Bibo & Runge Rieslinge Jahrgang 2014

Bibo Runge Titel (1 von 1)Ganz zufällig bekam ich im Sommer den ersten Riesling dieses neuen Weingutes ins Glas und er ließ mich ob seines herb-würzigen Charakters aufhorchen. Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Würze ihre Ursache vermutlich in längeren Maischestandzeiten, der Verwendung von einer traditionellen Korbpresse und dem Ausbau im großen Holzfass hat. Gerade die geschmackliche Beeinflussung durch die Korbpressung interessierte mich. Ich kenne die schonende Pressung in Verbindung mit längeren Maischestandzeiten bisher nur genauer vom Weingut Nikolaihof aus Mautern in der Wachau. Diese Weine zeigen einen sehr eigenständigen Charakter mit viel Würze und innerer Festigkeit und können mich zuweilen richtiggehend begeistern.

Ich hoffte also auf eigenständige Rieslinge, als sich nun die Gelegenheit ergab die 2014er-Kollektion der trockenen und halbtrockenen Rieslinge zu verkosten. Die Weine habe ich direkt vom Gut gekauft, wobei ich keinen kleinen Abschlag erhielt. Einen solchen Abschlag nehme ich, als kleine Anerkennung unserer Förderungen des deutschen Rieslings dankbar an, gleichwohl beeinflusst es natürlich nicht meine Notizen. Wir verkosteten offen zu Zweit, wobei ich in den Folgetagen die Weine nochmals alleine nachverkostete, um ihre Entwicklung zu verfolgen.

Alle Rieslinge zeigten eine saubere, durchaus ausdrucksstarke Rieslingfrucht. Oftmals notierten wir Stein- und Zitrusfrüchte. Hinzu kamen angenehme zart herb-würzige und phenolische Noten. Während sich im Basisriesling der geschmackliche Einfluss von neuem Holz zurückhält, war der Spitzenwein des Hauses, der Revoluzzer, davon noch stark beeinflusst, dafür zeigte er eine stärkere Festigkeit. Dazu sind die Weine angenehm niedrig im Alkohol, mehr als 12 % haben wir auf keinem Etikett gelesen.

Mit Luftzufuhr änderten sich die Weine merklich und auch die darauffolgenden Tage durchlebten sie eine Entwicklung. Es sind Jungweine und so zeigten sie, insbesondere nach dem Aufziehen, eine etwas vordergründige Primäraromatik, die sich nicht so richtig mit den herben, ja teilweise wilden Kräuteraromen verband, vom Holzeinfluss ganz abgesehen. Ich hatte daher Schwierigkeiten die Weine im jetzigen Stadium zu erkennen, zu verstehen und somit auch gewissenhaft zu bewerten. Es ist daher nicht überraschend, dass wir die aromatische Ausrichtung, oder anders formuliert die aromatische Handschrift von Bibo & Runge heute noch nicht zu identifizieren vermochten. Man darf auch nicht vergessen, dass man hier erst im zweiten Jahrgang ist. Vielleicht sind auch noch einige Fragen offen, vielleicht ist man noch in der Phase des Erforschens, des Staunes und des Ausprobierens, was wohl die ideale Kombination ist. Wir werden auf alle Fälle das Gut auch zukünftig immer mal wieder im Glas haben und hoffen auf eigenständige und charaktervolle Weine, die dem Rheinau eine weitere Facette hinzufügen.

Bibo & Runge Riesling Sekt b.A. brut, Rheingau
Feines aber auch ausdruckstarkes Bukett nach sehr klaren und reifen Steinfrüchten, gewachsten Äpfeln und einem Hauch Zitrus, zeigt eine gewisse Vielschichtigkeit an, noch sehr jugendlich. Am Gaumen mit saftigem Auftakt mit klarer Frucht, viel grüne Äpfel, zarte Hefenote, auffallend feines Mousseux, baut im Verlauf immer mehr seine Fruchtigkeit aus ohne aber aufdringlich zu sein, wirkt sehr gewogen und animierend zu trinken, schöne Länge, sehr gelungen.
17,50 Euro, 86/100 (sehr gut), jetzt bis 2020

2014 Bibo & Runge Riesling trocken, Rheingau,
Anfangs noch sehr von Jungweinaromen wie weiße Johannisbeere und Stachelbeere geprägt, mit viel Luft zeigen sich eine saubere Pampelmuse und eine feine kräuterwürzige Note. Im Mund leichtfüssig, es dominiert eine saubere, etwas einfach gewirkte Zitrus- und Steinfrucht, im weiteren Verlauf tauchen Kräuter auf, könnte etwas mehr Substanz und aromatischen Ausdruck haben, dies könnte sich aber mit etwas Reife noch entwickeln, mittlerer Nachhall.
11 Euro, 83/100 (gut), jetzt bis 2017

2014 Bibo & Runge Riesling trocken Hargardun, Rheingau,
Etwas gedecktes, mineralisches Bukett, schöne feine Würze, krautrige Anklänge, dazu Zitrus- und Orangennoten, noch etwas unklar in der Ausrichtung. Am Gaumen mittlere Dichte, gut eingebundene Säure, zieht mit einer gewissen Straffheit über den Gaumen, noch nicht vollständig entwickelt, schöne mineralische Substanz, gute Länge. Gefällt uns deutlich besser als der Gutswein.
16 Euro, 86/100 (sehr gut), jetzt bis 2021

2014 Bibo & Runge Riesling trocken, Revoluzzer,
Das Bukett ist in diesem jugendlichen Stadium des Weines (zu) stark beeinflusst von Aromen vom neuen Eichenholz, Grillaromen, verbranntes Holz, Rauch, geröstete Nüsse, dahinter zeigen sich ins süßliche gehende Tropenfrüchte, erinnert uns am ehesten an Maracuja, heute kaum auszumachen wohin sich der Wein entwickeln wird. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, wirkt hier etwas gewogener, einfach weil trotz der ganzen Faßaromatik eine klare und saftige Frucht erfahrbar wird, die tropische Ausrichtung bestätigt sich, cremiges Mundgefühl, eher seidige, weiche Säurestruktur, spürbare Restsüße, zeigt eine gute innere Festigkeit, im weiteren Verlauf tauchen Zitrus- und nussige Aromen auf, dazu mineralische Noten, guter bis sehr guter Nachhall. Ein Riesling, der etwas wagt und gute Anlagen zeigt. Es bleibt abzuwarten ob er hinreichend Substanz hat, bis sich das Holz auf ein harmonisches Maß in den anderen Komponenten eingeordnet hat. Wir haben durchaus Hoffnung und freuen uns über den Mut.
25 Euro, 87-88+/100 (sehr gut), ab 2018+

Bibo & Runge Riesling halbtrocken Rheingau, 2014
Noch etwas hefiges Bukett, pflanzlich-kräutrig, Pfirsich, ein Hauch Kalkstein. Am Gaumen mit fruchtigem Auftakt, erneut Steinfrüchte, sehr frisch und animierend zu trinken, nur die lang stehende und etwas zu pikante Säure mildert uns etwas die Vorfreude auf den nächsten Schluck, dazu könnte er auch etwas vielschichtiger sein, der Säure steht zu wenig Frucht und Extrakt entgegen, gute Länge.
11 Euro, 84/100 (gut), 2017 – 2020

Biblo & Runde Riesling halbtrocken Hargardun, 2014
Ansprechendes Bukett mit klaren Zitrus- und Steinobstaromen, vielschichtige Kräuteraromen und erdnahen Noten, auch hier zeigen sich deutlich Noten von neuem Holz, diese wirken aber gut dosiert, so dass wir schon heute von einem insgesamt gewogenen, vielschichtigen, wenngleich würzigen Duft sprechen können. Am Gaumen von mittlerer Dichte mit animierend saftigem Auftakt, die Frucht gelungen flankiert von Faßaromen und diversen getrockneten Kräutern, die dienende Restsüße tut ihm gut und der Faßausbau hat die Säure gezähmt, die nun zwar lebendig, aber feinporig und bestens integriert über den Gaumen läuft, mineralische Anklänge kommen auf, zeigt eine gewisse Tiefe und Nachhaltigkeit, sehr gute Länge. Ein sehr ansprechender Riesling mit Potential und unser momentaner Favorit der Kollektion.
16 Euro, 88+/100 (sehr gut), jetzt bis 2022+

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