Große Weine von der Wunschliste

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(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)


Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

1 Moet et Chandon Dom Perignon, 1990
Es ging gleich mit einem Korkschmecker los.
Keine Wertung.

2 Domaine Trimbach Clos St. Hune Riesing Elsass, 1982
Ein Wein, den ich bereits mit 96 Punkte im Glas hatte, aber leider war diese Flasche nicht ganz auf der Höhe. In der Nase eine weit gereifte Rieslingaromatik mit deutlicher Firne, etwas in den Hintergrund gedrückte saubere Rieslingfrucht, besonders Kernfrüchte, würzige Mineralität. Am Gaumen wirkt er etwas jugendlicher, recht klare Fruchtaromatik, erneut Kernfrüchte, reifes Säurespiel, gute Balance, würzige Mineralität, das ist alles nicht schlecht, sehr gut sogar, aber es fehlt die Tiefe und Festigkeit, die große Clos St. Hune-Weine haben können.
88/100, jetzt trinken

3 Chateau Haut-Brion Laville Haut Brion Graves, 1996
Ebenfalls kein Flaschenglück hatten wir beim Laville. In der Nase mostige Anklänge, wirkt bereits weit gereift, Apfelbutzen, oxidative Noten, Botrytis. Am Gaumen schmelziges Mundgefühl, getrocknete Zitrusfrüchte, reife Steinfrüchte, erstaunlich beweglich, höchsten von mittlerem Körper, recht kecke Säure, die nicht sonderlich gut mit der Frucht spielt, bleibt lange am Gaumen, muss man mögen, ich mag prinzipiell die Stilistik, aber das geht viel besser.
86/100, in diesem Zustand jetzt trinken

4 Domaine Leflaive Bienvenue-Batard-Montrachet Grand Cru Puligny-Montrachet, 2001
Expressive und jugendlich frische Nase nach weißen Blütenblätter, Nüssen, Karamell, grünen Birnen und ein Hauch tropischen Früchten, das Holz tritt noch dominant auf, zeigt sich aber nobel und bestens integriert. Am Gaumen von mittlerer Dichte, saftig-fruchtiger Auftakt nach Birnen und Melone, Mandeln und Haselnüsse, erneut tauchen florale Noten auf, intensiv, harmonisch und herrlich vielschichtig, noch ein wenig Babyspeck, ist erst soeben in der ersten Trinkphase angekommen, die Säure rauschend und reif, sehr langer Nachhall.
93+/100, jetzt bis 2031

Essenswein
6 Domaine Schoffit Gewürztraminer Clos Saint-Théobald Rangen de Thann Elsass, 2005
Ungemein expressive Nase nach Rosen, hochreifen Steinfrüchten, Melonen und würziger Mineralität, sofort als Gewürztraminer zu erkennen. Am Gaumen dicht, ja von öliger Textur, mit deutlicher Restsüße, die Säure kämpft ein wenig, aber bringt Frische in den Wein, erneut dichte Aromatik, viel Rosenöl, Melone, Bittermandeln, cremiges Mineralität, ein wuchtiger, ungemein konzentrierter Wein, der wohl am besten zu einem reifen Brie gereicht wird, sehr langer Nachhall. Sehr unterschiedliche Eindrücke am Tisch, aber ein Gewürztraminer spaltet wohl jede Weinrunde. Ich fand es herrlich.
88/100, jetzt bis 2025

solaia-19787 Antinori Solaia Toskana, 1978
Sehr gefreut habe ich mich auf dieses Premierenjahr des Solaia, der noch voll zu überzeugen wusste und die ganze Reifefähigkeit dieser vermeintlich überbewerteten Supertoscaner belegte. Zunächst war der Wein überhaupt nicht modern, sondern trank sich wie ein ganz klassisch erzeugte Cabernet Sauvignon, den man seine italienische Herkunft anmerkte. Fragiles, aber sauberes Bukett nach Waldboden und Pilzen, nur ein Hauch Cassis und Brombeeren im Hintergrund. Am Gaumen ein zarter Wein, mit prägnanter Säure, die jedoch fein über den Gaumen perlt. Im Mund präsentiert er uns eine hochfeine, saubere Cabernet-Frucht, ein Hauch minziger Schokolade, leicht schmelziges Mundgefühl von den zarten Tanninen, alles wirkt tiefenentspannt und so schenken wir uns gerne nach, nicht sonderlich komplex, aber jetzt perfekt zu trinken, mittleres Finish.
90/100, jetzt trinken

Castillo_Ygay8 Marques de Murrieta Castillo Ygay Reserve Expecial, 1925
Gereifte, erblühte Nase mit intensive Duft nach Mokka und Arabica-Bohnen, arabische Gewürze, Wachholder, Reifenoten, große Nase. Am Gaumen von mittlerem Körper, hochreife dunkle Beerenfrüchte, erneut meine ich durch einen arabischen Gewürzmarkt zu rennen, derartig vielschichtige, leicht süßliche Würze begleiten die Früchte, auch wieder viel Kaffee, etwas Waldboden, ein wirkliches Füllhorn voller Aromen, tolle Balance, die Tannine vollkommen abgeschmolzen, reifes Säurespiel, kaum enden wollender Nachhall. Ein großer Wein, der vermutlich die Zeit der Reife benötigt hat.
95/100, jetzt trinken

l-ermita-19949 Alvaro Palacios L´Ermita, 1994
Klare dunkle Waldfrüchte in der Nase, erinnern an Brombeeren und Kirschen, dahinter Lakritznoten und leider auch erste störende Reifenoten. Am Gaumen feinfruchtiger Auftakt, saftige dunkle Beeren, rauschendes Säurespiel, sehr feste Struktur, die Tannine sind perfekt gereift und geben noch einen schönen Grip, gute Länge. Ein schöner Wein, der aber nicht an andere grandiose L´Ermitas herankommt.
91/100, jetzt trinken

Pingus10 Peter Sisseck Pingus, 1996
Tja, mein erster Pingus, jene Wein, der aufgrund der unverschämten Preise vorher noch nie den Weg in mein Glas fand und auch zukünftig nicht finden wird. Aus dem Glas strömt eine noble, sehr sauber gezeichnete Frucht nach Heidelbeergelee, Brombeeren und etwas Creme de Cassis, dahinter Wildkräuter, alles an der Kante zur Überreife, aber insgesamt ein gelungener Auftritt. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, konzentrierte Fruchtauftakt im Antrunk, deutliche Schokonoten, das Holz tritt jetzt noch etwas zu sehr hervor, sehr feines Säurespiel, bringt Finesse in den Wein, die Tannine wirken feinporig, sind jedoch noch nicht ganz abgeschmolzen, steinige Mineralität, viel Zug am Gaumen, gute, aber nicht herausragende Länge, der Wein hat Klasse und wird sich vermutlich noch weiter steigern, aber die Preise bleiben einfach unverschämt.
94+/100, ab 2020

Essenswein:
11 Weingut Prager Grüner Veltliner Weissenkirchen Ried Weitenberg Grüner Veltliner, 1999
Ein herrlich gereifte Grüner Veltliner, den einige am Tisch sofort richtig zuordnen. Viel gelbe Früchte, deutliche Würze und ein Hauch Botrytis in der Nase. Am Gaumen sehr gewogen, saftig, perfekt gereifte Früchte, elegante Säure, die steinige Mineralität bringt Vitalität und Frische in den Wein, gute Länge.
90/100, jetzt bis 2019

Anschließend ging es ins Burgund zu drei großen Grands Crus-Lagen:

julesbelin-richebourg12 Jules Belin Richebourg Grand Cru, 1949
Harmonisches und vollständig geöffnetes Bukett nach Sattelleder, Tabak, Espresso, getrocknete Kräuter, eingelegte dunkle Waldbeeren, tiefenentspannt. Die selbe Harmonie am Gaumen, eher leichtgewichtig, aber aromatisch eine Wucht aus süßlichen, aber frisch wirkenden Früchten, Kirschen, Himbeeren, etwas Anis, floralen Anklängen, erdige Mineralität, schmelziges Tanningerüst, erneut viel Leder und Kaffee, bewegliches Säurespiel, mittlere Länge. Ein großartiger Burgunder.
94/100, jetzt trinken

Musigny13 Domaine Comte de Vogüe Musigny Grand Cru Vielles Vignes, 1993
Hochnoble Pinotfrucht noch höchster Reinheit und Finesse, noch etwas jugendlich, verschlossen, Kirschen, Brombeeren, rote Johannisbeeren, Walderdbeeren, das ist die Duftigkeit des Burgunds auf die Spitze getrieben. Am Gaumen von mittlerer Dichte, erneut diese glockenklare und finessige Pinot-Frucht, leider noch nicht ganz geöffnet, aber die Finesse und Feinheit zieht mich sofort in den Wein hinein, steinige Mineralität, vom Holz ist nichts zu spüren, die Tannine noch mit leichtem Grip, es herrscht die glockenklare Pinot-Frucht vor, noch nicht ganz geöffnete Aromatik, sehr langer, vielschichtiger Nachhall. Ein großer Burgunder, den wir vermutlich 20 Jahre vor seinem Höhepunkt geöffnet haben.
96+/100, ab 2033

Chambertin14 Domaine Armand Rousseau Chambertin Grand Cru, 1995
Ausdrucksstarkes, überaus würziges Bukett nach geräucherten Schinkenspeck, Tapenade, rote Beeren, Himbeeren und rote Johannisbeeren wechseln sich ab, komplex. Am Gaumen dicht, sehr füllig, ein Burgunder in den man sich hineinlegen kann, bereits in Auftakt komplexes Spiel aus Frucht und Sekundäraromen, dazu kommt eine herrlich pikantes Säurespiel, Pata Negra, trifft auf Zitrusfrüchten und Himbeeren, sowie Leder und Tabak, die ganze Pracht des Burgunds lässt sich erfahren, das Holz tritt noch deutlich zu Tage, aber der Wein ist halt noch sehr jugendlich, steht noch unter großer Spannung, sehr harmonischer, verspielter Verlauf, große Nachhaltigkeit. Wer noch hat, darf dem Wein noch weitere 10 Jahr der Reife gönnen.
96/100, ab 2024

guigal14 Domaine Guigal La Mouline, 1982
Schlichtweg sprachlos hinterließ mich der La Mouline von Guigal. Ich hatte das große Vergnügen in letzter Zeit einige der großen LaLaLa´s verkosten zu dürfen und ich liebe diese Shiraz, aber dieser 82er war mit Abstand der Beste bisher. Das ist Shiraz in seiner ganzen Pracht und nähert sich in seiner Aromatik und Komplexität den großen Burgundern an. Wobei er noch würziger und wilder daher kommt, zuweilen auf Kosten fehlender Feinheit, aber nicht bei Guigal. Auch hier finde ich eine intensive Kräuterwürze mit einem Einschlag Sauvage, dazu Barbecue, Rauch, gebratener Schinkenspeck, schwarzer Pfeffer, südländische, getrocknete Kräuter, reife Brombeeren. Am Gaumen dicht gepackt ohne jede Schwere, höchster aromatischer Ausdruck, auf der einen Seite eine charmante Süße, die an Brombeeren und Himbeeren erinnert, auf der anderen Seite die wilde Seite, mit den animalischen Noten, süßlichem Pfeifentabak, getrockneten Kräuter und Speck, der Wein führt mich in seine tiefe Höhle, bis zu einem Grund aus Graphit, reife, lebendige Säure, unglaubliche Länge. Ein einzigartiger Wein.
99/100, jetzt bis 2020

penfolds-grange15 Penfolds Grange, 1982
Passend zum Guigal gab es quasi sein berühmtes Gegenstück aus Australien und es war faszinierend wie unterschiedlich Shiraz schmecken kann. Auch der Grange konnte dabei voll überzeugen, mit seinem druckvollen Bukett nach hochreifen schwarzen Waldbeeren, Schokolade, Minze, deutlich Eukaplytus, noch sehr jugendlich. Am Gaumen von dichtem Körper, mit fruchtigem, ja süßlichem Auftakt nach reifen, aber klaren und noblen dunklen Beeren, dieser saftige Fruchtansatz begleitet mich über den gesamten Verlauf, das hat Klasse und schmeckt einfach saulecker, ist aber weit von der Komplexität und Tiefe eines Guigal entfernt, diese Fruchtsüße wird dazu noch Minze, Schokolade und Eukalyptus begleitet, zum Glück geben die weichen Tannine dem Wein etwas Gripp, trotzdem bleibt der Wein ein Charmeur von dem Herren, sehr langer Nachhall. Noch lange Zukunft.
94/100, jetzt bis 2034

Essensweine

16 Domaine de Courcel Pommard Grand Clos des Epenots 1er Cru, 1999
Etwas verhaltenes, monolitisches Bukett nach Sauerkirschen, jungen Pflaumen, Toastnote vom Faßausbau. Am Gaumen von mittlerer Dichte, kräftiger, etwas kantiger Auftakt nach Sauerkirschen, ruppiges Holzmanagement, dunkle Röstnoten, Zitrusanklänge, die Säure kräftig, wenig harmonischer Verlauf, zeigt durchaus Substanz, den Wein haben wir in einer Tiefschlafphase erwischt, kann sich noch gut entwickeln, so aber nur eingeschränkte Trinkfreude.
86/100, ab 2109

17 Domaine Comtes Lafon Volnay Santenots du Milieu 1er Cru, 1999
Ganz anders und typisch Volnay-like präsentierte sich der Lafon mit einer sehr klaren Frucht, die an Schwarzkirschen und Brombeeren erinnerte, feiner Überzug von Herrenschokolade, würzige Anklänge, sehr frisch und jugendlich. Am Gaumen von mittlerer Dichte, vollausgereifte, dunkle Pinot-Frucht im Auftakt, abgeschmolzene Tannine und eine feine Süße vom Faßausbau verwöhnen meinen Gaumen, sehr seidiger und harmonischer Verlauf, packende Säure, zeigt Tiefe an, verspieltes, mittellanges Finish. Dieser Volnay hat gerade sein ideales Trinkfenster erreicht und kann nun mit Freude genossen werden, dürfte sich aber auch noch positiv entwickeln.
90/100, jetzt bis 2024

Nach dem Hauptgang ging es zum Abschluss mit Cabernet Sauvignon-dominierten Weinen weiter.

Chateau_Montelena18 Chateau Montelena Cabernet Sauvignon Estate, 1990
Unglaublich jugendlich, ja zugenagelt präsentierte sich der Montelena Estate und belegte erneut die lange Lagerfähigkeit der kalifornischen Spitzenweine. In der Nase ein kühler Duft nach Kaffee, Kakao, scheue dunkle Beeren, Heidelbeeren, Cassis, Barriquenoten. Am Gaumen betont mittlere Dichte, saftig-intensiver Fruchtauftakt, unmittelbar greifen die jugendlichen Tannine noch harsch in den Gaumen, die Frucht wirkt monolitisch noch nicht hinreichend geöffnet, auch die Säure bleibt noch außen vor und tritt unwirsch auf, der Wein hat einen festen inneren Kern, bringt aber alles mit um in 10, vielleicht 20 Jahren auf einem ganz anderen Niveau aufzublühen.
90+/100, ab 2024+

Pride19 Pride Mountain Vineyard Cabernet Sauvignon Reserve, 1994
Auch diesen Wein haben wir leider vor seiner Zeit geöffnet. Entsprach in etwa dem Montelena, nur dass das Holz noch deutlicher im Vordergrund stand, in der Nase wurde er von voll ausgereiften Cassis-Noten, samt roter Paprika dominiert. Am Gaumen dicht gepackt, intensiv-saftiger Auftakt nach Vanille, roten Paprika und süßlicher Cassis, alles etwas too much, besonders die Barriquesüße stört mich, der Wein hat zu viel Babyspeck, die Tannine sind reif, aber ebenfalls noch unwirsch, sehr nachhaltig und langer Nachhall. Die nächsten 10 Jahre nicht aufziehen.
90+/100, ab 2024+

20 Château Gruaud Larose Saint Julien, 1959
leider Kork

21 Château La Mission Haut-Brion Graves, 1989
Komplexes Bukett nach Teer, Jod, Karamell, dunkle Schokolade, Zitrusfrüchte, reife Cassis, Holunderbeeren und etwas Backpflaume. Am Gaumen dicht gepackt, eine erneut komplexe Aromatik verlangt mir alles ab, eine Mischung aus Wildbret, Backpflaumen, Leder, Teer, herber Schokolade, erst dahinter reife Cassis, im weiteren Verlauf Jod und ja, auch leider etwas Naphtalin, die Tannine noch spröde, trocknend, nicht austrocknend, monolitisch und noch sehr verschlossen, mittlerer Nachhall. Ah ha, das soll also jetzt der großartige 1989er-La Mission sein. Entweder kapiere ich den Wein nicht, oder erst gerade in einer Verschlussphase. Aber auch heute allemal ausgezeichnet.
93/100, ab 2019

22 Château Haut-Brion Graves, 1989
Etwas freundlicher zeigt sich uns der Haut-Brion, aber ohne es uns einfach zu machen, denn auch dieser Wein verlangte meine volle Aufmerksamkeit. Auch hier ein komplexes Bukett, dass mehr Fruchtaromen zeigt, allen voran Cassis, Kirschen und erneut Backpflaumen, dahinter Sauvageanklänge, Leder, Fleisch, gar etwas Wildbret und erneut Noten nach Teer und Jod. Ein ähnliches Feuerwerk im Mund, dank seiner intensiven Fruchtigkeit trinkt sich der Wein aber etwas charmanter, tolle Anklänge nach Graphit, Mocca, Eisen und Zigarrenkiste, sehr nobel, alle Aromen von großer Klarheit gezeichnet, die Tannine noch trocknend, aber reif wirkend, auch im langen Nachhall hält das Aromenspiel an. Ein gewaltig, komplexer Bordeaux, der sich ebenfalls in einer schwierigen Phase befindet, aber hier kann ich die Begeisterung über diesen Wein eher nachvollziehen.
96+/100, ab 2019

Als Rausschmeißer gibt es dann noch zwei Süße:

23 Château d´Yquem Sauternais, 1983
Intensiver Duft nach botrytisgezeichneten Früchten, Bitterorange, Pfirsiche, Bienenwachs, exotische Früchte. Am Gaumen dicht und gleichzeitig durchaus beweglich, die Süße wird gekonnt durch die intensiven Bitterorangen gepuffert, kandierte tropische Früchte, Anklänge nach neuem Holz, lebendige Säure, viel Botrytis, schon erste Reifenoten, Bienenwachs, Jod, mittlerer Nachhall und Länge.
92/100, jetzt bis 2050

24 Weingut Keller Westhofener Brunnenhäuschen Abtserde Riesling Trockenbeerenauslese Goldkapsel Versteigerung, 2009
Einfach genial dann die TBA von Keller. Obwohl wir schon alle ziemlich geschafft waren, kam zum Schluss nochmal große Begeisterung auf. Besser geht eine TBA nicht, denn ihr gelang mit genialer Leichtigkeit der Drahtseilakt aus Süße und Säure und präsentierte auf dieser Basis ein einmaliges Aromenspiel von höchster Intensität. Folgende Aromen notierte ich noch: Nougat, reife, eingelegt Pfirsiche, Zitrusfrüchte, glockenklare Aromatik, steinige Mineralität, enorme Länge.
97/100, jetzt und für den Rest meines Lebens

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3 Kommentare zu “Große Weine von der Wunschliste

  1. Pingback: Große Weine von der Wunschliste | Weintasting.de

  2. Mein Gott, Rainer, was für eine Probe 🙂
    Deine Erfahrungen decken sich mit meinen in mancher Hinsicht: 1. Grosse Guigal-Weine sind atemberaubend und fast nicht zu toppen. 2. Chambertin von Rousseau gehört zu den unverzichtbaren Weinen dieses Planeten. 3. Die Weine von Castillo Ygay machen einen sprachlos. Wobei ich befürchte, dass deren jüngste Erzeugnisse (ab den 80er-Jahren) nicht anknüpfen können an die glorreichen alten Zeiten. 4. Grosse Bordeaux enttäuschen oft. 5. Penfolds Grange – und mit ihm alle übrigen grossen Aussie-Shiraz – werden tragischerweise immer im Schatten der grossen Rhonetal-Weine bleiben. – LG, Rainer

  3. Wow- eine unglaubliche Probe!! Ich kann mich Rainer nur anschließen und dir, lieber Rainer, für deine Großzügigkeit nochmals herzlich danken – toll, dass ich dabei sein durfte.
    Auch wenn man vor lauter Spitzenweinen fast den Überblick verlor, bei mir persönlich wird der 82er La Mouline immer im Gedächtnis bleiben und ich bin nun endgültig zum LaLa -Junkie geworden, wenn da nur nicht die Preise wären….. Ganz anders, aber für mich auf ähnlichem Niveau, die Keller Trockenbeerenauslese – ich würde 100 Punkte geben, weil ich mir schlicht nicht vorstellen kann, dass ein Süßwein besser (wohl anders) sein kann! Dass reife Burgunder von Rousseau fast immer unglaublich gut sind, wurde mir auch hier wieder schmerzlich klar – (Auch hier: die Preise!!)
    Ich hoffe auf Flaschenglück am Wochenende, wo wir ja gleich drei reife Ygays trinken werden.
    LG
    Reinhard

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