Chateau Montus Madiran, 1999

Südlich von Bordeaux, irgendwo im Nirgendwo kurz vor den Pyrenäen, liegt das 500-Seelen-Örtchen Madiran. Dieses hat seine Bekanntheit vor allem durch die enorm tanninreichen Weine, die dort gewonnen werden. Die Weinberge sind mit der lokalen Traube Tannat bestückt, woraus die tanninstärksten Weine Frankreichs gewonnen werden, in der Jugend wahre Tanninmonster, die die Winzer durch Verschnitt und Holzeinsatz zu zähmen versuchen. Eine undokumentiert gebliebene Probe in der Bonner Weinrunde Anfang 2008 zeigte, dass das oft nicht gelingt. Der einzige Wein, der eine Eleganz zeigen konnte, wie sie gereiftem Madiran nachgesagt wird, war der Platzhirsch Chateau Montus mit dem Cuvée Prestige. Heute im Glas gab es den kleineren Bruder, den einfachen Chateau Montus, der neben Tannat auch noch etwas Cabernet Sauvignon enthält.

Im Glas ein dunkles Kirschrot mit braunen Reflexen, gar nicht mal so dunkel, ein erster Wasserrand, leicht trüb in der Glasmitte. Die Nase ist rauchig und würzig und erinnert an glühende Holzkohle. Dazu kommt eine intensive, frisch wirkende Frucht von schwarzen Kirschen und Paprika. Das Bukett ist sehr sauber und gefällt gut, keine Spur von den gefürchteten Leder-, Schweiß- oder Stallnoten. Im Antrunk sowohl eine extraktreiche Frucht als auch viel cremiges Tannin. Der Aromakern öffnet sich mit vielen schwarzfruchtigen Noten von Kirschen, Beeren und dunklen holzigen Toastnoten, auch etwas Reifenabrieb und erste erdige Noten. Sehr trocken, die Säure ist noch ganz vital wirkt zusammen mit Frucht und Tanninschmelz sehr animierend. Die Tannine sind teils schon abgeschmolzen, sie trocknen nicht mehr stark und blocken den Wein auch nicht, vielmehr passen sie sich gut in die Aromatik und in den Verlauf ein. Immer noch wirken sie dabei kernig und wärmend. Um das abzubauen und noch mehr Eleganz zu entwickeln, braucht es sicher noch einige Jahre. Dafür hat er alle Anlagen.

Interessanterweise wurde mit Weinen aus dem Madiran die berühmte gesundheitsfördernde Wirkung von Rotwein angeblich wissenschaftlich belegt. Nun ja, der eine oder andere Wein aus dieser Gegend schmeckt auch wie Medizin. Nicht aber dieser Montus. Vier Stunden dekantiert, offen verkostet.

Aus dem Fachhandel, 14,90 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2010-2014

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Chateau Le Cedre Le Prestige Cahors, 1999

Schwarzrot, trotz seines Alters kaum Aufhellungen am Rand. 100 % Malbec lassen grüßen. In der Nase schwarze Johannisbeeren, dunkle Früchte, etwas ledrig, sowie eine pralle schwarze Amarena-Kirsche, nicht überbordend alkoholisch. Animierend und trotz der 13% Alkohol deutlich auf der eleganten Seite. Im Mund eher schlank als füllig, trotzdem kraftvoll, zeigt Ansätze von Tiefe. Dunkle Früchte und eine deutliche Säure, die dem Wein zunächst die Harmonie nimmt. Mit mehr Luft, insbesondere am zweiten Tag harmonischer. Geschmacklich knochentrocken, neben den dunklen Früchten auch eisern-mineralisch (Blut?). Schmeckt ein wenig wie ein rustikaler Saint-Estèphe und dürfte ein Medium-Steak perfekt begleiten. Mittellang. Am Gaumen deutliches Tannin, recht geschliffen, aber ein klein wenig trocknend. Ich bin erleichtert – die letzte Flasche hatte derart deutliche „Brett-Noten“, dass ich dachte, ich stünde mitten in der Stallboxengasse. Diese Flasche hat meine Befürchtung, dass die gesamte Füllung betroffen sei, jedoch nicht bestätigen können. 3 Stunden dekantiert, offen verkostet, zu Hause.

Im Fachhandel, ca. 10,50 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt bis 2011