„Weihnachts-Tasting“ 2014

Weihnachtstasting 2014 - Titel (100 von 1)Am „dritten Weihnachtstag“ 2014 versammelten sich einige Weinfreunde um Rainers großen Esstisch, um das diesjährige Fest noch ein wenig zu verlängern. Wie stets bei diesem „Nachweihnachts-Tasting“ war es die Vorgabe, möglichst schöne Weine aus den Kellern zu bergen und den anderen Teilnehmern – natürlich blind serviert – auf den Tisch zu stellen. Die Teilnehmer gaben sich ersichtlich Mühe, die anderen Weinfreunde zu „beschenken“…

Weihnachtstasting 2014 - Einzel (100 von 1)Tradtionell beginnt auch eine solche Probe schäumend, diesmal mit dem aktuellen „Schatzfund“ der Weinentdeckungsgesellschaft, in diesem Jahr aus dem Pfälzer Weingut Dr. Wehrheim. Mit „Keschde und Männle“ wurde 2011er Riesling aus dem Kastinienberg und Weissburgunder aus dem Mandelberg zusammengeführt und dann von Raumland sorgsam als Sekt ausgebaut. Ein in der Nase jugendlich wirkender Sekt, betont fruchtig, Apfel und ein wenig Birne, im Antrunk ein jugendlich lebendiger Sekt, der aromatisch durch einerseits seine schöne Apfelfrucht und andereseits durch herb-steinige Mineralität zu gefallen wusste. Gute Anlagen sind da, aber es hat hier keine Eile (ab 2016+), heute 88+/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel2 (100 von 1)Dass der Schlossberg 1996 von Breuer weiter war, konnte ob des Jahrgangs Niemanden verwundern. Und doch zeigte sich der Wein wunderbar frisch und bestens gereift. In der Nase neben Reifetönen etwas Pfirsich und eine Aromatik, die an festes Gestein erinnert, wunderbar komponiert und sehr animierend. Klarer und hocheleganter Antrunk, kaum Reifetöne, mit dichter Struktur und zugleich einzigartiger Leichtigkeit. Frucht (gelbe Pflaume, Quitte) und schiefrige Mineralik sind tief verwoben, die feingliedrige Säure zeigt Pikanz. Trockener und straffer Verlauf. Harmonischer Nachhall mit mittlerer Länge. Gewinnt mit Luft und Wärme noch mehr an Ausdruck. Großes Riesling-Kino mit klassischer Rheingau-Aromatik. 95/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel21 (100 von 1)Wein Nummer 3 versteckte sich aromatisch ein wenig – „Burgund weiss“ wurde selten genannt Francois Mikulski Meusault Genevrieres aus 2002. In der Nase Marzipan, etwas oxidativ, leicht mostiger Apfel, Kaffee, Zitruszeste, etwas Karamell insgesamt ein intensives und tertiäres Bouquet. Im Mund wirklich sehr eigenständig, aromatisch näher an einem torfigen Malt-Whiskey, Aromen von nassem Boden und salzige Brise, Caramell, grüner Apfel, heller Rauch. Hoch stehender Alkohol (gefühlt mehr als die 13%, die auf dem Etikett deklariert sind), dazu eine schön ziselierte Säure. Deutlich mittelanges Finish. 92/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel3 (100 von 1)Namhaften Kontrast hatten wir nach dem Burgunder mit Wein 4: In der Nase ein Korb gelber Früchte, hochreifer Stil, vehement aus dem Glas drückend. Auch im Mund ein Bolide, sehr extraktreich bereits im Antrunk. Wieder gelbe Frucht. Saftige Art, die vorhandene Säure kommt kaum hinter dem Extrakt zum Vorschein. Charmant im Verlauf, der Extrakt kleidet den Mundraum vollflächig aus. Langes, fruchtbetontes und säure-pikantes Finish. Er macht ein wenig satt, dieser 2002er Ruppertsberger Reiterpfad GC von Bürklin-Wolf, Klasse aber hat er: 92/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel4 (100 von 1)Auch aus 2002, aber mit völlig anderem Ansatz dann der de Ladoucette Pouilly-Fumé Baron de L: sehr rauchige Nase, dahinter scheue Gras-Noten, etwas Cassis-Blatt. Im Antrunk geschnittes Gras, Cassis-Blatt, schafft mit seiner rauchig-mineralischen Struktur einen spannenden Ausgleich zur Cassis-Aromatik. Balance ist das Thema dieses Weines: feine Frucht und tiefes, feuerstein- mineralisches Spiel. Sehr gelungen ist er, dieser anspruchsvolle Wein! 93/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel5 (100 von 1)Ebenfalls anspruchsvoll, aber ungemein spannend der 1991 Clos de Colee de Serrant von Nicolas Joly. Schon mehrfach hatte ich diese Weine aus verschiedenen Jahrgängen der 1980er und 90er Jahre im Glas – richtig angetan war ich selten. Anders heute. In der Nase abgebrannte Zündhölzer, Rauch, Marzipan, reife Aprikose. Entwickelt im Glas zunehmend Komplexität.

Im Mund dann eine leicht verstörende Aromatik aus abgebranntem Schießpulver und Spearmint. Knochentrockener Ausbau, gänzlich fruchtbefreit. Nur noch eine Ahnung von Apfel ist da. Würziger Verlauf, Reifetöne, die an welkes Laub erinnern. Herbstwald. Mittellang und harmonisch – wenn man sich auf so etwas einlassen mag. Ich mochte. 91/100 GM.

Soweit zu den Nicht-Rotweinen. Beeindruckend die Perfomance und die Vielfalt der mitgebrachten Weine. Vielleicht sollten wir uns für 2015 doch einmal „weiße Weihnachten“ wünschen?

So konnte es jedenfalls weiter gehen…

Ging es zunächst aber nicht. Denn sehr reife Weine standen zur Verkostung – Jahrgang 1929, einmal als Bordeaux, einmal als Burgunder.

Ausgezeichnet waren beide Weine leider nicht. Der 1929er St. Emilion GC von Jean Voisin (wie vom geübten Weintrinker unschwer auf dem Etikett zu erkennen) war ein metallisch riechender und auch nicht mehr sonderlich animierend schmeckender Vertreter. Wer Schuh-Politur und freudloses Eisenkraut schätzt, durfte hier frohlocken. Schade also. Leichter Körper, rote Frucht nur noch angedeutet, Aromen von Blut und Malz – nicht mehr sonderlich imponierend, 83/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel7 (100 von 1)Weitaus gefälliger der Burgunder aus dem Hause Bouchard & Fils, ein lagenlosen 1929er Gevrey Chambertin. In der Nase Schokoladenspuren, Liebstöckel, etwas Weihnachtsgewürz, reichlich eingewickelt in Lorbeerblättern. Im Mund schokoladig-schwarzkirschig, leider mit etwas zu deutlichen Säure. Kaum mittlere Dichte, das steht dem Wein aber recht gut. Wie gesagt, auch in diesem Wein ist viel Säure vorhanden, dieser stehen aber noch genügend Reste von Holz und Frucht entgegen, 86/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel6 (100 von 1)Zum köstlichen ersten Fischgang gab es einen 2005 Arcadian Chardonnay Sleepy Hollow Vineyard, ein in der Nase noch holzgeprägter Chardonnay, der dahinter aber schon schöne Zitrone- und Butterscotch-Aromatik freigab. Im Mund mit mittlerer Dichte, holzgeprägt, viel Birne und Zitrone. Das trinkt sich sehr angenehm der Extrakt bleibt im Verlauf schön fokussiert und trägt nach bis ins lange Finish (hier, aber nur hier wird der Wein eine Spur zu hitzig). 88+/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel8 (100 von 1)Nach dem Essen wieder Rotwein. 1999 Miquel Gelabert Vinja Son Caules, um präzise zu sein. In der Nase hat dieser Mallorciner karamelliges Holz, Holzkohle, Johannisbeeren-Gelee. Das ist alles nicht schlecht, aber bleibt dann doch zu prägnant auf den Holzaromen stehen. Im Mund merkt man, dass der Wein viel Sonne gesehen hat: kraftvoller Antrunk, Schwarzkirsche, satte und seidige Frucht, mit merklicher, kompottiger Fruchtsüße Charme vorgebend. Bleibt etwas eindimensional, auch seine herbe Holzaromatik hilft dem Wein nicht weiter. Vielleicht braucht er aber nur noch einige Jahre Reife? 86+?/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel9 (100 von 1)Wein 11 überzeugte mit einer Nase nach rotem Rosenpaprika, Kirsche, etwas staubigem Holzschrank und Orangenschale. Im Mund ausgereifte rote Paprika, Vollmichschokolade. Eine schön eingebundene Säure. Ein feiner Süße-Kern und etwas alkoholische Wärme (passte noch) lässt auf Neue Welt schließen. Das Tannin ist noch kräftig, auch etwas trocknend. Vermutlich braucht der Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon Wein noch einige Jahre – Trinkreife vermutlich ab 2020+, heute 91+/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel10 (100 von 1)Ob man dem 12. Wein eine gleichfalls gute Zukunft attestieren kann – dies bleibt am Tisch ohne klares Ergebnis diskutiert. Die Mehrzahl der Teilnehmer blieb skeptisch. Der Brunello di Montalcino Riserva 2001 von Eredi Fuligni hat eine tiefe, sehr klare rotbeerige Frucht in der Nase, dazu Hagebutte. Dazu dezente Holzaromen. Wirkt aber recht verschlossen. Weitaus offener im Mund: saftiger Antrunk, Kirsche und rote Johannisbeere, klarer und tiefer Fruchtkern, schöne Struktur, klar, dicht, trocken. Bis dahin guter Verlauf. Problematisch wird jedoch das Finale des Weines. Hier wird der Wein herb-bitterlich, die Tannine sind streng und trocknen massiv – einige am Tisch meinen, er trockne gar aus und werde nicht mehr besser. Unsichere Prognose – entweder 2020+ oder nie wieder. Time will tell. 87+?/100 GM


Weihnachtstasting 2014 - Einzel11 (100 von 1)Wieder ein vom Cabernet Sauvignon dominierter Wein kam mit Wein 13 ins Glas: in der Nase Paprika, erste Reifetöne, Waldboden, aber auch Charme dank Schwarzkirsche und feiner Schokoladigkeit. Und dies setzt sich so auch im Mund fort: Schokoladenspuren, Zigarrenkiste, viel dunkle Kirsch- und Beerenfrucht. Fleischige Art. Kräftig der Verlauf, was das Tannin betrifft, auch eine leichte Herbe ist vernehmbar. Das Tannin dürfte sich aber einbinden, weitere 5 Jahre Lagerung düfte dem 2000 Tour des Gendres Cuvée Antologia gut tun. 91+/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel12 (100 von 1)Hochreife war das Motto der Nase des 2003er Noon Winery Reserve Shiraz, was sich in der Nase mit lackigen, rumtopfigen Noten und einem nachhaltigen Alkoholton negativ wiederspiegelte. Im Mund eine Orgie aus flüssigem Kakao, Rumtopf, Schoko-Mousse und Piment. Sehr konzentrierter Verlauf, aber nur eine moderate Süße. Bleibt trotzdem anstrengend. Kurzer, schokoladiger Abgang. Macht sehr schnell müde und lässt echten Trinkfluss nicht aufkommen. Ersetzt aber einen vollwertigen Nachtisch. 86/100 GM


Weihnachtstasting 2014 - Einzel13 (100 von 1)Es mag überraschen, aber im Direktvergleich war der 1990er Clos du Mont Olivet „Cuvée du Papet“ dagegen fast schlank, fast aber nur… er hat aktuell eine schöne fleischige Nase, in der gemüsige Reifetöne, ein Hauch dunkler Frucht und weißer Pfeffer vorherrschen. Im Antrunk zunächst mit feiner Schokoladigkeit, wieder nur eine angedeutete Frucht. Angenehme Reifetöne beherrschen den Wein, Leder und Pfeffer sind neben den Schokonoten prägend. Der Wein trinkt sich sehr schön zur Zeit, muss auch nicht mehr weiter lagern – allein ein wenig mehr Komplexität hätten wir uns erwartet. Dennoch überzeugte 90/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel14 (100 von 1)Geschmacksknospen-Reset. Gereifter Burgunder als Wein 16. Beim 1959er Corton Clos du Roi von Morin konnte die Nase mit Anklängen an Gemühebrühe, etwas Laub, Gewürze (insbesondere Kardamon) nicht richtig überzeugen, seine zudem vernehmbare Animalik sorgte für wenig Begeisterung am Tisch. Anders aber zum Glück die Eindrücke im Mund: rote Beeren und Oliventapenade begleiten einen tiefen Fruchtkern, schöner Verlauf, der Wein ist beweglich und vital. Langes und sanftes Finish. 91/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel15 (100 von 1)Erkennbar jünger – keine Kunst – dann der 1995er Latriciéres-Chambertin Grand Cru von der Dom. Trapet. In der zarten Nase florale Noten und etwas Milchschokolade, sie bleibt aber verhalten. Saftiger, schlanker Antrunk nach roter Kirschfrucht, wieder eher auf der zarten Seite, was Dichte und Struktur angeht, dazu schwarzer Tee. Feine Extraktsüße, ein bis dahin eher femininer Wein. Das Tannin aber ist aktuell doch sehr markant, und leider auch etwas trocknend, weshalb die erworbene Sympathie dann doch ein wenig verloren geht. So richtig überzeugen kann uns der Auftritt insgesamt nicht, denn für einen Grand-Cru bietet der Wein nicht sonderlich viel an. 88/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel22 (100 von 1)Die sensorische Achterbahnfahrt ging mit Wein 18 weiter, nunmehr wieder zurück an die Rhone: Deus ex machina, Clos St. Jean, 2003. 100 Parker-Punkte. Machen wir es kurz – ein ausgezeichneter Wein, ohne jede Bedenken, aber doch weit entfernt von der Einzigartigkeit eines Meisterwerks: in der dicht gezeichneten Nase Kirsche, Schwarzkirsche und florale Blütennoten, ohne jede Hochreife. Im Mund ebenfalls dicht gepackt, mit konzentrierter Schwarzkirschfrucht und – likör, satt und sehr süß in seiner Frucht, was bei milder Säure nicht animierend ist. Das Tannin kräftig, aber nicht überzogen anstrengend (wenngleich etwas trocknend). Wie bei Weinen der Region nicht selten, eher alkohol-kräftig, aber noch nicht brennend. Mittlellanges Finish. 92/100 GM.


Etwas zu wenig Aufmerksamkeit hätte fast der Essenswein zu den köstlichen Rouladen bekommen, aber hier machte es Sinn, auch nach dem Essen nochmal nachzuschmecken – Magnum sei Dank.

Friedrich Beckers Sankt Paul aus 2004 überzeugte mit einer schön gezeichneten Nase nach klarer Kirschfrucht und einer feinwürzigen Schokoladigkeit. Dies ist ein Wein, bei dem einfach für eine gewisse Zeit die Nase ins Glas halten mag – sehr sehr schön. Zartschmelzig Schokolade im Antrunk, Kirsch- und Waldfrucht, feine Kräuter- und Gewürznoten, alles perfekt in Balance verbunden. Fast schon haptisch sahnig im Verlauf. Mit einer perfekt stützenden Säure versehen, die dem Wein viel Trinkfluss gibt. Deutlich mittelanges Finale. Ein toller Wein, 93/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel16 (100 von 1)Eine Besonderheit, nämlich die Jubiläumscuvée zum 100jährigen Bestehen des Weinguts Marques de Murrieta kam dann als Wein 20 auf den Tisch, nämlich der 1952 Ygay Gran Reserva Especial. Wer diesen Wein aus schwarzen Gläsern hätte verkosten dürfen, hätte vermutlich nicht zwingend auf einen Rotwein getippt: denn das Leitaroma ist in der Nase eine kühle Orangenzeste, klar und deutlich vernehmbar, erst dahinter scheue Schokoladenspuren. Im Mund ist dieser Rioja perfekt gereift, im Antrunk eine Mischung aus Hagebutten und Orangenfrische. Überzeugend strukturierter Verlauf, sehr eleganter Stil, der Wein wirkt sehr entspannt bis ins lange Finale. Feinkörniges, leicht stumpfendes Tannin. Aber darüber kann man hier gut hinwegsehen. 93/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel17 (100 von 1)Elegant ging es weiter: Der 1971er „Boca“ von Casa Vinicola Antonio Vallana duftete mit einer gereiften, aber sehr angenehmen Nase nach Darjeeling-Tee, Herrenschokolade in der edlen Ausprägung, einem Hauch Schuh-Politur, Kräutern (Kamille/Kampfer) und – nur noch verhalten – nach roter Frucht. Im Mund ein fein gezeichneter Wein mit Aromen von Granat-Apfel und Reifearomen, ausgeglichen und fein, auch, was die Fruchtsüße betrifft. Trank sich mit viel Freude bis ins lange Finale. 92/100 GM.


Weihnachtstasting 2014 - Einzel18 (100 von 1)Ein echtes Highlight dann Wein 22 – Chateau Musar, diesmal aus 1979. Markant männliche Nase mit Aromen nach Teer, Würze und Schokokrokant aus Herrenschokolade. Im Mund eine Schau: selten habe ich einen so gewürzigen Wein getrunken, der Wein schmeckt, wie ich es mir vorstelle, wie es auf einem arabischen Gewürzbasar riecht. Komplexe Gewürz-Aromen, leichtfüßig verspielt, der Wein wandelt sich aromatisch immerzu und zeigt Tiefe. Schade allein, dass sein Tannin ein wenig stumpft – dies allein nimmt ihm das Attribut „groß“. Dennoch überzeugte 94/100 GM.


Das Lineup hätte in der Reihenfolge nicht besser gewählt werden können – danke, liebe Wera!

Zur kleinen Käseplatte wurden dann noch zwei Süßweine gereicht. Mit dem 1971er Hochheimer Kirchenstück der Staatsweingüter kam eine Auslese mit einer jodigen, an Heftpflaster erinnernden Nase ins Glas, die leider einen leicht chemischen Touch hatte und deshalb nicht allen am Tisch gefiel. Auch im Mund ein eher fordernder Wein mit Malz- und Jodaromen, auch etwas Mostapfel ist zu schmecken. Die Süße ist stimmig, der Wein hat aber einen anstrengenden aromatischen Ansatz. Mir gefiel das in Summe trotzdem, aber ich war nicht mehrheitsfähig. 90/100 GM.

Weihnachtstasting 2014 - Einzel19 (100 von 1)
Den letzten Wein des Hauptprogramms bildete die „Grande Cuvée“ Trockenbeeerenauslese Nr. 12 aus dem Weingut Kracher, 1995. Dieser Wein hatte eine hochtönige, also hochreife Nase nach gelber Frucht und einen deutlichen Touch Botrytis. Zum Kauen gut geeignet schon im Antrunk, im Verlauf dichte gelbe Frucht und rauchig-herbe Aromen, die aber zusammen mit der Säure ein gelungenes Spiel bieten. Der Alkohol ist zum Glück nicht spürbar – und so bleibt diese TBA durchaus trinkig, wenngleich ihr für höhere Bewertungen die Komplexität fehlt. 91/100 GM.

 

Weihnachtstasting 2014 - Einzel20 (100 von 1)

Einen Rachenputzer gab es noch. Und der ließ seine süßen Vorgänger mit seiner Leichtigkeit am ausgstreckten Arm vertrocknen. Emrich Schönleber Monzinger Frühlingsplätzchen Auslese 2002: eine hochmineralische Nase mit tropischen Noten, ohne jede Schwere. Leichtfüßig und sehr beweglich verspielt im Mund, klare Frucht, tänzelnd, haptisch fast wässrig, aber aromatisch durchgezeichnet und ausreichend substantiiert. Kieselsteiniges Mineral. Mittlere Länge. Durchgehend hoher Trinkfluss – und dass soll nach 24 vorangehenden Weinen doch etwas heißen.
93/100 GM

Der abschließende Dank geht an alle weinfreudigen Teilnehmer! Weihnachten ist schon schön…

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2 Kommentare zu “„Weihnachts-Tasting“ 2014

  1. Hallo Herr Kaltenecker,
    meiner Meinung nach schmeckt der Clos de la Coulée de Serrant von Nicolas Joly am besten, wenn er lange, je nach Alter bis zu 24 Stunden, dekantiert wurde. Aber das wissen Sie ja sicher, war aber vielleicht für diese Probe nicht möglich.
    Für 2015 alles Gute und weiterhin solch interessante und fachmännische Berichte
    Walter Meier

    • Lieber Herr Meier,
      ich persönlich lag bei dem Joly eher bei 93/100. Der Wein hatte wirklich Klasse und seinen ganz eigenen Charakter. Mit dem Dekantieren haben sie vollkommen recht, leider versäumte ich den Wein am Vortag zu öffnen. Ich holte dies am Morgen der Verkostung nach, aber er war zum Zeitpunkt der Präsentation noch nicht vollständig geöffnet. Auf jeden Fall ein sehr guter Jahrgang, der noch eine lange Zukunft vor sich hat. Auch Ihnen wünsche ich für 2015 alles Gute und zahlreiche genußreiche Weinmomente.
      Viele Grüße
      Rainer Kaltenecker

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