Eine Elsass-Reise im April (26.04.2008)

Vom 24. bis 26. April 2008 hatten wir ein freies Wochenende, einen Kombi, der bewegt werden wollte, und wunderschönes Frühlingswetter. Was gibt es also Besseres als eine Spritztour ins Elsass. Wir besuchten fünf Winzer in zwei Tagen – das Programm war moderat, aber bunt gemixt.

Marc Kreydenweiss, Andlau

Das Weingut liegt inmitten des beschaulichen Zentrums von Andlau, einer kleinen, tief zwischen Vogesenhängen gelegenen Stadt – ein gutes Stück jenseits der Route du Vin und von daher wenig touristisch. Neben dem Eingangsportal des von außen bescheiden wirkenden Gutes trägt ein modernes Schild aus Fieberglas zurückhaltend den Namen der Domaine. Im Erdgeschoss befinden sich Büros und Lager, während die modern eingerichtete Verkostungsstube im Obergeschoss untergebracht ist – gespickt mit originalen Malereien und Skulpturen, die bei Kreydenweiss jedes Jahr neu als Künstleretiketten auf den Flaschen zu finden sind. Dort angekommen gewährt uns ein großes Panoramafenster einen Blick auf die Toplage Kastelberg und lässt Vorfreude auf die Verkostung aufkommen. Es beginnt jedoch mit einer kleinen Hiobsbotschaft, der einfache Andlauer Gutsriesling ist bereits vergriffen. Was wir aber verkosten können, soll uns mehr als vertrösten. Das gesamte Sortiment glänzt mit hervorragender Qualität. Alle Weine zeichnen sich durch ein einmaliges Säurespiel aus, stets straff und doch tief und verspielt. Einmalig auch die mineralische Aromatik in Nase und Mund. Die Verkostung sollte uns in Erinnerung bleiben. Kreydenweiss gelingt es, ein ganz eigene tief mineralische Note in den Wein einzubringen. Im übrigen auch lohnenswert sind die Abholpreise ab Hof. Ab zwölf Flaschen gibt es ganze 20 Prozent Rabatt, wovon wir begeistert Gebrauch machten. Also unbedingt den Kombi mitbringen und für die Weinfreunde miteinkaufen!


Pinot Blanc Kritt 2006
Duftet nach reifen gelben Früchten und weißen Blumen, mit einer spürbaren Mineralik im Hintergrund. Im Mund zeigt sich eine schöne Säurestruktur mit konzentrierter Extrakt- und auch wahrnehmbarer Restsüße. Ordentliche Balance der Fruchtaromen von mittlerer Substanz, Zitrusfrische, druckvoll am Gaumen, guter Abgang. Insgesamt ein sehr guter Weißburgunder, für den günstigen Weingutspreis ein absolutes Schnäppchen. (10g/l RZ, 7 Euro, 88-89 Punkte, 2008-2012)


Clos Rebberg Riesling 2005
Dichter und mineralischer Duft nach Zitrusfrüchten und Anklänge von Jod. Im Mund knochentrocken, straff und fest, mit deutlichen Aromen nach Feuerstein und erneut Zitrusfrüchten, am Gaumen salzige Noten mit ordentlicher Substanz, der Abgang mit angenehmen zarten Bitterspuren von mittlerer Länge. (1g/l RZ, 16 Euro, 90+ Punkte, 2010-2020)


Kastelberg Riesling Grand Cru 2005
Wirkt in der Nase sehr jung, fast verschlossen, aber extrem straff und tief, mit rassiger und ausdrucksstarker Aromatik nach Waldboden und Trüffeln, getragen von holzigen Gewürzaromen, durch die zupackende Mineralik aber stets frisch und belebend. Im Mund nicht ganz trocken, erneut mit ausdrucksstarker Schiefermineralik, enorm tiefe Aromatik mit erdigen Noten nach Trüffeln und Moos, perfekt eingebundene Säure mit Kraft und Spiel gleichermaßen, hinten eine Spur Bitternoten, unglaublich langer Abgang. Soll jahrzehntelang halten und noch viel besser werden. Einer unser persönlichen Favoriten auf der gesamten Elsass-Reise! (9g/l RZ, 33 Euro, 94+ Punkte, 2010-2030)


Wiebelsberg Riesling Grand Cru 2006
Erneut tiefer und erdiger Duft nach Waldboden und Pilzen (Champignons), auch Trockenblumen, insgesamt eine würzige Aromatik mit straffer, tiefer Mineralik. Im Mund merklich Restsüße, kräuterige Aromen mit Anklängen von Steinobst, insgesamt sehr saftig, mit zartem Schmelz, verspielter Säure und toller Substanz und Tiefe. Nicht ganz so zwingend wie der Kastelberg, dafür aber gefälliger und schon jetzt einladend und wunderbar zu trinken. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis! (18 Euro, 91+ Punkte, 2008–2020)


Pinot Gris Clos Rebberg 2005
Sehr eindringliche Nase nach Karamell und gelber Pflaume mit leichter Mineralik. Im Mund trocken, ein fruchtiger gelber Pfirsich, erneut Karamell, eingebunden in einer schönen, harmonischen Säure und mit zarten mineralischen Anklängen, ordentlicher Abgang. (16 Euro, 89 Punkte, bis 2011)


Pinot Gris Moenchberg Grand Cru 2004
Komplexe und tiefgründige Nasen mit Firntönen, gelben Früchten und auch ein Aroma von Möhren, wirkt noch jung, straff und tief. Im Mund dann offener, eine volle Frucht mit leichten harmonischen Bittertönen im ordentlichen Abgang. Steckt den Restzucker hervorragend weg. (20g/l RZ, 16 Euro, 89+ Punkte, 2010-2012)


Pinot Gris Moenchberg Grand Cru 2006
Trotz des jugendlichen Alters schon jetzt eine betörende Nase nach reifer Birne und gelbem Apfel, mit schöner, straffer Mineralik als ausdrucksstarkes Gegengewicht, auch kräuterige Noten. Im Mund ebenso die reife Birne, merkliche Restsüße und Säure, aber alles wunderbar integriert, sehr tief. Am Gaumen ein erstaunlicher Druck, sehr nachhaltig aufgrund seines Extrakts und soliden mineralischen Fundaments, noch sehr jung mit einem bereits jetzt erstaunlichen Abgang aus Bitter- und Süßaromen. Einer der besten Grauburgunder der Elsass-Reise, ein rassiger Wein! (50g/l RZ, 18 Euro, 93 Punkte, 2009-2017)


Domaine Schoffit, Colmar

Die Lage dieses ehrwürdigen Weingutes ist bemerkenswert. Die Domaine liegt zwischen Schrebergärten, kleinen Gemüseäckern und Hühnerställen gänzlich unscheinbar in einem der äußeren Bezirke von Colmar. Vom Charme der Stadt ist hier wenig zu spüren. Ebenso das Weingut, es erscheint uns vielmehr wie ein kleiner bäuerlicher Betrieb. Der Eindruck setzt sich fort in der umgebauten Scheune, in der die Verkostungen stattfinden, bescheiden mit ein paar einzelnen Tischen ausgestattet. Einige Weine hingegen sind nur wenig bescheiden in dem Eindruck, den sie hinterlassen — wenn auch von ganz anderer Stilistik als bei Kreydenweiss. Auch hier ein virtuoses Mineralikspiel, nicht von ganz so großer Opulenz und Eleganz wie beim Kollegen aus Andlau, dafür feiner und filigraner. Auch treten die Fruchtnoten deutlicher und vielfältiger hervor. Das Sortiment ist aufgeteilt, zuerst in die günstigeren Weine aus Colmarer Lagen. Die Rieslinge sind sehr geradlinig, mineralisch und überwiegend kochentrocken. Hier überzeugten uns vor allem die Gewürztraminer, die mit ihrer trockenen, mineralischen, aber doch fruchtaromatischen Stilistik zu den besten auf unserer Reise gehörten. Der zweite, etwas kostspieligere Teil der Weinliste kommt aus dem Clos Saint Theobald, dem legendären Weingarten im Grand Cru Rangen de Thann, der die Domaine Schoffit berühmt gemacht hat. Der Qualitätssprung zu diesen Weinen ist enorm. Wir legten unseren Fokus hier auf die trockenen Gewächse. Bei den Vendanges Tardives und Selections de Grains Noble, die uns in allen möglichen Varianten präsentiert wurden, beließen wir es beim Verkosten und ließen sie undokumentiert. Süßwein-Spezialisten dürften hier ihre wahre Freude haben.


Pinot Blanc Auxerrois Vielles Vignes 2005
Los ging es mit dem einfachen Pinot Blanc. In der Nase deutlich Birne, merkliche Säure und ein schwacher Hauch von Mineralik. Im Mund eher ein indifferente dropsige Fruchtnote mit einer etwas schwachen Säurestruktur. Sicherlich ein angenehm zu trinkender Alltagswein, aber ohne besondere eigene Note. Kurzer Abgang. (8g/l RZ, 7 Euro, 75 Punkte, jetzt trinken)


Riesling Lieu-dit Harth Tradition 2004
In der Nase etwas indifferente Fruchtnote nach Honig und Zitrus. Im Mund wieder Honig und Zitrusnoten, jedoch nun präziser und dadurch eine interessante Kombination, die wirklich Spaß macht. Der kurze Abgang überrascht mit deutlichen Spitzen der Säure und wirkt dadurch letztlich etwas unharmonisch. (10g/l RZ, 8,20 Euro, 83 Punkte, bis 2009)


Riesling Sommerberg Grand Cru 2006
Zu Beginn deutlich animalische Noten, erinnert irgendwie an Leberwurst, daneben eine deutlich Mineralik, keine Frucht. Im Mund gänzlich andere Aromen von Melone, exotischen Früchten, dabei sehr mineralisch, fast kreidig. Eine ungewohnte Kombination von Nase und Gaumen, die sehr interessant ist und Spaß macht. Jedoch scheint uns der Körper eine Spur zu filigran zur sein, fast dünn, es fehlt ihm auch etwas an Säurespiel. Der Wein ist noch sehr jung, ungemein straff, wir waren uns uneins, wohin er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Insgesamt ein interessanter und schmackhafter, sehr guter Riesling. (20 Euro, 85+ Punkte, 2010-2016)


Riesling Rangen de Thann Clos Saint-Theobald 2002
In der Nase Ananas und Zitronenbiskuit, im Mund eine cremige Mineralität und ein pulsierender, sich ständig wandelnder Aromakern. Die Säure sitzt perfekt: tief eingebunden und weich, aber dabei immer noch ungemein animierend. Zusammen mit der kühlen, cremigen Mineralität ergibt sie eine schöne ätherische Frische, die die Fruchtaromen gut abpuffert. An Aromen getrocknete und kandierte gelbe Früchte. Komplex, lang und ungemein elegant. Einer der spektakulärsten Rieslinge des Elsass! (13 Euro für 0,375 l, 94 Punkte, bis 2016)Rainer: 95 Punkte (groß) – ein ganz großer Riesling!!!)


Pinot Gris Lieu-dit Harth Vielles Vignes Cuvée Alexandre 2004
In Nase eine intensive Duftwolke nach reifem Steinobst und Rosinen, so als hätte man eine fruchtsüße Auslese im Glas. Am Gaumen Rosinen und die klassische Aromatik von Trauben mit Botrytis. Der Wein ist allerdings trocken ausgebaut, der Alkohol wirkt etwa steif. Nicht ganz überzeugend. (13,60 Euro, 84 Punkte, jetzt trinken)


Pinot Gris Rangen de Thann Clos Saint-Theobald 2005
Der beeindruckendste Pinot Gris unserer Reise. Die Nase wird von einem komplexen, ein-dringlichen Spiel von Fruchtnoten und mineralischen Noten betört. Im Mund überrascht eine deutliche Süße im Stile einer Auslese. Dieser Pinot Gris ist längst nicht richtig trocken ausge-baut, die Vergärung stoppte bei fast 20 Gramm Restzucker – typisch für die Pinot Gris aus 2005. Erstaunlich aber auch hier das feine mineralische Aroma wie bei dem Riesling aus der Lage. Ganz anders aber die opulente, von Extrakt uns Restzucker gestützte Melonenfrucht und das Bukett nach weißen Blumen. Dazu jede Menge Kraft und ein großer Körper. Atemberaubend, wie hier Mineralität und Opulenz aufeinandertreffen. (29 Euro, 93+ Punkte, 2010-2020)


Gewürztraminer Lieu-dit Harth Caroline 2004
In der Nase zunächst die klassischen Rosen- und Lychee-Aromen, dann aber auch eine schöne Mineralik. Der Wein wirkt frisch und agil. Im Mund setzt sich diese Kombination fort, auch die Säure ist perfekt eingebunden und unterstützt weiter die unheimliche Frische des Weines – ein ungewöhnlich feiner, wirklich trockener Gewürztraminer. Der Abgang ist lang und hinterlässt ganz zarte florale Aromen. Toll! Sagenhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis! (9,50 Euro, 88 Punkte, 2008-2012)


Gewürztraminer Lieu-dit Harth Alexandre 2005
Der gleiche Wein aus gleicher Lage, nur fruchtsüß ausgebaut und ein Jahr jünger. Er zeigt bei den Aromen, was man von einem guten Gewürztraminer erwartet – aufgrund der vorhandenen Restsüße fehlt ihm nun aber diese besondere Frische und Eleganz, die das Cuvee Cariline zu bieten hatte. Die Säure begnügt sich damit, die Süße in Balance zu bringen, trotzdem entsteht schnell ein Gefühl der Sättigung. Kein schlechter Wein, aber er bietet weniger als viele seiner Konkurrenten. (13,60 Euro, 83 Punkte (gut), 2008-2015)


Gewürztraminer Rangen de Thann Clos Saint-Theobald 2005
Der beste Gewürztraminer unserer Reise, leider mit den wenigsten Notizen, wahrscheinlich verschlug es mir die Sprache. Der Wein hat meine vorurteilsbehaftete Meinung vom Gewürz-traminer gründlich revidiert, bei der sich fast nie mehr als Lychee und Rosen im Glas finden lassen. Dieser Wein hat uns aufgrund des unheimlich komplexen Bouquets in der Nase, aber auch im Mund begeistert. Wieder zu verzeichnen sind diese besonderen mineralischen Aro-men, die der Clos Saint Theobald seinen Weinen wie einen Stempel aufdrückt. Dazu kommen reife, cremige Zitrustöne von Blutorangen und ein Strauß an Kräutern wie Eisenkraut und Minze. Beachtlich ist auch wieder die Säure, die die Mineralität stärkt und dem enormen Ex-trakt erfrischend gegenübertritt. Wenn auch nicht ganz, so doch ziemlich trocken und endlos fein. (36 Euro, 94+ Punkte (ausgezeichnet), 2014-2016)


Domaine Albert Boxler, Niedermorschwihr

Erneut finden wir uns auf einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb wieder, diesmal im ma-lerisch an sanften Vogesenhängen gelegenen Niedermorschwihr. Eine kleine Bauernstube im ersten Stock dient als Verkostungsstube. Albert selbst hat sich schon einige Jahre aus dem Geschäft zurückgezogen. Sein Enkel Jean führt den Hof und hat leider wenig Zeit und ebenso wenig Weine vorrätig. Also verkosten wir einfach, was auf Tisch steht und hoffen darauf, dass mal wieder Qualität vor Quantität kommt. Das Ergebnis ist gemischt.


Riesling 2006
Der einfache Gutsriesling ist eine Enttäuschung. Die Nase bietet eine belanglose Fruchtnote. Am Gaumen das gleiche Spiel, aber gepaart mit spürbarer Säure, die im Abgang noch einige Spitze in Richtung Gaumen abfeuert. Sicherlich nicht fehlerhaft, aber ohne wirklichen Spaßfaktor. (8 Euro, 74 Punkte (passabel), jetzt trinken)


Riesling Sommerberg „E“ (Eckberg – oberer Bereich) Grand Cru 2006
Zu allererst eine deutliche Mineralik in der Nase, die dann aufregend mit Zitrus. Und Minzea-romen kombiniert wird. Im Mund die gleiche Stilistik, sehr trocken, stahlig mit deutlicher Säu-re, adstringierend. Der Wein ist noch sehr unruhig, er macht es einem nicht einfach, ist aber sehr interessant. Ein klassischer Essengebleiter. Obwohl wir nicht vollkommen begeistert sind, überrascht uns diese Kombination an Aromen und wir legen uns einige Flaschen in den Keller. Noch heute grübele ich darüber nach, welche Speise wohl die ideale Kombination wäre. (16 Euro, 85+ Punkte, 2014-2016)


Riesling Sommerberg „D“ (Dudenberg – Alte Reben) Grand Cru 2006
Erneut mineralische Aromen in der Nase, aber noch stärker und straffer ausgebildet, dazu eine dezente Fruchtaromatik nach Steinfrüchten, ohne jede Süße. Im Mund wieder sehr tro-cken, aber nur dezent adstringierend, sogar eher weiche, cremige Akzente. Die mineralischen Noten spielen ein gekonntes Duett mit klassischen Riesling-Aromen. Im langen Abgang eine deutlich spürbare, jedoch schon perfekt eingebundene Säure. (4g/l RZ, 16 Euro, 88 Punkte, 2012-2016)


Domaine Barmès-Buecher, Wettolsheim

Am nächsten Morgen strahlt erneut die kühle Frühlingssonne, und so fahren wir erfrischt und bester Laune in Richtung Süden nach Wettolsheim, um das Programm von Barmès-Buecher zu verkosten. Mit ebenso guter Laune begrüßt uns die Tochter des Weingutes, ihre Eltern sind gerade in mit einer Gruppe von Nicloas Jolys Rennaissance des Appelations in Brasilien, weil dort soeben die Nachfrage nach Riesling & Co. stark ansteigt. Wir bekommen Sorge um die Preisentwicklung der Weine und wollen daher direkt starten.


Pinot Auxerrois 2004
Die Rebsorte gehört zur Gruppe der Burgunder und wird auch noch an der Obermosel und in Baden angebaut. Soll an Weißburgunder erinnern, allerding mit weniger Säure. Unser Wein hat in der Nase mineralische Aromen, wirkte insgesamt sehr warm mit einer verhaltenen undefinierten Frucht. Am Gaumen überrascht eine spitze Säure, die Struktur ist eher schlicht und die Frucht erinnert an Apfel. (8 Euro, 81 Punkte, jetzt trinken)


Pinot Blanc Rosenberg 2002
In der Nase eine zurückhaltende Frucht nach Birne, mit schöner Mineralik und Schmelz. Im Gaumen wird der Wein zunächst etwas stumpf, dann fächert er aber auf und präsentiert eine schöne, jedoch einfach Frucht und eine ansprechende Säure. Kurzer Abgang. (10 Euro, 83 Punkte, bis 2009)


Riesling Herrenberg de Turkheim 2004
Klassische, schlanke, aber sehr saubere Steinfruchtaromen in der Nase. Im Mund sehr stahlig, die Fruchtaromen sind vorhanden, werden aber von einer ausgeprägten Säure mit deutlichen Spitzen in Schacht gehalten. Uns war es zu viel, für Liebhaber säurebetonter Rieslinge ein Muss, auch wegen des günstigen Preises. (10,50 Euro, 82 Punkte, bis 2009)


Riesling Rosenberg 2005
Wieder eine sauber gemachte Steinfrucht in der Nase, aber eine Spur präsenter, knackiger. Dieses Mal auch am Gaumen eine nachdrückliche Frucht, viel besser eingebundene Säure und schöne mineralische Noten. Der Abgang ist deutlich länger und ohne jede Spitzen. Ein wirklich gut gemachter Riesling. (6g/l RZ, 13 Euro, 86-88 Punkte, 2011-2013)


Riesling Leimenthal 2003
Duft nach Mineralien, Zitrus, exotischen Früchten und süßen Kräutern. Dicht im Mund mit leichten Mostnoten, schmelziger Struktur und schöner Mineralik (etwas anderes ist uns nicht eingefallen). Der Abgang ist gut bei einer sanften Säure (wir waren uns nicht einig, ob man auch unzureichende Säure sagen könnte). (6,5g/l RZ, 85-87 Punkte, 2008-2013)


Riesling Hengst Grand Cru 2003
Kommen wir zu den Grand Crus: Was für ein Wein! In der Nase sehr harmonisch, aber gleichzeitig tief und komplex nach Mandarine, gelben Früchten, Nektarinen und exotischen Früchten duftend. Im Mund cremig und sehr dicht mit einer leichten und verspielten Fruchtigkeit, reintönig mit Mineralität und wunderbarer Säure. Der kräftige Körper nimmt die gesamte Mundhöhle in Anspruch. Mehr haben wir nicht notiert, zählt aber zu den besten Rieslingen unsere Reise neben dem Kastelberg, aber mit einer völlig anderen, fruchtigen Stilistik. (22,80 Euro, 92+ Punkte, 2016-2020)


Riesling Steingrübler 2004
Nicht ganz so elegant wie Hengst, deutlich süßer mit mehr Steinfrucht. Auch im Mund wirkt der Wein breiter und süßer, mit deutlich mehr Restzucker. (18 Euro, 88 Punkte, 2012-2014)


Pinot Noir Réserve 2005
In der Nase holzwürzige Aromen, besonders Rauch, aber auch schöne Fruchtaromen nach dunklen Waldbeeren. Diee 12 Monate im Barrique merkt man dem Wein an. Neben Rauch auch noch schöne dunkle Beerenaromen. Im Mund von mittlerem Körper, kompakt, stoffig und insgesamt von einer eigenwillig kargen Stilistik; nicht uninteressant. Der nicht sonderlich lange Abgang wird von einer frischen Säure und milden Taninen begleitet. (13 Euro, 85 Punkte, bis 2010)


Pinot Noir Vieilles Vignes 2002
Die Reben kommen ausschließlich aus der GC-Lage „Hengst“. Spätburgunder ist nicht als edle Rebsorte im Elsass zugelassen und darf daher nicht als Grand Cru-Wein vermarktet werden. Trotz allem wird der Wein wie ein GC verarbeitet, sprich niedrigste Erträge (40hl/h in 2002) und gänzlich in neuen Barriques ausgebaut. In der Nase noch intensivere Röstaromen wie in der Reserve und erste Reifenoten. Daneben steht eine schöne Frucht nach dunklen Beeren und Winterkräutern. Im Mund primär Röstaromen, insbesondere nach Leder, und nur eine schlanke Frucht im Hintergrund. Man könnte auch sagen, ein Brett an Tannin, das dringend weicher werden muss. Ich bin selbst überrascht, aber mit gefällt es, und bin dabei mit meiner Meinung eher allein. Egal, eine Flasche kommt mit nach Hause. (22 Euro, 84 Punkte, bis 2009)


Pinot Gris Herrenberg 2003
Ein betörendes Früchtebouquet insbesondere nach reifen Äpfeln verführt die Nase, deutliche Reifenoten und Sponti-Nase. Am Gaumen tritt die Fruchtnote etwas zurück und harmoniert dadurch perfekt mit anregenden Würzaromen, alles getragen von einer guten Säurestruktur. Guter Abgang. Es wird Zeit, meine Vorbehalte gegenüber Grauburgunder abzulegen. (3g/l RZ, 11,50 Euro, 86 Punkte, jetzt trinken)


Gewürztraminer Herrenberg 2003
Ein Gewürztraminer der Extraklasse, der bereits in der Nase neben den typischen Aromen zusätzlich eine spannungsgeladene Gewürzaromatik bietet. Am Gaumen spürt man eine hohe Extraktdichte, die für mächtigen Druck am Gaumen sorgt, erneut tolle Anklänge von Gewür-zen wie Nelken und Koriander. Das Highlight aber, die wunderbar eingebundene, überaus vitale Säure, die alle Aromen über den langen Abgang perfekt begleitet. Mann, ich mag doch keinen Gewürztraminer, und nun zieht er mich doch in seinen Bann, trotz all der Rosen und Litschis. (8g/l RZ, 12 Euro, 90 Punkte, bis 2012)


Gewürztraminer Hengst Grand Cru 2003
In der Nase wie oben, aber noch eine Spur komplexer und intensiver, zusätzlich mit Anklän-gen von Zitrus. Am Gaumen wieder unheimlich extraktreich, jedoch mit deutlich mehr Süße und etwas weicher und harmonischer. Auch hier das perfekte Säurespiel mit einem noch et-was längeren Abgang. Großes Kino! (15g/l RZ, 20,60 Euro, 91 Punkte, bis 2015)


Gewürztraminer Pfersigberg Grand Cru 2000
In der Nase klassische, aber komplexe Aromen mit Rosine, Wachs und Honig, aber auch mit deutlicher Petrolnote. Im Mund noch erstaunlich frisch, die Altersnoten treten deutlich zurück und geben Raum für eine schöne Fruchtaromatik aus Rosen, Litschi und Rosinen, im Gegensatz zu den Weinen zuvor recht süß. (18,40 Euro, 86 Punkte, bis 2011)


Gewürztraminer Steingrübler Grand Cru 2003
In der Nase zunächst zurückhaltend mit vielschichtigem würzigem Duft, auch deutliche Ank-länge von Blutorange, neben den üblichen Gewürztraminer-Aromen. Im Mund sehr tief, straff und fest strukturiert im Mund, feinste Säure mit enormem Druck am Gaumen, komplexe Kräuteraromen in perfekter Harmonie mit Rosen und Steinobst. Ein perfekter Gewürztraminer, noch ganz jung, mit großartigem Abgang. Der beste Gewürztraminer unserer Elsass-Reise mit großem Potenzial zu einem für die Qualität günstigen Preis. (40g/l RZ, 18 Euro, 93 Punkte, 2010-2020)


Und zu guter Letzt …

Im Anschluss ging es noch zu Seppi Landmann nach Soultzmatt. Ein wild romantisches Dorf im Südelsass, gelegenen in einem weit auslaufenden Tal der Vogesen. Bis zur Probe blieb noch ausreichend Zeit, die Crand-Cru-Lage von Landmann, den Zinnkoepfle, zu inspizieren. Dank der Hanglage wird man nach vollbrachtem Anstieg (eigentlich kaum der Rede wert) mit einem schönen Blick auf das Dorf und die umliegenden Vogesen belohnt. Schade, die Weinprobe entsprach dann leider nicht den Versprechungen des Ausblicks. Die Weine blieben allesamt deutlich hinter denen von Kreydenweiss, Schoffit, Boxler und Barmés-Buecher zurück. Viel wirkten einfach nicht reintönig, manchmal gar schlampig vinifiziert. Der Riesling aus dem Zinnkoepfle wusste zwar mit seiner cremigen Struktur und filigranen Säure zu gefallen, aber hatte nichts Besonderes bei der Frucht zu bieten. Die besten Gewürztraminer waren gut, aber nicht ausgezeichnet. In Erinnerung blieb uns trotzdem Einiges: unzählige Fotos von Soultzmatts Ehrenbürgerin Sophie Marceau in diversen Küsst-den-Winzer-Posen, (fast) wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Alkohol am Steuer eher unproblematisch sei, ein im Barrique viele Jahre lang oxidativ ausgebauter Gewürztraminer und nicht zuletzt, dass Wein mit zunehmendem Alter grundsätzlich immer besser wird – so wie der (tote) Gewürztraminer von 1982, der ab Weingut 100 Euro die Flasche kostet. Na denn Prost! Aber vielleicht sind wir ja auch einfach nur Banausen.

Wir können auf alle Fälle Ausflüge ins Elsass empfehlen. Nicht nur großartige Weine gilt es zu entdecken, sondern zumeist auch viel Sonne, eine wunderschöne Landschaft, ein sympathisches Hotel und gutes Essen – schöne Grüße an die Caveau Morakopf und die Villa Rosa –, nicht zuletzt Colmar, das in den ersten Sonnenstrahlen des Jahres besonders charmant und fröhlich wirkt. Das nächste Mal planen wir noch Zind-Humbrecht und Meyer-Fonné ein. Und Lorentz. Und Bott-Geyl. Und Josmeyer. Und Domaine Weinbach. Herrje!

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Ein Kommentar zu “Eine Elsass-Reise im April (26.04.2008)

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