Sieben Spätburgunder vom Weingut Ziereisen

Nach dem ersten Teil mit einer Vertikalen des Oestricher Doosbergs und des Mittelheimer St. Nikolaus von Peter Jakob Kühn (hier nachzulesen) standen in der Bonner Weinrunde im März 2012 Spätburgunder des badischen Weinguts Ziereisen auf dem Programm. Alle Weine wurden am Vortag geöffnet und doppelt dekantiert – und somit nachhaltig belüftet.

1. Ziereisen Spätburgunder Rhini 2007


In der Nase gekochte Walderdbeerfrucht, dezent grüne Kräuter, Ein sehr annimierender Holzeinsatz. Trotz seiner Jugend wirken die schmelzigen Holzeindrücke sehr moderat und stimmig eingebunden. Im Antrunk eine säuerliche Erdbeerfrucht, die Säure ist sehr präsent und steht etwas vor. Mittlerere Dichte. Gerade die Säure gibt dem Wein viel Zug und lässt ihn schlanker wirken. Das Tannin noch leicht trocknend. Mittellanger Nachhall, auch hier setzen sich die Holzeindrücke angenehm fort. Für meinen Geschmack einige Jahre zu jung, aber nicht uninteressant. (84+ Punkte)

2. Ziereisen Spätburgunder Rhini 2006


Eine verhalten rauchige Nase, etwas Speck, dazu Herrenschokoladennoten. Nur zurückhaltende Walderdbeereindrücke. Leicht fülliger Antrunk, der Wein ist zugänglich und in der Balance, wieder Speck und etwas Walderdbeere. Feine Fruchtsüße, die dank einer kräftigen, aber für meinen Gaumen noch animierenden Herbe nicht aufdringlich wird. Mildes Tannin, leicht trocknend. (keine Bewertung)

3. Ziereisen Spätburgunder Rhini 2005


Auch in dieser Nase ein wenig Speck, wenngleich mehr seine Fruchttiefe betonend. Kirsche und Erdbeere, ein Hauch Lorbeerblatt und – sehr schön – ein feiner Minzeton, der Komplexität vermittelt. Im Mund mittelvoll und wohlbalanciert, schöne Schokoschmelznoten, Kräuter, eine angenehm unaufdringliche Fruchtsüße. Schon jetzt ein runder Auftritt, der aber noch Reserven zeigt. Leicht trocknendes Tannin legen hiervon Zeugnis ab, mittellanger Nachhall. Noch drei Jahre liegen lassen. (88+ Punkte)

4. Ziereisen Spätburgunder Rhini 2004


Der letzte Wein im Rhini-Flight. Wenig verwunderlich, der am meisten gereifte. Und doch bleibt er ein wenig im Schatten des 05ers zurück. Er beginnt mit einer altholzigen Kirschnase, eher fein gewirkt, etwas kompottig. Betont die Erdbeerfrucht und deutet Schokoaromen an – bleibt im Direktvergleich aber eher der einfachere Wein. Bitte aber nicht falsch verstehen, dies ist bei Leibe kein schlechter Wein. Im Mund eine sauber gezeichnete Kirsch- und zunehmend Erdbeerfrucht, etwas schwarzer Pfeffer. Mittellang und in Summe harmonisch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hat Trinkreife. (87 Punkte)

5. Ziereisen Pinot Noir Jaspis „Alte Reben“ 2005


Eine röstige Kaffeeduft-Nase erwartet uns, viel Herrenschokolade, die die im Vergleich eher schwächer ausgeprägten Fruchtaromen nach Walderdbeere überlagert. Im Mund fällt zunächst eine kraftvolle Säure auf, der Wein tritt an mittlerem bis schon vollem Körper, konzentrierter als Rhini, zeigt gute Struktur. Zunächst eine Idee weisser Pfeffer, der Wein wirkt zwar aminierend aber doch noch sehr jugendlich. Deutet seine Tiefe in diesem Stadium nur in Ansätzen an. Viel Kräuter, viel Erdbeere, das Tannin ist noch sehr kantig, hat aber eine Spur Saftigkeit. Könnte sich mit weiterer Reife schön entwickeln. (89+ Punkte)

6. Ziereisen Pinot Noir Jaspis „Alte Reben“ 2004


Wein 06 zeigt sich seltsam – die Runde ist recht schnell überzeugt (meinereiner inklusive), dass dieser Wein einen Fehler hat. Während die Nase noch mit kompottigen Johannisbeernoten aufwartet, kippt der Wein am Gaumen – trotz aller Konzentration – in einen seltsamen Ton. Wir vermuten, dass Milchsäure hierfür der Grund ist. Spass macht das jedenfalls in aller Plötzlichkeit nicht mehr. (keine Bewertung)

7. Ziereisen Pinot Noir Jaspis „Alte Reben“ 2003


Eine sehr harmonische, unaufgeregte Nase erwartet uns aus diesem Hitzejahr. Sehr gut balanciert mit Kirsche, Erdbeere und Kräutern, wirkt der Wein schon hier reif, aber ohne ein Problem auf Alkoholseite. Das Holz stützt gut, Schokokrokant und Nougatnoten runden die Fruchtaromen ab. Kein Alkoholproblem. Im Mund mit feinem Schokoschmelz, eher fruchtsüßerer Stil, wenngleich auch hier sehr harmonisch. Mittelvoller Körper. Am Gaumen leicht trocknendes Tannin. Am Gaumen langer, schokoschmelziger Nachhall – erst hier zeigt sich ein leiser Alkoholton. Diesen Wein zu einem kräftigen Essen genossen dürfte in 2012/2013 viel Spass bereiten. (89-90 Punkte)

Fazit

Was fällt auf? Ziereisen weiß gut mit Holz umzugehen. Die „Alten Reben“ weisen durchgehend mehr Dichte (und Holzeinsatz) auf. Aber auch Rhini kann in (sehr) guten Jahren durchaus gefallen. Mein persönliches Fazit: Ich bleibe lieber bei Rhini, wenn denn eben der Jahrgang stimmt. Das Mehr an Konzentration und gefühltem Holz im Jaspis macht – jedenfalls für mich – keinen automatischen Mehrwert beim Genuss. Das darf man aber getrost anders sehen. Die Entscheidung düfte also eher einer der persönlichen Vorliebe sein und die Frage, zu welchem Anlass man den Wein trinken möchte.

(Guido Mueller)

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