Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten „Ursprung“ auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…

 

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Markus Molitor Riesling Alte Reben Saar, 2010

Molitor Saar Alte Reben, 2010 (100 von 1)Die alten Reben von der Saar sind regelmäßig mein favorisierter Wein von Molitor im mittleren Segment. Die Rebstöcke aus dem Herrenberg bringen aufgrund des hohen Skelettanteils einen verhältnismäßig konzentrierten Rieslingstil hervor, beherbergen aber auch die Feinheit der Saar. Die Weine bestechen durch eine botrytisfreie, saubere Fruchtaromatik samt einer feingliedrigen Säure. Der 2010er duftet herrlich frisch nach Zitronen, Grapefruit, jungen Mangos und grünen Äpfeln, steinige Mineralität, also ein wilder Mix, noch sehr jugendlich. Am Gaumen wirkt der Wein noch unentwickelt. Im Antrunk finde ich eine saubere Frucht, erneut Zitrusfrüchte und Apfelaromen, die Säure pikant, noch nicht ganz eingebunden, sie wirkt jedoch reif, nichts für Säureempfindliche, 2010 eben Der Wein läuft packend, bei aller Konzentration beweglich, aber noch unruhig über meinen Gaumen, die Gerbstoffe durch die Mazerationszeit noch spürbar, feine Hefenoten zeugen von einer längeren Lagerung auf der Feinhefe im Holzfass. Der Wein zeigt sehr gute Anlagen und könnte sich weiter positiv entwickeln, wenn sich die Säure noch besser mit den anderen Komponenten vermählt. Im langen Nachhall würzig-kräuterige Note, auch die Mineralität zeigt sich hier am deutlichsten. Nach dieser Erfahrung hätte ich diese – meine letzte – Flasche, erst in drei Jahren aufziehen sollen.

Vom Weingut, ca. 14 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2018+

Loch Riesling (Weingut Herrenberg) Saartyr, 2010

IMG_0062Während die Lagenweine uns im Frühjahr 2014 noch arg jugendlich und zugeknöpft gegenübertraten, präsentierte sich der Saartyr nun zu Beginn 2015 in Höchstform. Bereits das Bukett lies aufhorchen. Es strömt prägnant aus dem Glas, klare Rieslingfrucht nach Mandarinen, Steinfrüchten und kandierte Zitronen, dazu diese eigentümliche Note von vielen 2010er, klare Botrytis, würzge Note, leicht laktische Anklänge, die an eine BSA erinnern, dazu Röstaromen, insgesamt sehr animierend. Am Gaumen quicklebendige, saftige Früchte im Auftakt, die Säure verbindet sich ohne Spitze mit der Frucht, der Wein wirkt frisch, klar und trinkt sich herrlich animierend, fein-süße Zitrusfrüchte mit herber Würze rinnen lebendig über meinen Gaumen, die Bitternote verbindet sich mit einem Ton von Holzwürze, feuchten Kieselsteinen und leichter Gerbstoffigkeit, es bleibt aber ein klarfruchtiger Riesling mit Saararomatik und einem festen mineralischen Kern, der genau die Konzentration aufweist, um sanften Biss auf den Gaumen zu legen, sich jedoch leichtfüssig genießen lässt, sein Aromenspiel bietet auch noch auf den dritten Blick genug Abwechslung und der Nachhall kann getrost als sehr lange und nuanciert bezeichnet werden. Der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt, Eile ist aber nicht angesagt.

Vom Weingut, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Egon Müller Riesling Spätlese Scharzhofberger, 1995

Egon Müller Spätlese, 1995 (100 von 1)Ich sag es immer wieder, gute Weinfreunde muss man haben. Und so fand sich diese 95er-Spätlese in meinem Glas wieder. Das Etikett und die Kapsel sahen aus als hätte die Flasche schon einige Jahrzehnte auf dem Meeresboden zugebracht, moder pur. Der gammelige Korken bröselte uns entgegen und stank nach hochreinem Weinfehler. Was aber ins Glas kam war klar wie Felsquellwasser, von Reife gezeichnet, aber der Petrolduft war fein und ummantelt von einer so herrlich animierenden Frucht, dass es mir einen Schauer über die Haut jagte, nur ganz am Firnament eine Ahnung von störenden Heizölnoten – daher Abzug in der B-Note. Die Frucht erinnert an Pfirsichschalen und  mürben Äpfeln, auch Anklänge von Schiefer und Kieselsteinen. Am Gaumen von knapp mittlerem Gaumen, trifft exakt die Süße einer Spätlese, sprich sie bleibt jederzeit trinkanimierend, nach all den Jahren hat sich die Süße bestens in die Frucht eingebracht, kommt am Gaumen eher über die Kern- als über die Steinfrucht, die deutlich vernehmbare Petrolnote vermählt sich perfekt mit der Frucht und demonstriert die einmalige Aromatik gereiften Riesling. Lässt sich heute als Apperativ-Wein bestens geniessen, denn im Nachhall dämmert die Süße langsam aus und lässt eine reife Säure und Mineralik zurück. Langer mineralische Nachhall, sehr reif, sehr charmant und vornehm. Der perfekte Wein um entweder eine große Weinprobe zu beginnen oder abzuschliessen. Spätlese at its best, sollte aber in den nächsten 4-5 Jahren auch getrunken werden.

Vom Fachhandel, damals 66 DM, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Forstmeister Geltz Zilliken Riesing Kabinett Saarburger Riesling, 2012

Zilliken Saarburger Riesling Kabinett, 2012 (100 von 1)Die 2012er-Kabinette können einfach herrlich sein, so auch dieser einfache Ortswein von Zilliken. Glasklarer Duft nach grünen Äpfeln und jungen Pfirsichen vermält mit feinem Schieferduft und einem Hauch reifen Blutorangen, macht umgehend große Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen wie man sich Kabinett vorstellt, klar, frei von jeder Botryits, dominiert von jugendlicher Frucht, herrlich frisch mit der jahrgangstypischen Säure, also mit einem gewissen Biss, aber sehr weich und fein verwoben mit der saftigen Frucht, die dem Naseneindruck entspricht, perfekt für die warmen Tage auf der Terasses und dieser Ortwein genügt bereits anspruchsvollen Gaumen, die Beschwingheit, die Harmonie von Säure und Frucht hält der Wein mühelos bis zum Ende durch und die mineralischen Noten lassen sofort an die Mosel denken, mittlere Tiefe und Länge mit Anklängen von frisch geschnittem Gras. Die Flasche hielt sich gefühlte 15 Minuten in der Mitte unserer Viererbande, bei 8,5 % Alkohol kein Problem.
Vom Weingut, 12 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2017

Riesling Große Gewächse 2011 – weitere Eindrücke

GG2011Mit einigen Wochen Abstand zur Veröffentlichung der Großen und Ersten Gewächse des Jahres 2011 am 1.9.2012 hatte ich im Zeitraum Ende September bis November 2012 bei VDP-Veranstaltungen und im privaten Umfeld Gelegenheit, einige Weine der Gattung Riesling EG/GG 2011 nachzuprobieren. Gemein war den Probiergelegenheiten, dass ausreichend Wein im Glas war und genug Zeit und Ruhe bestand, um sich diesen Weinen entsprechend zu widmen. Hier folgen nun die Verkostungsnotizen.
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Weingut von Othegraven Riesling Ockfener Bockstein Großes Gewächs, 2009

Blind kam dieser Wein in mein Glas. Ich hatte nicht die Spur einer Idee, was da durch mein Glas schwappte…

Klar, Riesling, das stand dann doch schnell fest. Aber im Übrigen: Blindflug bis hin zum Prädikat. Nun konnte ich weiter recht zügig die Jugend dieses Weines erkennen, nach dem ersten Schluck ging das Urteil auch schnell auf das Jahr 2009. Und dann?

Ich habe gemutmaßt, ich hätte eine Spätlese eines Winzers aus der zweiten/dritten Reihe im Glas. Wenn ich so anfange, braucht es nicht viel, um zu ahnen, dass ich eine Verwunderung, ja eigentlich auch Enttäuschung beim späteren Aufdecken nicht erfolgreich vertuschen konnte…

Eine recht verdeckte Nase, die noch von jugendlichen Noten bestimmt wird. Dunkle Beeren, etwas Zitrus. Wenig Spannung. Wirkt frisch geöffnet und auch mit weiterer Belüftung wenig versammelt, fast schüchtern.

Im Mund von schlanker Statur, zunächst kräftige Mineralität, dann bereits hier zu viel Kraft, man schmeckt den Alkohol schon etwas zu präsent heraus. Leicht süßlicher Körper, dagegen feiner Säurekörper. Hier fehlt dem Wein erkennbar an Tiefe und auch Präzision, jedenfalls für das, was auf dem Etikett steht. Meine Meinung. Im letzten Drittel wieder ein Touch zu viel Kraft, der Eindruck setzt sich auch im knapp mittellangen Nachhall fort. Hier gesellen sich zwar kurz noch dunkle Beeren und zwei Schippen voll Steine hinzu, aber dann: etwas stumpfer Gerbstoff – und weg ist er.

Jugendlichkeit will ich dem Wein gar nicht absprechen, und vielleicht wurde er zur Unzeit geöffnet – aber mir fehlt hier doch das Vertrauen auf eine rosige Zukunft. Aber vielleicht werde ich dem Wein ja noch einmal blind begegnen…

90 Minuten karaffiert, dann über zwei Tage probiert.

Im Fachhandel gekauft, 19 Euro, 83-84 Punkte (gut), ab 2013