Weingut von Bassermann-Jordan Riesling Forster Pechstein, 2007

2007BJFPIn den letzten Monaten hatte ich mehrfach das Vergnügen, diesen Wein mit Muße und in ausreichender Menge im Glas trinken zu können – einmal eine Flasche zusammen im Sommer mit Thorsten, dann danach noch zwei weitere Male für mich alleine. Dieser Pechstein zeigt sich derzeit in einem wunderbaren Trinkstadium: Der Wein ruht in sich, fern jeder mineralischen Wildheit, die der Basalt oftmals in die Rieslinge aus dem Pechstein befördert. Und doch ist auch dieser Vertreter stark mineralisch geprägt. Selten aber habe ich diese Lage einmal in einer so entschleunigten Interpretation trinken dürfen. Man trinkt hier einige erste Schlucke und hält automatisch inne, schmeckt nach, verweilt. Verknappt könnte man sagen: Dies ist ein schon fast kontemplativer Wein.

Große Gläser befördern aus diesem Wein eine intensive Nase mit Rauch und Haselnuss. Tief und konzentriert, dabei Fruchtaromen nur andeutend, ein Säckchen getrocknete Kräuter und erdige Würze bestimmen die Eindrücke. Und immer wieder diese ausdrucksstarke Nussigkeit.

Ein Wein mit Gardemaß im Antrunk, geprägt von Kaffeearomen, rauchiger Würze und nur noch einer verhalten vernehmbaren gelben, nicht ganz trockenen Frucht. Hohe Extraktdichte. Stimmig hierzu – weil zum Gesamtbild passend – eine eher weiche Säure, die dem Wein einen ruhigen Verlauf beschert, fern von Müdigkeit. Mit tiefer und satter mineralischer Aromatik zieht der Wein dann den Gaumen entlang, immer intensiv, ja auch fordert, aber nicht anstrengend. Diese intensive Aromatik bleibt lange stehen und ist jederzeit, fast etwas überraschend, auch trinkanimierend. Nicht trinkanimierend im Sinne eines belebend erfrischenden Getränks, sondern eines, dem man sich gerne nochmals zuwendet und genauer hinschmeckt. Findet man doch auch nach dem dritten Schluck eine weitere Nuance in diesem Prachtkerl von Wein. Er endet mit einem langen, ausdifferenzierten Nachhall – und dies in voller Harmonie.

Aus dem Fachhandel, 27 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019 

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Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2014: Pfalz

GG2014 Wiesbaden Titelbild 2 (1 von 1)***** (Ausgezeichneter Jahrgang)

Die Pfalz präsentiert sich 2014 homogen und auf herausragendem Niveau. Noch nie hatte ich bei der Erstverkostung so viel starke Weine aus dem Gebiet probieren dürfen. Es gibt eigentlich kaum schwache Weine, vielmehr sogar zahlreiche Highlights. Bemerkenswert sind die vielfältigen Stilistiken, selbst die Forster Weingüter mit ihrem ähnlichen Programm schmecken unterschiedlich. Der Jesuitengarten z. B. bei von Buhl schmeckt saftig und fruchtopulent, bei Mosbacher ist er hingegen ein eleganter, feingezeichneter Wein, Bassermann präsentiert ihn klassisch mit fast straffem Verlauf und von Winning besticht mit komplexer Würze. Trotzdem zeigen alle den typischen Stil der Lage, in diesem Fall die tropischen Fruchtaromen. Hier lohnt der Vergleich, einfach um die eigenen Vorlieben zur entdecken, denn ausgezeichnet sind sie alle. Nicht zu vergessen sind die Weine aus der Südpfalz. Was Christmann, Rebholz und Wehrheim auf die Flaschen gebracht haben, ist schlichtweg überragend und freut mich persönlich sehr nach dem schwierigen Jahrgang 2013. Die Weine verleugnen nicht ihre Herkunft, sie sind herrlich saftig, mit intensiver Aromatik, aber in keiner Weine barock oder übermäßig dicht. Dazu ist die Säure herrlich reif und bietet ein feinporiges Spiel. So lassen sich manche Weine schon jetzt mit viel Freunde genießen. Chapeau! Weiterlesen →

Weingut Georg Mosbacher Riesling Forster Ungeheuer GG, 2005

GM1_5219Die Großen Gewächse des Weinguts Georg Mosbacher stehen allgemein in dem Ruf, gut reifen zu können. Aus eigener Erfahrung kann ich dies für die jüngeren Jahre der 2000’er Dekade voll unterstreichen, insbesondere 2002 und 2004 waren Langläufer und überdauerten ein Jahrzehnt Reife mühelos. Und auch dieses Exemplar zeigt heute keinerlei Altersmüdigkeit, was für das warme Jahr 2005 so nun nicht unbedingt zu erwarten gewesen ist.

Eine etwas angereifte Duftwolke nach reifer Limette und süßer Ananas begrüßen mich, als ich meine Nase ins Glas versenke. Diese schöne und keineswegs breit wirkende Aromatik wird begleitet von leisen Reifetönen und einer sanften, vegetabilen Würze – und einmal mehr: Es sind gehackte Nüsse, die diese Forster Lage sofort entlarven.

Der Wein steht im zehnten Jahr seiner Reife perfekt und im Sonntagsanzug vor mir: saftiger Antrunk, wieder etwas Ananas und Limettenfrucht, mit mittlerem Körper geht es auf einen stimmigen Verlauf zu. Grapefruit sorgt zusätzlich für animierende Herbheit, von steinigem Fundament untermalt.

Knackige Säure und wohldimensionierte Süße spielen mit hohem Zug, dass es einem die Mundwinkel nach oben zieht. Für ein Pfälzer Gewächs aus einem richtig reifen Jahr fast schon spielerisch breitet sich der Wein im Mund ohne jede Breite aus (was für ein Wortspiel) und rauscht saftig und voll mit klarer Frucht ohne einen Hauch Schwülstigkeit über die Papillen. Dieses Ungeheuer endet steinig in einem schon langem Finish mit markant salzig-lakritzigen Noten. Hier erst wieder zeigt er seine altersbedingte sekundäre Reifearomatik, die aber bestens integriert ist und keinesfalls stört – ganz im Gegenteil, denn sie setzt eine weitere Schicht Komplexität auf den saftigen Fruchtkörper. Zehn Jahre alt, aber noch kein bisschen müde, auch nach zwei Tagen in der geöffneten Flasche keine Anzeichen jedweder Schwäche. Stattdessen jede Menge Trinkfluss.

Ab Hof gekauft, damals 20 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

VDP Weinbörse 2015: Pfalz und Franken

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Das Beste kommt zum Schluss – aus Zufall trifft das bei unserem Bericht von der VDP Weinbörse in Mainz zu. Denn nach den Anbaugebieten Rheinhessen und Mosel sowie Rheingau und Nahe kommen als letztes nun Pfalz und Franken an die Reihe. Und diese beiden Gebiete scheinen von den schwierigen Bedingungen im Jahr 2014 sogar profitiert zu haben. Die Weine sind nicht so stoffig geprägt wie in heißeren Jahren, durch die ganze Verkostung zog sich eine besondere Feinheit. Weiterlesen →

Zweimal roter Burgunder aus zwei Ländern

Zwei Pinots am Abend (1 von 1)Kürzlich suchte ich als Begleiter zum Essen zwei Burgunder heraus, die ich in Ruhe über den gesamten Abend verkosten konnte.

Domaine Drouhin-Laroze Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Lavaut Saint-Jacques, 2005

Kühler, recht dichter Duft nach jugendlichen roten Johannisbeeren, umkleidet von einem mineralischem Gewand aus Kalkstaub, sehr dezenter Holzeinsatz, nur ein Hauch Marzipan und dunkle Herrenschokolade lassen einen geringen Einsatz von Neuholz erkennen, vegetabile Noten und Kräuter im Hintergrund. Am Gaumen von betont mittlerer Dichte, die Kraft des Jahrganges und seine langsame Entwicklung werden wiederholt offensichtlich, denn der Wein ruht noch in einer Höhle. Er zeigt im Antrunk eine schöne reintönige rote Beerenfrucht, die Tannine reif, aber noch deutlich zupackend, rauhen den Gaumen noch leicht auf, festes steinwürziges mineralisches Fundament, noch sehr kompakt, ein Korb voller getrockneter Kräuter, die dem Wein ab der Mitte einen herben Einschlag mitgeben, mittlerer Nachhall. Dieser Lavaut zeigt sehr gute Anlagen, besticht mit seiner Reintönigkeit und Feinheit, dazu erscheint mir sein Holzeinsatz ideal, von der Hitze des Jahrganges ist nichts zu spüren. Er sollte in fünf Jahren ein ausgezeichnetes Genußerlebnis sein – also noch unbedingt liegen lassen.

Aus dem Fachhandel, heute ca. 70 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), ab 2020+

Weingut Benderhof Spätburgunder Selection Kallstadter Steinacker „S“, 2007

In der wuchtigen, süßlichen Nase ein hochreifes Beerenaroma, dazu überreife Pflaumen, viel Schokolade, Weihnachtswürze, allem voran Wachholder. Röst- und Grillaromen zeugen von einem ambitionierten Holzeinsatz, der Alkohol reizt die Schleimhäute, unmittelbar als deutscher Spätburgunder zu erkennen, was nicht als Kritik zu werten ist. Am Gaumen wirkt der Wein wuchtig, ja fett, mit heftigem Holzeinsatz, bereits im Antrunk mischen sich in den satten Auftakt mit hochreifen dunklen Beeren- und Kernfrüchten deutliche Grillaromen, Wachholder, Nelke, erste Reifearomen, Schokolade und Marzipan. Dieser Pinot schiebt sich mit all seiner Kraft und Fülle über den Gaumen, die Tannine sind samtig. Der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt und vollständig geöffnet, im Kern zeigen sich erste Reifearomen nach Waldboden und Laub, doch die Süße der Frucht führt sein verführerisches Spiel heute noch bis zum Ende auf, leider wärmt spätestens ab der Mitte der Alkohol deutlich und zeigt sich im Nachhall gar leicht schärfend, der Nachhall hat Länge. Der Wein wirkt aufgrund seiner ganzen Üppigkeit überambitioniert, ein früherer Lesezeitpunkt, etwas weniger Neuholz, oder eine andere Fassröstung hätte dem Wein vielleicht mehr Frische und Eleganz verleiht, gerade in einem so heißem Jahr wie 2007. Da hatte ich schon bessere Pinots von Benderhof im Glas.

Als Geschenk erhalten, ca. 14 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt bis 2020

 

Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

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Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

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