Cumbres de Abona Vina Peraza, 2010

Cumbres de Abona Vina Peraza, 2010Inselwein, die zweite: Eine weitere Flasche im Kühlschrank auf der Finca, die mein Interesse weckte, war der weiße, frische Vina Peraza. Er stammt von der Bodega Cumbres de Abona und trägt keine Jahrgangsbezeichnung. Die Korken verrät jedoch, der Wein stammt aus 2010. Der Vina Peraza wird zu 100 % aus Listan Blanco gewonnen, die traditionell wichtigste Rebsorte auf Teneriffa. Bekannter ist die Sorte aus der Gegend um Jerez de la Fronteira, dort allerdings unter dem Namen Palomino. Sie bildet den Grundwein, aus dem Sherry gewonnen wird. Die Trauben für den Vina Peraza stammen vollständig aus ökologisch zertifiziertem Anbau, was sogar auf der Biowein-Insel Teneriffa eher selten ist.

Im Glas ein helles Strohgelb mit grünen Reflexen. In der Nase ungemein frisch, Steinobst und viele grüne Früchte, Limette, Kiwi, auch etwas grüne Banane, dazu eine cremige Frucht und kühle steinige Mineralität. Am Gaumen ein schöner Druck, die Säure ist ungemin frisch, vielleicht etwas zu offensiv. Im Antrunk sehr trocken, wieder grüne Früchte, erneut Kiwi, jetzt auch frisch geschnittene Küchenkräuter, Schnittlauch, etwas Dill, nun stärker die grüne Banane. Insgesamt frisch am Gaumen und eine gute Intensität, dabei nicht sonderlich viel Spiel und nicht sonderlich lang. Die vielen grünen Aromen wirken in ihrer Zusammensetzung erneut exotisch, die Mineralität gefällt, leider passt nur die etwas apfelige, grobe Säure nicht so gut dazu. Trotzdem ein ordentlicher, noch halbwegs günstiger Wein, der gut zum Essen, etwa zum Salat oder zu frischen Fisch- oder Kräutergerichten, passt.

Nachtrag: Am zweiten Tag hatte er dann doch deutlich abgebaut. Die Aromen gehen stark zurück, die Säure kommt hervor. Auf jeden Fall 5 Punkte weniger. Aber der Wein ist ja auch ein einfacher Tischwein, der frisch getrunken werden will.

Aus dem Külschrank auf der Finca, 8 Euro, 85 Punkte (gut), jetzt trinken

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Cumbres de Abona Malvasia dry „Testamento“, 2009

Cumbres de Abona Testamento 2009Anfang Januar verschlug es mich nach Teneriffa, um eine Pause vom dem Winter zu nehmen. Dort kam ich auch in Berührung mit den lokalen Weinen. Ich muss zugeben, Teneriffas Weine waren mir bisher kein Begriff. Sich damit zu beschäftigen, ist aber durchaus interessant. Aufgeteilt in fünf D.O. wachsen hier Reben auf der ganzen Insel, zum größten Teil im Trockenanbau auf alten Lavafeldern — direkt neben Palmen und Feigenkakteen. Die Weine stammen dabei fast durchweg aus ökologischem Anbau, belastende Schutzmittel sind auf der Insel nicht von Nöten. Es gibt hier kaum Schädlinge. Mit den meist duftigen, frischen Weinen wird vor allem der Eigenbedarf auf den Kanaren abgedeckt, wohl auch deswegen bekommt man hierzulande wenig mit davon.

Der Testamento stammt von einer Bodega, gelegen in Arico in der D.O. Abona, im Südwesten der Insel. In dem trockenen, wüstenartigen Gebiet im Schatten des über 3.700 Meter hohen, mächtigen Inselvulkans Teide wachsen bis auf eine Höhe von rund 1.700 Metern vor allem weiße Rebsorten. Eine große Bedeutung hat die schon fast vergessene Malvasier-Traube. Vor rund hundert Jahren wurden aus Malvasier weltweit begehrte Weine, vor allem starke Süßweine gekeltert, die ähnlich bekannt waren wie der Madeira von der nahe gelegenen Insel. Auf Teneriffa wird die Sorte nach wie vor mit wurzelechten Reben angebaut. Die Reblaus hatte die Kanarischen Inseln nicht auf der Landkarte.

Der Testamento ist ein hochwertiger Malvasier von alten Rebstöcken, es gibt ihn von der Bodega auch süß und aus dem Barrique, dieser hier aber ist trocken ausgebaut und kommt aus dem Stahltank. Im Glas eine sattes Zitronengelb. In der Nase sehr intensiv mit reifer Zitrone, Zitronencreme, Orangenblüten, auch Aprikose, einiges Spiel und Druck in der Nase, sogar deutlich spürbare Mineralität. Im Mund entwickeln sich die Aromen anders — immer noch etwas Zitrus, dann aber Honigmelone, Physalis, Mandeln, exotische Blüten, auch Rosinen. Der Wein ist trocken, strotzt aber vor Extraktsüße und Aromen, wirkt dadurch sehr intensiv, fast etwas aufdringlich. Er ist zugleich schwer und frisch, viel Extrakt und Säure, eine Struktur wie ein schwerer trockener Riesling. Sogar einige Länge und Salzigkeit hinten heraus, leider auch ein kleines Bitterl und etwas Druck vom Alkohol. Insgesamt ein erstaunlicher hedonistischer exotischer Wein. Alles andere als elegant, aber gut gemacht. So schmeckt also Teneriffa! Aber Vorsicht: Ist er zu stark, bist Du zu schwach! Man muss sich aromatisch schon auf etwas ganz Neues einlassen.

Aus dem Kühlschrank auf der Finca, 14 Euro, 87-88 Punkte (sehr gut), jetzt trinken