Finca Valpiedra Rioja Reserva, 2001

2001-FVRRFrisch aus der Flasche undekantiert ins Glas befördert, zeigt dieser Rioja unvermittelt eine komplexe Nase von schwarzen Beeren, Schokolade, Ledernoten und dunklem Nougat. Die Nase ist strukturiert und verwoben, Wacholderbeere und eine Ahnung von Zimt und Vanille gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu, die Nase wird über die nächste Stunde ernster und dank einer feinen Balsamik auch strenger, ohne an aromatischer Vielfalt einzubüßen.

Fruchtfleischiger Antrunk, saftige Beerenfrüchte, am ehesten Johannisbeere und dunkle, ausgereifte Brombeere. Gestützt durch sekundäre Aromen von Zigarrenkiste und Leder. Das Tannin ist abgeschmolzen, hat nur noch einen ganz moderaten Biss. Wir schmecken bewusst hin, denn der Wein entwickelt im Verlauf etwas Zitrusfrische – und die passt hier auch noch ins Gesamtbild. Schichtenweise ein Vergnügen im Glas. Der Holzeinsatz ist lobend herauszustellen, die Fassreifearomen und die  Herrenschokoladigkeit gehen ein tolles Spiel ein. Langer und strukturierter Nachhall, ein Wein mit Anspruch.

Diesen Wein haben wir auf dem Punkt erwischt. Offen und undekantiert über zwei Abende probiert (etwas stärker am ersten Abend).

Fazit: jetzt öffnen.

Im Fachhandel, 21 EUR, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

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Marqués de Murrieta Ygay Rioja Reserva, 2001

89 % Tempranillo, 7 % Grenache und vier Prozent Mazuleo. 22 Monate Fasslager in amerikanischer Eiche, mit dem Jahrgang 2001 ein exzellentes Jahr – Eckdaten, die darauf hindeuten, dass diese Cuvée Zeit brauchen würde, um auszureifen – und ich kann festhalten: sie hat die Geduld mit einem überzeugenden Auftritt gedankt!

Dunkler rubinroter Kern und leichte granatrote Reflexe zum Rand hin. In der Nase ein leicht balsamischer Holztouch, dunkle Pflaumen, ein Korb voll roter und schwarzer Beeren. Scheu arrangieren sich Kakaonoten hinzu und sorgen für einen feinen und ansprechenden Gesamteindruck. Ein ganz klein wenig alkoholstark, aber die Eindrücke bleiben insgesamt doch voll in der Spur.

Im Mund mit mittlerem Körper. Der Wein ist fruchtbetont, die Beerenfrucht liefert sich einen engagierten Konkurrenzkampf mit den balsamischen Holz-Komponenten, dem Kakao und einer leichten Pfeffernote… und gewinnt ihn dann doch mit Abstand. Mit mehr Luft finden sich die einzelnen Elemente dann sehr schön zu einem Ganzen zusammen, auch die Süße, die zunächst etwas vor stand, wird erfasst und ernsthaft eingebunden. Dunkler Tabak. Die Säure ist präsent, aber harmonisch mit dem Fruchtkörper verwoben. Sehr frisch, dieser Wein. Mittlere Tiefe.

Harmonie ist das entscheidende Stichwort – denn der Wein brilliert in diesem Punkt: seine 14% Alkohol sind im Mund gänzlich unauffällig (wenn man den Wein nicht warm werden lässt). Dies gilt auch für das Tannin, das nahezu rückstandlos abgeschmolzen ist und nur noch mit einem leichten Film zurückbleibt, ohne dabei zu trocknen… ein charaktervoller Schmeichler von einem Wein. Deutlich mittellanger, beerig-fruchtiger Nachhall, wieder die stützenden Kakao-Noten.

In toto ist dieser Wein sehr geschliffen und rundum harmonisch. Er hat seine volle Trinkreife erreicht und dürfte auf diesem Niveau noch 2-3 Jahre stehen bleiben. Offen und undekantiert getrunken.

Im Fachhandel gekauft, 13,90 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

Alte Spanier von 1962 bis 2000

Kürzlich hatte ich eher zufällig die Gelegenheit einige große, gereifte Spanier zu verkosten. Wir pilgerten mal wieder nach Oberhausen und Norbert und Wera sorgten wieder souverän für einen unterhaltsamen und überaus genussreichen Abend. Aber nicht zuletzt waren hierfür auch die L`Ermitas, Culmen, Curium und Gran Valtravieso mitverantwortlich. Aber lest selbst… 

La Granja de Nuestra Señora de Remelluri „Remelluri“ Reserva, 2004

Dunkles Purpurrot, zum Rand hin transparent werdend. Die Nase ist noch jugendlich, ein deutlicher Pfefferton lässt mich aufmerken, dann schlägt die fruchtige Seite des Weines zu – und sie lässt den Wein auch fast nicht mehr los:  liköriges Blaubeergelee und ein süßliches Vanille-Parfum vom Holzeinsatz, dazu etwas Rauch und eine Nuance, die mich an blutiges Fleisch erinnert. Garniert mit einem (zu) kräftigen Alkoholstich. Im Antrunk baut der Wein (jedenfalls aktuell) ebenfalls verstärkt auf seine Frucht, dies bei mittlerer Dichte, man merkt ihm seine Jugend aber noch an. Als störend empfinde ich bereits heute die vordergründige Süße, sie ist mir doch des Guten zu viel; geschmacklich wieder Blaubeergelee, eine graphitige Bitterkeit, etwas orientalisches Gewürz, viel Vanille – und wieder zu kraftvoller Alkohol. Pfeffrige Noten, die sich mit weiterem Verlauf in einen leichten Schokoton wandeln. Das Tannin ist jugendlich, derzeit eher rustikal als feinporig, es trocknet am Gaumen. Der Wein hat eine ordentliche Struktur, die vitale Säure kann jedenfalls dafür Sorge tragen, dass ich mir noch einmal nachschenke. Knapp mittellanger und nicht denkwürdiger Abgang, in dem sich die Mundeindrücke wiederholen.

Ich bin nicht überzeugt von diesem jugendlichen Wein, ein paar gute Anlagen sind schon da, aber diese Marmeladigkeit ist schon sehr eigen.Vielleicht gibt sich das ja noch mit weiterer Reife. Seinem Pendant aus 2001 (ein eleganter Wein, der mir in 2006 wirklich sehr gut gefiehl) wird er aber nicht das Wasser reichen können… da lege ich mich gerne fest! Wer ihn im Keller hat, sollte ihn jedenfalls noch zwei weitere Jahre verschlossen halten. Er wird dann etwas runder werden und könnte Fleisch vom Kohlengrill gut begleiten.

Über zwei Tage offen probiert, am ersten Abend zwei Stunden in der Karaffe. Danach ziemlich gediegene Langeweile.

Im Fachhandel gekauft, 8,90 Euro (0,375 L), 83+ Punkte (gut), ab 2012

Finca Allende „Allende“ D.O.Ca. Rioja, 2001

2001-FAADunkles, undurchsichtiges Schwarzrot ohne Aufhellungen. In der zunächst nur verhaltenen, erst mit mehr Luft dann expressiver werdenden Nase finden sich eher rotfruchtige Noten, rote Johannisbeere ist hier sehr deutlich, dazu ein leichter Schwarzbrotton, recht kühler Stil mit erdigen und kräutrigen Noten, etwas Wachholderbeere. Die dreizehnmonatige Lagerung in neuen Barriques hat der Wein gut verkraftet, die angenehm eingebundenen Holznoten erinnern an Bitterschokolade und Edelhölzer, nicht laut, sondern in einem ernsthaften und unaufdringlichen Stil. Im Antrunk bei mittlerer Dichte seidig, mit säuerlicher Johannisbeere, Herzkirschen, wieder Kräutertöne. Der Wein hat, wenn man genau hineinschmeckt, eine feine Extraktsüße, die aber dank der sehr frischen Säure gänzlich weggepuffert wird. Trinkig. Allein am Gaumen ist der Wein etwas enttäuschend, fällt er hier doch recht merklich ab und verliert sich in verhalten würzigen und rotfruchtigen Eindrücken, die aber von trocknendem Tannin (zu) schnell überlagert werden.

Insgesamt ein ansprechender Rioja der eher modernen Machart, übrigens ein sortenreiner Tempranillo, der als Essensbegleiter zu Lammfilet gut harmonierte. Der Wein hat volle Trinkreife und dürfte mit weiterer Lagerung nicht mehr schöner werden. Offen und undekantiert über zwei Abende getrunken (eine Belüftung von einer Stunde in der Karaffe sollte ihm aber nicht schaden).

Im Fachhandel gekauft, 15,80 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2010 trinken

Compañia Vinicola del Norte de España Rioja Crianza, 2005

Es werden wohl Marketing-Gründe sein, warum die Compañia Vinicola del Norte, die sich eigentlich C.V.N.E. abkürzt, den Namen CUNE geschwungen auf ihre Etiketten druckt. Sei es drum, ich habe auch so einen Wiedererkennungseffekt. Denn regelmäßig, wenn der geschwungene Schriftzug auf der Flasche steht, stimmte bislang die Qualität im Glas. So auch heute. Der Homepage entnehme ich, dass ich eine Cuvée von 80% Tempranillo und 20% Garnacha Tinta und Mazuelo verkosten werde. Viel Tempranillo und 12 Monate amerikanische Eiche, in der Jugend getrunken – das klingt nach derber Tanninpeitsche. Aber mitnichten, der Wein ist diesbezüglich schon gut balanciert.

Dunkles Purpurrot, hat noch etwas violette Reflexe. In der Nase Sauerkirsch und Pflaume, gestützt durch eine balsamische Note, verhalten auch Kräuter und Teer. Im Mund jugendlich, schlank, wieder Sauerkirsch, leicht ledrig, noch nicht ganz eingebundenes Tannin, trotz der hohen Säure aber noch harmonisch (eine gute Essensbegleitung). Am Gaumen Holznoten, leicht trocknendes, grobproriges, leicht herbes Tannin, das sich aber noch besser einbinden wird. Mit mehr Luft und insbesondere Wärme auch schwarze Schokolade und etwas Amarenakirsch. Jedoch nicht süßlich oder fett. Mittellang am Gaumen. Gefällt mir ganz leicht gekühlt mit 15 Grad im Glas besser, mit steigender Temperatur kommen die 13,7% etwas zu stark durch. Insgesamt trotz seiner modernen Art guter Trinkfluss, wird nicht langweilig. Offen verkostet, undekantiert, zu Hause.

Ca. 8,50 Euro im Fachhandel, 85 Punkte (sehr gut), in 2009 und 2010 trinken

Loriñon Rioja Reserva, 2001

Im Glas ein reines, klares, leuchtendes Kirschrot, noch sehr extraktreich, kaum Wasserrand. Das Bukett hat eine mittlere Intensität und Aromen von Zedernholz, Süßholz, roten Johannisbeeren, Kirschen und roter Paprika. Hält nur kurz an in der Nase. Auch im Mund ein eher kleiner Körper. Die Aromen kommen nicht stärker heraus, vorne gibt es eher leichte Anklänge von roten Beeren und Kirschen, hinten melden sich am deutlichsten Tabak und getrocknete Aprikosen. Die Säure ist ausreichend, das Tannin jedoch spärlich, was diesen Rioja zwar gut bekömmlich macht, eine größere Dichte oder ansprechende Textur jedoch vermissen lässt. Der Abgang ist mittellang, auf recht niedrigem Niveau. Insgesamt ein ausgesprochen leichter Rioja, der weder Kraft noch Körper oder Intensität bietet, sondern eher als gefälliger und leichter Trinkgenuss daherkommt. Dafür ist er aber doch ein paar Euro zu teuer.

Im Fachhandel, 10,95 Euro, 81 Punkte (gut), bis 2007