Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

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Domaine Méo-Camuzet Pinot Noir Nuits-Saint-Georges Aux Boudots Premier Cru, 2007

IMG_0432Der 2007er-Aux Boudots von Meo-Camuzet ist ein Pinot, wie ich es mir von dieser Lage erhoffe. Fein, subtil, tief und ohne die oftmals gröbere Struktur eines Nuits-Saint-Georges, vielmehr trägt er noch die Feinheit seiner Nachbar-Appeltation Vosne-Romanée in sich, an dessen unmittelbaren Grenze dieses Cru liegt. Schon heute wunderbar zu trinken, wenngleich er sich wohl erst in zwei bis drei Jahren vollständig entfaltet haben wird. Er duftet feinsinnig nach diversen Blüten und Früchteteearomen, ein Hauch Jasmin lässt an asiatische Tees erinnern, dazu Abrieb von Orangen und Zitronen, nicht zu vergessen rote Johannisbeeren und ein Hauch Sauerkirsche, im Hintergrund zeigt sich eine noch verschüchterte Kräuterwürze, insgesamt komplex und klar. Am Gaumen von mittlere Dichte, saftig-feinsinniger Auftakt nach roten Johannisbeeren, Orangenabrieb und erneut Jasminblüten, sehr eigenständig, es zeigen sich auch Kräuter, eine feine Röstigkeit vom Faßausbau, feinsinniges, lebendiges Säurespiel, ungemein animierender Trinkverlauf, die Flasche leert sich in Rekordzeit, vollkommen reintönig, die Tanine noch, wirklich nur einen Hauch trocknend, und der Fruchtkern nicht ganz entfaltet, ich muss es nochmal sagen: ungemein frisch und klar, ausgezeichneter Nachhall. Ein fast femininer Burgunder mit glockenklarer und frischer Fruchtausprägung. Ein Hochgenuss, der leider mittlerweile seinen unverschämten, äh ich meinte burgundischen Preis hat.

Aus einer Auktion, 67 Euro (heute ca. 120 Euro), 92 Punkte, jetzt bis 2030

Domaine Fourrier Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Champeaux Vieille Vignes, 2007

IMG_0393Seit Jean-Marie von seinem Papa Jean-Claude zu Beginn der 90er-Jahre diese Domaine übernommen hat, entwickelt sich das Gut derart gut, dass es heute sicherlich zu den besten Domaines der gesamten Cote-d’Or gezählt werden darf. Strikt im Einklang mit der Natur werden hier Weine von großer Natürlichkeit und Klarheit erzeugt. Die Trauben werden entrappt und dann im Keller möglichst sich selbst überlassen. Bei nur 20% Neuholz darf der Pinot seine herrliche Frucht ungeschminkt zeigen und oftmals schmeckt man bei Fourrier, ob der Wein aus Gevrey, aus Chambolle, aus Morey oder aus Volnay kommt; in allen Appellationen hält die Domaine Besitze bedeutender Lagen, wobei der Schwerpunkt wohl in Gevrey-Chambertin liegt. Für alle, die ihre Nase voll haben von den holzgeschwängerten, süßen Pinots egal welcher Herkunft, ist diese Domaine eine unbedingte Empfehlung.

Heute habe ich mir seinen Champeaux aus 2007 ausgesucht. 2007 gilt als früh zugänglicher Jahrgang, was auch dieser Pinot bestätigt. Überzeugendes Bukett mit dunklen, noch jugendlich anmutenden Beeren und Schwarzkirschen, hinter der Frucht getrocknete Kräuter, Thymian und dazu die üblichen speckigen Aromen von luftgetrocknetem Schinken. Dazu ganz dezente Noten vom Fassausbau, Herrenschokolade, etwas Nüsse, leicht mineralische Anklänge, noch sehr jugendlich kompakt die Nase, aber überzeugend. Am Gaumen schlichtweg ein toller Pinot, perfekte Verbindung aus Konzentration und Feinheit, im Antrunk viel Saft von dunklen Beerenfrüchten und herrlich gereiften Schwarzkirschen, dazu Orangenzesten, steinwürzige Mineralität umgibt die Frucht, dazu getrocknete Kräuter und Schinken, die Tannine herrlich reif, noch mit ganz zartem Grip. Der Wein ist noch jung, aber jetzt in einer perfekten Trinkphase. Diese ungemeine Saftigkeit der glockenklaren Pinotfrucht ist einfach sehr ansprechend. Im Mund zeigt sich das Holz noch weniger als in der Nase, hier darf sich wirklich die Frucht ausbreiten, ist aber derart vielschichtig, kühl und nobel, dass es mir nie langweilig wird. Dazu kommt ein packender und harmonischer Verlauf bis in den sehr guten Nachhall. Das hier ist schlichtweg ein ausgezeichneter Burgund am Beginn seiner Trinkreife und mit viel Zukunft ausgestattet.

Aus einer Auktion, 80 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Domaine Robert Chevillon Pinot Noir Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Vaucrains, 1996

Chevillon Les Vaucrains, 1996 (1 von 1)Der Vaucrains von Robert Chevillon habe ich dank eines Weinfreundes und Liebhaber des Burgunds vor etlichen Jahren entdeckt und seitdem habe ich den Wein recht regelmäßig im Glas. Nuits-St-Georges ist nicht unbedingt meine bevorzugte Appelation im Burgund. Die Weine sind würzig-erdig, rustikal und neigen zu Aromen, die ich eher der Côte des Beaune zuschreiben würde. Dies trifft auch auf den Vaucrains zu, aber Chevillon schafft es sehr regelmäßig eine klare und saftige Frucht dagegenzusetzen.

In der Nase Walderdbeeren, Pflaumen, bodennahe Würze, getrocknete Kräuter, kraftvoll, fast jugendlich, im Hintergrund Abrieb von der Zitrone. Am Gaumen zeigt der Wein sich noch erstaunlich jugendlich, im Antrunk viel Sauerkirschen, etwas Himbeeren und Cassis, dazu Teer und Kräuterwürze, die Säure ziemlich pikant, wirkt noch sehr kompakt, die Tannine noch nicht ganz abgeschmolzen, zeigt noch Krallen, trotzdem steht dem soviel Frucht dagegen, dass ich mich nicht daran stören kann, dazwischen blitzen immer wieder Zitrusfrüchte, Sauvage-Anklänge und die übliche bäuerliche Grobheit von Niuts-Saint-Georges durch. Ein Burgunder, der ganz hervorragend zu unserem gebratenem Hirschfilet passte. Als Solist fällt mir dann auf wie sehr er sich hinten raus verschlankt und eine uncharmante Tanninstruktur offenbart, der Nachhall wird dadurch ordentlich ausgebremst. Dadurch verleidet er es mir eine ausgezeichnete Wertung zu geben, aber so ist 1996 oftmals – lange haltbar, jugendlich frisch, aber zuweilen mit groben und uncharmanten Tanninen.

Vom Fachhandel, 70 Euro, 88-89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2023

Domaine Christian Clerget Pinot Noir 1er Cru Les Charmes Chambolle-Musigny, 2005

Clerget les Charmes, 2005 (1 von 1)Erst kürzlich war ich enttäuscht von dem 2006er-Echezeaux des Weingutes. Seine übermäßigen Tannine verleideten nicht nur mir, sondern jedem anderen am Tisch die Trinkfreude. Ich wollte daher recht schnell nochmal einen Wein dieser Domaine probieren und meine Wahl viel auf den Les Charmes, einer Premier Cru-Lage ziemlich genau im Zentrum der Appelation Chambolle-Musigny.

Dieser Chambolle-Musigny präsentierte die Feinheit und Klarheit, die ich von einem Wein aus dieser Appelation erwarte. Er duftete noch jugendlich nach roten Beeren umgeben von floralen Anklängen, herb-würzige mineralische Noten, getrocknete Kräuter, sehr dezente Faßnoten nach dunkler Herrenschokolade und Kokos im Hintergrund, reintönig und herrlich fruchtig. Am Gaumen überaus animierend dank seiner saftigen Frucht und einer feinporigen Säure, die perfekt mit der Frucht vermählt war. Über den gesamten Verlauf spielten beide ein perfektes Duett und es lag über allem ein Geschmack von roten Waldbeeren, insbesondere Aromen von der Sauerkirsche waren präsent, diese einen Hauch überzogen von Karamell und Schokolade.  Diese Aromen vom Faßausbau und die Frucht brachten den Wein in eine ansprechende Balance. Die in der Nase wahrgenommene Mineralität stellte ich am Gaumen weniger fest, nur eine gewisse Würze von diversen Trockenkräuter nahm ich war und erneut florale Noten. Dieser Pinot hatte heute Saft, Frucht und einen gewissen Schmelz, wirkte aber nie süß und lässt sich heute in diesem jugendlichen Stadium herrlich genießen. Hinterlässt einen durchaus nachhaltigen Eindruck, die Tannine sind reif, noch etwas aufrauhend, aber bestens integriert und er bleibt auch lange am Gaumen stehen. Ausgezeichnet!

Vom Fachhandel, 46 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Domaine Bouchard Pére & Fils Pinot Noir Le Corton Grand Cru, 2006

IMG_0319Die Nase duftig und feinsinnig; erinnert mich an rote Johannisbeeren, getrocknete, gecrunchte Kräuter, ein zarter Hauch Würze und Schokolade vom Faßausbau, dahinter Anklänge von frisch aufgeschnittenen Orangen und Zitrusnoten, trotz vorhandener Feinheit verkennt das Bukett nicht die Festigkeit eines Grand Crus. Erscheint mir jetzt in einem geöffneten Stadium. Oftmals habe ich Pinots aus dem Corton gröber, oder anders ausgedrückt maskuliner wahrgenommen, dies ist hier nicht der Fall. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, der saftige, klarfruchtige Auftakt lässt bei mir sofort große Freude aufkommen  – ach wie schön, willkommen du Herbst, die Jahreszeit für Pinots aus dem Burgund. Auch hier zeigt sich mir eine geöffnete und reinfruchtige rote Johannisbeere, dazu schmeckt es wie jugendliche Schattenmorellen. Die Kräuter und die Anklänge vom Faßausbau sind herrlich mit den Fruchtnoten verwoben und komponieren so die notwendige Vielschichtigkeit in den Wein, die ich mir von einem Grand Cru erhoffe. Die Faßaromen würzig, ohne Süße, präsent, ohne sich aufzuspielen. Die Tannine fassen den Wein noch selbstbewußt ein, eine leichte Pelzigkeit breitet sich auf meinem Gaumen aus, dies stört mich aber nicht wirklich, denn die Frucht ist über den gesamten Verlauf das bestimmende Element.

Dieser Corton ist natürlich noch ein wenig jugendlich, seine Kraft noch ungezähmt, aber er lässt schon einen schönen Einblick in seine Aromatik zu und ja, wer eine gewisse Primärfruchtigkeit in einem Wein nicht vermissen möchte, darf gerne schon jetzt den Wein öffnen und wird gefallen darin empfinden – besser wird er vermutlich nicht mehr werden, nur anders. Die Säure ist hinreichend agil und schon heute bestens eingebunden. Insgesamt ein ausgezeichneter Pinot, der mit seinem mittlerem Tiefgang weniger aufgrund seiner aufregenden Komplexität überzeugt, als dank einer ansprechenden Harmonie und Trinkigkeit, dies mag sich aber noch mit etwas Reife entwickeln. Erneut erweist sich der Jahrgang 2006 als harmonisches und früh zugängliches Jahr.

Vom Fachhandel, 60 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Weiße Burgunder von der Côte d’Or von 1978 bis 2007

chardonnays
Ein guter Weinfreund öffnete an diesem Abend seine Schatzkammer mit gereiften Chardonnays von der Côte d’Or. Für mich war es die erste Probe in dieser Breite und auf diesem Qualitätsniveau. Der Gastgeber achtete bewusst auf eine große Auswahl an Winzern und Appellationen, und so durften wir eine repräsentative, aromatische Bandbreite weißer Burgunder verkosten. Dank der vielen Jahrgänge konnten wir den Chardonnay in vielen unterschiedlichen Entwicklungsstufen erleben. Die gereiften Weine mit einer „19“ auf dem Etikett belegten erneut die Reifefähigkeit der weißen Burgunder – fast alle präsentierten eine saubere Fruchtaromatik, das Holz war oft gar nicht mehr oder nur mehr leicht im Hintergrund zu vernehmen. Dafür brachten komplexe Sekundäraromen Tiefe und Komplexität ins Bukett und an den Gaumen. Weiterlesen →