Cos d´Estournel Probe in Oberhausen

IMG_0301 Ende 2015 ging es mal wieder nach Oberhausen. Mein Weinfreund Norbert Kreutzer lud zu einer Verkostung diverser Jahrgänge von Cos d´Estournel ein. Dieses Deuxième Grand Cru Classé-Weingut zählt mit Montrose, von dem es auch einige Jahrgänge gab, ganz sicher zum bekanntesten und besten Weingut aus Saint-Estéphe und erzeugt im Vergleich zu Montrose einen etwas anderen Weinstil. Die aktuelleren Jahrgänge (ab 1990) wirken auf mich moderner, mit sehr klaren Fruchtaromen, saftig und opulent, dabei etwas geschliffen – hier wird ein zeitgemäßer, durchaus marktorientierte Bordeaux-Stil gepflegt. Da ist der Montrose für mein Empfinden noch deutlich mehr von seiner Herkunft geprägt. Ich erkenne ihn aufgrund seiner monolitischen, gerne etwas strengen Art mit seinen kantig-herben Tanninen, eher als ein Bordeaux aus dem Saint-Estéphe. Guido meinte mal so passend, der Montrose ist der Turm auf dem Schachbrett – klare Kante, fester Kern, etwas unnahbar, aber mit viel Tiefe. Das ist Cos für mich nicht unbedingt – mir fehlt es gelegentlich an Tiefe und einer sekundären Aromatik weshalb ich auch einen Bordeaux-Wein öffne. Dafür ist er oftmals glockenklar in seiner Frucht mit viel Saft und Trinkfluss.

Dies gilt wie gesagt nur für die aktuelleren Jahrgänge der letzten 30 Jahre. Die paar älteren Jahrgänge, die ich davor probieren konnten präsentierten einen anderen, traditionelleren Weinstil. Kräftige Tannine, viel Würze, feste Struktur, komplexe Frucht – um es kurz zu machen: alte Cos können hervorragend sein und sind absolute Langstreckenläufer. Diese Aussicht auf derartige Weine erweckten meine Vorfreude. Aber bevor wir den ersten Cos im Glas bekamen, gab es ein ausführliches Vorprogramm. Und zu meinem Erstaunen servierte Norbert zum Start einen Champagner (er kann die meisten eigentlich nicht ausstehen):

IMG_0284Lassalle Special Club Premier Cru, 2002

Oxidatives Bukett, überreife Äpfel, unschöne mostige Anklänge, deutlich Reifenoten, dazu Brioche, Wachs, Honig, Port. Am Gaumen fällt seine deutliche Dosage auf, mir zu süße, angenehm milde Perlage, verhältnismäßig kraftvolle Struktur, durchaus harmonischer Verlauf, verbessert sich im Glas binnen Minuten ein wenig, passabler Nachhall. Wenn diese Flasche repräsentative war, dann dringend austrinken.

86/100, jetzt trinken

IMG_0285Weingut Christmann Riesling Deidesheimer Hohenmorgen Pfalz, 2002

Karamell, Pflaumen, herbe Kräuter, leicht harzige Anklänge, riecht wie ein alter restsüßer Riesling. Am Gaumen ein kraftvoller Riesling mit vollem Körper, ölige Textur, deutliche Restsüße, sehr harmonischer Verlauf, die typische 2002er-feine Säure, markante Kräuterwürze, zeigt am Gaumen deutlich mehr Frische, eine steinige Mineralität kommt auf, sehr gute Länge.

91/100, jetzt trinken

IMG_0287Weingut Goldatzel Bestes Fass Rheingau, 2014

Stachelbeere, weiße Johannisbeere, sauber, ansonsten wenig Tiefgang. Am Gaumen von mittlerer Dichte, die Restsüße seht verhältnismäßig hoch, ohne unangenehm zu sein, ein Hauch steinige Mineralität, gute Säurestruktur, die Fruchtaromatik noch verschlossen, von Primäraromen überlagert, passable Länge. Für 12 Euro wirklich sehr gut.

86/100, 2017 bis 2020

IMG_0288Domaine Henri Boillot Puligny-Montrachet 1er Clos de la Mouchere Burgund, 2007

Karamell, deutlich (noch zu stark) vom Neuholz geprägt, duftet ein wenig wie ein weißer Bordeaux, weil er sensorisch an Botrytis erinnert, etwas Pflaume, aber dann geht immer stärker die weiße Melone auf, daher vermutlich ein Chardonnay (kam eben blind ins Glas). Am Gaumen von mittlerer Dichte, Melone, feines, animierendes Säurespiel, die Frucht umwolkt von einer Neuholznote, die aber nicht übermäßig die Aromatik bestimmt, jetzt auf dem Punkt, überaus animierend, gute Länge. Hmm, ob der Wein noch komplett harmonisch wird, sprich das Holz sich schnell genug zurückbildet, dass sich die Frucht voll entfalten kann, bleibt abzuwarten.

88/100, 2020 – 2025

IMG_0289Chateau Montrose Saint Estéphe, 1980

Ausdrucksstarkes Bukett, hochreife Cabernetfrucht, Schweiß, animalische Noten, Pflaumen, Lacknoten, sofort als hochwertiger Bordeaux-Wein zu erkennen, holzige, getrocknete Kräuter, bereits weit entwickelt, etwas verwelkt. Am Gaumen kräftige Struktur, hochreife Früchte, fast hitzig, der Alkohol wärmt, getrocknete Pflaumen, animalische Noten, auch hier über seinen Höhepunkt hinweg, die überreife Fruchtstilistik macht schnell müde, malzige Noten, bodennahe Würze.

83/100, jetzt trinken

Chateau Cos d´Estournel Saint Estéphe, 1981

Wirkt sauber, Sauerkirsche, grüne Paprika, bereits in der Nase viel schlanker, nicht sonderlich tief, Orangenschalen. Am Gaumen eher schlank, zarte Sauerkirsche dazu metallische Anklänge, der Cabernet wirkt nicht ganz ausgereift, kräutrige Aromen, verschlankt sich im weiteren Verlauf zusehends, die Säure markant, die Tannine stumpf, auch hier erlebe ich ein gewisse Unreife, passabler Nachhall.

83/100, jetzt trinken

Château Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande Pauillac, 1940

Balsamico, hochreife Beerenfrucht, kompotige Ausrichtung, Metall. Am Gaumen leider bereits unharmonisch, metallische Noten, die Säure steht bereits hervor, balsamische Noten, altes Heizölfass dazwischen sauber Kirschfrucht, wenig Ausdruck, eher kurz. Ist das noch gut, mit viel gutem Willen gerade noch.

80/100, jetzt trinken

IMG_0294Chateau Nenin Pomerol, 1947

Holunder, Tabak, Cassis, wirkt reif und sauber, nicht überreif, Schokolade. Am Gaumen von mittlerer Dichte, rotfruchtiger Auftakt, Sauerkirsche, präsente Säure, Eukalyptus, verschlankt sich hinten raus immer mehr, behält aber seinen Trinkfluss, nicht sehr tief, passable Länge. Sehr gut zu genießen, explizite Altweinfans würden vermutlich deutlich höher punkten.

87/100, jetzt trinken

Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 1947

Kokos, deutlich Holzgeprägt, süßlich, etwas Vanille, hochreife Kirschfrucht, viel Merlot. Am Gaumen satte Frucht, viel neue Holzwürze, Vanille, reife Schwarzkirsche, das Holz wirkt jugendlich, die Frucht kalifornisch, die Säure frisch, gute Länge, für mich ein Fälschung, da der Wein viel zu sehr von amerikanischer Eiche geprägt ist, aber was auch immer in der Flasche war, es hat ausgezeichnet geschmeckt.

91/100, jetzt trinken

IMG_0297Chateau Montrose Saint Estéphe, 1983

Für einige ist der Montrose aufgrund seiner Stallnoten kaum zu ertragen. In der Tat finde ich in der Nase Anklänge nach nassem Fall, Clorstein und Stall, dazu aber eine sehr schöne satte dunkle Beerenfrucht umgarnt von einer röstigen Holznote, Garphit, Veilchen, zeigt Tiefe und Harmonie an. Am Gaumen mit mittlerer Dichte, klarsaftiger Auftakt, nach reifen Cassis, schwarze Kirschen, mürbe Tannine, sehr gute Länge.

91/100, jetzt bis 2020

Chateau Cos d´Estrounel Saint-Estéphe, 1983

In der Nase geblockt, schleichender Kork ist möglich, dunkle Beeren, Schlehen, dunkle noble Beerenfrucht. Am Gaumen noch sehr jugendlicher Eindruck, die Säure steht etwas hoch, leichte Muffton, trotzdem ein sehr guter Bordeaux

Keine Bewertung, ohne Korkschleicher wahrscheinlich ein ausgezeichneter Wein

IMG_0298Chateau Lafite Rothschild Moulin des Carruades Pauillac, 1983

Feines, glockenklares Bukett, reifes Cassis, Schlehen, dunkle Schokolade, Schwarzkirsche. Am Gaumen betont mittlere Dichte, sehr saubere Aromatik, saftige, dunkelfruchtige Frucht, strukturgebende Tannine, animierendes, pikantes Säurespiel, nicht ganz tief, aber was er macht, macht er wunderbar animierend, sehr gute Länge.

91/100, jetzt bis 2020

IMG_0299Chateau Montrose Saint-Estéphe, 1975

Duftet herrlich nach reifem Cassis, Veilchen, Schokolade, hellem Tabak, klare Aromatik, zeigt Tiefe an. Am Gaumen von mittlerer Dichte, Marzipan, rote Beerenfrüchte, saftige Frucht, dunkle Tabaknoten, sehr langer Nachhall mit herben Kräuter. Ausgezeichneter Wein, der sich jetzt auf seinem Höhepunkt befindet.

93/100, jetzt bis 2020

Chateau Cos d´Estornel Saint Estéphe, 1975

Auf ganz ähnlich ausgezeichneten Niveau dann der Cos. Süßliches Bukett, ein Hauch Balsamico, was ihn als älteren Wein identifiziert, dazu aber eine ansprechen und saubere reife Cabernet-Frucht, süßlicher Pfeiffentabak. Am Gaumen herrlich gewogen, fleischige Frucht, reife Cassis und Schwarzkirsche, viel Kräuterwürze, herrliche Extraktsüße, viel Tabak und Kaffee, prägnante Säure, gute Länge.

93/100, jetzt bis 2020

IMG_0301Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 1978

Graphit, dunkle Herrenschokolade, milder Espresso, Tabak, hedonistisch strömt der Wein aus dem Glas, Korkant, komplex und trotzdem herrlich gewogen, eine grandiose Bordeaux-Nase. Am Gaumen saftig, ein üppiger Bordeaux, saftiger Cassis und Kirschfrucht, Kräuterwüzre, wild wie ein Syrah, herrlich zu trinken, leicht bäuerlicher Ansatz, mürbe, geschmacksintensive Tannine, hinten raus findet sich der Wein harmonisch zu eine Ganzen zusammen. Ausgezeichnet.

93/100, jetzt bis 2020

Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 1976

Dieser Wein überzeugt aufgrund seiner Reinheit, in der Nase finde ich eine saubere Kirschfrucht, leider auch etwas kohlige Noten, gekochtes Gemüse, eingemachte Gurken, trotzdem ein harmonischer Gesamteindruck. Am Gaumen nochmal besser, sehr klar in der Frucht, intensive und vielschichtige dunkelbeerige Waldbeeren, Blaubeeren, Cassis und wilde Kirschen, ungemein jugendlich, saftig, herrlich klarfruchtig, feinsinniges, lebendiges Säurespiel, sehr langer Nachhall. Jetzt auf seinem Höhepunkt mit noch viel Zukunft.

93/100, jetzt bis 2026

IMG_0304Chateau Montrose Saint-Estéphe, 1992

Deutlich gereifte rotbeerige Frucht, rotes Paprikapulver, hochreife Cassis, leicht angetrocknete Graphitnoten, getrocknete Kräuter. Am Gaumen mittlerer Dichte, noch erstaunlich jugendlich für dieses schwierige Jahr, im Auftakt mit herrlich saftigem Auftakt mit viel dunklen Beerenfrüchte, diese zeigen sich zwar hochreif, aber ohne müde zu wirken, mundwässernder Verlauf, die Säure spielt animierend mit der Frucht, im weiteren Verlauf zeigen sich Wiesenkräuter, etwas getrocknet, zeigt Tiefe an, gute bis sehr Länge.

92/100, jetzt bis 2022

Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 1992

Kork

Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 1987

Creme de Casis, süße Heidelbeeren, Milchschokolade, neue Weltstilistik, Graphit, gewisse Noblesse, hochwertiges Bukett. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, saftiger Antrunk, auch hier modernere Stilistik, Creme de Cassis, hinten raus kommen herbe Noten auf, leider keine sonderliche Länge, trotzdem ein sehr guter Wein.

87/100, jetzt trinken

IMG_0308Chateau Cos d´Estournel Saint-Estéphe, 2002

Süßliches Creme-de-Cassis, Schokolade, deutlicher Neuholzeinsatz. Am Gaumen ebenfalls noch von neuem Holz geprägt, die Tannine rauen grob in den Gaumen auf, saftige Cassis, mit einem Hang zur Überreife, neue Weltstilistik, trotzdem wirken die Tannine nicht ganz reif, mittlere Länge. Nicht sehr aufregend.

87/100, jetzt trinken

Cos d´Estournel Saint Estéphe, 1990

Zum wiederholten Male zeigte der 1990er-Cos seine ganze Klasse. Man merkt ihm zwar sein konsequent moderne Machart an, aber die Klarheit und die Saftigkeit seiner Frucht ist überzeugend. In der Nase finde ich eine komplexe Kräuterwürze, milder brauner Tabak, reife rote Paprika, dunkle, glockenklare Beerenfrucht, Casis und Brombeeren. Am Gaumen herrlich saftig, vollausgereifter Cabernet, schmelzige Schokolade, die Tannine sind noch strukturgebend, aber herrlich reif und mürbe, nachsaftender Verlauf, noch sehr jugendlich, aber schon jetzt herrlich zu trinken, ungemein harmonisch, sehr langer und komplexer Nachhall. Ist noch auf seiner Entwicklung hin zum Höhepunkt und könnte dann durchaus ein großer Bordeaux werden.

94+/100, jetzt bis 2040

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