Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

2014_08_27_0062

Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

Wenn der trockene Spitzenriesling international wieder eine vergleichbare Reputation mit den anderen großen Weißweinen der Welt zurückerober möchte, dann gilt es die Kenntnis, bei Winzern und Kritikern gleichermaßen, über die aromatische Entwicklung dieses Weinstils mit zunehmender Reife zu fördern, um den geneigten Konsumenten eine fundiertere Auskunft über Qualität und Reifeentwicklung bei Jungweinen zu prognostizieren. Erst dann werden vermehrt (internationale) Sammler bereit sein, ähnlich wie bei anderen hochwertigen Weinen, den deutschen trockenen Spitzenriesling über viele Jahre einzulagern und somit auch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko einzugehen.

Vergleichbar zu den großen Weißweinen aus dem Bordeaux, dem Burgund und von der Loire entwickelt auch der trockene Riesling im Allgemeinen erst nach einigen Jahren der Flaschenreife eine aromatische Ausdruckskraft, die dann den hohen Preis rechtfertigt. Zwar kann der trockene Spitzenriesling aufgrund seiner einmaligen Primärfruchtigkeit auch in der Jugend beeindrucken, aber es fehlt ihm oftmals an Harmonie, aromatischer Tiefe und Feinheit. Alleine wegen einer jugendlichen Primärfruchtigkeit kauft und sammelt der Kenner keine großen Gewächse, denn diesen unzweifelhaften hohen Genuss bieten bereits sehr gute Ort- und Gutsweine. Bei einem großen Gewächs geht es um einen zusätzlichen aromatischen Ausdruck neben den Fruchtaromen, also um Sekundäraromen, wie Mineralität, Gewürze, Blüten, Polyphenole und pflanzliche sowie ätherische Anklänge usw., hinzu kommen Tertiäraromen, die nur mit zunehmender Reife entstehen und Noten, deren Auftreten in einem extremer Ausbaustil (neues Holz, Maischestandzeit etc.) begründet sind.

Deutscher trockener Sptitzenriesling ist immer noch eine neue Entwicklung. Erst ab dem Jahrgang 2001 kann man von einem breiten Aufbruch des trockenen Rieslings in Deutschland sprechen. Bis dahin wurden vielfach die besten Lagen und Beeren überwiegend für die Erzeugung von restsüßen oder edelsüßen Weinen verwendet. Ab 2001 erschienen dann viele neue und auch bekannte Betriebe mit einer ambitionierten trockenen Auslese (das Große Gewächs gab zu diesem Zeitpunkt noch nicht). Die Entwicklung ist somit keine 15 Jahre alt und wie bei vielen neuen Entwicklungen ist jeder Anfang hart und steinig. Jedes Jahr hält andere Voraussetzungen und Witterungsverhältnisse bereit, dazu gilt es die Voraussetzungen der Lagen herauszuarbeiten und sich für eine Weinstilistik zu entschieden. Dies führte auch in Deutschland zu durchaus wechselhaften Qualitäten und zu Veränderungen bei der angebotenen Stilistik, nicht zuletzt, weil natürlich auch die potentielle Kundschaft ihre Vorlieben gerade zu Beginn häufiger ändert. So konnte es die ersten Jahre nicht konzentriert und üppig genug sein, während in den letzten Jahren eindeutig ein Richtungswechsel hin zu feineren, eleganteren Rieslingen zu vermerken ist. Hinzu kommt der Erfahrungsgewinn auf Seiten der Winzer und so würden Witterungsbedingungen wie in 2006 heute vermutlich nicht mehr zu den wenig befriedigenden Qualitäten führen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass bei einigen Betrieben dazu ein Generationenwechsel stattfand, den man auch in den Weinen schmecken konnte, im Guten wie auch im problematischen Sinne. Man muss den Betrieben auch eine Phase des Lernens und Experimentierens zugestehen.

Trotzdem sind auch heute noch zu viele Erste Gewächse (Rheingau) und auch etliche Große Gewächse weiterhin zu süß, zu reif, zu barock und bringen so die besondere Finesse und aromatische Tiefe des Rieslings nicht hinreichend zur Geltung. Hinzu kommt, dass insbesondere der internationale Gaumen einen trockeneren Weinstil gewohnt ist und viele werden vermutlich auch auf Dauer „trockene“ Große Gewächse an der Grenze zum Feinherben ablehnen. Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass insbesondere der Riesling eine große Bandbreite an Ausbaustilen zulässt. So gibt es insbesondere im Rheingau durchaus gelungene Weine mit über 10 Gramm Restzucker.

Viele unsere heutigen Spitzenwinzer sind noch am Beginn ihrer Schaffenskraft, so befinden führende Talente wie z.B. Frank Schönleber, Philipp Wittmann oder Klaus-Peter Keller noch in der ersten Hälfte ihrer Winzerkarriere und schon jetzt folgt die nächst jüngere Generation. Hier dürfen wir also auf weitere Verbesserungen hoffen, die auch notwendig sein werden, um den trockenen Riesling wieder dort hinzubringen wo ihn der VDP gerne bereits heute sehen würde. Nicht zu vergessen sind auch die erfahrenen Winzerväter, die noch einige Jahre wirken werden und hoffentlich ihre Erfahrung weiterhin derart uneigennützig und engagiert auf die nächste Generation übertragen werden. Gerade der unprätentiöse und teilweise gemeinschaftliche Geist in den diversen Verbindungen und Genossenschaften ist ein nicht zu unterschätzendes Gut und sollte bewahrt und gar noch weiter ausgebaut werden. Denn nur gemeinsam kann das Ziel erreicht werden. Die Entwicklung macht insgesamt große Hoffnung, wenngleich die Auswirkungen des Klimarwandels natürlich abzuwarten bleiben.

Info zu Probe:
Die Auswahl der Weine ist das Ergebnis von zahlreichen Verkostungen und Besprechungen mit Winzern und Sammlern. Dank zahlreicher Gespräche mit erfahrenen Sammlern entstand langsam eine Liste von 42 Rieslingen, die dem, zugegebenermaßen etwas reißerischen Titel der Probe, gerecht werden dürften. Zu meiner Freude konnten wir bedeutende Weingüter für die Idee gewinnen und so stellten die Weingüter Georg Breuer, Keller, Dönnhoff und Emrich-Schönleber großzügig gereifte Raritäten aus ihren Schatzkammern bereit.

Wichtige Weine wurden auch von den teilnehmenden, privaten Weinfreunden bereitgestellt. So kamen fast alle Dönnhoff-Spätlesen aus den 90er-Jahren und ein Wein von Prager aus dem Keller von Herrn Onstein. Herr Frackenpohl stellte diverse große Wein zur Verfügung, wie z.B. eine Magnum des 1993er-Nonneberg vom Weingut Breuer, die 1992er-Hölle von Künstler, der 1990er-Saumagen R von Koehler-Rupprecht und einige mehr. Aus meinem Keller kam u.a. der Clos Staint Hune-Flight aus dem Hause Trimbach im Elsass.

Besonderen Dank von allen Beteiligten gilt dem Weingut Emrich-Schönleber für die Bereitschaft die Probe auszurichten und die Organisation vor Ort. Die ganze Familie Schönleber half uns einen einmaligen Nachmittag und Abend zu erleben. Herzlichen Dank daher auch an Hanne und Anja Schönleber für die perfekte Organisation und herzliche Unterstützung.

Die Weine wurden jeweils in 6er-Flight ausgeschenkt. Je nach Eindruck nach dem Öffnen wurden die Weine bis zu zwei Stunden dekantiert und kamen für die Beteiligten halbblind ins Glas. Die Flightkarte, die jeder Teilnehmer während des Ausschenkens der Weine erhielt, führte auf der Vorderseite das Weingut oder die Region auf, man wusste also bereits wo man sich thematisch befand. Jeder Teilnehmer konnte dann selbst den Zeitpunkt wählen, wann er die Weine offen verkosten wollte, in dem er die auf der Rückseite der Flightkarte aufgeführten Weine studierte.

Für jeden Flight standen 40 Minuten zur Verfügung, somit ausreichend Zeit sich mit jedem Wein ausführlich zu befassen. Die Teilnehmer der Probe waren:

Werner Schönleber (Weingut Emrich-Schönleber)
Frank Schönleber (Weingut Emrich-Schönleber)
Helmut Dönnhoff (Weingut Dönnhoff)
Cornelius Dönnhoff (Weingut Dönnhoff)
Stefan Reinhard (Robert Parker Wine Advokat)
Michael Schmidt (Jancis Robinson.com)
Markus Vahlefeld (Autor und Fotograf)
Tino Seiwert (Pinard de Picard)
Hans Onstein (Privater Sammler)
Karl-Heinz Frackenpohl (Privater Sammler)
Rainer Kaltenecker (www.weintasting.de)

2014_08_27_0073Flight 1: Helmut Dönnhoff – Trockene Spätlesen aus den 90er-Jahren
Das Weingut Dönnhoff hat bereits in den 90er-Jahren konsequent trockene Weine herausgebracht, für die ebenfalls sehr gutes Lesegut aus den besten Lagen und Parzellen verwendet wurden. Obwohl Helmut Dönnhoff ebenfalls konstatierte, dass auch bei ihm damals natürlich die süßen und edelsüßen Weine im Mittelpunkt standen. Mittlerweile bedauert er selbst wie wenig er davon damals einlagerte und so gibt es kaum noch Flaschen aus dieser Dekade in seinem Bestand. Schade, denn diese Weine zeigen auch heute noch ihre ganze Klasse und den Stil des Weingutes. Ich durfte schon gelegentlich diese Weine verkosten, aber noch nie so gut wie auf dieser Verkostung. Das waren herrlich gereifte Rieslinge, die perfekt ihrem Prädikat Spätlese entsprachen. Herrlich, weil so leichtfüßig, noch mit klarer-frischer Fruchtigkeit durchzogen, die sich unangestrengt trinken ließen, inklusive einer Ruhe und einem aromatischen Spiel, dass nur gereifter Riesling vermag. Es sind aber auch Spätlesen und reichen in ihrer aromatischen Tiefe und Präsenz nicht an die großen Gewächse des Weingutes von heute heran, dies soll nicht als Makel verstanden werden, sondern dafür wurden sich auch nicht konzipiert, es schlägt sich aber natürlich in der Bewertung der Weine nieder.

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Spätlese trocken, 1989
Ein besondere Wein, den Helmut Dönnhoff noch in seiner Schatzkammer fand. Besonders, weil es der letzte Jahrgang war in dem noch sein Vater mitwirkte. Der Wein präsentiert sich noch heute ganz ausgezeichnet. Ein duftiges, reintöniges Bukett nach Blockmalz, Tabak, getrockneten Kräuter, deutlich Petrol, verwaschene gelbe Früchte, mittlere Tiefe. Am Gaumen von mittlerer Dichte, tabakiger Auftakt, viel Kräuter, kandierte Zitrusfürchte, eine Petrolnote verfolgt mich über den gesamten Verlauf, ungemein beweglich und animierend zu trinken, auch weil er so schwerelos wirkt, hält seine Substanz bis zum Ende durch und schwingt dann mittellang aus. Eine 25 Jahre alte Spätlese, die genau diese Zeit benötigte um sich derart ausgezeichnet zu präsentieren.
91/100, jetzt trinken

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Spätlese trocken, 1994
Ein großes Jahr an der Nahe und so präsentierte sich diese Spätlese. Eine klares Bukett mit tiefer Kräuterwürze, tabakige Anklänge, gereifte, etwas angetrocknete Steinfrüchte, ständig wandelnder Eindruck. Am Gaumen leichtfüßig, aber von erstaunlicher aromatischer Ausdruckskraft, saftiger-fruchtsüße Auftakt nach angetrockneten Steinfrüchten, vielfältiger holzige Kräuter, herrlich präsenter, aber feingliedriger Säurebogen, perfekte Harmonie über den gesamten Verlauf, ab der Mitte zeigen sich angenehme, sehr feine Reifenoten, auch dieser Wein begeistert mehr aufgrund seiner Finesse und Trinkigkeit, als seiner Komplexität, aber eben eine perfekte Interpretation einer trockenen Spätlese, mittlerer Nachhall.
92/100, jetzt trinken

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Spätlese trocken, 1995
Frisches Bukett nach Zitrusfrüchten, Tabak, malziger Hintergrund. Am Gaumen etwas dichter gepackt, saftig-fruchtiger Auftakt, erinnert an gereiften Pfirsichen, aber auch Anklänge nach rotwangigen Äpfeln, leicht glaciert, zum ersten Mal eine Ahnung von steinwürziger Mineralität, viel Spiel, erneut ungemein animierend zu trinken, reifes Säurespiel, herrlich gereift, mittlere Tiefe und Nachhaltigkeit, mittlere Länge.
91/100, jetzt trinken

Weingut Dönnhoff Norheim Dellchen Spätlese trocken Versteigerung, 1997
Dem Wein merkt man sein Vulkangestein an. Und so präsentiert sich ein kompaktes Bukett nach tropischen Früchten, allen voran eine Zitruscreme, dahinter Anflüge von Mango, leicht altholzige Noten, rauchige Mineralität, mittlere Tiefe, aber erstaunlich frisch. Am Gaumen geprägt von einer Mischung die nur gereifter Riesling kann, auf der einen Seite eine primärfruchtige Frische und auf der andere Seite erste aufkommende Reifenoten und terziäre Aromen, sehr klar gezeichnet, primär angereifte Äpfel und ein Hauch Zitrusfrüchte, ungemein leichtfüssig, ja, nahezu wässrige Textur, dadurch beschwingt und zeigt zudem etwas mehr Tiefe und Nachhaltigkeit, baut im Glas immer weiter aus. Zum zweiten Mal dufte ich diesen Wein probieren und er begeisterte mich erneut.
92/100, jetzt bis 2017

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Spätlese trocken, 2001
Noch jugendliche, primärfruchtige Nase nach Grapefruit, Limetten, steinige Mineralität. Am Gaumen schon etwas dichter komponiert, sehr saftiger Auftakt, mit pikanter Säure, wirkt zu den Vorgängern noch fast unentwickelt, oder zumindest noch nicht vollständig geöffnet, erneut ein ganzer Korb voller Grapefrüchte, Zitrusfrüchte, festes mineralisches Fundament, harmonischer, animierender Verlauf, mittlere Länge. Jetzt im perfekten Entwicklungstadium.
91/100, jetzt bis 2019

Weingut Dönnhoff Niederhausen Hermannshöhle Großes Gewächs, 2003
Auch in dem schwierigen Jahr 2003 wurden ausgezeichnete, trockene Rieslinge abgefüllt, die sich hervorragend entwickelt haben. Dies zeigte dieses Hermannshöhle, wobei sie ganz sicher zu den besten Rieslingen des Jahres zählt und dazu noch das Premierenjahr von Cornelius Dönnhoff ist. Den Wein begleite ich bereits seit vielen Jahren und halte es für einen großen Riesling. Auch diese Flasche zeigte sich ausgezeichnet. Noch sehr jugendliches Bukett mit eine tiefen Kräuterwürze, mürber Apfel, dazu Abrieb von Zitronen und Limette, Kreidestaub und erhitzter Fels, deutlich komplexer als die Weine davor. Am Gaumen betont mittlere Dichte, packender Auftakt mit einer komplexen Fruchtaromatik, die sich bereits herrlich mit dem festen, mineralischen Fundament verbunden hat, eine jahrgangstypische eher milde, reife Säure, die aber hinreichend Schwung in den Wein bringt, im weiteren Verlauf präsentiert sich die Hermannshöhle immer mineralischer, Tafelkreide, weißer Rauch, etwas Malz, zeigt deutlich Tiefe an, viel Zug am Gaumen, gute Nachhaltigkeit, langes Finish. Ein ausgezeichneter Riesling, ich hatte sogar bereits bessere Flaschen. Auf jeden Fall noch jede Suche wert.
93-94/100, jetzt bis 2023

2014_08_27_0059Flight 2: Georg Breuer – Aufbruch des großen, trocken Rieslings in Deutschland

Die großen, trockenen Rieslinge von Georg Breuer aus den Jahren 1993 bis 1995 gehören eigentlich in das Curriculum des Weinbaustudiums in Geisenheim. Jeder Student sollte einmal die Gelegenheit haben diese Weine zu verkosten, denn sie können als Leuchttürme dienen welche Komplexität, Strahlkraft, Feinheit und jugendliche Frische der trockene Riesling nach 20 Jahre Flaschenreife entwickeln kann. Sie gelten auch unter heutigen Maßstäben zu den besten erzeugten trockenen Rieslingen in Deutschland. Auch danach hat Bernhard Breuer bis zu seinem Tod im Frühjahr 2004 zahllose ausgezeichnete Weine abgefüllt, selbst in so schwierigen Jahren wie 2000 und 2003 sind ansprechende Gewächse entstanden. Sie sind auch heute noch jede Suche wert. Dank Theresa Breuer und ihrem Kellermeister Herrn Schmoranz, der bereits mit Bernhard Breuer gemeinsam wirkte, blieb das Wissen erhalten und so werden bis heute große Weine dort abgefüllt. In der Jugend zeigen sich diese Weine oftmals abwesend, karg, wenig harmonisch, schnell wendet sich der geneigte Weinfreund von ihnen ab. Nach einer Dekade der Reifung erblühen sie dann aber oft zu wahrer Pracht und sind dann ein besonderes Geschenk.

Weingut Georg Breuer Rauenthaler Nonnenberg, 1993 (aus der Magnum)
Intensiver, hochreiner und jugendlicher Duft nach jungen Äpfeln, Schalen von Steinfrüchten, Tafelkreide, Schiefernoten, höchste Noblesse anzeigend. Am Gaumen glockenklar, mit präziser Zeichnung, glockenklarer und kühler Auftakt mit saftiger, noch jugendlich anmutender Frucht, die Säure präsent, aber hochfein mit der Frucht verwoben, keinerlei Altersnoten zu vernehmen, ungemein kühle und distanzierte Aromatik, junge Äpfel, umgeben von Kalkstein und Schiefernoten, ungemein straffer, sehr nachhaltiger Verlauf, salzige Mineralität klingt im langen Nachhall nach. Ein wahres großes Gewächs von einer unglaublichen Frische und Feinheit.
96/100, jetzt bis 2023

Weingut Georg Breuer Rüdesheimer Berg Schlossberg, 1993
Komplexe Kräuterwürze, die mich an eine kalte Cola erinnert, dazu Anklänge nach Kakao, Tafelkreide, Tabak und Schiefernote, etwas weiter in seiner Entwicklung, wenngleich keine Reifenoten zu vernehmen sind, sehr komplexer Duft. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, saftiger Antrunk mit einem ganzen Korb voller gereiften Kern- und Steinfrüchten, umgeben von einer tabakigen Mineralität, dazu ein dunkle, würzige Röstigkeit, eine pikante, jedoch hochreife Säure verleiht dem Wein den notwendigen Schwung, hält seine animierende Saftigkeit über den gesamten Verlauf bei, viel Druck am Gaumen, große Nachhaltigkeit, unglaubliche Länge. Ein weiteres Meisterwerk.
96/100, jetzt bis 2020

Weingut Georg Breuer Rauenthaler Nonnenberg, 1994
Jahrgangsbedingt wirkt der Wein etwas kräftiger und reifer. Duftet ganz vorzüglich nach kandierten Zitronen, getrockneten Orangenschalen, komplexen Kräutern und viel braunem Tabak. Am Gaumen dicht gepackt, herrlich klarfruchtiger und saftiger Auftakt, junge tropische Früchte, herrlich animierender Trinkfluss, feste steinbetonte Mineralität unterlegt die Frucht gekonnt, fächert im hinteren Bereich immer weiter auf, erste Reifenoten sind hier zu erkennen, langes, wechselndes Finish.
94/100, jetzt bis 2018

Weingut Georg Breuer Rüdesheimer Berg Schlossberg, 1994
Noch Babyspeck zeigte der Schlossberg mit seinem etwas süßlichem Bukett nach reifen, rotwangigen Äpfeln, tropische Anklänge, diversen Kräutern, die Schiefermineralität ist nur im Hintergrund zu spüren. Am Gaumen dicht gepackt, enorm saftiger, leicht süßliche Auftakt, ein Korb voll kandierter Früchte, trotz seiner spürbaren Restsüße und Konzentration bleibt der Wein gewogen und lässt sich wunderbar trinken, erdwürzige Mineralität mit schiefrigen Einschlag, viel Druck am Gaumen, zeigt Tiefe an, langes Finish. Es ist kaum zu glauben, aber der Wein hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht und wird sich vermutlich noch weiter positiv entwickeln.
92+/100, jetzt bis 2025

Weingut Georg Breuer Rüdesheimer Berg Schlossberg, 1995
1995 gilt wahrlich nicht als Spitzenjahrgang im Rheingau, selbst wenn sich der Jahrgang in der Jugend sehr schön präsentierte. Nur 1700 Flaschen mit 11,5% vol. konnte Breuer seinem Schlossberg abtrotzen. Vielleicht lag es an den schwierigen Bedingungen, die diesen Wein so einmalig machen. Für mich zählt er zu einen der aromatisch eigenwilligsten und herausforderndsten Rieslinge überhaupt. Das Bukett konsequent fruchtfrei, erinnert an Kieselsteine, Wachs, Tafelkreide, viel Tabak und getrocknete, südländische Kräuter, fein und sauber. Am Gaumen eher schlank, eng gefaster Auftakt nach Zitrusabrieb, herber Kräuterwürze und erneut eine Menge Tabak, dahinter eine steinwürzige Mineralität nach Feuerstein und feuchten Kieselsteinen, straffer Verlauf, der sich aufgrund der pikanten Säure jede Anbiederung untersagt und so sicherlich kein Wein für jeden Tag ist, Fruchtliebhaber winken da sofort ab, zur Weiterbildung des Gaumens ist er eine großartige Lektion, insgesamt ein straffer, ja strenger Riesling, der über ein harmonisches Gesamtbild verfügt und mittellang ausläuft. Hat langsam das Ende seiner Entwicklung erreicht.
91/100, jetzt trinken

Weingut Georg Breuer Rüdesheimer Berg Schlossberg, 1996
Dieser Riesling zählt zu den wenigen 96er-Rieslingen, die noch ansprechend zu trinken sind. Er verfügt über ein komplexes, ja auslandendes Bukett nach gereiften Zitrusfrüchten, komplexen Kräutern und einem festen mineralischen Fundament. Am Gaumen sehr dicht gepackt, saftig, feinfruchtiger Auftakt, leider zeigt diese Flasche nicht die Komplexität wie ich sie schon erlebt hat, die sekundäre Aromatik blinzelt nur schemenhaft durch die recht pikante Säure, viel Zug am Gaumen, mittlerer Nachhall. Gute Flaschen dürften noch auf Jahre hinaus viel Freude bereiten.
90/100, jetzt bis 2021

2014_08_27_0064Flight 3: Domaine Trimbach – Der legendäre Clos Ste. Hune

Die Familie bewirtschaftet ihre Lagen bereits seit vielen Generationen, darunter auch immer einen signifikanten Anteil Riesling. Seit 1919 wird auch der Spitzenwein des Hause, der Clos Ste. Hune erzeugt. Diese 3 ha große Parzelle in Mitten der Grand Cru-Lage Rosenacker hat sich mit der Zeit als ideales Terroir für den Riesling herausgestellt. Die mitteltiefe Auflage ist kalkhaltiger Lehmboden mit grobe Kalksteinen versetzt, in der Tiefe nimmt der Kalkstein zu, bis man auf einen festen Kalkblock trifft. Die Reben sind im Mittel ca. 40 Jahre alt und werden regelmäßig ersetzt um dieses Durchschnittalter zu erhalten. Aufgrund der nahezu 100 Jahre in denen dieser Wein beinahe ununterbrochen erzeugt wurde, gewannen die Trimbachs eine einmalige Erfahrung wie mit den unterschiedlichen Jahrgangbedingungen am besten umzugehen ist und so wurden in der Hochphase und in großen Jahren ein trockener Riesling erzeugt, der in der Welt seines Gleichen sucht. Dieser Riesling überzeugt dank einer einmaligen kühlen und festen Mineralität, großer Komplexität und einer festen, manchmal gar unnahbaren Struktur, ich so in keinem anderen Riesling bisher erleben durfte. Der 93er-Nonnenberg kommt dem am nächsten. Hinzu kommt eine einmalige Entwicklungsfähigkeit. In großen Jahren wird er mit dem Alter eigentlich immer besser, ähnlich wie einem Huet Grand Cru aus Vouvray, oder einem Raveneau aus dem Chablis. Auch wenn die aktuellen Jahrgänge leider nicht mehr ganz das Niveau der großen 70er- und 80er-Jahrgänge erreichen, bleibt der Clos Ste. Hune eine Referenz beim trockenen Riesling. Jeder deutsche Spitzenwinzer sollte eine Reihe dieser Rieslinge verkostet haben.

Aus der Lage wird neben dem Clos Ste. Hune, noch die Clos Ste. Hune Vendange Tardive und der Clos Ste. Hune Horse Classé erzeugt. Der Vendange Tardives ist eine botrytisfrei erzeugte restsüße Spätlese, die nur in Spitzenjahren erzeugt wird und der Horse Choix Classé ist ein Riesling im Sauterne-Stil. Meines Wissens wurde dieser Wein bisher nur in den Jahren 1989 und 1996 abgefüllt, Jahre mit besonders sauberer Botrytis im Weinberg.

Leider ist dieser einer der wenigen trockenen Rieslinge, die auch international auf den großen Auktionen gesucht sind. Entsprechend orientieren sich die Preise eher an die Spitzen des Bordeaux oder Burgund, 500 Euro für gute Flaschen sind keine Seltenheit. Die besten Jahrgänge sind 1983 und 1985 und bei der Vendange Tardives das Jahr 1989. Beim Kauf muss leider auf Fälschungen geachtet werden.

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune, 1983
Trotz Ersatzflasche zeigte leider keine der beiden Weine das Niveau, dass ich bereits erleben durfte und was ich mir natürlich erhoffte. Das Bukett war bereits weit gereift, die Petrolnote sprang in die Nase, Aromen nach Kräutertee, Zigrarrenkiste, kandierte Zitrusfrucht. Am Gaumen dicht, saftiger Auftakt nach angetrockneten Zitrusfrüchten, Petrol, Tabak und Kräuter, feste mineralische Fundament, ab der Mitte Malznoten, Karamell, im Mund etwas frischer wirkend, zeigt durchaus noch Tiefe und Klasse ab, aber meilenweit von einer guten Flasche entfernt. Schade.
87/100, in diesem Zustand jetzt trinken

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune, 1986
Ein Clos Ste. Hune der regelmäßig kontroverse Diskussionen am Tisch auslöst. Ich hatte ihn bereits mehrfach im Glas und er zeigt sich sehr konstant und seit Jahren unverändert. Es war ein kühles Jahr und folgerichtig es ist eines der leichtgewichtigsten Clos Ste. Hune, der sehr puristisch mit fordernder Säure auftritt. Auch diese Flasche zeigt diese Merkmale. Das Bukett dominiert von einer herben Kräuterwürze, grasige Noten, kühle steinige Mineralität, Limettenabrieb. Am Gaumen straff, puristisch, Zirtrusaromen, pikante, aber etwas zitronige Säure, knochentrocken, im Verlauf zeigt er aber einen Hauch von cremiger Textur, noch sehr jugendlich, fast verschlossen wirkend, leider zeigt er nicht die Komplexität und Expressivität von anderen Jahrgängen, gute Länge. Seine Jugendlichkeit erstaunt, aber der Wein entfaltet einfach nicht eine hinreichende aromatische Tiefe um eine ausgezeichnete Bewertung zu rechfertigen.
88/100, jetzt bis 2026

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune, 1991
Der 91er hingegen scheint sich langsam auf seinen Höhepunkt zu bewegen. Diese Flasche zeigte deutlich mehr an, als noch vor zwei Jahren. Komplexes Bukett nach gelber Grapefruit, Gummi, Kümmel, diverse Wildkräuter, glockenklar und ohne jeden Alterston. Am Gaumen durchaus dicht gepackt, saftiger Antrunk mit jugendlichen Zitrusfrüchten, prägnante salzige Mineralität, knochentrocken, aber eine herrlich cremige Textur, straffer, sehr kühler Verlauf, feine Süße von der Extraktdichte, der Aromenkern noch nicht ganz geöffnet, sehr langer Verlauf. Könnte sich noch weiter steigern.
92+/100, jetzt bis 2031

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune, 1997
Zum ersten Mal hatte ich den 1997er im Glas. Ein Jahrgang, der auch im Elsass als sehr schwierig gilt und Trimbach musste viel Arbeit investieren um eine kleine Menge von dem Wein schlussendlich abzufüllen. Für mich der Sieger des Flight. Glockenklares und kühlen Bukett, duftet nach Limettenblätter, kandierte Zitronen, erste Reifenoten sind zu erkennen, Feuerstein, Kieselsteine. Am Gaumen von mittlere Dichte, was mich begeisterte war seine Harmonie, die seinem offenen Aromenkern entsprang, dadurch spielten die Aromen souverän ineinander, herrlich milde Tabakaromen über den gesamten Verlauf, agile und feinporiges Säurespiel und da ist endlich diese ungemein feste Mineralität, duftiger, mittelanger Nachhall.
94/100, jetzt bis 2019

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune, 2001
Der 2001er ist der Clos Ste. Hune, den ich bereits oft verkosten durfte und der natürlich noch ein Baby ist. Trotzdem merke ich wie er sich langsam zu öffnen beginnt. So zeigte er ein ähnliches Bukett wie der 97er, wobei er etwas reifere Fruchtaromen zeigte und tabakiger in der Nase ist. Am Gaumen dicht gepackt, jedoch jugendlich verspielt wirkt, der Auftakt mit viel saftiger Zitrusfrucht, Feuerstein, nasse Kieselsteine, Tafelkreide, frisch aufgeschnittene Zirusfrüchte, Vitalität pur, rauschende Säure, salzig-tabakige Mineralität, sehr langer, noch etwas jugendlich wilder Nachhall. Noch großen Potential.
93/100, jetzt bis 2031

Domaine Trimbach Clos Ste. Hune Vendanges Tardive, 1989
Ich gestehe ein Wein, den ich sehr schätze und der 20 Jahre benötigte um seine Süße sensorisch so weit abzubauen, dass er jetzt seine harmonische Trinkphase erreicht hat. Er duftet intensiv nach Tabak und Pfeifentabak, Aprikose, Kerosin und Blutorange, ein einmaliges Dufterlebnis. Am Gaumen dicht gepackt, aber von besonderer Eleganz, bereits im Auftakt eine intensive tabakige Mineralität, erneut reife Steinfrüchte, erdwürzige Noten, frisch geschnittene Kräuter, die spürbare Süße verbindet sich ansprechend mit der milden Säure, perfekt Verlauf, große Tiefe und Nachhaltigkeit, sehr langes und ausdrucksstarkes Finish. Ein bemerkenswerter Wein von beeindruckender Stabilität.
95/100, jetzt bis 2029

2014_08_27_0062Flight 4: Weingut Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg Vertical

Unvergessen wird mir jener Moment bleiben, als ich das erste Mal bewusst einen hochwertigen Wein aus dem Monzinger Halenberg probieren durfte – die trockene 2001er-Auslese von Emrich-Schönleber. Gänsehaut pur, trotz seiner damaligen Jugend strotze er nur so von aromatischer Tiefe und einer einmaligen Verbindung aus packender, steinigen Mineralität und einer komplexen Kräuterwürze, flankiert von Noten nach Grapefruit und rote Beeren und trotzdem so unverwechselbar Riesling. Es gibt eigentlich keinen Wein, der mich bei Blindproben so häufig überzeugt und den ich auch immer mal wieder erkenne, was weniger mit meinen sensorischen Fähigkeiten zu tun hat, als viel mehr mit seiner besonders ausgeprägten distinguierten Aromatik. Vielleicht liegt es an dem blau-grauem Schiefer-Untergrund mit dem hohen Quarzitanteil, die starke Hangneigung und die damit verbundene nur mäßige Wasserhaltekraft zwingt die Reben tief zu wurzeln, um trockene Perioden durchzustehen. Ergebnis sind auf alle Fälle aromatisch ungemein dichte, mineralisch geprägte Rieslinge von einer komplexen Kräuterwürze durchzogen, samt einer feinen und sauberen Fruchtaromatik und einer hochfeinen Säure. Bei aller Konzentration wirken sie nie überkonzentriert, opulent, sondern trinken sich erfreulich animierend und haben eben doch die Tiefe und Konzentration eines großen Rieslings. Der Halenberg zählt gesichert zu den großen Riesling-Lagen aus Deutschland und mit dem A.d.L. erzeugt Schönleber eine extratrockene Variante aus einer kleinen Parzelle, der sich als Wegweiser für den zukünftigen Riesling Grand Crus erweisen könnte. Gerade weil auch der Generationswechsel hier so geglückt ist, dürfen wir auf die weitere Entwicklung dieses Spitzenweines gespannt sein. Jeder ernsthafte Rieslingfreund sollte beide Weine sammeln, lange lagern, regelmäßig verkosten, ach was genießen und an ihnen die Reifeentwicklung großen Rieslings bestaunen und studieren.

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Auslese trocken, 2001
Vitaler und reintöniger Duft nach getrockneten Kräutern, darin verwoben animierende Grapefruit und eine Ahnung von steinbetonter Mineralität. Am Gaumen für mich ein Musterbeispiel an Spiel aus aufkommenden Reifearomen und jugendlicher Frische, obwohl die Restsüße recht hoch steht, herrlicher Trinkfluss, tropische Anklänge, fein-würzige Mineralität, unglaubliche Spannung über den gesamten Verlauf, die packende Säure wird von der Extraktdichte mühelos gepuffert, sehr langer und nuacierter Nachhall. Ein großer Riesling mit noch beachtlicher Zukunft.
96/100, jetzt bis 2021

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Auslese trocken, 2002
Beim 2002er gingen die Meinungen etwas auseinander. Für einige Teilnehmer zählte er mit zu den besten Weinen der Probe, ich hatte ihn schon besser erlebt. Wirkte in der Nase, sowie am Gaumen ein Tick weiter gereift, hochreife Steinfrüchte im Bukett, Apfelbutzen, Butterscotch. Am Gaumen von betont mittlerer Dichte, hohe Extraktdichte, dagegen steht eine reife Säure entgegen, bei dir mir der letzte Kick fehlte, dadurch nur mittlere Spannung am Gaumen, tropische Früchte und reifes Kernobst im weiteren Verlauf, ein Hauch Botrytis meine ich wahrzunehmen, schöne Länge.
90-91/100, jetzt bis 2018

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Großes Gewächs, 2004
Einen etwas abweichenden Duft präsentierte der 2004er, deutliche rote Beerenfrüchte, Steinfrüchte, eine tiefe und vielschichtige Kräuterwürze, insgesamt herrlich reintönig. Am Gaumen von scharfer Zeichnung, im Antrunk finde ich eine glockenklare Steinfrucht, die steinbetonte Mineralität beißt sich in den Gaumen, fast noch jugendlich unwirsch, erneut eine Vielzahl von getrockneten Kräutern, die dem Wein Tiefe verleihen, sehr fest, noch kühler Kern, läuft über den Gaumen wie ein Strich, erneut ein langes und hochklassiges Finish.
94/100, jetzt bis 2025

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Großes Gewächs, 2005
Duftet nach dunklen Beerenfrüchten, angetrocknetes Steinobst, Holunder, etwas Dill, dahinter Anklänge von Schiefer. Am Gaumen kräftig, die Restsüße scheint mir hier etwas höher zu liegen, aber vielleicht liegt es auch nur an der merklichen Extraktdichte, die Fruchtaromen zeigen einen reiferen Ansatz, cremige Textur, fast noch Babyspeck, die Säure zeigt durchaus Spiel, kann sich aber nicht gänzlich durchsetzen, röstig-steinige Mineralität und im weiteren Verlauf zeigt sich dann immer deutlich die typische Kräuterwürze des Halenbergs, hinten dann viel Frische und sehr lang. Die weitere Entwicklung, des nicht leichten Jahrganges, bleibt spannend. Ob sich der Wein noch weiter entwickelt und mehr Zug und Rasse entwickeln kann, bleibt abzuwarten.
92+/100, jetzt bis 2022

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Großes Gewächs, 2007
Komplexes und ernsthaftes Bukett nach grünem Kernbobst, jugendlichen Pfirsichen, frisch geschnittene Kräuter, Rauch, Schiefer und Kreide, tief und komplex. Am Gaumen merkt man ihm das warme Jahr an, recht hohe Konzentration, aber nie breit oder gar alkoholisch, im Gegenteil, einer der wenigen 2007er mit packendem Säurespiel, viel Zug am Gaumen, Grapefruit, grüne Äpfel, leichte Süße vom Restzucker und der Extraktdichte, noch jugendlich gepackt, fester mineralische Kern, sehr langer Nachhall.
94/100, jetzt bis 2022

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Halenberg Großes Gewächs, 2008
Einfach grandios dann der 2008er. Gebirgsbachklare Rieslingaromatik in der Nase, dazu kandierte Grapefruit, komplexe Kräuterwürze und kühle Mineralität nach blankem Stein. Am Gaumen von mittlerer Dichte, packender ungemein jugendlicher Auftakt, ein Wein auf dem noch der Tau liegt, saftige Kern- und Steinfrüchte, etwas Zitrus und Grapefruit, lebendiges, ja pikantes Säurespiel, enormer Zug am Gaumen, begleitet von einer kantigen, sehr tiefen und festen Mineralität, Schiefer, angesengtes Bügeltuch, benetzte Kieselsteine, im hinteren Bereich noch jugendlich verschlossen, die Restsüße steht ein klein wenig für sich, sehr langer Nachhall, hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Wenn er seinen Zucker aromatisch noch weiter abbaut, könnte dieser Wein zu einem wahren großen Gewächs heranreifen.
95+/100, 2018 – 2030

2014_08_27_0066Flight 5: Weingut Keller G-Max, Hubacker, Morstein und Abtserde gereift

Über das Weingut Keller ist vermutlich bereits alles geschrieben worden. Einst vorwiegend für seine restsüßen und edelsüßen Weine bekannt, gelang es Klaus-Peter Keller das Gut in die Moderne zu führen und setzte konsequent auf Riesling und Spätburgunder. Seit 2001 wurde hier eine derartige Phalanx an großen, trockenen Rieslinge abgefüllt, die vermutlich einzigartig in Deutschland ist. Es ist bemerkenswert welches Niveau ein so junger Winzer wie Klaus-Peter aus dem Stand erreichte und noch beeindruckender empfinde ich es, wie er fortlaufend seinen Stil weiterentwickelt und verändert. Seinen Spitzenrieslingen hat er schon länger jede Schwülstigkeit, Breite und übermäßige Konzentration ausgetrieben. Heute belohnen uns seine Weine mit ihrer Klarheit, einer scharfgezeichneten Aromatik und bei aller Dichte scheinen die Weine zu vibrieren, zu schwingen und wollen in großen Schlucken getrunken werden, derart animierend laufen sie über den Gaumen. Mir scheint als wäre Klaus-Peter auf einer Reise zu seiner ganz eigenen Interpretation des idealen trockenen Rieslings. Ein Ringen um höchsten aromatischen Ausdruck, gepaart mit der Beschwingtheit und Primärfruchtigkeit die eben nur Riesling kann.

Weingut Keller Dalsheim Hubacker Großes Gewächs, 2002
Hochmineralisches Bukett, feuchte Kieselsteine, Kakao, nur eine Ahnung an tropischen Früchte, wirkt etwas gedeckt. Am Gaumen von mittlerem Ausdruck, auch hier wirkt der Wein merkwürdig stumpf, die klaren Stein- und tropischen Früchte fächern nur sehr zögerlich auf, keinerlei Altersnoten, seriöse Struktur und Konzentration, guter, aber nicht sonderlich vielschichtiger Nachhall. Erreicht leider nicht das Niveau von guten Flaschen, denn der 2002er-Hubacker zählt für mich mit den besten Rieslingen des Jahrganges.
91/100, jetzt bis 2022

Weingut Keller Westhofen Morstein Großes Gewächs, 2002
Drückender Duft nach hochreifen gelbfleischigen Früchten, allen voran Mango, Mandarinen, Traubenzucker, Kakao, Tafelkreide, etwas nussig-rauchige Mineralität, wirkt komplex, aber auch hier ein etwas gedeckter Eindruck, trotzdem eine tolles Bukett. Am Gaumen sehr dicht gepackt, saftig fruchtiger Auftakt, mit einer etwas marmeladigen Süße, dadurch etwas schwerfälliger Verlauf, die Säure kommt dagegen nicht ganz an, fester mineralischer Kern, gute Länge. Auch diese Flasche scheint mir nicht ganz in Ordnung zu sein, denn von seinem üblichen Niveau von 95 Punkte ist diese Flasche weit entfernt.
91/100, jetzt bis 2022

Weingut Keller G-Max, 2002
Auch diese Flasche zeigte leider nicht die Brillanz, wie ich normalweise im 2002er-G-Max finde. Er duftete nach weißen Johannisbeeren, Eisbonbon, Kakao, eine drückende, aber etwas gedeckt wirkende Mineralität. Am Gaumen von hoher Dichte, saftiger Auftakt nach gereiften Steinfrüchten, die Säure sehr schön verwoben und viel frischer als im Morstein, versprüht immer noch eine enorme Jugendlichkeit, leider will auch hier die Frucht und die Mineralität nicht gänzlich auffächern, dadurch nur mittlere Tiefe, nichts desto trotz überzeugt er dank seiner Klarheit, seiner scharfen Zeichnung und einem animierend Spiel von Frucht und Säure, sehr langer Nachhall.
92/100, jetzt bis 2022

Alle drei 2002er-Flaschen schienen mir aus einem Keller zu kommen, denn alle Weine wirkten auf ähnliche Weise gedeckt, es fehlt einfach an den üblichen Strahlkraft und der tiefen, komplexen Mineralität, zu der gerade die 2002er fähig sind. Schade.

Weingut Keller Westhofen Morstein Großes Gewächs, 2004
Morstein war und wird vermutlich nie einen besonders eleganten Typus von Riesling hervorbringen. Wer die letzten Jahrgänge aus dieser Lage von Keller kennt, weiß wie genial Keller die Opulenz der Lage mittlerweile im Zaum halten kann und Kraft mit Spiel und Finesse zu verbinden vermag. Bei den älteren Jahrgängen war dies noch nicht der Fall und dies zeigte der 2004er sehr deutlich. Ein intensives Bukett nach süßlichem Pfeiffentabak, ein Hauch kalkige Mineralität, hochreife Mangos. Am Gaumen sehr konzentriert, schlicht zu süß, hochreife tropische Früchte, Hang zur Opulenz, die barocke Textur sorgt für ein cremiges, immer leicht süßliches Mundgefühl, die Säure durchaus lebendig und mit Hilfe einer salzigen Mineralität bleibt der Wein noch so gerade im Gleichgewicht, sehr langer Nachhall. Kein Vergleich zu den großartigen aktuellen Jahrgängen.
90/100, jetzt bis 2019

Weingut Keller G-Max, 2004
Hochfeine und noch jugendlich wirkende Rieslingnase, reife Steinfrüchte, weiße Johannisbeeren, Tafelkreide, Rauch und leicht nussige Anklänge, zeigt Tiefe an. Am Gaumen konzentriert, im Auftakt finde ich eine jugendliche, vielschichtige Frucht, erinnert an reifen Pfirsiche, Cassis und Zitrus, die Mineralität beißt sich in den Gaumen, Kalkstein, benetzte Kieselsteine, angesengtes Bügeltuch, die Säure spielt animierend mit der Frucht, packender Verlauf, der Wein ist auf besten Weg mir eine große Wertung herauszulocken, nur leider verengt er sich hinten raus dann spürbar, auch hier wieder merkwürdig gedeckt und nur eine mittellanger Nachhall. Wir haben heute einfach kein Glück.
93/100, jetzt bis 2025

Weingut Keller Westhofen Brunnenhäuschen Abtserde Großes Gewächs, 2010
Dann noch ein deutlich jüngerer Wein und ein persönlicher Liebling von Klaus-Peter Keller und hier zeigte sich dann die Entwicklung des Weingutes. Dieser Wein hatte endlich die Strahlkraft, denen es den Weinen davor leider mangelte. Bereits der Duft glockenklar, vereint Tiefe und Eleganz, jugendliche Stein- und Kernfrüchte, dunkle Beerenfrüchte, Feuerstein, Basalt, Kreide, liegt noch kühl und unnahbar in seiner Höhle. Am Gaumen konzentriert, primär von einer kühlen, salzigen Mineralität beherrscht, blanker Fels, Steinsalz, weißer Rauch, Feuerstein, ständig neue Eindrücke, die Frucht zeigt sich im Hintergrund, erneut dunkle Beerenfrüchte, verschlossene Steinfrüchte, die pikante, ja auch fordernde Säure herrlich integriert, sorgt für einen grandiosen Trinkfluss, viel Zug am Gaumen, der Wein liegt auch am Gaumen noch in seiner Höhle und lässt nur kleine Einblicke zu, sehr langer, mineralischer Nachhall. Schon jetzt ein großer Riesling, der vermutlich erst in 10 Jahren zur Höchstform auflaufen wird.
95-96+/100, 2022+

2014_08_27_0067Flight 6: Weitere deutsche Riesling Grand Crus

Weingut Bürklin-Wolf Forst Ungeheuer Grand Cru, 1997
1997 war ein ausgezeichnetes Jahr in Forst und so präsentierte sich das Ungeheuer immer noch herrlich frisch. Das Bukett ein Duett aus steinwürziger Mineralität und reifen Steinfrüchten mit gelegentlichen, tropischen Nuancen, erste, ganz zarte Reifearomen, die dem Ungeheuer weitere Tiefe geben. Am Gaumen die Kraft der Mittelhardt, saftig-fruchtiger Auftakt, allen voran reifes Kernobst und eine packende Mineralität, Schiefer- und Kalkanklänge, im weiteren Verlauf treten tropische Früchte vermehrt auf, herrlich balanciert, feinporige Säure, jetzt auf seinem Höhepunkt, mittellanger Auftakt.
92/100, jetzt bis 2017

Weingut Bürklin-Wolf Forst Kirchenstück, 2001
Erneut grandios das 2001er-Kirchenstück, das für mich aktuell der beste Wein aus dieser großen Lage darstellt. Schön öfters im Glas gehabt und ich kann mich mit meiner Notiz nur wiederholen: Unglaublich jugendliche Rieslingnase, pur und duftig, grüne Äpfel, junge Pfirsiche und Aprikosen flattern umher, kandierte Limette, erhitzter Stein, Kreide, wandelt sich fortlaufend. Am Gaumen von mittlerem Körper, crisper Antrunk, eine Verschmelzung von salziger Mineralität und jugendlicher Rieslingfrucht, es läuft mir sofort das Wasser im Munde zusammen, dann lässt der Wein an jugendliche Steinfrüchte und Grapefruit denken, feine Herbheit, die Salzigkeit ist ein fortlaufender Geselle, sehr pur und packend, straffe Säure, was für ein sauberer und strammer Geselle, null Reifenoten, komplex und sehr lang, zählt zu den besten, trockenen Rieslingen, die ich je im Glas haben durfte, jede Suche und Investition wert.
97/100, jetzt bis 2026

Weingut Koehler-Rupprecht Kallstadt Saumagen Riesling Auslese „R“, 1990
Einer der wirklichen Riesling-Legenden ist dieser 1990er-Saumagen „R“, einfach weil er ein Musterbeispiel ist wie großartig konsequent trocken ausgebauter Riesling reifen kann. Hoch eigenständiger Duft nach Kreide, Feuerstein, Bergamotte, Biskuitaromen, Zitrusabrieb und ein Hauch Orange im Hintergrund. Am Gaumen betont trockene Stilistik, es tritt sofort die salzige Mineralität in den Vordergrund, viel Rauch und Röstaromen, fein-nervige Bitternoten, dunkler Tabak, nahezu Fruchtfrei, nur die fordernde, jedoch reife Säure bringt etwas Zitrusaromen ins Spiel, gewaltig langer Nachhall, auch hier beherrscht die Mineralität alles. Ein fordernder Riesling für Fortgeschrittene, der aber alle am Tisch ob seiner Trinkigkeit und einmaligen Aromatik begeistert. Steht voll im Saft, noch lange Zukunft.
95/100, jetzt bis 2020

Weingut Koehler-Rupprecht Kallstadt Saumagen Riesling Auslese „R“, 2004
Herrliche Kräuterwürze im Bukett, Schalen von Pfirsichen, weißer Rauch, etwas Lakritz, noch ein absolutes Baby. Am Gaumen dicht gepackt, trockene Stilistik, fester und verschlossener mineralischer Kern, die Säure tänzelt auf den Gaumen, erinnert eher an einen Mersault, derart straff und fokussiert läuft er über den Gaumen, große Nachhaltigkeit, etwas Apfel und Limettenblätter, ungemein langer Nachhall. Noch eine Dekade von seinem Höhepunkt entfernt.
93+/100, 2024 – 2035

Weingut Künstler Hochheim Hölle Riesling Auslese trocken, 1992
Vollständig geöffnetes Bukett mit deutlichen Reifenoten, röstige Noten mit nussigem Einschlag, getrocknete Kräuter, angetrocknete gelbe Früchte, Wachs im Hintergrund. Am Gaumen von mittlerer Dichte, saftiger Auftakt mit Raucharomen und gelben Früchten, eine deutliche, aber gut integriert Petrolnote begleitet mich über den gesamten Verlauf, die Säure hochreif und anschmiegsam, die Kraft der Hölle wird deutlich, aber mit den Alter hat der Wein neben der Kraft auch eine schöne Sehnigkeit gewonnen, im langen Nachhall Karamell und Wachsnoten. Jetzt austrinken.
93/100, jetzt trinken

Weingut Künstler Hochheim Hölle Riesling Auslese trocken, 1993
Auch hier finde ich eine vollständig geöffnetes Bukett jedoch ohne jeden Reifeton. Ein Bukett von höchster Nobless und Komplexität, weißer Rauch, geröstete Nüsse, ein Hauch Grillaromen, Steinmehl und dazu blitzsaubere gelbe Früchte, allen voran Pampelmuse, reife Pfirsiche, dahinter eine verspielte Kräuterwürze, die an eine kalte, abgestandene Cola erinnert. Besser geht einfach nicht. Auch am Gaumen ein nahezu perfekter Wein, der spielend mit den großen Weißweinen der Welt mithalten kann. Da ist Tiefe und Balance samt den einmaligen Möglichkeiten des Rieslings, nämlich die perfekte Verbindung aus jugendlich, wirkender Primärfruchtigkeit und die Komplexität und Entspannung durch eine lange Reifeentwicklung. Die Frucht noch herrlich jugendlich, die Säure pikant, mit herrlichem Spiel, perfekt ummantelt von einer zart cremigen Textur, neben einer komplexen Kräuterwürze und Mineralität, auch etwas Handcreme, darin eingelegt Tabakblätter und Zitronenzesten, die Frucht zieht sich im hinteren Bereich etwas zurück und überlässt den Sekundäraromen den Vortritt, die dann in dem sehr langen Nachhall nur langsam ausklingen. Ein grandioser Riesling, der 20 Jahre reifen musste um dieses Plateau zu erreichen. Hat für mich derzeit die Rieslingkrone auf.
98/100, jetzt bis 2023

2014_08_27_0075Flight 7: Wachau Österreich – Smaragde aus den 90ern

Weingut Nikolaihof Vom Stein Riesling, 1994
Hier rieche ich am blanken Fels, Tafelkreide, Kieselsteine, Zitronenzesten, reintönig, karg wirkend, ich mag das sehr. Am Gaumen mittlere Dichte, erneut ganz sauber, saftiger Auftakt nach kandierten Zitronen, ohne jede Süße, der Wein ist betont trocken ausgebaut, die Mineralität beißt sich in den Gaumen, viel Steinwürze, Schieferanklänge, fast kühl wirkend, herrlicher Zug am Gaumen, kein Wein für Fruchtliebhaber, die Säure tänzelt überaus lebhaft über den Gaumen, für manchen am Tisch sehr gewöhnungsbedürftig, einfach weil er eher an einen großen Chenin Blanc von der Loire erinnert, als an einen Riesling. Wirkt unsterblich.
94/100, jetzt bis 2030

Weingut Nikolaihof Steiner Hund Riesling, 1994
Hier etwas mehr Frucht im Bukett, jugendliche, grüne Äpfel, ein Hauch reife Zitrusfrüchte, Birkenrinde, Waldkräuter, steinwürzige Mineralität. Am Gaumen mittlere Dichte, sehr fokussiert wirken, fein-saftiger Auftakt mit dezenten Kernobst, leicht cremige Textur, die Säure reif und herrlich mit der Frucht verwoben, schöner Zug am Gaumen, die Säure erneut mit viel Spiel und perfekter Reife, die Mineralität zeigt sich geöffnet, fächert immer weiter auf, langer Nachhall. Nicht ganz so eigenständig wie der erste Wein, aber mit seiner Frucht deutlich charmanter und einfacher zu verkosten. Auch hier finden sich nach 20 Jahren keine Anzeigen von Müdigkeit, keinerlei Reifenoten.
94/100, jetzt bis 2020

Beide Weine zeigen wie stabil biodynamisch erzeugte Weine sein können. Nikolaihof gehört zu den Pionieren im biodynamischen Anbau. Bereits seit Anfang der 70er werden hier konsequent die Weingärten danach bewirtschaftet, viele Rebstöcke mussten so noch nie die chemische Keule über sich ergehen lassen. Längere Maischestandzeiten, lange Fasslagerung unter perfekten hygienischen Bedingungen bringen einen ganz eigenen Riesling-Stil hervor. Die Weine machen es dem Interessierten nicht leicht, denn sie setzen nie auf die Fruchtigkeit des Rieslings. Hier geht es um Struktur, Klarheit und um eine lange Entwicklungsfähigkeit. Nach Jahren der Reife balancieren sich aber viele Weine und zeigen dann ein einmalige Aromatik und Tiefe, auch Fruchtaromen treten dann wieder auf und verleihen den Sekundäraromen einen besonderen Charme. Eine Verkostung am Weingut kann ich jedem ambitionierten Rieslingfreund nur wärmstens empfehlen, nicht zuletzt auch wegen der Küche.

Weingut Prager Dürnsteiner Kaiserberg Riesling Smaragd, 1997
Duftet nach steinwürziger Mineralität, feuchte Kieselsteine und Tafelkreide, Handcreme, reife Grapefruit, Kräuterwürze, sehr harmonisch. Am Gaumen sehr konzentriert, im Auftakt eine hochreife tropische Frucht, überreife Melone, Reifenoten, geht etwas in die Breite, die reife Säure fängt das nicht ganz auf, trotzdem bleibt der Wein beweglich und animierend zu trinken, im hinteren Bereich fächert die Mineralität schön auf, die Nachhall hat mittlere Länge und es bleibt ein cremiges Mundgefühl zurück.
90/100, jetzt trinken

Weingut Prager Weissenkirchner Klaus Riesling Smaragd, 1993
Duftet nach Zesten von Orangen und Zitronen, saubere Botrytis, Wachs und Honig. Am Gaumen von mittlerer Dichte, im Auftakt hochreife Stein- und tropische Früchte, fein-herbe Orangenmarmelade, Karamell und Wachs, packendes Säurespiel, dass die Konzentration des Weines mühelos in Bewegung hält, dadurch trotzdem sehr animierend zu trinken, feiner Zug am Gaumen, würzige Mineralität, sehr langer Nachhall.
93/100, jetzt bis 2018

Weingut Hirtzberger Spitz Singerriedel Riesling Smaragd, 1999
Eigentlich einer der besten Rieslinge, die ich kenne. Leider hatten wir an diesem Abend eine schlechte Flasche, bzw. der Wein war derart verschlossen, dass er kaum Spiel anzeigte. Ich hatte den Wein vor wenigen Tagen erneut im Glas. Diese Flasche war dann intakt. Hier die Notiz: in der Nase ein kühler, salzig anmutender Hauch, die Mineralität strömt in die Nase, fein-tabakige Frucht, Brioche, sehr sauber, keine Botrytis erkennbar. Im Mund exotische Frucht, enorm schmelzig mit einer tief gewirkten Frische, limettige Aromen, duftige Brioche-Noten, das enorme Extrakt findet sich sehr gut ein, auch hier wieder eine ganz feine Säure, die das Extrakt förmlich auseinandernimmt. Weniger Eleganz, vielmehr ein Spektakel im Mund!
94-95/100, jetzt bis 2024

Weingut Hirtzberger Spitz Singerriedel Riesling Smaragd, 1998
Duftet nach gerösteten Nüssen, frischem Gebäck, hochreife gelbe Früchte, Blockmalz. Am Gaumen üppige Konzentration, ein Maul voll Wein, Kräutertee, saftige tropische Früchte und Handcreme im Antrunk, dazu schöne Honigaromen, dazu gesellt sich eine deutliche salzige mineralische Ader, die Säure hochreif und müht sich gegen die Bäche an Extrakdichte an, im hinteren Bereich deutliche Bittertöne, trotzdem kann ich den Wein gut trinken, wenngleich dies nie meine bevorzugte Interpretation von Riesling werden wird.
91/100, jetzt bis 2019

Das Paar Singerriedel 1998 und 1999 präsentiere ich sehr gerne nebeneinander. Denn das Klima beider Jahre waren sehr unterschiedlich und kann man Singerriedel in seiner Bandbreite erleben. 1999 war kühl, langer Entwicklungsperiode, keine Botrytis. 1998 das genaue Gegenteil, ein heißes Jahr mit warmen Landregen im Herbst, es faulte bereits im September und so eine sehr frühe Lese mit einem enorm hohen Anteil an Botrytistrauben.

2014_08_27_0098Damit war das Hauptprogramm zu Ende und wir gingen über in den gemütlichen Teil des Abends. Zum Dessert stellte Frank Schönleber noch zwei Süßweine auf den Tisch, die in meinem Bericht nicht unerwähnt bleiben dürfen.

Weingut Emrich-Schönleber Monzingen Frühlingsplätzchen Auslese***, 2003
Geöffnetes Bukett nach gereiften gelben Früchten, Pampelmuse, gelbe Äpfel, florale Anklänge, prägnante Mineralität. Am Gaumen sehr dicht, nicht zu süß, klare, sehr saubere gelbe Früchte, erstaunlich vitale Säure für einen 2003er, dadurch herrlich animierend zu trinken, fein-nervige Mineralität und herbe Nuancen, sehr langer Nachhall.
95/100

Weingut Emrich-Schönleber Monzinger Frühlingsplätzchen Spätlese -Rutsch- Versteigerung, 2002
Diese grandiose Spätlese zeigt sich immer noch jugendlich. Hinreisendes, finessenreiches Bukett, Zitronen, Grapefruit, ein Hauch Karamellüberzug, pulverige Mineralität, weckt sofort Vorfreude auf den nächsten Schluck. Im Mund eine filigrane Spätlese von höchstem Ausdruck, komplexe, saubere Frucht trifft auf eine tiefe Mineralität, die Süße und Säure vermählen sich zu einem perfekten Ganzen, dieser Rutsch tänzelt traumhaft leichtfüßig über den Gaumen, erste zarte Reifenoten, einfach eine perfekte Interpretation dieser Kategorie, so gut kenne ich das nur noch von der Saar.
96/100, jetzt bis 2022

Text: Rainer Kaltenecker (KA), Weintasting.de

Fotografien: Markus Vahlefeld

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Ein Kommentar zu “Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

  1. Hallo Herr Kaltenecker,
    was für eine Superprobe und erneut genial beschrieben. Beim deutschen Riesling bin ich erst seit 2006 richtig mit dabei (Lieblingsweingut Keller). Hingegen kenne ich Clos Ste. Hune schon lange und bin (auch) ein Fan von älteren Jahrgängen. Oesterreichische Rieslinge kenne ich auch seit den 90-iger Jahren und hatte gerade ein schlechtes Erlebnis mit Vom Stein 1995 Smaragd vom Nikolaihof. Stark oxidierte Nase und am Gaumen schal. Steht nun im Kühlschrank als Sherryersatz beim kochen. Ich hoffe, dass es nur ein schlechte Flasche war, da ich schon einige alte wunderbare Weine vom Nikolaihof getrunken habe.
    Mit besten Grüssen aus der Schweiz und der Hoffnung auf weitere solche Berichte und Proben
    Walter Meier

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