Wahre Spitzenweine aus Italien von 1971 bis 2003

Italien-Probe Titel-Seite-100Mit dem italienischen Wein bin ich groß geworden, bis ich ihn mir nicht mehr leisten konnte. Das war Mitte der 90er, heute werden preislich die italienischen Spitzenweine längst von ihren Kollegen aus Bordeaux, Burgund etc. überflügelt. Ein intensiverer Blick auf die Barolos, Barbarescos und den modernen Vertretern lohnt sich seit einiger Zeit wieder, auch für jene, die noch auf ihr Budget beim Einkauf achten müssen. Aber weder damals noch heute hatte ich bis zu dieser Probe Gelegenheit in dieser Dichte rare Spitzenweine aus Italien zu probieren. Im Mittelpunkt dieser Probe standen sicher die Weinlegenden von Conterno und Giacosa aus 1971, aber auch daneben hatten wir eine ganze Reihe von besonderen Flaschen aus unterschiedlichsten Regionen Italiens zusammengetragen. Es sollte eine denkwürdige Probe werden, bei der es derart zahlreiche große Flaschen gab, wie ich es noch nie erleben durfte.


Italien-Probe -100Galardi Terra di Lavoro Kampanien Roccamonfina IGT Kampagnien, 2003
Ich muss gestehen, der erste Wein hat mich bereits in seinen Bann gezogen. Als er fast pechschwarz in mein Glas floss, war ich noch eher skeptisch, aber er zeigte ein fast feminines Bukett nach Flieder, feinen Tabaknoten, dunkler Schokolade, Schwarzkirschen, Blaubeeren, leicht Toastaromen, herrlich geöffnet und entspannt wirkend. Am Gaumen von mittlerem Körper, sehr klarer Fruchtauftakt nach dunklen Beeren, deutliche Süße vom Holz, viel Schokonoten, aber immer von einer jugendlich, leichtfüßigen Frucht durchzogen, die Säure reif, tänzelnd, ein Wein ohne jede Schwere, auf dem Punkte gereift, ungemein animierend zu trinken, sehr langer Nachhall. Großartig, sehr gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis. Blend aus Aglianico und Piedirosso
93/100 (ausgezeichnet)


Italien-Probe -101Silv. Imparato Montevetrano Colli di Salerno IGT Kampanien, 1997
Hochgelobtes Jahr dieses Kultweines aus Kamapnien. Leider erfüllte diese Flasche, ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Aglianico nicht unsere hohen Erwartungen – vermutlich war diese Flasche nicht ganz in Ordnung. Konzentrierter Duft von hochreifen, dunklen Beerenfrüchten, Pflaumen, Cassis, herb-dunkle Bitterschokolade, wirkt verschlossen. Am Gaumen dicht, sehr kräftiger Auftakt mit kantiger Frucht, der Alkohol wärmt etwas, Bittermandeln, die etwas grobe Holzwürze überlagert heute jede Nuance, die Tannine greifen unwirsch in den Gaumen und überlagern ebenso die Frucht, die Säure wirkt noch jugendlich, guter Biss, enorme Struktur, heute leider ohne jede Harmonie, langer Nachhall. Für deutlich über 100 Euro (im Nachkauf) erwartet man sich mehr, trotzdem ein noch sehr guter Wein.
85/100 (sehr gut)


Italien-Probe -102Arnaldo-Caprai Sagrantino di Montefalco 25 Anni DOCG Umbrien, 2000
Nie vergessen werde ich den wunderschönen Nachmittag, den ich auf der Terrasse einer Trattoria in Montefalco, einer winzigen Gemeinde in Mitten von Umbrien, verbringen durfte. Wir genossen den traumhaften Ausblick über die Ebene nach Perugia und Assisi und genossen dazu eine Flasche Sagrantino, wohl der besten lokalen Rotweinsorte Umbriens. Der 25 Anni von Arnaldo-Caprai geniesst unter Kennern Kultstatus und den Jahrgang 2000 hat selbst Robert Parker mit 97 Punkten geadelt. Diese Flasche hat schon eine lange Reise hinter sich, denn ich erstand sie damals in meiner Zeit in New York bei meinem Weinhändler um die Ecke.

Die Farbe blickdichtes Schwarz mit violetter Randaufhellung. Es strömt uns eine klare, dunkle Beerenfrucht entgegen, steinige Mineralität, viel Cassis, Schlehen und Maulbeeren, sehr druckvoll, aber durchaus stimmig. Am Gaumen von kräftigem Körper, leicht moussierendes Mundgefühl, der Alkohol drückt, dunkle, reife Beerenfrüchte, zeigen Tiefe an, die Tannine greifen ab der Mitte mit aller Wucht in den Gaumen, Zitruszesten, jugendliche, pikante Säure, noch sehr unruhig, ganze Bäche voller dunkler Waldbeeren fließen über meinen Gaumen, meine Güte, den Wein haben wir 20 Jahre zu früh aufgezogen, bleibt sehr lange am Gaumen haften, aber ohne jede Rücksicht, heute nur zu einem kräftigen Essen eine Empfehlung.
91+/100 (ausgezeichnet)


Italien-Probe -104Romano del Forno Amarone della Valpolicella DOCG Venetien, 1991
Der nächste Kultwein kam in unsere Glässer und auch nach über 20 Jahren war es ein Baby, dass weitere 20 Jahre der Reife benötigt. Drückender Duft nach Dörrpflaumen, Veilchen, Kräutern, Kirschen, wirkt noch leicht dropsig, verschlossen und unentwickelt. Am Gaumen ein Monster aus Konzentration, ungemein tiefe und konzentrierte dunkle Beerenfrucht, das ist Struktur, da ist Säure, da ist heftig viel Extraktsüße, aber da ist heute noch null Balance und Trinkfluss, gräbt sich in den Gaumen und bleibt entsprechend lange. Eingraben, Dekaden vergessen und hoffen. Bei Flaschenpreisen von mindestens 300 Euro sollte es dann auch ausgereift sein.
88+/100 (sehr gut)


Italien-Probe -103Guiseppe Quintarelli Rosso del Bepi IGT Venetien, 1994
Wenn der Jahrgang keinen Amarone hergibt, bringt Quintarelli seinen Wein unter der Bezeichnung Rosso del Bepi heraus; Gelegenheit für Normalsterbliche auch einmal einen seiner Weine zu versuchen. In der Nase findet sich ein sehr sauberer Duft nach Kirschen, einer leichten Teernote, Pflaumen, Blütenanklänge, wirkt nahezu duftig und sehr gewogen. Am Gaumen erstaunlich leicht und beschwingt, saftiger, klarfruchtiger Auftakt nach Kirschen und dunklen Beerenfrüchten, reife Säure, sehr fein und animierend wirkend, ab der Mitte zieht sich der Wein etwas zurück, wirkt jugendlich, die Tannine reif, aber noch nicht ganz abgeschmolzen, sehr gute Struktur, animierend zu trinken, sehr gute Länge, würde ich noch min. fünf Jahre liegen lassen.
92+/100 (ausgezeichnet)



Italien-Probe -105La Spinetta Barbaresco Vigneto Starderi DOCG Piemont, 1999
Einen Wein, den ich seit seiner Jugend begleite und mittlerweile hat er seine erste Reifephase erreicht und diese Flasche flog einfach. Komplexer Duft nach roten Johannisbeeren, Orangenschale, kandierte Kirschen, milder Tabak, ein Hauch Rauch. Am Gaumen wirkt der Wein ungemein frisch, klar-saftiger Auftakt nach Sauerkirschen und roten Johannisbeeren, es schwirren florale Anklänge umher, die Säure rauscht auf und vermählt sich perfekt mit der Frucht, der mächtige Körper und die gewaltige Konzentration des Weines wird dadurch komplett gepuffert und ja, der Wein wirkt beschwingt, elegant, die komplexen Aromen springen umher, alle sehr klar und sauber gezeichnet, die Tannine noch spürbar, aber nicht kratzend, perfekter Holzeinsatz, ungemein langer und nuancierte Nachhall. Der erste große Wein des Abends – lohnt die Investition. Noch am Anfang seiner Entwicklung.
95/100 (groß)


Angelo Gaja Barbaresco San Lorenzo DOCG Piemont, 1985
Geöffnetes Bukett nach Minze, Kakao, Pflaumen, Krokant, ständig wechselnde Eindrücke, komplex. Am Gaumen von mittlerem Körper, reife dunkle Früchte, Laub, reife, tänzelnde Säure, angetrocknete Tabakblätter, auch am Gaumen wechselt der Wein ständig seine Aromen, wirkt auch hier komplex und vielschichtig, zeigt deutliche Reife, aber noch immer auf dem Höhepunkt, herrlich abgeschmolzene Tannine, weiches Mundgefühl, jetzt herrlich zu trinken, langes und animierendes Finish, ein großer Gaja.
95/100 (groß)


Italien-Probe -106Bruno Giacosa Barbaresco Santo Stefano DOCG Piemont, 1982
1982 war sicherlich kein großes Jahr im Piemont, aber dafür zeigt sich der Wein einfach unglaublich gut, obwohl er den bis dahin gereiftesten Eindruck hinterließ. Duftet nach sauberen Laubboden, getrocknetem Laub, saubere dunkle Beerenfrucht, Pflaumen, Johannisbeeren, noble Röstigkeit. Am Gaumen von mittlerer Dichte, satter, dichter Auftakt mit reifen Waldfrüchten, etwas Klebstoff, die Tannine noch kraftvoll, aber reif, ebenso die Säure, die Frucht zieht sich souverän über den gesamten Verlauf, mittlerer Tiefe, aber ausgezeichneter Trinkfluss, wirkt dicht und hedonistisch, sehr langer Nachhall.
93/100 (ausgezeichnet)


Italien-Probe -108Angelo Gaja Barolo Sperss DOCG Piemont, 1988
Anschließend kam der beste Gaja, den ich jemals im Glas hatte. Hochfeine, ja noble Nase nach einem Korb perfekter gereifter roter Beerenfrüchte, Granatapfel, rote Johannisbeeren, Backpflaumen, Flieder und weiße Blütenblätter, wandelt sich ständig, angenehme Reifenoten. Am Gaumen von mittlerer Dichte, seidiges Mundgefühl, zwingende Balance und Feinheit, finessenreicher Auftakt nach einem Duett aus Beerenfrüchten und Blüten, die Faßwürze geht vollkommen darin auf, kaum noch zu verbessernde Tanninstruktur, die Säure wirkt kräftig, jedoch reif und mit Spiel, große Tiefe, modern, aber extrem gut gemacht, langes Finish, spielend ein großer Wein.
96/100 (groß)


Italien-Probe -107Aldo Conterno Barolo Granbussia DOCG Piemont, 1989
Sehr klassisches Bukett nach dunklen Waldbeeren, allen voran Maulbeeren, Kirschen und Brombeeren, viel dunkler Tabak, Leder, ätherische Anklänge, vielschichtig. Am Gaumen von dichtem Körper, wirkt noch sehr jugendlich, bereits im Antrunk die volle Pracht eines herausragenden Barolos, da ist diese einmalige Mischung aus rustikalem Einschlag, klaren roten Früchten und weißen Blüten, Finesse pur, die Säure auf den Punkt integriert und jugendlich schwungvoll, packende Mineralität, sehr würzig von diversen Kräuteraromen, immer wieder tauchen Reifearomen auf, höchste Tiefe und Komplexität, trotz seine ständig, wechselnden Aromenspiel ein perfekter Verlauf bis hin zum sehr langen Finish. Ein grandioser Barolo, der erst soeben seine Trinkreife erreicht hat, wobei die Flasche seit Release in einem perfekt klimatisierten Keller lag.
97/100 (groß)


Italien-Probe neu-100Bruno Giacosa Barolo Riserva (rotes Etikett) Bussia di Monforte, 1979
Herausragendes, vielschichtiges und komplexes Bukett, wie ich es selten erleben durfte. Es duftet prachtvoll nach Laub, rosinierten Früchten ala Himbeeren und Kirschen, konzentriert süßer Balsamico, Karamell und Abrieb von Limetten, die Mischung aus Süße, Reifennoten und Zitrusfrische macht förmlich süchtig. Am Gaumen ein Traum von Wein, gewaltige Extraktsüße mit sehr klaren, wenngleich rosinierten Früchten, Orangen, Feigen, Kirschen fallen mir ein, Balsamico- und Hasselnuss-Creme, reif-kecke Säure verleiht dem Wein viel Frische, die Tannine sind auf dem Punkte gereift, der Wein zieht einen in seine Tiefe hinab und präsentiert seine ganze Noblesse, perfekter Verlauf, sehr langes und komplexer Nachhall, es geht wirklich kaum bessser, am Tisch einhellige große Begeisterung. Meine Güte, 1979, nicht wirklich ein tolles Jahr im Piemont, wie schmeckt sowas dann aus einem Spitzenjahr – aber der 71er sollte ja noch kommen.
98/100 (groß)


Italien-Probe -110Giacomo Conterno Monfortino Barolo DOCG Piemont, 1971
Noch ein wenig gereifter, aber ebenso grandios der Monfortino. Einer der großen Weinlegenden unserer Zeit und er wurde seinem Ruf voll auf gerecht. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier eine grandiose Nase nach sauberen Waldboden, Teer, stallige Anklänge, komplexe Tabaknoten, Sattelleder, gereifter Balsamico, Nüsse, Schwarzkirschen und eingelegte Feigen und Orangen. Am Gaumen dicht, süß, mit dekadenter Opulenz, rauschende, jedoch herrlich feinsinnige Säure, ich kann mich nicht erinnern, jemals ein derartiges Süße-Säure-Spiel wahrgenommen zu haben, großes Kino, die Aromen der Nase zeigen sich, soweit sensorisch möglich, auch am Gaumen wieder, die Aromen schwirren nur so im Mund umher und bei allem Wandel bewahren sie spielerisch jederzeit ein perfekte Balance, meines Erachtens ein perfekter Wein und ganz sicher der beste Barolo, den ich je im Leben geniessen durfte, jede Suche und Investition wert. Neben dem 88er-La Mouline von Guigal, der beste Rotwein bis heute. Lieber Bernd, ganz herzlichen Dank für dieses einzigartige Erlebnis.
99/100 (einzigartig)


Italien-Probe -109Bruno Giacosa Barollo Riserva (rotes Etikett) Falletto des Serralunga DOCG Piemont, 1971
Mustergültiges Bukett nach einem traditionellen Barolo, jede Menge Waldaromen, Laub, Pilze, Fell, Pflaumen, Kirschen, Anklänge nach roten Blüten, etwas eigenwillig ob des Sauvage-Einschlages, aber insgesamt typisch und gelungen. Am Gaumen präsentiert sich der Wein mit glockenklarer Frucht, Kirschen, Schlehen und viel rote Johannisbeeren, Fliedernoten, nur äußerst dezente Faßaromen, nur ein Hauch getrockenete Kräuter, die Säure mit viel Spiel, wirkt sehr frisch und animierend zu trinken, ordentlich Zug und Biss, ausgezeichnete Tiefe und Komplexität, sehr langer Nachhall. Es ist unglaublich, aber es ist der nächste große Wein.
95/100 (groß)


Italien-Probe -111Gianfranco Soldera Brunello di Montalcino DOCG Toscana, 1983
Präsente, nahezu füllige Nase nach Mon Cheri, reifen Schwarzkirschen, dunkle Tabakanklänge, ein Hauch Würze vom Fassausbau, überaus ansprechend. Am Gaumen von erstaunlicher Jugendlichkeit, druckvoller Auftakt mit Bächen voller Kirschfrucht, Vanille und Sahneschokolade vom Fassausbau, wirkt noch fast wie ein Jungwein, das Holz zieht sich dann schön zurück und überlasst einer klaren roten Beerenfrucht den weiteren Verlauf, pikanter Säurebogen, der schön mit der Frucht tanzt, die Tannine samtweich, getrocknete Kräuter, feines Leder, ungemein langer vielschichtiger Nachhall, auch der sechste Wein in Folge stößt in die Kategorie „groß“ vor.
95/100 (groß)



Italien-Probe -112Argiano Brunello di Montalcino Riserva DOCG Toscana, 1990
Glockenklares Bukett nach roten Johannisbeeren, Sauerkirschen und einer tabakigen Würze im Hintergrund, mit der Zeit auch ein wenig Thunfischöl. Am Gaumen von mittlerem Körper, der Wein ist aromatisch etwas kerniger und enger gefasst, als sein Vorgänger, kann aber mit einer herrlich sauberen und frischen Frucht voll überzeugen, die Säure ist perfekt verwoben und selten hatte ich einen Brunello mit einem derartigen Trinkfluss erlebt, selbst in dem enorm langen Nachhall verweilt bis zum Ende die klare, rotbeerige Frucht, nicht ganz tief, aber locker ausgezeichnet.
93/100 (ausgezeichnet)



Italien-Probe -113Montepeloso Gabbro IGT Toscana, 1999
Von ganz anderer Art der Montepeloso: hochreifes Bukett nach dunklen Beerenfrüchten, sehr konzentriert, kandierte Pflaumen, Marzipan, röstige Noten vom Fassausbau, gekonnt gemacht, aber eben gemacht. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, saftiger, druckvoller Auftakt, enorme Fruchtfülle, Cassiscreme, Backpflaume, Karamell, alles fließt als Likör über den Gaumen und ist von Schokolade ummantelt, sehr schmeichlerisch, ein hochmoderner Leckerwein, bei dem die Säure stimmt, die Tannine nicht nerven und das Holz heute noch deutlich zu vernehmen sind, mittlere Tiefe, macht Freude,ansprechende Länge.
91/100 (ausgezeichnet)



Italien-Probe -114Castello Die Rampolla d´Alceo IGT Toscana, 1999
Zwei Punkte weniger als der Montepeloso bei Parker, aber um Längen besser der d´Alceo, der ebenfalls überwiegend aus Cabernet Sauvignon hergestellt wird, dazu kommt noch ein kleiner Anteil Pedit Verdot. Nobles Bukett nach Graphit, reifen Cassis-Früchten, Brombeeren und Kirschen, verspielte Kräuterwürze und ein Hauch Rauch. Am Gaumen sehr balanciert wirkend, klare Cassis-Note im Antrunk, spielt schön mit diversen Kräutern, festes mineralisches Fundament, wenig Süße, dadurch sehr trinkanimierend, die Tannine mit feinem Biss, Zigarrentabak und schwarzer Espresso, wirkt sehr ernsthaft, aber bietet dennoch viel Schmelz und Druck am Gaumen, große Tiefe und Vielschichtigkeit, ein grandioses Bordeaux-Cuvée, bei dem man dann doch irgendwie an Italien denkt, erneut erstaunlich langer Nachhall.
96/100 (groß)



Italien-Probe -115Tenuta San Guido Sassicaia Bolgheri Sassicaia DOC Toskana, 1997
Herrlich klarer Duft nach Cassis, Pflaumen und dunkler Herrenschokolade, Abrieb von Orangenschale im Hintergrund, mineralische Anklänge. Am Gaumen von knapp mittlerem Körper, frisch-saftiger Auftakt, jetzt schiebt sich eine saubere Kirschfrucht in den Vordergrund, dahinter Cassis und rote Waldbeeren, frisch und beweglich wirkt der Wein über den gesamten Verlauf, die Tannine und das Holz zeigen sich allenfalls im Hintergrund, enorm Trinkanimierend, wirkt keinesfalls wie ein moderner Wein, sondern eher traditionell vinifiziert, ausgezeichnete Länge, erneut ein überaus ansprechender Sassicaia.
93/100 (ausgezeichnet)



Italien-Probe -116Tenuta dell´Ornellaia Ornellaia Toskana, 1999
Noch jugendliches, aber geöffnetes Bukett von großer Noblesse und Vielschichtigkeit, eine Mischung aus dunklen, reifen Früchten, ätherischer Frische und mürber, ja feinsinniger Röstigkeit vom Faßausbau, hochelegant und tiefsinning. Am Gaumen beeindruckt vor allem die feste Struktur des Weines, eine feste, jedoch feine Tanninfassade umgibt den Wein, darin finden wir eine noch jugendlich-packende reife dunkle Beerenfrucht, vornehmlich Cassis, aber auch Schwarzkirschen und süßliche Noten vom Fassausbau, die Säure auf den Punkt, wie in der Nase bleibt es ein feiner, nahezu zart gezeichneter Wein, der seine vorhandene Konzentration immer in Zaum hält, sehr langes Finish, mein bester Ornellaia bis heute.
95-96/100 (groß)



Italien-Probe -117Tenuta di Trinoro Rosso di Toscana IGT Toskana, 1998
Intensiver Duft nach Teer, rötigen Anklängen vom Faßausbau, Herzkirschen, gut, aber recht rustikal. Am Gaumen von dichten Körper, saftig-fruchtiger Auftakt mit dunklen Beerenfrüchten, erneut etwas dominiert von Faßaromen, Röst- und Raucharomen, wirkt heute noch etwas kompakt, die Tannine sind reif, aber noch etwas unwirsch, feste Säurestruktur, der Wein zeigt ausgezeichnete Anlagen, und kann auch heute bereits mit Freude getrunken werden, aber wirkt heute etwas verschlossen und fällt in dieser einzigartigen Phalanx aus großen Weinen etwas ab, mittlere Länge.
90+/100 (ausgezeichnet)



Italien-Probe -118Antinori Solaia IGT Toskana, 1985
Erneut einfach großartig und noch voll im Saft stehend, der ganz große 85er-Solaia. Komplexes Bukett mit klaren, dichten Früchten, erinnert an Schwarzkirschen, Blaubeeren und Cassis, ein Hauch Minze, Schwarzbrot,  Karamell und Kräuterwürze, grandios. Am Gaumen dicht, von großer Harmonie und Noblesse gezeichnet, saftiger, fruchtiger Auftakt mit einem Korb schwarzer Beeren- und Kernfrüchte, die Tannine legen sich samtig über den Gaumen, die Säure reif, jedoch frisch und die ätherischen Noten bringen einen Kick in den Wein, druckvoller und nachhaltiger Verlauf, nie anstrengend, alle Komponenten sitzen an der richtigen Stelle, insgesamt noch sehr jugendlich, könnte sich noch weiter verbessern, einfach ein großer Wein, mit sensationell langen Nachhall.
95+/100 (groß)

Eine einzigartige Probe ging damit zu Ende und ich verneige mich vor der Großzügigkeit unseres Gastgebers Bernd.

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3 Kommentare zu “Wahre Spitzenweine aus Italien von 1971 bis 2003

  1. Pingback: Wahre Spitzenweine aus Italien von 1971 bis 2003 | Weintasting.de

    • Hallo Herr Meier,
      Sie sind kleinlich, aber Ihr Hinweis ist korrekt und nun korrigiert.
      Viele Grüße
      Rainer Kaltenecker

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