Bordeaux aus den Jahren 1982 bis 1990

1 Chasse Spleen Moulis en Medoc, 1982
Sehr schöne, saubere, wenngleich schlanke Cassis-Nase. Direkt fühlt man sich gut vom Bordeaux empfangen. Daneben Kirschen und ein Hauch Mineralik, aber auch Pilze und Waldboden. Wir sind alle recht angetan. Im Mund gehen die Meinungen auseinander. Die eine Fraktion sieht den Wein, besonders im Abgang, bereits deutlich über seinen Höhepunkt hinweg. Andere sprechen von seiner üblichen, etwas bäuerlichen Machart. Auf jeden Fall ist der Wein eher von schlanker Natur, jetzt mehr Kirsche am Gaumen, die Frucht wird im weiteren Verlauf etwas mürbe und die Säure schiebt sich zu sehr in den Vordergrund. Sicherlich hat der Wein nicht mehr die Frische und Struktur der Jugend, zeigt dafür aber einen morbiden Charme des Alters.  Mittellanger Abgang.
Trinken, 83 – 84 Punkte, 84 Punkte von mir



2 Chateau Maucaillou Moulis en Medoc, 1986
Deutlich intensiver Nase, die aber nicht unbedingt mehr Spaß macht. Neben der intensiven Frucht nach reifen Kirschen, auch etwas laktische Noten, wirkt unsauber. Keine Einigkeit über den Duft, aber alle stören sich an etwas. Im Mund finden manche den Wein etwas charmanter, ja wärmer, weicher als den Vorgänger. Die Tanine sind vollständig abgeschmolzen und sorgen vermutlich für den attestieren Charme. Die Frucht ist aber leider etwas verwaschen und nicht mehr ganz in der Balance. Zehrt im weiteren Verlauf weiter aus, leicht-grüne, adstringierende Noten im Nachhall. Die Runde ist gespalten.
82 – 87 Punkte, 83 Punkte von mir



3 Chateau Sociando Mallet Haut-Medoc, 1985
Erneut eine intensive, aber nun intakte fruchtbetonte BDX-Nase. Sehr elegantes Kirschkonfit, etwas Teer, Schokolade, Zedern, Waldboden und frische Kräuter. Nicht ganz tief, aber man kann sich damit beschäftigen. Am Gaumen gut strukturierte Frucht, spürbare aber gut eingebundene Säure, die dem Wein eine animierende Frische verleiht. Dahinter edles Marzipan, ausgezeichnetes Holzmanagement, nicht ganz tief und komplex, aber ein wunderbar gereifter BDX mit ganz viel Frische. Mittellanger Abgang. Das erste Highlight.
87 bis 90 Punkte, von gibt´s 89



4 Chateau Siran Margaux, 1982
leider Kork
















5 Chateau Lascombes Margaux, 1982
Mit Ausnahme von Norbert finden alle den Wein gelungen. Die Nase ein betörender, fast parfümierter Cassis-Duft, dahinter Tabak und Leder. Im Mund sehr saftig, reintönig mit ganz viel Cassis und fleischigen Pflaumen. Vom Stall in der Nase ist nichts mehr zu spüren. Wunderbare gereifter Wein, der im Gegenteil zum Sociando nicht von seiner Frische, sondern von seiner weichen, samtigen Textur lebt. Wird nur gestört von der im Abgang etwas aufkommenden Säure und den noch immer rauen Tanninen. Wir sind im Zweifel ob diese sich noch gänzlich einfügen werden. Mittellanger Abgang.
88 – 91 Punkte, 90 von mir



6 Chateau Palmer Margaux, 1982
Sehr weiche, harmonische Nase ohne Kanten und Ecken mit viel Röstaromen. Wirkt etwas überreif und langweilig, aber die übliche Margaux-Stilistik ist unverkennbar. Trotzdem etwas enttäuschend. Im Mund leicht süßliche Frucht, Früchtetee, Hagebutten. Wiederum sehr samtig und weich, fast belanglos. Nur ein Spur Leder und die Tannine rütteln uns ein wenig auf. Der Wein war vor fünf Jahren bestimmt noch schöner. Es fehlt ihm an Frische und Kraft. Guter, vielleicht ein wenig arg ruhiger Nachhall.
86 – 88 Punkte, von mir 88





7 Chateau Ducru Beaucaillou Saint Julien, 1985
Kork Nummer 2.











8 Chateau Leoville Las Cases Saint Julien, 1985
Prägnante, raffinierte und sehr saubere Bdx-Nase. Wir notieren Krokant, Nougat, Karamell, rotbeerige Frucht, Graphitnoten. Ausgezeichnet. Auch im Mund sehr facettenreich und animierend zugleich. Viel verspielte Frucht im Antrunk mit süßem Pfeifentabak und einer feinen Arabica-Note. Über den gesamten Verlauf werden wir von einem feinen Säurespiel begleitet. Keinerlei Altersnoten, noch sehr jung und lebendig. Sehr guter und spannungsgeladener Nachhall.
90 – 92+ Punkte, 92 Punkte von mir





9 Chateau Leoville Las Cases Saint Julien, 1989
Faszinierende Nase –ernst und hedonistisch zu gleich. BDX im allerbesten Sinne: viel Cassis, Kirschextrakt, ganz zarte Holzwürze und Kräuter. Ungemein vielschichtig und von jugendlicher Eleganz. Auf ähnlichen Niveau im Mund. Der Antrunk facettenreich mit komplexen Fruchtextrakten nach Holunder, roten und schwarzen Beeren, eingelegten Kirschen, etwas Pflaumen, noch jugendliches Holz nach Zedern und Zigarrenkiste, noch nicht ganz abgeschmolzenen Tanninen, die meisten Leute können die grünen Noten von manchen Teilnehmer nicht nachvollziehen, aber einig sind sich aller in der Klasse des Weins. Der Abgang sehr lang, noch leicht unruhig mit viel Anspruch. Kann ein großer Wein werden.
92 bis 95+ Punkte, 94 von mir

Essenswein 1 Chateau Poujeaux Moulis en Medoc, 1990
Rubinrote Farbe, saubere, offene Bdx-Nase, rote Beeren, Holz, Kräuter, nicht besonders tief, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, saubere, durchaus gereifte Frucht, ein Leichtgewicht von eher harmonisch-eleganter Ausrichtung, mürbe Tannine, schöne Säure, ohne Ecken und Kanten, ordentliche Länge, ein Saufwein (Norbert Kreutzer)
88-89 Punkte, keine Punkte von mir (musste ja kochen)







Essenswein 2 Chateau Giscour Margaux, 1990
Rubinrote Farbe mit aufhellendem Rand, in der Nase saubere, offene Frucht, dunkelrote Beeren, Kräuter, Unterholz, eher leichtgewichtig mit feiner Reife, im Wein von leichtem Körper, ein fein gereifter Bdx mit sauberer, eleganter Frucht, leichter Bauart, präsenter Säure, passable Länge, Solo getrunken würde er mir zu wenig bieten, als Essensbegleiter gewinnt er, wenn die Speise nicht zu kräftig daherkommt, 85 NK Punkte (Norbert Kreutzer)
83 – 86 Punkte



10 Chateau Lynch-Bages Pauillac, 1983
Kork Nummer 3.









11 Mouton Rothschild Pauillac, 1985
Elegant, etwas maskuline Nase, klar, sauber mit Kokusraspeln (Bounty), Cassis, Kaffee und viel südlichen, holzigen Kräutern. Im Mund saftig mit viel Cassis und Pflaumen im Antrunk. Noch sehr jung, aber schon jetzt ein Schmeichler mit viel Konzentration. Im weiteren Verlauf etwas spröde wirkend, kräuteriger Kühle, leicht stumpfende Tannine, die Frucht wird zum Abgang hin etwas unsauber. Schade, der Wein fällt auf die letzten Meter etwas ab. Wir sind skeptisch, ob sich dass noch alles einfinden wird. Trotzdem ein guter Wein mit ansprechender Länge. Von einem Premier Cru erwarten wir uns aber mehr.
88 – 90 Punkte, 88 von mir



12 Chateau Haut Batailley Pauillac, 1982
Kork Nummer 4.











13 Mouton Rothschild Pauillac, 1998
Sehr feine, komplexe Nase nach Cassis, Waldboden, Pilzen, etwas Zwetschge und roten Johannisbeeren. Dahinter Leder, süßen Tabaknoten. Im Mund sehr sauber, klar, voller Saft, einer wunderbaren Süße, Kaffee, Mokka, mineralische Noten, komplexe Röstaromen vom Fassausbau, im langen Abgang Schokosahne, viel Schmelz, Kräutrig, noch nicht ganz harmonisch. Die Tannine noch etwas grob, für manche wird der Wein vordergründig.  Die Gesellschaft ist recht gespalten.
88 – 93 Punkte, ich mag´s und geb 93



14 Baron Pichon Pauillac, 1982
Überaus feine, elegante Nase nach dunklen Beeren und Früchten, etwas Waldboden und einer kreidigen Mineralik. Im Mund viel süße Frucht, sehr animierend und schmeichlerisch. Wunderbar samtige Tannin und Holzstruktur, reife, aber noch intakte Säurestruktur. Zarte Schokosahne begleitet den Wein bis zum langen Abgang. Ganz hinten fängt er ganz leicht zu vibrieren an, so gerade kann er noch seine Struktur halten. Wir vermuten einen baldigen Abstieg. Aber heute noch ein ganz ausgezeichneter BDX.
90 bis 94 Punkte, von mir 93





15 Cos d´Estournel Saint Estephe, 1986
Erstaunliche kräftige, jugendliche, ja unentwickelte Nase voller Konzentration: Menthol, viel Kirsche, Schoko-Nougat. Am Gaumen von vollem, ja kräftigem Körper und enormer Konzentration. Wirkt noch nicht ausbalanciert, dürfte sich aber in den nächsten 3-5 Jahren öffnen. Die rauen Tannine verdecken noch so einiges und so mangelt es dem Wein an Charme und Harmonie. Trotzdem erkennt man schon heute die Tiefe und Komplexität des Weines. Sehr langer, intensiver Abgang mit viel dunklen  Beeren und Früchten, dunkler Bitterschokolade und guten, noch stark aufrauenden Tanninen. Ein Wein mit ausgezeichnetem Zukunftspotential.
91 – 93+ Punkte, von mir 93 Punkte



Fazit:
Der Korkgott war uns an dem Tag nicht gewogen. Von dem was er übrig ließ, würde ich heute am liebsten die beiden Las Cases und den Baron trinken. Cos hat enormes Potential, wirkt aber jetzt noch sehr verschlossen und sperrig. Mouton lohnt die hohe Investition nicht, wobei der 88 wirklich Klasse besitzt. Und als (einigermaßen) bezahlbaren und noch erhältlichen, gereiften Bordeaux kann ich den 85er Sociando wärmstens empfehlen. Ich hatte den Wein nun schon öfters im Glas und jede Flasche macht sofort Spaß und liefert sicher knapp 90 Punkte ins Glas. Die 80er-Jahre werden mich in Zukunft weiter beschäftigen. Zum einen sind die Weine heute in der Regel trinkreif, was ja für einen Weintrinker ja nicht ganz unwesentlich ist. Dann wurde in dieser Zeit sicherlich noch der typischer Bordeaux-Stil gepfegt, was man von den aktuellen Jahrgängen, aus welchen Gründen auch immer, wohl noch kaum sagen kann. Es gibt aus dieser Dekade immer noch bezahlbare, ganz hervorragende Weine, die vielleicht aufgrund des aktuellen Hypes ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Man muss sich aber auf die Suche machen…

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4 Kommentare zu “Bordeaux aus den Jahren 1982 bis 1990

  1. Pingback: Bordeaux 1982 – 1990 – Ein kleine Bestandsaufnahme « Nur ein paar Verkostungen …

  2. Schade dass der 1983er Lynch Bages Kork hatte, dann er ist in hervorragender Form: klassicher Machart und sehr fein mit schoener Laenge. Bei eine Probe, die wir neulich organisiert haben war diese Flasche im Handumdrehen leer. 1983 ist ein unterschaezter Jahrgang!

    Gruss,
    David

  3. …interessanter Überblick! Vielen Dank dafür, kann mich nur anschliessen: Werde ich bei der Suche definitiv berücksichtigen!

    Gruss, Jan

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