Entdeckungen in der Pfalz — Fünf Obsessionen von Sven Klundt

svenklundt-obsession-groupEs ist ausgerechnet in der eher unaufgeregten Welt des Rieslings, wo sich in letzter Zeit viel tut. Neue Weingüter und junge Winzer schaffen es, weit in die Qualitätsspitze vorzustoßen und dort Furore zu machen. Und das nicht durch besonderes Marketing, eigenwilliges Branding oder großartige Kampagnen, sondern einfach nur mit ihrem guten Wein. Eine dieser Winzer ist Sven Klundt, Anfang zwanzig, Geisenheim-Absolvent u. a. mit Station auf der Domäne Wachau. Als ich vor einiger Zeit eine Flasche seines Rieslings »Obsession« in großen Schlucken mit austrinken durfte, war der Wunsch geboren, mich mit Sven Klundts Weinen mal etwas ausführlicher zu beschäftigen. Um die Obsession-Linie soll es auch heute gehen — die Basislinie, die für sich aber schon stark auffällig ist. Dabei hatte ich — dem Winzer sei Dank — zum Vergleich jeweils zwei Jahrgänge vom Riesling und vom Weißen Burgunder. Einen Spätburgunder gab’s noch obendrauf.

Sven Klundt Riesling trocken »Obsession«, 2012

svenklundt-riesling-2012Im Glas sehr hell, ein blasses Gelbgrün. Das Bukett, das aus dem Glas strömt, ist intensiv und verspielt, mir fallen zuerst grüne Früchte ein, grüner Apfel, Kiwi, Limette. Das Ganze duftet saftig, frisch, kühl, sogar mineralisch. Dazu kommt, und das gibt dem Wein einen eigenen Kick, eine schöne, anregende Würzigkeit von Zitronenzesten und eine mineralische Schärfe wie von frisch geschnttenen grünen Blättern. Das Frische-Erlebnis setzt sich im Mund fort, ein Antrunk wie ein Biss in einen knackigen, unsüßen Granny-Smith-Apfel, dazu Zitrusaromen von Limetten. Der Wein kommt ganz trocken und sogar leicht schlank daher. Die Säure hat einen tollen Biss, auf den Gaumen aber legt sich eine mineralische salzige Schicht. Es ist bemerkenswert, wie »spicy« dieser Wein ist, was zusammen mit der Säure für ein schönes Spiel und eine ganz besondere Frische sorgt. Ebenso überraschend für mich ist, wie stark der Wein seine mineralischen Aromen betont. Die Frucht schwingt mit, aber sie ordnet sich hier ganz klar unter. Dass der Alkohol bei lediglich schlanken 12 Prozent liegt, begeistert mich obendrein. Endlich mal wieder ein schönes Beispiel, wieviel Wein man schon in einer Basislinie bekommen kann.

Vom Weingut, 9 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016 trinken

Sven Klundt Riesling trocken »Obsession«, 2010

svenklundt-riesling-2010Um zu sehen, was der Riesling »Obsession« auch mit etwas Reife kann, konnte ich noch parallel eine Flasche aus dem Jahrgang 2010 aufschrauben. Die Reife scheint dem salzigen Stil sogar noch mehr Ausdruck zu verleihen. Im Glas mit ebenso hellem Gelb schwenkend, kommt die zestige Würzigkeit in der Nase sofort wieder durch. Die Frucht wirkt sogar noch etwas konzentrierter und jetzt auch eine Spür süßer. Etwas reifer Apfel, auch frischer Blütenduft, es wird auch etwas exotisch mit Papaya, etwas Ananas. Dazu kommen leicht angetrocknete Wiesenkräuter. Der Wein duftet wie eine Blumenwiese nach ein paar heißen Tagen. Die »obsessive« Spicyness hat aber auch er noch in der Nase. Im Antrunk merkt man dann ansatzweise die Reife, Der Wein ist ruhiger und nicht mehr so explosiv wie der 2012. Die nicht minder frische, aber weichere Säure sorgt aber für einen runderen, längeren Verlauf. Zum Schluss lässt sie der Salzigkeit ganz allein die Bühne, was schon fast kristallin wirkt. Die Frucht greift im Verlauf deutlich kürzer. Der Wein bekommt dadurch noch mehr Profil, was vor allem uns Steinlutschern richtig gefällt. So gesehen, müsste man dem 2012 sogar noch ein Plus geben.

Vom Weingut, 9 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Sven Klundt Weißer Burgunder »Obsession«, 2012

svenklundt-wb-2012Ganz hell, weißgelb im Glas. Eine sehr frische Nase mit Noten von grünen Früchten. Kiwi, duftiger Apfel, eine Spur Lychee. Limettensaft, auch leicht vegetabile Noten, etwas Spargel. Die Nase ist sauber, duftig, nuanciert, sie hat Spiel und auch schon mineralische Anklänge. Auch im Antrunk bleibt der Wein dem nuancierten, straffen Stil treu. Duftige, jetzt leicht trockengrasig anmutende Noten, dazu blitzsaubere weiße Früchte im Hintergrund, wieder mehr nicht zu reife Lychee statt fetter Melone, dazu Apfelblüten und ein Spritzer Limette. Was aber so richtig gefällt, ist das Spiel aus mineralischem Schub und feiner Säure. Dadurch bekommt der Wein viel Struktur, wirkt fest und herb, vor allem bekommt er Kraft und gleichsam Frische, sogar Spannung. Hinten mutet er sogar etwas salzig an. Einmal mehr muss ich den Hut ziehen. In diesem Wein steckt viel Arbeit, das schmeckt man förmlich. Diese Mischung aus Feinheit, Kraft und Präzision ist schön. Der Alkohol bleibt die ganze Zeit trotz seiner 14 Prozent gut eingebunden, der Körper wirkt maximal mittelvoll. Ich bin sicher, dieser Wein kann es mit namhafteren Vertretern locker aufnehmen. Vor allem aber wird er auch vielen Nicht-Weißburgunder-Trinkern ganz sicher gut schmecken.

Vom Weingut, 8,50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Sven Klundt Weißer Burgunder »Obsession«, 2011

svenklundt-wb-2011Im Glas ist der Wein zwar auch hell, aber schon deutlich gelber als der junge 2012. Und hier kommen jetzt typischere Aromen in die Nase. Birne, eine leichte Buttrig- und Nussigkeit, dazu eine schöne würzig-deftige Note. Und jetzt kommt auch die Honigmelone durch. Auch hier ist die Nase aber nicht einfach oder opulent, sondern eher duftig und nuanciert. Eine Spur Alkohol dringt auch durch. Im Antrunk ist auch dieser Wein dann wunderbar trocken. Die Fruchtaromen halten sich etwas zurück, es fällt vielmehr etwas Zitronenschale, fast eine Tonic-Note auf, und heraus kommt jetzt stärker die leicht hefige und salzig wirkende Würzigkeit. Der Wein hat mehr Körper, etwas mehr Kraft, hat aber nicht mehr Alkohol und ist dabei trotzdem präzise und geradlinig auf den trockenen, würzigen Stil gebracht. Diese Kombination, zu der sich der Wein sicher durch die Flaschenreife zusammenfügt, macht ihn noch spannender. Auf der anderen Seite hält sich die Säure aber etwas mehr zurück. Unterm Strich ist das hier ein kraftvollerer wunderbarer Essenswein, etwa zu hellem Fleisch, während der 2012 als frischer Solist mehr Spaß macht.

Vom Weingut, 8,50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Sven Klundt Pinot Noir »Obsession«, 2011

svenklundt-pinotnoir-2011Trinkt man zuerst die Weißweine, kann man sich zunächst nur schwer vorstellen, wie ein Spätburgunder in der gleichen Linie beschaffen sein soll. Sven Klundt macht immerhin sogar aus Weißburgunder einen Steinwein. Der Blick aufs Etikett irritiert dann noch zusätzlich. 14 Volumenprozent Alkohol, das ist nicht unnormal, passt aber nicht zu der Frische und Crispyness, die man von den anderen Weinen kennt. Gut, zur Sicherheit mal leicht ankühlen und ab ins Glas damit. Samtiges Rot mit braunen Reflexen, sortentypisch hell, nicht tintig. Die Nase ist blitzsauber. Herbstliche Kirschfrucht, etwas Laub, sehr freundlich und entspannt, viel Schokolade, etwas orientalische Würze. Das Bukett ist mehr duftig lecker als komplex, aber das richtig gut. Im Antrunk wirkt der Wein dann trockener als gedacht, eine kirschkernige Frucht, etwas pflanzliche, auch kräuterige Anlagen, reife Hagebutte und etwas frisches Harz und Holz. Das alles ist butterweich, vielleicht würde man sich nur ein bisschen mehr von der Säure der Weißweine wünschen — das täte der Struktur noch gut. Hinten kommen dann wieder die leicht angerösteten samtigen roten Früchte mit der floralen Duftigkeit. Der Pinot Noir interpretiert die Obsession als etwas Leichtes, Samtiges, vor allem sehr Duftiges — was dem Spätburgunder nur zu gut steht. Hier gibt es nicht zu viel Konzentration, zu viel Batonnage, zu viel Holz. Ich finde es gut, dass Sven Klundt sich ganz daran hält, was die Rebsorte wirklich gut kann. Den Alkohol vom Etikett hatte ich übrigens schnell wieder vergessen, er ist mir in dem Wein nicht aufgefallen. Ein richtig schöner Spätburgunder mit viel Trinkfreude.

Vom Weingut, 9,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

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3 Kommentare zu “Entdeckungen in der Pfalz — Fünf Obsessionen von Sven Klundt

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  2. Hallo,
    so ist das wohl mit Geheimtipps: Ganz schnell sind sie garnicht mehr geheim…. Ich war nur übers Internet auf Sven Klundt gestoßen und habe ihn im Mai dann ohne Voranmeldung zum Glück im Weingut angetroffen: Ein sehr netter, engagierter und interessanter junger Winzer, der offenbar auch schon sehr erfolgreich ist: Alle höherwertigen Weine waren restlos ausverkauft, die 2013er Abfüllungen kommen erst August/September heraus, was ich schon mal sehr lobenswert finde! Ich habe dann auf gut Glück davon ein Probierpaket bestellt und erfreue mich im Moment an den paar Flaschen Riesling Obsession 2012, die ich noch ergattern konnte. Obige Verkostungsnotizen kann ich gut nachvollziehen. Ich liebe solche absolut trockenen, puristischen und glasklar mineralischen Rieslinge – tolle Essensbegleiter, die gerade jetzt im Sommer gut gekühlt auf der Terasse quasi im Glas verdunsten…
    Wenn man dann kürzlich noch die besten (schön gereiften) deutschen GG und Wachauer Smaragde und große Elsässer Rieslinge im Glas hatte, wird einem wieder einmal deutlich, welch unglaubliche Bandbreite diese Rebsorte doch bieten kann! Rainer wird ja wohl noch von dieser denkwürdigen Probe berichten.
    Ich freue mich jedenfalls, von Sven Klundt demnächst mehr kennenzulernen.
    Viele Grüße!
    Reinhard

  3. Hallo Reinhard, vielen Dank für Deine Zeilen. Du hast völlig recht mit den Geheimtipps. Aber man gönnt ja Winzern wie Sven Klundt auch den Erfolg. Ich finde es immer hoch interessant und freue mich sehr, wenn sich auch jenseits des VDP etwas tut. Wenn man mal genauer nach links und rechts schaut, gibt es dort meist nicht die noch größeren Weine, aber dafür oft mehr Vielfalt. Und das macht das Weintrinken ja aus, dass man immer wieder etwas entdecken kann. Die Lagenweine sind wirklich schnell ausverkauft, die Obessionen gibt es noch bei Vicampo.de und Wirwinzer.de. Von dem Kastanienbusch sollten wir uns etwas sichern. 2013 könnte richtig gut werden bei Sven Klundt. Der Weinstil ist ja schon sehr auf die Säure fokussiert, eigentlich eine Steilvorlage für die Klundt’sche mineralische Stilistik. Liebe Grüße, Thorsten

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