Kraftakt Spätburgunder – Teil IV am 5.1.2013

Kraftakt SB 2013 (100 von 1)Unseren alljährlichen Kraftakt Spätburgunder eröffnete auch in diesem Jahr ein Champagner. Diesmal fand ein 2004er Blanc de Blanc brut Grand Cru aus dem Hause Bonnaire den Weg in unsere Gläser, mit kraftvollem Mousseaux und im Übrigen fruchtfreier Nase nach Brot und etwas scheuer Duft nach Apfel. Lebendig im Mund, apfelige Honigcreme, recht üppig und charmant, wenngleich nicht elegant und sonderlich tief. Wird im Finale nussiger und endet mittellang, 85 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (102 von 23)Mit einem feinen und auch nach knapp neun Jahren Reife noch frisch wirkenden Weißwein ging es weiter. Der 2004er Dom. Saumaize-Michelin „Clos Sur la Roche“ präsentierte sich mit in der Nase mit Feuerstein, Dillkräutern und Veilchenpastillen. Kräutrig auch im Mund, wenig Frucht zeigt dieser Chardonnay, dafür würzige Kräuter, wieder Dill, ergänzt durch einen feinen Barriqueschmelz. Die feine und frische Säure rundet den guten Eindruck ab, 88 GM-Punkte.


Nun aber endlich Spätburgunder, jeweils blind serviert.


Kraftakt SB 2013  (103 von 23)Zum Herantasten an die Thematik gab es einen 2004er Chambolle-Musigny Village von der Dom. George Roumier. Dass Spitzenweingüter auch in schwierigen Jahrgängen gute Weine auf die Flasche bringen, zeigt sich hier: in der Nase rote Früchte, Maronenfeuer und ein nur leicht grüner Kräuterton. Balanciertes Holz und Krokantsplitter in dieser klar gezeichneten Nase. Schlanker Antrunk, leicht pfeffrig, wieder rote Frucht, vorwiegend Himbeeren und Johannisbeeren. Der Wein bleibt recht klar und etwas karg, das stört aber nicht, denn die rote Frucht und seine pointierte Säure sorgen für guten Trinkfluss, der auch durch den moderaten Holzeinsatz nicht behindert wird, 88 GM-Punkte.


Nach diesem guten Start hatte der erste Wein des offiziellen Lineup, der Vosne Romanée „Les Suchots“ von Hudelot Noellat aus 1997, leider einen Korkfehler und blieb daher ohne Bewertung.


Kraftakt SB 2013  (104 von 23)Pavelots Savigny Les Beaunes „Aux Gravains“ aus 2002 machte es da besser: eine fruchtfüllige Nase mit Brombeere, Kirsche und Rhabarber wartet auf uns. Im Mund ein Wein mit mittlerer Dichte, eher dunkelfruchtig in Richtung Brombeere, wird im Verlauf kräftiger und kräutriger. Macht insgesamt noch einen jugendlichen Eindruck, leicht wärmend im Finale, auch das Tannin ist noch kantig. Braucht noch einige Jahre, zeigt aber gute Anlagen: heute 87+ GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (107 von 23)Nominell (und dann auch im Glas) in einer ganz anderen Galaxie unterwegs der 1998er Charmes Chambertin Grand Cru von Dugat-Py – was für ein toller Wein mit weiteren Reserven: eine sinnliche Nase mit roter Frucht und sanfter Milchschokoladentönung, füllig kraftvoll und mit ganz leichter Hitze – aber auf was für eine imposante Struktur dürfen wir uns hier freuen… Im Antrunk dicht und elegant zugleich, eine glockenklare, tiefe Frucht nach Herzkirschen, wunderbar komponiert. Das Holzmanagement im völligen Gleichgewicht, die scheuen Holznoten stützen die Frucht und heben sie nochmals heraus. Im Verlauf bietet der Wein dann einen mineralischen Biss, der sich gewaschen hat, bleibt dabei jederzeit, auch im sehr langen Finale, vollkommen balanciert. Was für ein Trinkvergnügen, 94+ GM-Punkte.


Über Henri Rebourseaus Clos de Vougeot Grand Cru 1993 hätte ich gerne ähnliches berichtet, leider aber hatte diese Flasche einen massiven Fehlton, keine Wertung somit möglich.

Kraftakt SB 2013  (109 von 23)Auch mit Wein 5 hatten wir wenig Vergnügen. Adeneuers Nr. 1 aus 1997 hätte einige Jahre früher getrunken werden sollen. Leicht drückend die Nase, Holzwürze, leider etwas Lack. Dazu ein indifferente Mischung aus gemüsigen Noten und einem süßlichen Rumtopf. Schön ist anders. Im Mund schon im Antrunk eine diffuse Holzsüße, die an Karamell erinnert. Dahinter nur angedeutet rote Früchte. Der Wein ist gereift, ja eigentlich gezehrt, worüber auch die noch lebendige Säure nicht hinwegtäuschen kann, die sich gegen die rosinige Süße stellt. Gehört ausgetrunken. 78 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (108 von 23)Aus dem gleichen Jahr, aber noch in deutlich besserer Verfassung dann Mayer-Näkels „S“ als Versteigerungswein 1997. In der Nase dunkle Toastwürze, süßlicher Kakao und dunkle Herrenschokolade, der kräftige Holzeinsatz lässt seine deutsche Herkunft unvermittelt erkennen. Das, was an roter Frucht mitschwingt, ist mehr zu erahnen als belastbar auszumachen. Leicht rosinge, aber ansonsten rote Frucht im Antrunk, Walderdbeeren, guter Verlauf, wenngleich etwas süßlich/sauer-gemüsig. Deutet mineralische Spuren an. Die etwas aufgesetzte Süße kann uns dann doch nicht ganz überzeugen. Dennoch 87 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (111 von 23)Der gänzlich andere Charakter des folgenden Weines lies uns aufhorchen. Eine leicht metallische Nase voll von dichter Frucht nach Brombeeren und rote Johannisbeeren, aber auch duftige Nuancen und Thymian fanden wir hier vor. Gefälliger Antrunk nach gelierten Johannis- und Brombeeren, eine konzentrierte und zugleich saftige Frucht zeigend. Mineralik und Säure geben diesem „Winterwein“ eine gute Kontur. Uns gefiel übereinstimmend, was wir im Glas hatten – 2005 Brewer Clifton „Rancho Santa Rosa“ aus Oregon, USA. 89 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (110 von 23)Apropos gänzlich anderer Charakter – auch Wein Nummer 8 hatte einen solchen. Kein Wunder, denn dieser Wein war kein reinsortiger Spätburgunder, vielmehr eine Cuvee aus 40% Dornfelder & Lemberger, 25% Spätburgunder, 25% Dornfelder und 10% Sankt Laurent. Hatte folglich aromatisch herzlich wenig mit reinsortigem Spätburgunder zu tun – das schadete aber überhaupt nicht, denn das, was das Weingut Knipser als „Cuvée Roter Baron“ einmalig auf die Flasche gebracht hat, hat uns gefallen: In der duftigen und fein gezeichneten Nase Brombeeren und Graphit, dazu weiße Blüten und Vanille (alle Weine wurden vor Cuvéetierung im Barrique ausgebaut). Im Mund dicht, aber zugleich straff und klar gewirkt. Sauerkirsche als Leitaroma, die jugendliche Aromatik wird noch von Feuerstein begleitet. Stahlig-kühle Stilistik im Verlauf. Fokussiert bis ins holzwürzige Finale, in dem eine von Süße befreite Vanillearomatik nochmals hervorscheint. Wer oben die Jahrgangsangabe vermisst: 2006, 2007 und 2008 – auch insoweit eine wirklich einmalige Cuvée. Überzeugte 92 GM-Punkte.


Nach dem Essensgang gab es dann einen Flight von vier 2005ern:

Kraftakt SB 2013  (114 von 23)Eine Enttäuschung nach dem aromatischen Ausflug ins Land der Dornfelder & Lemberger zunächst Dr. Hegers Ihringer Winklerberg 3 Sterne aus 2005: Leicht rosinige Holzwürze in der Nase, etwas malzige Rotfrucht, ein verhaltener Kräuterton. Im Mund schon weit gereift, wieder Malz, Hagebutten. Die leicht süßliche Frucht und die schärfende Säure finden hier nicht mehr zueinander. Mittellanges Finish, leider ohne besonderen Ausdruck. 82 GM-Punkte. Nächster Wein!


Kraftakt SB 2013  (112 von 23)Wir sind weiter in Deutschland, notiere ich unvermittelt. Das stimmt auch, im Glas haben wir Ziereisen Jaspis Alte Reben, 2005. Schwarzer Kaffee und Kräuter in der Nase, dazu etwas Piment. Fruchtfrei – oder besser: die Frucht ist von den Fassaromen in Gänze überlagert. Auch im Mund betont röstige Kaffeewürze, die Frucht und Kräutern wenig Raum lässt. Man spürt bis ins deutlich mittellange Finale hinein, dass dieser Wein Klasse hat – was sich der Winzer jedoch beim Holzeinsatz gedacht hat, erschließt sich uns aber leider nicht. 87 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (115 von 23)Wein 11 ist in vielerlei Hinsicht eine Wohltat. Schon die verspielte und zugleich druckvolle Nase in diesem 2005er Pommard „Les Pezerolles“ von Joseph Voillot bietet mit einer molligen Schwarzkirschfrucht und etwas Hagebutten eine wohltuende Klarheit, moderate, feinst verwobene Holzaromen, Mandeln. Sehr schön. Im Mund etwas schlanker als es die Nase erwarten ließ, aber ausreichend dicht und mit feiner Mineralität versehen. Schönes Spiel bietend, mit roter und insbesondere schwarzer Frucht und Teenoten. Sein Tannin packt noch zu. Seine Säure pointiert, sie sorgt für Zug und hinterlässt aromatisch einen Eindruck von Zitruszesten. Jugendlicher Auftritt dieses Premier Crus, jetzt schon wunderbar antrinkbar und mit ausgezeichneten Anlagen gesegnet. 92+ GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (116 von 23)Dass deutscher Spätburgunder aus 2005 nicht Anlass ist, schlicht zum Riesling zu greifen, zeigte dann der letzte Kandidat in diesem 2005-Flight. Friedrich Beckers 2005 Pinot Noir wusste uns alle zu begeistern. In der Nase eine leicht krautiger, markant würziger Kaffeeduft, der sich im Glas mit etwas Luft schnell auf die charmante Seite begab. Feine Zitrusnoten und etwas Malz sorgen hier animierend für Komplexität. Kirschfrucht in wohlfeine Schokolade gehüllt – kraftvoll, aber gänzlich in der Balance, so roch dieses Kraftpaket. Charmant im kraftvollen und dichten Antrunk, eine seidige Brombeer und Schwarzkirschfrucht kullert über die Zunge, um im Verlauf von einer frischen Säure eingeholt zu werden. Das Holz fügt sich hier bestens ein, sanftes Tannin, der Wein zeigt mineralischen Biss. Ein intensiver, nie in die Breite gehender Wein, zum Kauen, dennoch mit Ansätzen zur Eleganz ausgestattet, dies bis in das lange, schokoladige Finale. Braucht bis mind. 2016+. 93+ GM–Punkte.


Kraftakt SB 2013  (118 von 23)Wenngleich Wein Nummer 13 bei mir die gleiche Punktzahl bekam, echte Verwechslungsgefahr bestand nicht. Gantenbeins Pinot Noir aus dem Jahr 2003 kam mit einer überraschend kühlen Stilistik in der Nase ins Glas, holzwürzig, ledrig, dabei aber klar und schwelgerisch. Niemand hatte das Hitzejahr in Verdacht. Heute auf den Punkt reif. Teerspuren und Mokka im Auftakt, der Wein ist schlank und fokussiert, mal schmackhafte Schokowürze, dann dunkle Pflaume. Dank seiner frischen Säure mit Pikanz und Zug. Endet lang in einem sehr geschliffenen Finale. Schenkt nach, Freunde! 93+ GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (117 von 23)Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten – dennoch sollte auch dem nächsten Wein unsere volle Aufmerksamkeit gelten. Auch der Corton Renardes Grand Cru 1996 der Domaine Michel Gaunaux sollte sich als ein sehr schöner Wein herausstellen. In der Nase Piment und Pfefferwürze, dahinter ein leichter Gemüseton und – mit dann, mit mehr Luft – eine glasklare rote Frucht. Pfefferspuren auch im Antrunk, dann viel trockene rote Frucht. Der Wein hat eine markante innere Spannung zwischen Frucht und Säure. Feines, aber noch trocknendes Tannin. Wenn dieses abgeschmolzen ist, wird dies sicherlich ein feiner Wein. Braucht aber noch einige Jahre. Mittellanges Finish, 90+ GM-Punkte.


Zwei Weine, die näher und entfernter zugleich zueinander nicht sein könnten, dann in nächsten Flight. Zwei mal Dom. Bouchard et Fils, Nuits Saint George „Les Cailles“ – einmal 1999, einmal 2006:

Die 1999er Ausgabe war ein zutiefst schwieriger Wein. In der Nase ein nicht sonderlich charmanter Holzeinsatz, er erinnert an verkohlte Dauben, die kirschlikörige Frucht kommt dagegen kaum an. Reifer Antrunk, auch hier läuft der Holzeinsatz aus dem Ruder und bedeckt die leicht hitzige Schwarzkirschfrucht, die eher leise mitschwingt. Das Tannin stumpft gänzlich und beendet jeden Trinkfluss. In diesem Zustand unharmonisch und leider kein Genuss. 81 GM-Punkte.


Kraftakt SB 2013  (120 von 23)Um Welten besser die 2006er-Fassung dieses Premiere Cru. Bietet eine schöne Balance zwischen Frucht (Herzkirschen), Kräutern und einer leicht schokoladigen Holzwürze. Auch im Mund gelungen, hier zeigen sich wieder Kräuter und dunkle Frucht in schöner Eintracht. Mit mehr Luft etwas Minze. Eine pointierte Säure und eine leichte Salzigkeit lassen das noch jugendliche Tannin schnell vergessen. 91+ GM-Punkte.


Einen jungen, aber ungewöhnlichen Wein hatten wir zum Abschluss. 19 Monate Doppel-Barrique – will heißen erst 12, dann nochmals 7 Monate in der jeweiligen Erstbelegung von neuen Fässern. Dies klingt nach einem Wein, dessen Tanninwand man mit Hammer und Meißel von den Zähnen lösen müsste. Aber mitnichten…

Kraftakt SB 2013  (122 von 23)Karl Heinz Johners „Cru de Bois“ aus dem Jahr 2009 (übrigens wie der „Rote Baron“ auch hier ein einmaliges Exemplar aus dem Bischoffinger Steinbuck) war sicherlich noch jugendlich, aber keineswegs uncharmant oder unzugänglich. Rote Frucht, insbesondere Hagebutten und Sauerkirsche, in der kräutrig kühlen und klaren Nase, mit gezähmter Schokoladigkeit versehen. Im Mund mit jugendlich kraftvollem Holz, aber balanciert mit roter Frucht und einer feinen Mineralität versehen. Kühle Stilistik. Der Wein dürfte ein Langläufer werden und vermutlich ab 2017/2018 zugänglich sein. 92+ GM-Punkte.


Fazit:

Gewinner des Abends war mit dem Dugat-Py somit einmal mehr ein Franzose, diesmal aber war der Abstand auf die Podest-Plätze, die sich Becker und Gantenbein teilten, durchaus eng. Oder, wenn man es in einem Wort sagen will: hauchdünn!

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