Wachau 2008 – Riesling und Grüner Veltliner

Wachau 2008 (1 von 1)
Von ihrer schönsten Seite zeigte sich uns die Wachau während unserer vier Tage Ende August. Die Sonne schien fast durchgängig, die Nacht sorgte mit einem sanften Wind und etwas Regen für die nötige Abkühlung, und so stiegen wir jeden Morgen erfrischt auf unsere Fahrräder und radelten zu Jameks Gästehaus, um im idyllischen Obstgarten das ausgezeichnete Frühstück zu genießen.

Ziel unserer Reise war aber nicht nur die Kulturlandschaft der Wachau, sondern ihre einmaligen Weißweine. Sieben Weingüter und deren aktuelle 2008er Kollektion der Rieslinge und Grünen Veltliner (GV) standen auf dem Programm.

2008 meinte es der Wettergott nicht gut mit den Wachauern-Winzern. Hagel, sintflutartige  Regenfälle, hartnäckiger Nebel trieben Sorgenfalten auf die Stirn und die Peronospora (Falscher Mehltau) in den Weingärten voran. Fortwährende, äußerst penible Arbeit in den Rieden war über das gesamte Jahr von Nöten. Das Schlechtwetter hielt über das gesamte Jahr mehr oder weniger an, und so schritt die Zuckerbildung in den Beeren nur mäßig voran. Im Oktober tat sich bei den Öchslegraden so gut wie überhaupt nichts. Ein quälendes Nervenspiel. Einige hielten stand und brachten erst Ende November die letzten Trauben für die Smaragde in den Keller. Die Erträge waren gering, aber die Qualität dafür um so besser. Dank der ungewöhnlich langen Reifezeit der Trauben an den Rebstöcken wurden teilweise eine besonders hohe physiologische Extraktdichte ohne sonderlich hohe Zuckerwerte erzielt. Das Ergebnis sind für die Wachau einmalig leichte Weine, meist liegt der Alkoholwert um 1% niedriger als sonst, bei gleichzeitig zum Teil sehr dichten, an Aroma und Tiefe reichen Weinen. Viele von ihnen präsentieren sich schon jetzt sehr schön, manche sind freilich noch arg verschlossen. Der Grüne Veltliner scheint weiter zu sein als der Riesling. Aufgrund der hohen Extraktdichte dürfte den Weinen ein großes Entwicklungs- und Alterungspotenzial bevorstehen.


Weingut Jamek, Joching

Jamek Unterkunft (1 von 1)Auf Jamek war ich besonders gespannt. Seine Weißburgunder können von einmaliger Eleganz sein. Der 2008er war noch sehr jung, zeigte sein großes Potenzial aber bereits an. Die Grünen Veltliner machen schon jetzt fast alle richtig Spaß, während die Rieslinge noch ein wenig verschlossen wirken. Gerade der Top-Wein aus der Riede Klaus bereitete uns dabei die meisten Probleme, er war noch gänzlich im Tiefschlaf. Überzeugt hat uns die Vielfalt der Stilistiken, die Jamek allesamt sehr präzise komponiert. Das hat sich aber bereits schon weit herumgesprochen und so gibt es hier kaum noch Schnäppchen.

1. GV Ried Marienfeld Steinfeder – 82 Punkte (gut)
Präsente Nase, feine Fruchtaromen, etwas grüne Paprika, schönes Säurespiel, saftig, cremiger Touch, weißer Pfeffer, gewisse Tiefe, macht Spaß.

2. GV Stein am Rhein Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Sehr präsente Nase, schönes Früchtebukett nach Marille, Melone und Apfel, feine Mineralik, die sich auch im Mund fortsetzt, Zitrusnoten, trockene Stilistik, präsente Säure, schöner, intensiver Abgang.

3. GV Ried Achleithen Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Weniger Frucht in der Nase, dafür um so mehr Kräuter, etwas Muskat, eigenwillig aber interessant, im Mund sehr präsent, eigenwillige, trockene Stilistik, schöne Mineralik, langer Abgang – kein typisches GV-Federspiel, aber sehr gut gemacht.

Jamek Weinkeller (1 von 1)

4. GV Ried Lichtenberg Smaragd – 88+ Punkte (sehr gut)
Verhaltene Nase, etwas Apfel und feine Kräuterwürze, cremige Mineralik, recht komplex, am Gaumen intensive Pfefferaromen, sehr saftig und reintönig, hat Dichte und Tiefe, feine Säure, ausgezeichnet – nur der etwas indifferente Abgang stört, wird sich wohl noch geben.

5. GV Ried Achleithen Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
Wirkt präsenter als der Lichtenberg – schöner Duft von Melone und jungen Kräutern, im Mund fällt eine kleine Zuckerspitze auf, voller Körper, reife Melone, etwas Ananas, grüne Paprika, Walnuss, ein wenig weißer Pfeffer und Mirabelle, langer, interessanter Abgang mit feinen Lakritznoten – noch sehr jung, aber hervorragend!

6. Riesling Jochinger Berg Federspiel – 83 Punkte (gut)
Ungewöhnlich floraler Duft nach Veilchen, etwas Zitrus, erinnert nicht an einen Riesling, im Mund recht schlank, die Säure ist etwas spitz, die Aromen der Nase zeigen sich auch hier und gefallen, im weiteren Verlauf auch ein wenig Steinfrucht und mineralische Noten, recht langer Abgang.

7. Riesling Jochinger Pichl Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Ahh, Riesling – typische Nase nach Steinfrüchten, etwas herbe Kräuteraromen, im Mund saftig, dicht, fast breit, intensiver Geschmack nach Steinfrüchten, schöne Mineralik und jugendliche Säure – üppiger Spaß im Glas.

8. Riesling Ried Klaus Federspiel – 81 Punkte (gut)
Blumige Nase mit intensiven tropischen Aromen, Stachelbeere, wirkt noch sehr jung, im Mund etwas vordergründig, fast parfümiert, wieder Veilchen, Ananas, reife Zitrusnoten, bricht hinten etwas weg – gefällt uns nicht ganz so gut.

Jamek Weinkeller 2 (1 von 1)

9. Riesling Ried Klaus Smaragd – 86+ Punkte (sehr gut)
Der Topwein des Gutes und wir kommen nicht richtig klar damit – vielleicht ist er noch zu jung. In der Nase viel Cassis, Holunderblüten, kräftige Gewürzaromen, Nelke, Sternanis, wirkt parfümiert, im Mund alkoholisch, fett, ähnliche Aromen wie in der Nase, hat durchaus Tiefe und Komplexität, wirkt aber komplett zu und unharmonisch, keine Ahnung wie sich das entwickeln wird – zwei Jahre in den Keller legen.

10. Riesling Freiheit Smaragd – 91+ Punkte (ausgezeichnet)
Zum Schluss wurden wir versöhnt: Grandios intensive Nase nach Pfirsich, junger Aprikose, etwas Mirabelle, dahinter leicht süßliche Tabaknoten, Rauch und kandierte Zitronen, im Mund sehr präsent, wuchtig, voller Körper ohne breit zu wirken, schon voll da, knackige Säure, Mineralität mit Biss, leicht rauchig, hohe Extraktdichte, langer, vielschichtiger Abgang – ein toller Riesling mit großem Potenzial.


Rudi Pichler, Wösendorf

Vielleicht mit Ausnahme des Riesling Smaragds aus der Riede Achleithen hat Rudi Pichler eine ganz eigene Interpretation der Wachauer Weine gefunden. Sie sind sehr feingliedrig, stahlig, mit glockenklarem Früchtebukett und oft mit kreidiger Mineralität. Die Säure ist prägnant, jedoch ungemein feinporig. Weine für Puristen, mit nerviger Eleganz und Struktur, aber allemal mit viel Spannung und der nötigen Intensität.

Rudi Pichler (1 von 1)

1. GV Steinfelder – 83 Punkte (gut)
Die Nase zurückhaltend, recht schlank, klare, frische Frucht mit jungen Äpfeln und ein Hauch weißer Pfeffer. Wirkt im Mund etwas weiter entwickelt, guter Körper, sehr sauber vinifiziert – einer der besten Basis-Weine unserer Reise. Für 7 Euro bekommt man hier einen ausgezeichneten GV.

2. GV Federspiel – 86 Punkte (sehr gut)
Komplexe, fast tiefe Nase nach vielfältigen Früchten. Im Mund ein schöne Pfeffernote, etwas Wacholder, Marille, sehr saftig, hohe Extraktdichte, dadurch kompakt, aber sehr exakt komponiert. Erneut eine sehr gute Basisqualität.

3. GV Terrassen Smaragd – 84+ Punkte (gut)
Leichte florale Noten überraschen, eine Winzigkeit Waldboden gibt dem Weine insgesamt eine dunkle Note, wirkt noch unentwickelt. Im Mund noch ziemlich verschlossen, wild, hefige Noten, die Säure steht heute noch daneben. Sicherlich ein Wein mit Potenzial, aber die Entwicklung ist schwer abzuschätzen (und mir fehlt auch die Erfahrung beim GV). Zum Glück hatte Rudi Pichler noch einen 07er zur Hand und der zeigte das mögliche Potenzial des Weins. Trotz allem war uns der Wein noch immer zu schlank, schöne tabakige Noten, und die Frucht trat nun deutlicher zum Vorschein (87 Punkte).

4. GV Wösendorfer Kollmütz Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
Deutlich besser gefällt mir der Kollmütz. Er repräsentiert am besten die gesamte Stilistik von Rudi Pichler. Sehr klar, feingliedrig, aber auch verspielt. Die Nase trotz ihrer Jugendlichkeit (wieder etwas Hefe) zeigt ihr Potenzial schon schön an. Intensive Melange aus floralen und pilzig-erdigen Noten, dazu frische Äpfel und ein Hauch weißer Pfeffer. Im Mund feingliedrige Fruchtaromen vom gelbem Apfel, junger Melone, etwas Steinfrucht, sehr saftig, die jugendliche Säure ist recht wild, aber anregend, langer, verspielter Abgang.

5. GV Hochrain Smaragd – 89 Punkte  (sehr gut)
Der Wein schein in seiner Entwicklung bereits weiter als die übrigen. Die Nase gefällt aufgrund der leicht cremigen Mineralität, intensive Fruchtaromen, kandierte Zitrone, hat Tiefe und Substanz. Am Gaumen auch schön, hält aber nicht ganz, was die Nase verspricht. Wirkt sehr ausgewogen, ein Maul voll Wein (für Pichler), fruchtig, saftig, wieder cremige Mineralität, schöner langer, nicht sonderlich komplexer Abgang. Der Spaßwein von Rudi Pichler.

6. Riesling Federspiel – 80 Punkte (gut)
Sehr verhalten, florale Noten, heftig Säure im Mund, hefig, wirkt doch ein wenig einfach.

7. Riesling Terrassen – 83 Punkte  (gut)
Deutlich besser, weil ordentliches Früchtebukett, etwas dichter, im Mund eine schöne Steinfrucht, sehr sauber, gewisse Dichte, noch sehr jung und etwas unharmonisch.

8. Riesling Steinriegl Smaragd – 88 Punkte (sehr gut)
Ahh, Riesling. Komplexe Nase, mit schönen Muskat-Noten, neben dem schönen Früchtekorb, bestehend aus Pfirsich und Aprikose. Im Mund überaus animierend, hat Kraft, fast Strenge, aber auch Fülle, schöne kreidige Mineralität, guter Abgang mit Spannung und vitaler Säure. Klasse!

9. Riesling Kirchweg Smaragd – 89+ Punkte (sehr gut)
Neben dem Achleithen fällt auch der Kirchweg ein wenig aus der Reihe. Er präsentiert sich etwas weicher mit rauchiger Mineralität, etwas Jod und kaum Frucht in der Nase. Sehr kompromisslos, aber sofort überzeugend. Im Mund auch primär Mineralik, dunkle Noten von Waldboden, Jod und zart nussigen Noten, wirkt noch sehr jung und unentwickelt. Ein Wein für Fortgeschrittene.

10. Riesling Achleithen Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
In der Nase tropische Noten, saftige, weiche Fruchtaromen, cremige Mineralik, noch leicht verhalten. Ich muss mich kurz umsehen, ob ich noch bei Pichler bin. Im Mund überaus saftig, aber auf den Punkt vinifiziert. Glockenklare Rieslingfrucht, feinste Gerbstoffe, ordentlich Druck am Gaumen, tolle rauchig-cremige Mineraliltät, die sich bis zum tollen Abgang durchzieht. Ein ausgezeichneter Wein mit großem Entwicklungspotenzial. Trotz des Preises von 32 Euro bereits ausverkauft. Schade.


Weingut Hirtzberger, Spitz

Hirtzberger Eingangsportal (1 von 1)Am Freitag morgen um 10 Uhr führte uns Frau Hirtzberger bei strahlendem Wetter mit großer Begeisterung und Kunde durch ihre Weingärten. Direkt hinter dem Haus erhält man einen großartigen Blick auf die Rieden Honivogl und Singerriedel. 2008 muss besonders hier eine gewaltige Herausforderung gewesen sein, umso erstaunlicher die Ergebnisse im Glas. Hirtzbergers Weine brauchen Zeit zur Entwicklung und so zeigen sich die 2008 allesamt noch viel zu jung und wirken überaus zurückhaltend und unausgebildet, jedoch ist ihr Potenzial bereits klar zu erkennen.

1. GV Donaugarten – 82 Punkte (gut)
Schöne, einfache Fruchtaromen, etwas Pfeffer und einen Hauch kräuterwürzige Mineralität. Im Mund erstaunlich trocken, erstaunliche Aromen von sauren Äpfeln und Zitronen, vitaler Säure, kein Schlemmerwein, der so manchen unbedarften Weinfreund verschrecken dürfte.

2. GV Rotes Tor Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Ganz leichte Botrytis-Nase, hat gewisse Tiefe und Komplexität, schöne junge Birne, etwas Honig. Im Mund deutliche Pfeffernote, schöne Tabaknote, wieder etwas Birne, wirkt sehr konzentriert und kompakt. Guter Abgang. Sehr guter Federspiel für 12 Euro, der schon jetzt schön zu trinken ist.

3. GV Roten Tor Smaragd – 88+ Punkte (sehr gut)
Gleiche Handschrift, jedoch noch eine Spur tiefer und straffer, dabei aber auch sehr geschmeidig. Dasselbe im Mund, nur mit breiter aufgefächertem Früchtespiel nach Birne und gelbem Apfel. Dazu noch eine feine stahlige, kräuterwürzige Mineralik. Sehr langer und konzentrierter Abgang. Einfach nur schön, aber mit 21 Euro auch fast doppelt so teuer.

4. GV Axpoint Smaragd – 88+ Punkte (sehr gut)
Der Axpoint ist ganz anders. In der Nase bereits eine kreidige Mineralität, junge Steinfrüchte und ein Hauch grüne Paprika. Im Mund ganz anders, eher wuchtig, fast opulent, heftiger Druck am Gaumen, wirkt noch ungezähmt, aber sehr trinkanimierend, ausladend Küchenkräuter, reife Mirabelle, kräftige Säure, sehr langer Abgang von rauchig-tabakiger Stilistik. Ein Wein, den man nicht so schnell vergisst. Leider ausverkauft.

5. GV Honivogel Smaragd – 92+ Punkte (ausgezeichnet)
Ein Stufe noch darüber der Honivogel. Er wirkt wie eine gelungene Melange von Axpoint und Rotem Tor. In der Nase zunächst Birne und Apfel satt, sehr konzentriert und dicht. Im Mund explodieren förmlich die Fruchtaromen, daneben feinste Säure, etwas Gerbstoffe und eine grandiose Mineralität, die den grandiosen Abgang bis zum Schluss belebt, um schlussendlich auf der Zunge zu schmelzen — nur um eine cremige Melonenfrucht in der Mundhöhle zu hinterlassen. Macht süchtig. Der Winzer sorgt für Entzug, da komplett ausverkauft. *heul*

Hirtzberger Weingarten (1 von 1)6. Riesling Steinterassen Federspiel – 83+ Punkte (gut)
Die Nase zurückhaltend nach jungen Steinfrüchten und feine Mineralik. Im Mund noch sehr verschlossen, wilde Jugendlichkeit mit heftiger Säure, liegen lassen.

7. Riesling Setzberg Smaragd – 87+ Punkte (sehr gut)
Schlanke, überaus elegante Nase mit jungem Pfirsich, Aprikose, sehr fein gezeichnet. Im Mund verschlossen, wieder junger Pfirsich, Limette und Grapefruit, zusammen mit der derzeit lebhaften Säure noch etwas zu unruhig, hat aber Tiefe und Kraft, der Abgang bricht aufgrund der fehlenden Entwicklung ab. Liegen lassen, hat großes Potenzial.

8. Riesling Hochrain Smaragd – 89+ Punkte (sehr gut)
Wirkt in seiner Entwicklung insgesamt weiter. Präsente Nase nach Mandarine, cremiger Mineralik, ein Touch tropische Noten. Auch am Gaumen fast opulent, schon sehr präsent, sehr dicht, cremige Steinfrüchte und Mineralik, vitale Säure, langer Abgang.

9. Riesling Singerriedel Smaragd – 93+ Punkte (ausgezeichnet)
Grandiose Riesling-Nase, unheimlich tief, komplex und kraftvoll, trotzdem noch unentwickelt, zeigt klar die typische Singerriedel-Stilistik mit dunklen Aromen nach Waldboden, Jod und Rauch an. Im Mund noch ungestüm, resche Säure. Er lässt aber einen ersten Blick in den unheimlich tiefen Abgrund zu. Die Mineralik dunkel, geheimnisvoll mit festem Biss. Hohes Fruchtextrakt. Wunderbares Spiel von Fruchtaromen, Waldpilzen und rauchiger Mineralik, umgarnt von einem Hauch Boytritis. Ganz großartig. Fünf Jahre weglegen.Hirtzberger Schatzkammer (1 von 1)


Weingut Prager, Weissenkirchen

Abgesehen von den Federspielen, die etwas schlank ausgefallen sind, präsentierte uns Toni Bodenstein vom Weingut Prager ein ganz ausgezeichnetes Sortiment. Jeweils sechs unterschiedliche GV- und Riesling-Smaragde füllt Prager ab. Ziel der Bodensteins ist es jeweils den eigenen Charakter der unterschiedlichen Rieden der Wachau herauszustellen. Mir waren die Weine weitestgehend unbekannt und umso größer war mein Erstaunen über die unterschiedlichen Facetten der Weine. Die besten GV´s der Reise.

1. GV Hinter der Burg Steinfeder – 83 Punkte (gut)
Schöner, einfacher Terassenwein, der Spaß macht. Schon jetzt sehr präsent, fruchtbetont, cremige Aprikose, gute Säurestruktur, im Abgang einfach und kurz.

2. GV Liebenberg Smaragd – 88 Punkte (sehr gut)
Intensive, fruchtige Nase. Im Mund wieder intensive Frucht (Melone, Apfel), ein Touch Honig, cremige Mineralik, körperreicher Wein, schönes Säuregerüst, langer Abgang.

3. GV Zwerithaler Smaragd – 88 Punkte (sehr gut)
Wieder intensive Nase, aber eher von den Sekundäraromen bestimmt, Schwarzbrot, rauchige Mineralik, etwas Puderzucker und eine feine Tabaknote. Im Mund setzt sich die Nase fort, auch wieder fast opulenter Wein, schon sehr harmonisch, ausgezeichneter Abgang.

4. GV Achleithen Smaragd – 91+ Punkte (ausgezeichnet)
Der Achleithen folgt einem ähnlichen Entwurf wie der Zwerithaler, ist aber etwas femininer gezeichnet, auch tropische Aromen geben ihm eine ganz eigene Note. Im Mund weniger opulent, dafür sehr saftig, reintönig, mit prickelnder Säure und ein noch bessere Abgang. Der Zwerithaler in Vollendung. Ausgezeichneter Wein!

5. GV Wachstum Bodenstein Smaragd – 92+ Punkte (ausgezeichnet)
Noch mehr Potenzial sehe ich bei diesem Wein. Er zeigt sich zwar heute noch zurückhaltend, dürfte aber in 2-3 Jahren richtig Furore machen. Die Nase ist äußerst fein gezeichnet – Essenz der Birne mit jungen Äpfeln, ein Touch Botrytis und etwas Traubenzucker, tief, kraftvoll und präzise. Im Mund fällt zunächst die enorme Extraktdichte auf. Der Wein gräbt sich in die Zunge ein, sehr tief und komplex, prickelnde Säure, Feuerstein und Jod. Der Abgang ist lang und komplex mit schönen Tabaknoten am Ende.

6. GV Stockkultur Achleithen Smaragd – 94+ Punkte (ausgezeichnet)
Die Krone setzte zum Schluss der Wein aus einer speziellen Partielle des Achleithens auf, in der noch immer die Stockkultur (Einzelpfahlerziehung) praktiziert wird. Der Wein wirkt noch ein Stück intensiver und überzeugt mit seinem komplexen Aromenspiel und seiner zupackenden, abgrundtiefen Mineralik. Ein Höhepunkt unserer Reise. Großes Entwicklungspotenzial für viele Jahre, könnte ein großer Wein werden!

7. Riesling Steinriegl Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Schon sehr präsent, intensiver Pfirsichduft, der sich im Mund fortsetzt, vitale Säure, frisch, klar mit gutem Abgang.

8. Riesling Kaiserberg Smaragd – 89+ Punkte (sehr gut)
Zurückhaltende herbe, leicht zitrusbetonte Nase. Im Mund überraschend präsent, wieder feine Zitrus und tropische Noten, hohe Extraktdichte, guter Druck am Gaumen, knackige Säure, rauchige Mineralik, schöner, vielschichtiger Abgang mit fein verwobenem Früchtebukett; eher schlanker Wein mit der Betonung auf Mineralik und Filigranität.

9. Riesling Hollerin Smaragd – 88+ Punkte (sehr gut)
Das Gegenteil zum Kaiserberg, der Hollerin. Ein Maul voll Frucht. Jegliche Zurückhaltung wird aufgegeben (wenn gleich der Wein natürlich noch sehr jung ist), eine ganze Kiste voller Aprikosen und Pfirsiche, knackige Säure und intensiver Mineralik. Ein Wein für Fruchttrinker.

10. Riesling Steinriegl Smaragd – 87 Punkte (sehr gut)
Der nächste Wein ist für Liebhaber säurebetonte Rieslinge. Ein fein komponierter, fast femininer Wein mit Anklängen nach Cassis, weißem Pfirsich, Schiefermineralik und einem Hauch florale Noten. Auch im Mund die schwarze Johannisbeere und die Mineralik, eher schlank, mit knackiger Säure, die für einen langen und erfrischenden Abgang sorgt.

11. Riesling Achleithen Smaragd – 89+ Punkte (sehr gut)
In der Nase gelbe Früchte, feuchte Kieselsteine, florale Noten. Am Gaumen kraftvoll und saftig. Zunächst viel Mineralik, klare Steinfrucht, etwas Flieder. Der Abgang sehr lang und sauber. Es bleibt eine betörende Aprikose im Mund stehen. Klasse.

12. Riesling Klaus Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
In der Nase flüssiges Jod, feinporige Mineralik, kühl-zurückhaltende Stilistik, sehr spannend. Im Mund kann der Wein die Spannung halten. Frisch geschnittene Gräser, Mineralik pur, Feuerstein und feuchte Kieselsteine fallen mir ein. Zum Abgang hin kommt eine schöne glockenklare Frucht von Pfirsich und Apfel zum Vorschein. Riesling für Anspruchsvolle. Keine Ahnung, wo die Reise hingehen wird, aber ein paar Flaschen landen in meinem Keller. Einer der spannendsten Weine der Reise.

13. Riesling Wachstum Bodenstein Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
Auf gleichem Niveau dieser Wein, aber konventioneller. Schon etwas weiter entwickelt. Sehr komplexe Nase nach feinen tropischen Zitrusfrüchten, feinster Mineralik und Anklänge von Mirabelle. Im Mund ist die erste Assoziation rosa Grapefruit, Limettenblätter und da ist sie endlich, die Marille. Der Abgang bietet mit einem Touch von dunkler Schokolade nochmals eine besondere Eigenheit, wäre aber auch ohne sehr lang und komplex.


Emmerich Knoll, Loiben

Knoll Gartenbank (1 von 1)Zum Abschluss des Tages verbrachten wir noch eine überaus gemütliche und entspannte Verkostung im Innenhof des Weingutes Knoll. Emmerich Knoll höchstselbst lud uns auf seine Gartenbank ein, und über zwei Stunden verkosteten wir seine aktuelle Kollektion. Mit großer Gelassenheit, Bescheidenheit und Fachkenntnis führte er uns in seine Weinphilosophie ein, immer mit einer Spur Ironie und Skepsis über aktuelle Tendenzen in der modernen Weinwelt. Es war ein besonderes Erlebnis, ganz so wie der 2008er Jahrgang, der in Form von zahlreichen Flaschen vor uns auf dem großen Holztisch stand. Besonders die Rieslinge haben es uns angetan. Schon jetzt zeigen sie ihre ganze Komplexität und Tiefe an. Für Knoll sind sie vergleichsweise schlank ausgefallen, besitzen aber dennoch eine enorme Kraft und Dichte. Eindeutig die besten Rieslinge unserer Reise, mit einem alles überragenden Schütt an der Spitze.

1. GV Federspiel – 83 Punkte (gut)
Kräftige Nase nach Melone und weißem Pfeffer. Im Mund recht einfache gelbfleischige Fruchtaromen, mit leichter Mineralik, im Abgang wieder leichter Pfeffer, schöner Terrassenwein.

2. GV Ried Kreutles Federspiel – 85 Punkte (sehr gut)
Wirkt etwas komplexer und tiefer als der erste Wein, cremige Mineralik, etwas Melone und kandierte Zitronen. Im Mund eine Spur dichter, mit schöner Säurestruktur, mittellanger Abgang, macht Spaß.

3. GV Ried Kreutles Smaragd – 87 Punkte (sehr gut)
Die Nase beim Smaragd deutlich tiefer und opulenter. Kräftige, cremige Mineralik, erinnert an Maracuja-Creme, etwas Melone. Präsent am Gaumen, sehr saftig und dicht, ist schon voll da, die Säure ist vital, der Abgang mittellang.

4. GV Ried Schütt Smaragd – 89+ Punkte (sehr gut)
Intensive Nase nach Äpfeln und Pfirsich, eine rauchige Mineralik und feuchte Tabakblätter. Im Mund sehr präsent, hat Wucht und Opulenz, robuste Säurestruktur, reife Zitrusfrüchte, Äpfel und Melone. Noch gänzlich unentwickelt, lässt aber keinen Zweifel an seinem Potenzial.

5. GV Vinotheksfüllung Smaragd – 93+ Punkte (sehr gut)
Abgrundtiefe, mineralische Nase, extreme Konzentration, noch ganz jung, juckt in der Nase, Mirabelle, Honignoten. Im Mund ebenso extrem intensiv, opulent, heftige Mineralik, intensive Melonenfrucht, weißer Pfeffer, Traubenzucker, sehr langer, komplexer Nachhall, rassige Säure und leichte Gerbstoffe, noch gänzlich unentwickelt, aber schon jetzt ein grandioses Erlebnis.

Knoll Weinkeller (1 von 1)6. Riesling Ried Loibenberg Federspiel – 84 Punkte (gut)
Bereits das Federspiel ist überzeugend. Knackige Mineralik, glasklare junge Steinfrüchte. Im Mund reintönig, saftig, schon jetzt voll da, für einen Kabinett intensiv und trotzdem ein leichter Terrassenwein, vitale Säure, kreidige Mineralik gepaart mit kräftigen Fruchtaromen im knapp langen Abgang.

7. Riesling Ried Pfaffenberg Federspiel – 85+ Punkte (sehr gut)
Verhaltene Nase, etwas strengere Stilistik, Kräuterwürze, ein Hauch florale Noten, etwas Steinobst und karge Mineralik. Im Mund mit überraschender Fülle, aber mit weniger Frucht im Vergleich zum Loibenberg, wirkt aber sehr fein komponiert, ein Wein für Liebhaber von filigraneren Weinen. Gute Säurestruktur, wieder knapp langer Abgang.

Knoll aktuelle Kollektion (1 von 1)

8. Riesling Ried Loibenberg Smaragd – 93+ Punkte (ausgezeichnet)
In der Nase wie im Mund wirkt dieser Riesling großartig balanciert. Vom Duft über den Antrunk bis hin zum sehr langem Abgang zeigt der Wein ständig neue Facetten. Mal will er seine ganze Kraft und Opulenz zeigen, unmittelbar darauf begeistern die komplexen mineralischen Noten, seine feine, vitale Säure und ätherische Noten von Heu, Trockenkräutern, jungen Steinfrüchten, weißen Blüten. Obwohl der Wein noch mit all seinen Bestandteilen kämpft, hätten wir kein Problem sofort hemmungslos die ganze Flasche zu leeren. Großartig!

9. Riesling Ried Kellerberg Smaragd – 93+ Punkte (ausgezeichnet)
Ebenso großartig, aber von ganz anderer Art der Kellerberg. Er zeigt sich zunächst deutlich verschlossener als der Loibenberg. Noch leicht hefige Nase, sehr frisch, Zitrusnoten, knackige Mineralität, nach einer Weile im Glas auch florale Noten und tropische Früchte (Ananas). Im Mund ebenso zurückhaltend, aber sehr dicht und kompakt. Die Frucht tritt deutlich hinter die Mineralik zurück, kandierte Zitrusfrüchte, Stachelbeere, tropische Noten,  getrocknete Kräuter, rassige Säure, sehr langer Abgang.

10. Riesling Ried Schütt Smaragd – 95+ Punkte (groß)
Noch intensiver und präziser als die beiden Vorgänger. Verwirrende Komplexität, abgrundtiefe Mineralik, ständig wandelnde Fruchtaromen, wunderbare Sekundäraromen wie Tabak, Jod, Feuerstein, ein großer Riesling. Punkt.


Weingut Schmelz, Joching

Mit tollem Ausblick auf die naheliegenden Weingärten kann man hier die Weine verkosten. Heute ist viel los, und der Junior scheint nicht immer ganz bei der Sache, aber das vermindert ja nicht die Qualität der Weine. Wir verkosten die ganze Kollektion, hier soll aber nur von den Rieslingen und den Grünen Veltlinern die Rede sein. Die GV´s, angeführt vom Steinertal, der aktuell am meisten von seinem Potenzial zeigt, gefallen mir mit ihrem sauberen, filigranen Früchtebukett deutlich besser als die Rieslinge. Ihnen fehlt es mit Ausnahme der Dürnsteiner Freiheit an Struktur und Dichte.

Bei Schmelz (1 von 1)

1. GV Tom Federspiel – 83 Punkte (gut)
Kräuterherbe Nase, Muskat, verhaltene Frucht; im Mund sehr trocken, stahlig, eigenwillige, aber nicht uninteressante Stilistik, wieder wenig Frucht und viel Kräuter, kann sich in wenigen Monaten wandeln.

2. GV Steinwand Federspiel – 84 Punkte (gut)
Klassische, leicht verhaltene GV-Nase, am Gaumen noch sehr jung, deutliche Pfeffernote, tropische Füchte, knapp mittelanger Abgang, ordentlich.

3. GV Pichl-Point Steinfeder – 83 Punkte (gut)
Opulente Nase, reifer Apfel. Ebenso präsent im Mund, opulentes Bukett nach reifen Äpfeln und Melonen; ein Wein, der Spaß macht, aber recht gemacht wirkt.

4. GV Loibner-Gärten Steinfeder – 84+ Punkte (gut)
Der beste GV-Federspiel, noch recht verhalten, hat aber Spiel, eine feine Mineralik und besitzt eine gewisse Dichte und Tiefe, guter Abgang, noch unentwickelt.

5. GV Pichl-Point Smaragd – 88 Punkte (sehr gut)
Sehr schöne intensive GV-Nase, Apfel, Melone, leichtes Pfefferl, schöne Würze; im Mund nicht ganz trockene Stilistik, hat Kraft und Dichte, saftig und volle Frucht, guter Abgang, schöner Einstieg für gehobene Weinliebhaber.

6. GV Loibnerberg Smaragd – 89 Punkte (sehr gut)
Wirkt etwas verschlossener, aber ein Hauch kompakter und tiefer als der Pichl-Point; mürber Apfel, dunkle Mineralik, Birne, Apfel, sehr guter Abgang mit Druck und gewisser Spannung, schönes Säuregerüst.

7. GV Steinertal Smaragd – 90+ Punkte (ausgezeichnet)
Spannungsgeladene Nase, intensive Mineralik, hat Tiefe und Kraft, sehr feine Stilistik mit leichten Toastnoten, die sich sehr gut mit den vorhandene Fruchtaromen verbinden. Im Mund fällt zunächst die dunkle Mineralik auf, fein komponierter Früchtestrauß, filigran-präsente Säure, langer Abgang, hat Eigenständigkeit, ausgezeichnet!

8. GV Höhereck Smaragd – 86+ Punkte (sehr gut)
Ein Rätsel der Höhereck, oder einfach noch im Tiefschlaf? Zunächst eine recht präsente Nase mit viel Frucht, grasigen Noten, wirkt recht klassisch, aber schon jetzt leicht indifferent, die einzelnen Komponenten stehen irgendwie nebeneinander, haben sich nicht viel zu erzählen. Dieser Eindruck setzt sich auch im Mund fort. Die Säure recht markig, steht abseits, eher tropisch-exotische Noten, er zeigt viele Komponenten, aber ohne Harmonie. Zur Zeit nicht so gut wie erwartet. Potenzial kann ich kaum beurteilen, da ich den Wein zum ersten Mal im Glas hatte.

9. Riesling Wachauer-Weingebirge Federspiel – 84 Punkte (gut)
Sehr intensive Nase, hat Spiel und Finesse, mit Drang zur Opulenz, tropische Früchte, am Gaumen ähnlich mit etwas Cassis und klassischer Steinfrucht, mittlerer Abgang. Gutes Preis-Leistungsverhältnis!

10. Riesling Tom Federspiel – 83 Punkte (gut)
Vergleichbar mit der 9, jedoch etwas zurückhaltender, ein Touch Kräuter, im Mund verstärkt Kräuter, leider grüne Noten im Abgang, etwas kurz.

11. Riesling Stein am Rhein Federspiel – 85+ Punkte (sehr gut)
Kreidige Mineralik in der Nase, klare Steinfrucht, hat Biss und Rasse. Im Mund noch sehr jung, rassige Säure, hat Tiefe und Dichte und zeigt Potenzial, feine Gerbstoffe, knapp langer Abgang. Sehr gut!

12. Riesling Steinriegel Smaragd – 87+ Punkte (sehr gut)
In der Nase Zitronen, jodige Noten, Traubenzucker, Aprikose, kraftvoll, verspricht viel, was er leider im Mund nicht ganz halten kann. Sicherlich hat er ein gewisses Spiel, ordentliches Säure-Früchte-Spiel auf trockenem Spätlesen-Niveau, aber nicht sonderlich tief oder komplex, noch jung und kann sich noch entwickeln, ein wenig teuer.

13. Riesling Dürnsteiner Freiheit Smaragd – 88+ Punkte (sehr gut)
Etwas besser der Riesling aus der Freiheit durch mehr Tiefe und auch Eigenständigkeit. Die Nase geprägt von reifen Pfirsichen, dunkler Mineralik und noch etwas Schwefel, der aber rasch verfliegt. Im Mund saftig, schon sehr präsent, weiße Johannesbeeren, rassige Säure, aber mit schönem weichen Schmelz, guter Abgang, wieder nicht ganz tief.


Weingut Tegernseerhof, Mittelbach

Einer der wenigen bekannteren Weingüter, das nicht der „Vinea Wachau“ angehört, da bis vor kurzem wesentliche Weingärten bei Rohrendorf liegen und diese bereits zur Krems zählen. Diese Lagen werden aber zukünftig nicht mehr ausgebaut, und so wird auch dieser Betrieb wohl bald dem elitären Verein angehören. Von den Lagen seiner Weingärten hat der Betrieb allemal die Qualität, und endlich sind die Lagen auch auf dem Etikett vertreten. Die Weine gefallen uns sehr gut, erreichen aber noch nicht ganz die Klasse der großen Betriebe. Die Riesling sind noch sehr jung, scheinen aber ein gutes Potenzial zu haben. Da sind die GV´s schon weiter, denen noch ein wenig die Tiefe fehlt, die sich aber trotz allem sauber, mit großem Trinkspaß und variantenreich präsentieren. Insgesamt ein abwechslungsreiches Programm zu teilweise sehr günstigen Preisen. Ein Besuch lohnt sich!

1. GV Dürnsteiner Feder Kabinett – 80 Punkte (gut)
Leicht fruchtige Nase nicht sonderlich ausdrucksstark; am Gaumen junge Apfel- und Birnenfrucht, ordentlicher Abgang, insgesamt aber etwas dünn.

2. GV Frauenweingarten Kabinett – 83 Punkte (gut)
Präsente Nase mit blumigen Aromen, ein Touch Zitrus, leicht exotische Nuancen, recht verspielt. Im Mund deutlich dichter als der erste Wein, viel Frucht, gute Säurestruktur, macht Spaß, bricht hinten leider etwas weg.

3. GV Superin – 84+ Punkte (gut)
Intensive Nase mit gewisser Tiefe, Melone, Apfel, feine Pfeffernote und ein Hauch von kreidiger Mineralik. Im Mund vielschichtige Aromen, fruchtdominiert, feinporiger Mineralik, noch jung, gewisse Tiefe, ordentlicher Abgang.

4. GV Steiner Pfaffenberg Spätlese – 86 Punkte (sehr gut)
Reife Nase mit fleischigen Früchten wie Melone, Apfel und Birne. Am Gaumen saftig, reintönig, zart exotische Fruchttendenz, zeigt Dichte und Tiefe, eher schlanke Stilistik, knapp ordentlicher Abgang – für Eleganztrinker.

5. GV Loibenberg Spätlese – 88+ Punkte (sehr gut)
Markante, sehr intensive Nase, sehr reintönig, feine Melone und Bergamotte. Im Mund eher tropisch, sehr dicht, kompakt, fast breit, dunkle Mineralik, ein Touch Alkohol, langer Abgang, lebhafte Säure – der Gegensatz zum Pfaffenberg.

6. GV Höhereck Spätlese – 89+ Punkte (sehr gut)
Bester GV der Verkostung, kratzt an der 90 Punkte-Marke. Vereint im Mund wie in der Nase Kraft und Eleganz – noch sehr jung, zeigt aber seine Tiefe und Feinmaschigkeit bereits an. In der Nase Puderzucker, dunkle Birnen- und Apfelaromen, sehr opulent. Im Mund vollmundig, sehr extrakdicht, ohne jegliche Breite, perfekte Säure, knapp langer, spannungsgeladener Abgang. Noch zwei Jahre liegen lassen.

7. Riesling Terrassen Kabinett – 85 Punkte (sehr gut)
Einer der besten Kabinette der Reise. Der Wein wirkt perfekt abgestimmt und bietet alles was, man sich von einem Kabinett wünscht: glasklare Steinfrucht, feinste Zitrusaromen, feinperlige Säure und ein ordentlicher Abgang. Toller Wein für unter 10 Euro.

8. Riesling Steiner Pfaffenberg – 85+ Punkte (sehr gut)
Junge, hefige Nase, kreidige Mineralik, eher schlank mit präsenter Pfirsichfrucht. Am Gaumen eine leichte Schwefelnote, Steinfrüchte, Ananas, Limetten, auch eher wieder schlank und stahlig, aber insgesamt gut gemacht, sehr guter Abgang mit karger Mineralik. Kein Gaumenschmeichler, eher ein Wein für Puristen.

9. Riesling Loibenberg Spätlese – 86+ Punkte (sehr gut)
Eher von der dunklen Seite kommt der Loibenberg daher. In der Nase wirkt der Wein schon etwas weiter, aber trotzdem noch jung. Spannende Melange aus feinen Cassis und Pfirsich-Noten, intensiv dunkle Mineralik, Waldboden. Im Mund die dem Loibenberg eigene Kräutrigkeit, feine Zuckerspitze, weißer Pfirsich, etwas Mirabelle, hat Eigenständigkeit, es fehlt ihm noch an Dichte. und der Abgang ist enttäuschend kurz. Erst mal noch weglegen.

10. Riesling Steinertal Spätlese – 88+ Punkte (sehr gut)
Eindeutig der beste Riesling! Kristallklare Fruchtaromen von Cassis, Bergamotte und Steinfrucht, feine Kräuteraromen, frisch geschnittenes Gras und karge Mineralik, all das macht die Nase zu einem besonderen Erlebnis. Im Mund noch unentwickelt, zeigt aber Potenzial an. Sehr mineralisch, prickelnde Säure, Jod, Essenz vom weißen Pfirsich, hat Kraft, Dichte und Eleganz zugleich. Wenn sich der Wein wie gewünscht entwickelt, sicherlich ein Kandidat für 92-93 Punkte.

11. Riesling Kellerberg Spätlese – 86+ Punkte (sehr gut)
Der formal beste Wein des Hause enttäuscht dagegen ein klein wenig, oder ist er bereits im Winterschlaf? Nase und Mund zeigen sich sehr verschlossen und indifferent. Die einzelnen Bestandteile stehen nebeneinander und der Wein scheint mir wenig Eigenständigkeit zu haben. Sicherlich ein sehr guter Tropfen, aber die Lage verspricht mehr. Aber vielleicht verstehe ich den Wein auch einfach nicht.



Ein Besuch in der Wachau lohnt sich! Auch Abseits der großen Weine ist diese einmalige Kulturlandschaft ein Erlebnis. Die Unterkunft bei Jamek können wir unbedingt empfehlen. Dort gibt es auch die richtigen Tipps für die kulinarische Versorgung, denn auch beim Essen bietet die Wachau Spitzenqualitäten, eben ein wahres Paradies für anspruchsvolle Nasen und Gaumen. Der 2008er Jahrgang kann insgesamt sehr empfohlen werden. Grüne Veltliner und Riesling präsentieren sich auf sehr hohem Niveau, wobei die Smaragde eine Klasse für sich sind. Meine Favoriten sind eindeutig Prager, Hirtzberger und Knoll, wobei meine nächste Wachau-Reise mich auch zu F.X. Pichler führen wird. Ab sofort stehen die Wachauer fest auf meiner jährlichen Einkaufsliste. Zum Wohle!



Bester Riesling:
Weingut Emmerich-Knoll, Schütt Smaragd – 95+ Punkte (groß), 28 Euro

Bester Grüner Veltlliner:
Weingut Prager, Stockkultur Achleithen Smaragd – 94+ Punkte (ausgezeichnet), 31 Euro

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5 Kommentare zu “Wachau 2008 – Riesling und Grüner Veltliner

    • Leider kam es nicht zu einem Termin, da F.X. während dieser Woche den neuen Keller fertigstellte und alle im Stress waren. Beim nächsten Mal ist dort natürlich ein Besuch fest eingeplant.
      Grüße
      Rainer

  1. A bisserl neidisch bin ich schon, wenn ich Deinen schönen Bericht lese. Aber ich bin ja bei der Wachau-Probe der Bonner Runde dabei.

    Und was die Doku angeht, machst Du mir ja richtig Konkurrenz ;-)))

    Gruß Thomas

  2. Sehr interessanter Bericht – wie schon erwähnt, so richtig zum neidisch werden 😉

    Interessant wäre, zu welchen Bewertungen Du in einer verdeckten Verkostung gekommen wärst. Die, mit ein ein paar kleinen Ausnahmen (zB Jamek Klaus Sm), „linear zum Preis/Reputation der Lagen/Weine steigenden Punkte“ sind meiner Meinung nach typisch für „geführte“ Verkostungen vor Ort. Ich finde es extrem interessant, nach Touren wie dieser daheim mit Freunden eine verdeckte Verkostung mit einigen mitgenommen Flaschen zu machen. Da wird die „Reihung“ meist ganz schön durcheinandergewürfelt, was mich nicht stört, da ich von Bewertungen in Punkten ohnehin nicht allzuviel halte. Die Erörterungen der und das Philosophieren mit den Winzern sind mir wesentlich wichtiger als (Pseudo)vergleichesordnungen. Solltest Du tatsächlich „die Probe aufs Exempel“ machen, halte uns bitte unbedingt mit den Ergebnissen auf dem Laufenden!

    Viel Spaß mit den erworbenen Schätzen!

  3. Pingback: Emmerich Knoll Riesling Ried Schütt Smaragd, 1999 « Nur ein paar Verkostungen …

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