Weingut Prager Grüner Veltliner Weissenkirchen Achleiten Smaragd, 2006

IMG_05302006 gilt als großer Jahrgang in der Wachau. Als deutsche Riesling-Freund rümpfe ich da eher die Nase, geprägt von dem schwierigen, ja schwachen Jahrgang für Weißweine in Deutschland. Aber auch bei der Wachau blieb bis heute meine Skepsis hinsichtlich 2006. Ich hatte schon einiges Glas, aber das allermeiste war mir zu fett, fast mastig, zeigte zu wenig Frische und Finesse, gerade bei den Smaragden, die eh zu einem üppigen Weinstil neigen und insbesondere der Grüner Veltliner profitiert für meinen Geschmack von Jahrgängen mit höheren Säurewerten.

Beim letzten Wühlen in meinem Weinkeller entdeckte ich diesen Grünen Veltliner von Prager und er erweckte in mir sofort eine Neugier wie er sich wohl nach neun Jahren Flaschenreife präsentieren würde. Eine Flasche mit sentimentalen Hintergrund, denn ich erstand sie 2008 aus einem Weinkeller eines kleines Restaurants in der Wachau. Noch gut kann ich mich an die lauschige Nacht auf der Terrasse des Restaurant erinnern, als wir beim Bezahlen der Rechnung erfuhren, dass wir so in etwa die letzten Gäste waren, denn das Restaurant schliesst bald seine Pforten. Irgendwie kamen wir auf den verbliebenden Bestand des Weinkellers und noch heute profitiere ich von gereiften Rieslingen und eben Grünen Veltlinern aus jenem Keller.

Der Achleiten präsentiert ein typisches Bukett nach reifen gelben Früchten, weißer Pfeffer, ein Hauch Weißkohl und feiner Honignote, für das Alter erstaunlich fruchtig und frisch, insgesamt eher verhalten und noch jugendlich wirkend. Am Gaumen von dichtem Körper, im Antrunk ein Korb voll reifer, gelber Früchte, sehr saftig, cremige Textur, zum Glück steht eine überraschend agile Säurestruktur dagegen, die dem Wein Frische und Agilität verleiht, weißer Rauch und die typische Pfeffernote ist deutlich zu schmecken, durchaus druckvoller und vollmundiger Verlauf, auch im Mund keine Anzeichen von Reifenoten oder Altermüdigkeit, im Gegenteil, er zeigt eine schöne Präzision und noch jugendliche Spannung, immer wieder blitzen Honig- und Karamellnoten durch, sehr langer und druckvoller Nachhall, dem Wein merkt man seine Kraft und auch seinen Alkohol an, aber er kriegt noch gut die Kruve und darf als insgesamt harmonisch bezeichnet werden. Ich habe ihn als Solist verkostet, aber er dürfte auch ein hervorragender Essensbegleiter auch zu kräftigeren Speisen sein. Jetzt ausgezeichnet zu genießen, sollte sich aber noch länger auf dem Niveau halten.

Aus dem Keller eines Restaurants, 24 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

 

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Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

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Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

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Österreich Weiß/Rot – Großer Riesling, Grüne Veltliner, Blaufränkisch und Co.

Österreich Weiß-Rot (121 von 22)Nach dem die letzte Probe mit Rotweinen aus Österreich mittlerweile wieder über zwei Jahre zurücklag, lud ich im November 2014 zu einer bunten Probe aus weißen und roten Spitzenweinen aus Österreich zu mir ein. Die Auswahl traf ich gemäß meinen eigenen Vorlieben und Erfahrungen und war somit in keiner Weise repräsentativ.

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Weingut Knoll Grüner Veltliner Ried Kreutles Smaragd, 2008

Knoll GV Kreutles, 2008 (100 von 1)Noch immer erinnere ich mich gerne an meinen Besuch beim Weingut Knoll in der Wachau im Herbst 2009. Zwei Stunden saßen wir damals gemütlich mit Emmrich Knoll im Innenhof und schwatzen über die Verrücktheiten der Weinwelt. Ganz nebenbei verkosteten wir dabei seine 2008er-Kollektion. Heute Abend wagte ich mich an den ersten Smaragd und sollte nicht enttäuscht werden.

Zu Beginn eine saubere, aber noch sehr verhaltene Nase nach weißem Pfeffer, Melonen und gelbwangigen Äpfeln, mit der Zeit kommt eine etwas derbe Holzwürze hinzu, recht deutlich als Grüner Veltliner zu erkennen. Am Gaumen von mittlere Dichte, sortentypischer Auftakt mit einer nussig-pfeffrigen Aromatik, vermählt mit einer kandierten Zitrusfrucht, die Säure hat sich gut mit der Aromatik verbunden, zeigt aber die jahrgangstypische Pikanz an, was dem Wein aber sehr gut tut, die Aromtik ist sauber und sortentypisch, im weiteren Verlauf tauchen erneut etwas derben Kräuter auf, sie lassen den Wein ein wenig bäuerlich wirken, trotzdem insgesamt harmonisch und gut zu trinken, passabler Nachhall in dem die Restsüße des Weines auftickt. Heute auf seinem Höhepunkt.

Vom Weingut, 15 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Rudi Pichler Grüner Veltliner Federspiel, 2011

2011-RPGVF„Viel Wein für wenig Geld“ schrieb Rainer jüngst über Rudi Pichlers GV-Federspiel aus dem Jahrgang 2013.

Dem kann ich mich bezüglich der Ausführung 2011, die ich vor 2 Wochen geöffnet habe, durchaus anschließen:

Mit goldgelben Reflexen kommt der Wein ins Glas. Seine Nase fruchtbetont, eine satte birnig-melonige Frucht hat er, dazu Orangenblüte und eine feine vegetabile Würze – nur eine Nuance weißer Pfeffer. Recht voller Antrunk für ein Federspiel, betonte Fruchtigkeit ohne schwülstige Cremigkeit, eher weiche Säure; erst im weiteren Verlauf meldet sich seine Würzigkeit, die dem Wein straffere Züge verleiht. Saftig-würziger Stil, die Früchte aus der Nase finden sich auch im Mund aromatisch wieder.

Der in der Flasche verbliebene Restschluck zeigte sich am übernächsten Abend noch etwas betont würziger, die Frucht stand hier nun weniger im Vordergrund – was den Wein noch attraktiver machte. Gewiss, richtige Tiefe kommt auch mit dieser zusätzlichen Belüftung nicht auf, aber der Wein ist auch ohne Fokussierung ein im besten Sinne „Trinkwein mit sehr guten Anlagen“.

Aus dem Fachhandel, 11 EUR,  85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

Wachau Jahrgang 2013 – Riesling und Grüner Veltliner

Wachau 2013, 7 (100 von 1)Nach drei Jahren war es im Juli 2014 endlich wieder soweit: ein Besuch in der Wachau stand auf dem Programm. Ein Grund für die Reise war der Jahrgang 2013. Auch in der Wachau brachte das Vorjahr einige klimatische Kapriolen mit sich. Von Hochwasser, über extreme Hitzewellen, samt erhebliche Verrieselungsschäden, bis hin zu Trockenstress war auch in der Wachau alles geboten. Der Herbst war feucht und kühl und so reichte die Lese bis Ende November hinein. Die hohen Temperaturunterschiede ließen die Zuckerwerte beim Grünen Veltliner nicht sonderlich rasch steigen. Im Mittel sind daher leichtere bis mittelgewichtige Veltliner entstanden, wobei die Unterschiede in Qualität und Stilistik weit auseinandergehen sollen. Pauschale Aussagen zur allgemeinen Güte des Jahrganges sind gerade in 2013 wenig hilfreich. Das gilt auch für den Riesling, wobei die Säure im Mittel spürbar höher liegt als in den beiden Jahren davor. Sie wirkt jedoch ein Hauch feiner und reifer als im Vergleich zu 2010.

Fünf Weingüter standen auf dem Besuchsprogramm und insgesamt empfand ich die Weine als überaus ansprechend. Der Kick mehr an Säure erfrischt besonders den Grünen Veltliner, einzelne Weine warteten mit einem derartig finessigen Säurebogen auf, wie ich es bei jungen GVs noch nicht erlebt habe, selbst im Federspiel-Bereich. Und so unterhielt uns Abends zum Essen auch gerne einmal ein knackjunges GV-Federspiel auf das Allerbeste. Der Riesling wirkt reintönig, mit deutlichem Terroirausdruck, mit prägnanter, aber immer mit feinrassiger und reifer Säure. Die Reifeentwicklung schätze ich als beachtlich ein. Ein Jahrgang, den sich jeder ambitionierte GV- und Riesling-Freund in den Keller legen sollte. Geduld sollte man jedoch mitbringen, wobei die Federspiele bereits in der Jungend gute Dienste leisten sollten.

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