wittmann gibt es ein schlankes, aber klares Programm. Nur einen Guts- und einen Ortriesling ohne irgendwelche wilden Etiketten, ohne Fantasienamen, dafür aber mit umso mehr Qualität in der Flasche. Für mich der überzeugendste Auftritt, bei dem sich der Kunde auch ohne Mühe im Sortiment zurecht findet.

Mosel-Saar-Ruwer

Nach der Verkostung von zahlreichen 2014er-Rieslingen bleibt die Mosel für mich ein Gebiet, dass seine Stärken im fruchtsüßen Bereich hat. Nirgendwo sonst ist das Potenzial für großartige Kabinette und Spätlese größer als hier. Und es sind auch 2014 einige hervorstechende Beispiele vorhanden, insgesamt aber hätte ich mir mehr versprochen von dem Jahrgang. Gewiss, die Umstände waren alles andere als einfach, aber viele Kabinette und Spätlesen dürften trotzdem gerne noch etwas mehr Spannung haben, wilder, ungezähmter wirken. Das ist keine Sache des Wetters, sondern des Weinstils. Die Mosel muss aufpassen, dass sie in ihrer Kernkompetenz nicht die Spitzenposition an andere Anbaugebiete verliert, man probiere nur mal den Kabinett Felseneck von Schäfer-Fröhlich. Richtig gut dieses Jahr fand ich die Kollektion von Peter Lauer, dessen Rieslinge genau diese Spannung innewohnt, ebenso die fruchtsüßen Weine von Fritz Haag.

Forstmeister Geltz-Zilliken

Die Rieslinge von Zilliken wirkten gewohnt sehr fein und leichtfüßig mit klarer Frucht, einer reifen, bereits heute schön integrierten Säure. Natürlich stehen die restsüßen Prädikate aus dem Rausch wieder ganz oben, irgendwie war bei mir aber bei 88+ Punkten aber das Ende der Fahnenstange erreicht. Bei den trockenen Weinen wünschte ich mir am Gaumen etwas mehr aromatische Ausdruckskraft und Länge. Bei den fruchtsüßen gefiel mir der Zilliken Butterfly Riesling feinherb sehr gut, seine 16 Gramm Restzucker sind ihm kaum anzumerken, er wirkt in Frucht und Säure besonders gewogen, großer Trinkfluss. Sein Pendant, der Saarburg Riesling feinherb, wirkt sogar noch trockener, obwohl er im Zucker nur ein Gramm darunterliegt, dafür ist er heute nicht ganz so animierend zu genießen, aber sechs Monate Flaschenreife sollte es richten. Der Saarburg Riesling Kabinett ist für Zilliken überraschend süß ausgefallen, die Säure bringt aber viel Schwung hinein, ein Lecker-Wein für die Terrasse, aber nicht ganz so fein. Deutlich ernsthafter dann der Riesling Kabinett Rausch, die Riesling Spätlese Rausch und die Riesling Auslese Rausch, die ich von ihrer aromatischen Tiefe auf vergleichbarem Niveau sehe, wobei sich die Auslese noch günstig entwickeln kann. Alle drei sind feinsinnige, leichte Rieslinge per excellence, denen es am Gaumen hinten raus für meinen Geschmack aber etwas an Zug und Nachhall fehlt.

Von Hövel

Die trockenen Weine konnten mich dieses Jahr nicht sonderlich überzeugen, dafür boten sie aromatisch einfach zu wenig. Der Riesling feinherb mit 17 Gramm Restzucker ist einen Versuch wert, auch dieser hat noch schlanke Statur, er zeigt eine feine Rieslingfrucht und lebendiger Saarsäure. Bei den restsüßen Weinen wurde es erst ab der Spätlese erst richtig schön. Die Kabinette präsentierten sich zu schlank, wobei mir der Riesling Kabinett Hütte noch deutlich besser gefiel als der Riesling Kabinett Scharzhofberg, der heute komplett verschlossen war. Die Riesling Spätlese Hütte ist mir etwas zu süß, aber mit lebendigem Säurespiel und klarer Aromatik. Hier ist keine Sorge angesagt, denn diese Spätlese wird in zehn Jahren ihre Süße abgemildert haben und dürfte sich dann auf sehr gutem Niveau präsentieren. Großartig dann der Versteigerungswein Riesling Spätlese Hörecker mit einer komplexen und feinsinnigen Riesingfrucht, federleichter Struktur, die Säure tänzelt, salzige Anklänge, mineralische Basis, eine hochfeine, mustergültige Spätlese von der Saar. Zu blöd, dass das richtig gute Zeugs in die Versteigerung geht und damit wohl ins Ausland.

Peter Lauer

Eine tolle Kollektion trocken wie restsüß. Der Ortswein Ayl Riesling trocken präsentierte sich sehr gut, deutliche Kräuterwürze, viel Substanz und Tiefe, grandioses Säurespiel, feinsinnig und pikant, sehr lange am Gaumen verweilend. Auf vergleichbaren Niveau der Ayl Unterstenberg Riesling trocken. Mit seinen 13 Gramm Restzucker ist er zwar nicht mehr ganz trocken, aber verbietet sich jede sensorische Süße, viel Tabak, Kräuter und eine salzige Mineralität fallen auf, Zug am Gaumen, lang. Bei den gelungenen restsüßen Weinen stach besonders die Riesling Auslese Kupp hervor. Das ist eine mustergültige Saar-Auslese mit pikanter Säure, einer hochfeinen Frucht, steinwürziger Mineralität, die Aromen spielen lebhaft miteinander, dabei bleibt der Wein jederzeit leichtfüssig. Für mich 90+ Punkte. Eine ausgezeichnete Kollektion!

Van Volxem

Die Weine waren allesamt noch sehr verhalten und es mangelte ihnen an Ausdruck. Besonders der Saar-Riesling trocken ist ein eher einfacher Vertreter seiner Zunft, jedoch mit einer klaren Frucht, schlanker Statur, die Säure markant, aber noch gut eingebunden, nicht sonderlich individuell. Der Wiltinger Braunfels Riesling trocken wollte so gar nicht, gedecktes Bukett, am Gaumen schlank, kantig und unrund, dürfte sich aber noch entwickeln. Der Riesling trocken „Alte Reben“ zeigt einen Hauch mehr Konzentration an, viel Rauch und getrocknete Kräuter, klare, wenig aufregende Rieslingfrucht, noch unentwickelt, gute Länge.

Fritz Haag

Aus Zeitgründen probierte ich hier nur die fruchtsüßen Weine. Allesamt von sehr guter bis ausgezeichneter Güte. Der Riesling Kabinett Brauneberg ist erstklassig mit seinen klaren Steinfrüchten, duftiger Mineralität und einem herrlich rauschenden Säurespiel. Er wird seinen Höhepunkt aber erst in einigen Jahren erreichen. Die Riesling Spätlese Juffer Sonnenuhr  bewegt sich dann auf ausgezeichnetem Niveau, rauchig, tropisch, hochfein, herrliches Säurespiel, klar wie ein Gebirgsbach, ungemein beweglich am Gaumen, zeigt Tiefe und Nachhall an. Schon heute ein Genuss, aber auch Potenzial für viele, viele Jahre. Das gleiche gilt für Riesling Auslese Juffer Sonnenuhr, die in ihrem aromatischen Ausdruck der Spätlese entspricht, aber süßer ist. Die Säure geht aber auch im Gleichschritt mit, und somit herrscht auch hier Harmonie pur. Mir würde die Spätlese genügen, aber das ist reine Geschmackssache.

Grans-Fassian

Die beiden trockenen Rieslinge präsentierten sich unterschiedlich, aber sehr ansprechend. Der Mineralschiefer Riesling trocken ist ein sehr sauberer Riesling mit klassischer Moselaromatik, die Schieferwürze prägnant und gut mit der Frucht verwoben, guter Trinkfluss, erstaunlich lang. Der Riesling Alte Reben „L“ wirkt etwas kräftiger, eine komplexe, saubere Rieslingfrucht mit tropischem Einschlag, rauchig-kräuterwürzige Mineralität, sehr saftig im Mund, ein Tick trockener, packendes Säurespiel, guter Nachhall. Empfehlung!

Schloss Lieser

Tja, ich liebe die Weine von Lieser seit vielen Jahren, kaufe sie regelmäßig, und so befinden sich gute Bestände davon in meinem Keller. Ob dieses Jahr in meinen Keller wandert, weiß ich noch nicht. Der Jahrgang 2014 konnte mich nicht überzeugen. Ohne Frage sind die Weine gut gemacht, wie immer mit sauberer, klarer Rieslingfrucht ohne jede Botrytis. Dieses Jahr wirken einzelne Weine jedoch ein wenig gezähmt. Die vier SL-Rieslinge sind gut, aber nicht sehr aufregend – solide Rieslinge mit klarer Moselzeichnung, aber es fehlt ihnen alle eine besondere Note und etwas Tiefgang. Den Riesling Kabinett Juffer empfand ich überraschend süß, noch mehr aber den Riesling Kabinett Wehlener Sonnenuhr, hier hatte ich schon feinere Kabinette im Glas. Es zeigen sich aber auch schöne Noten nach Grapefruit und Zitrus. Die Säure ergibt bei beiden Kabinetten ein schönes Spiel. Versöhnlich stimmte mich dann die Riesling Spätlese Juffer Sonnenuhr. Hier zeigt sich dann das erwartete Spiel, die vielschichtige Fruchtaromatik spielt schön mit einer prägnanten Mineralität, wässriger Ansatz, dadurch ungemein beweglich und bereits heute herrlich zu trinken. Die Riesling Auslese Niederberg Helden zeigt sich dann ebenfalls sehr gut mit ihrer typisch rauchigen Mineralität, grandioser Trinkfluss, eine luftige, tänzelnde Auslese, moderate Süße, harmonischer Gesamteindruck, viel Zukunft.

(Autor: Rainer Kaltenecker)
 
 
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