Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit mittlerweile schon sechs Jahren und nehmen es sportlich. Der Kraftakt Pinot Noir findet möglichst früh im Januar statt, ins Rennen geschickt werden möglichst trinkreife und gerne auch wirklich gereifte Spätburgunder. Unter der Leitung eines Probeleiters bringt jeder der acht Teilnehmer zwei Weine mit, die das Zeug haben, um unseren Pinot Cup zu streiten. Verkostet wird dann zuerst blind, nach jedem Flight wird aufgedeckt. Wie seit einiger Zeit – zumindest gefühlt – überall, scheinen auch in unserer Runde die Franzosen immer mehr den Spätburgundern aus Deutschland zu enteilen. Ich bin der festen Meinung, das liegt zwar auch an den Weinen, jedoch ebenso an den sich wandelnden Vorlieben in der Runde. Auch diesmal punkteten die Burgunder wieder hoch. Und umso mehr rieben wir uns am Ende die Augen, als der Gewinner aufgedeckt wurde.

Vorab gab es ein Dr. von Bassermann-Jordan Riesling Großes Gewächs Forster Kirchenstück 2007, der zwar die für die Forster Lagen typischen nussigen, kräftigen, sogar speckigen Nuancen hat, dessen Verlauf aber ziemlich durcheinander war. In der Mitte knickte er förmlich weg und die Frucht dimmerte nur noch vor sich hin. Leider eine Flasche, die nicht ganz in Ordnung war. Jammerschade. Zur Reparatur dann ein Christmann Riesling Großes Gewächs Königsbacher Idig 2007. Und hier stimmte dann so ziemlich alles. Eine kräftiger, komplexer Riesling mit ordentlichem Schub, dabei eine saftige Textur und eine reife Frucht mit Steinobst und Zitronen, keine Reifetöne, aber schon recht entspannt. Eine Flasche, die jetzt gut geöffnet werden kann. Großer hedonistischer Riesling-Spaß.

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Sanford Pinot-Noir Wild Vetch 1997

Nun ging es los mit dem offiziellen Line-up. Der erste Pinot ist trüb und hell im Glas, braune Reflexe, in der Nase bereits stark gereift, reife Beeren, Zigarrenkiste, Sattelleder, etwas Gewürziges wie von Hirschhornsalz, Lebkuchengewürz. Auch im Antrunk Reifenoten, eine sehr reife Frucht, die ins Kirschige geht, Hagebutte, dazu eine markante, fordernde Säure, die einige Teilnehmer stört. Ich kann dem Wein eine schöne Aromatik abgewinnen mit seiner Frucht und den Reifetönen, darunter Waldboden, Hagebutte, Zigarrenkiste, schmackhafte reife Tannine. Auch mag ich den kühlen Stil, den feinen Tanningrip, der dem Wein Frische gibt. Doch war das alles vor einigen Jahren sicher schöner. Jetzt ragt der Wein aus seinem Trinkfenster heraus. Die Säure ist dominant, Tertiärnoten herrschen vor. Trotzdem hat er einen langen Abgang mit roten Früchten und Reifenoten. Das fordert zwar, macht aber Freude. Und das waren sicher mal über 90, jetzt aber nur noch 87-89 Punkte.

Domaine Alain Burguet Vielles Vignes Gevrey-Chambertin 1998

In der Nase kalter Rauch, intensiver Wacholderduft, viele Pilze, Liebstöckel, Brotkruste, Walnuss, stark gereift. Im Mund wird ihm die Frucht entzogen, der Wein bleibt bitter stehen. Hier liegt offensichtlich ein Problem mit der Flasche vor. Trotzdem ein schöner Antrunk, eine leichte, in der Form charmante Holz- oder Extraktsüße, feines, lebendiges Tannin mit Grip. Dann läuft der Wein aus der Spur und bricht ab. Das ist schade, denn die Struktur ist schön, Säure, Extrakt, Tannin sind fein. Vielleicht liegt hier auch nur ein Korkschleicher vor. Welch Jammer. Das wäre er gewesen, der erste gereifte 90-plus-Wein. Leider aber ein Ausfall – und das bereits auf dem zweiten Kraftakt in Folge. Noch eine Chance bekommt er nicht. Keine Bewertung.

Domaine des Lambrays Clos des Lambrays Grand Cru 1998

Die Nase sagt’s deutlich, dieser Wein ist jünger. Eine primärfruchtige, tiefe, intensive Schwarzkirsche, Schwarzbrot, Marzipan, kühle Aromatik, das alles wirkt noch kompakt und in sich zusammengezogen. Ein saftiger Antrunk, Kirschen, trockener Stil, Aromen von Mandeln und Graphit, röstige Aromen, eine intensive Extraktsüße, Veilchenpastillen, Kaffeenoten, viel Kraft, mit der sich der Wein über den Gaumen schiebt. Sind wir hier in Übersee? Der Wein ist intensiv, expressiv und noch vom Holz geprägt. Sehr hochwertige Struktur, dichtes Extrakt. Und am Ende der erste Franzose in der Probe, den wir aber nicht dorthin gesteckt hätten. Wie jung 1998 noch anmuten kann! 87-89 Punkte mit einem ganz dicken Plus.

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Domaine des Lambrays Clos des Lambrays Grand Cru 2006

In der Nase Brombeeren, eine Teernote, Bittermandeln, etwas Lack, ein wuchtiger Auftritt, in dem die Frucht ihren Platz sucht; im Antrunk zuerst schöne schwarze Früchte, Teer setzt sich im Mund fort, wuchtig-kraftvoller Stil, leichte Holzsüße, Extraktsüße sowieso, ausgeprägte Röstigkeit, trotzdem eine saubere Frucht und wohldosierte Säure; ein vollmundiger und trotzdem trinkanimierender Wein. Tolles Holzmanagement. Sehr stimmig. Ein Wein, der nach Essen ruft. Hinten heraus noch pfeffrig, trockener Stil. Dieser Wein könnte noch entscheidend gewinnen mit den Jahren. 90-92 Punkte

J. J. Adeneuer Spätburgunder »R« 2006

Jetzt wird es portig in der Nase, viel getrocknete Beeren, Trockenkräuter, Weihnachtsgewürze, eingekochte Frucht, Pflaumen, etwas schnapsig; im Mund sehr würzig und deftig, ätherische Noten. Oxidierte Pflaumen, überreif, auch ledrig und salzig. Klingt vielleicht interessant, ist aber leider gar nicht schön. Das ist schärfend, eine unharmonische Würze wie von Sojasauce, dazu noch Mokka und süßes Beerenconfit. Und was für ein enormes Extrakt, ganz dicker Saft, ganz viel Alkohol. Manch einer von uns ist vielleicht etwas streng mit der Bewertung. Aber das ist der Wein, der all unsere Vorurteile für Ahr-Weine bestätigt. Dass es dann tatsächlich die Gärkammer ist, erstaunt uns nicht sonderlich. Und dann noch Jahrgang 2006, wo es an der Ahr so richtig kochte. Wir hoffen, dass die Adeneuers ihre Gärkammer mittlerweile wieder besser in den Griff bekommen und vergeben nur 79-84 Punkte.

Weingut Seeger Blauer Spätburgunder Heidelberger Herrenberg »RR« 2006

Was jetzt passiert, muss etwas mehr kommentiert werden, denn der Wein macht verrückte Sachen – auch nach einer Stunde in der Karaffe. Im ersten Eindruck viel Rauch und feuchte Kräuter, sehr krautig, sogar ein strenger animalischer Ton, der zunächst immer breiter wird. Wir tippen zuerst alle auf einen Flaschenfehler, und zu wenige von uns geben dem Wein die Luft, die er braucht. Ich belüfte ihn im Glas noch über mehrere Stunden hinweg. Und es setzt tatsächlich die ersehnte Wandlung ein, was auch die anderen Teilnehmer bestätigen. Die krautige Note verfliegt und macht Platz für ausgeprägte blaubeerige Noten, viel Würze, auch Speck, dazu Schokolade, Walnuss, Trockenkräuter und immer noch viel Rauch. Im Antrunk kommen Mokka, Karamell, Schokolade ohne Ende, Orangenschale; würzige Noten, Extraktsüße, seidiges Tannin, ein stoffiger Wein, dicht, aber wässrig bleibend. Trotz des kräftigen Stils ist das wunderbar trinkbar, sollte aber noch liegen. Ein wahrhaft deutscher Spätburgunder mit viel Power, ausgeprägter Aromatik und schönem Verlauf, den wir tief im Winterschlaf gestört haben. Auf jeden Fall noch für locker fünf Jahre weglegen, wenn es nach uns geht. Alle anderen gaben viel zu früh auf, ich vergebe 91-92 Punkte.

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Weingut Seeger Blauer Spätburgunder Heidelberger Herrenberg »R« 1999

Jetzt wird es mehr als harmonisch. Eine pimentige und rotwürzige Nase, dazu orientalische Gewürze, Zitrusabrieb, reife Brombeere, dunkle Schokolade, Karamell, eine betonte, aber wunderbar eingebundene Holzwürze; im Mund zuerst ein fast noch jugendlicher Antrunk, eine intensive schwarze Beerenfrucht, das Tannin ist bereits abgeschmolzen, seidiger Auftritt, frische, balancierte Säure, Orangenzesten, Orangenblüten, Mandeln, der Wein ist aromatisch beweglich und hat eine wässrige Textur, das erinnert an Tee und ist trinkanimierend. Trotzdem ist der Wein dicht, kräftig, dunkel, lang. Mit mehr Luft wird er immer charmanter. Alle stecken den Wein ins Burgund, zwei unter uns streiten darüber, ob Cote de Beaune oder Gevrey-Chambertin. Und dann sind wir einigermaßen fassungslos, dass es Heidelberg ist. Auch bei diesem Wein heißt das Weingut Seeger. Wir ziehen den Hut, und sogar die Burgund-Anhänger freuen sich sehr, dass deutscher Spätburgunder solche Sachen machen kann. Da steht der Ländervergleich auf dem Kopf. Hochanimiert vergeben wir 92-94 Punkte, und der Gewinner des Abends kommt endlich mal aus Deutschland, zum ersten Mal! Sieben Kraftakte hat es dauern müssen, bis dies geschehen ist.

Domaine de Courcel Grand Clos des Epenots Premier Cru Pommard 1999

Gleich folgt das nächste Highlight. In der Nase dunkle Beeren, eine tiefe Zitrusader, Duft von Zigarrenkiste, Darjeeling, Vanille, Zimt, Tannennadeln. Auch dieser Wein braucht viel Luft, im Antrunk ist er saftig, volles Grip im Tannin, Zedernholz, dabei bleibt der Wein trocken. Die Tannine sind noch adstringierend, stumpfend, sogar schärfend, der Wein ist viel zu jung. Er bietet aber schöne ätherische Kräuternoten, ist kernig, sehr komplex, intensiv und hat eine gehörige interessante Länge. Ganz klar Franzose. Ganz klar zu jung. Ganz großes Plus. Mit immerhin 92-94 Punkten liegt er Kopf an Kopf mit dem 1999 Herrenberg »R« von zuvor, im Punkteschnitt liegt er nur leicht zurück. In vielleicht sieben Jahren oder mehr könnte dieser Wein ein richtig großer werden.

Domaine de Comtes Lafon Volnay-Santenots du Milieu Premier Cru 1999

Und es folgt nochmal Jahrgang 1999. In der Nase Pilze, Waldboden, zunächst wird der Wein geblockt durch einen Muffton, der mit Luft mehr und mehr zurückgeht. Im Mund schwarze Beeren, eine deutliche mentholige Ader, dazu Aromen von Cassis und Blaubeeren, im Antrunk ist der Wein trocken, konzentriert, wie unsüßer Saft, auch dieser Wein wirkt noch ungemein jung, die Muffigkeit wird zur Walnuss, dazu Tannennadeln und weiter hinten im Verlauf auch Pflaumen. Schön ist die kühle Mineralität, die feine Säure, die Beweglichkeit des Weins, die ihn so elegant macht. Hinten wird das Tannin stumpfend, der Abgang muss sich noch entwickeln. 89-91 Punkte

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Domaine Tollot-Beaut Corton-Bressandes Pinot Noir Grand Cru 2002

In der Nase Pflaumen, schwarze Beeren, Sahneschokolade, Teer, Zimt, Bohnenkraut, Pfeffer; im Antrunk kühle Aromatik, erneut Pfeffer, Hagebutten, auch Fleisch, noch eher jugendlich. Stoffig, vollmundig, wir streiten uns darüber, ob der Wein trocken genug ist, auf jeden Fall hat er viel Extraktsüße und Aromen von ätherischen Kräuterölen. Karamellige Süße, konzentriert, sauber, extraktreich, schön balanciert, sehr langes Finish. Mit einem kleinen Plus vergeben wir 91-92 Punkte.

Soter Beacon Hill Pinot Noir 2002

Schokoladige, dichte, würzige Nase, etwas kohlig, ätherische Öle, leichte Pfeffrigkeit, relativ reife Frucht. Im Mund ist der Wein konzentriert und extraktsüß, darunter leidet die Frische, eine After-Eight-Note, durchgängig schokoladig, auch Marzipan, Kirschkerne, der Wein ist in sich stimmig und sehr zugänglich, alles ist balanciert, charmant und lecker, aber Komplexität tut sich nicht auf. Eine leichte animalische Note und eine tiefe Zitrusader sorgen ansatzweise für Spannung, werden aber durch das dicke Extrakt überdeckt. Hinten trocknet der Wein ein wenig. Lecker und charmant ohne besonderen Tiefgang, das ist uns 87-89 Punkte wert.

Dugat Py Gevrey-Chambertin Coeur de Roy 2007

Böser Kork, die Frucht ist komplett weg, es verbleibt nur stumpfendes Tannin. Welch ein Jammer, aber einen erwischt es immer und dann natürlich den, der der Größte hätte sein können. Im Kraftakt Pinot Noir IV holte der 1998 Dugat Py Charmes Chambertin 94+ Punkte. Hier lässt uns der Korken im Stich.

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Domaine Bachelet Charmes-Chambertin Grand Cru 2007

Duftige Nase, Walderbeere, Himbeere, Granatapfel, rote Johannisbeere, dazu eine Lorbeer-Note, kühle Stilistik. Im filigranen, saftigen Antrunk kommt die duftige, beerige, frische Frucht erneut schön zum Ausdruck. Hinzu kommt eine stimmige Gewürzigkeit, etwas Lebkuchen, Piment, Pfeffer; die Säure ist saftig, die Frucht ist fein und klar, blitzsauber, straffer Stil, leicht, filigran, blitztrocken, noch etwas kernig; ein präziser, klarfruchtiger Pinot-Stil. Gute Mineralität, langer Abgang. Ein Teilnehmer beklagt Kargheit und sorgt mit 88 Punkten für einen kleinen Skandal, der Rest zückt 91-93 Punkte.

Rudolf Fürst Spätburgunder Centgrafenberg »R« 2007

In der Nase buttriges Karamell, etwas süßlich anmutend, dazu eine herbe Note wie von Kümmel, nasale Wärme; im Antrunk kräftig, samtig, tabakig, starkes Toasting, was den Trinkfluss einschränkt. Offenbar noch viel zu jung. Die Konzentration ist hoch, aber der Wein bekommt am Gaumen keinen Grip, ein Mundgefühl wie von Götterspeise, dazu Holzwürze, im Nachhall Sahneschokolade. Kann vermutlich deutlich mehr Spaß machen, wenn das Holz irgendwann mal abgeschmolzen ist. Die Anlagen dafür hat er allemal. Dicke Plusse, aber von uns erstmal nur 88-91 Punkte.

Domaine Robert Chevillon Les Saint-Georges Premier Cru 2007

In der Nase Brombeeren und Himbeeren, durchzogen von Waldkräutern, Mokka, Milchschokolade, auch etwas Lack; im Antrunk duftig, rotes Gemüse, zitrusartige Frische, zugleich eine röstige Aromatik, offenbar ein dunkles Toasting, Kokos-Noten, süßlicher Stil, trocknendes Tannin; ein moderner, konzentrierter, röstiger Burgunderstil, vielleicht aber auch einfach noch viel zu jung. Ein Teilnehmer zieht 88 Punkte, die anderen setzen auf ganz viel Potenzial: 90-92 Punkte mit diversen Plussen.

Felton Road Cornish Point 2007

In der Nase blitzsaubere, tiefe Brombeeren mit einer schönen Zitrusader, auch Blutorange, eine intensive Frucht mit schöner Frische, dazu duftige florale Aromen, Schlehen, Karamell, im Antrunk schließt uns eine hochkonzentrierte Beerenfrucht in die Arme, überaus reduktiver fruchtiger Stil, Kräuterbonbon, schöne Tabakigkeit, feinkörniges Tannin, tolle Struktur, dazu aber eine enorme Extraktsüße, die die Geister spaltet. Das ist delikat, die Komplexität bleibt jedoch auf der Strecke. Ein Wein, der gänzlich anders verstanden will als die Franzosen, aber schlichtweg nicht die Tiefe und Mineralität großer Pinots aufbringt. Wir geben daher sehr uneinheitlich 86-91 Punkte, obwohl er sicher einer der größten Pinots aus Neuseeland ist.

Und so waren wir erneut am Ende unseres Line-ups. Auch wenn wir uns bereits zum siebten Mal getroffen hatten, gab es neue Eindrücke und Erkenntnisse. Zuerst über uns selbst. Wir merken deutlich, wie der Trend der Runde Richtung Frankreich neigt mit der Eleganz, Frische, Festigkeit, dem trockenem Stil und den aromatischem Finessen der Burgunder. Trotzdem konnte sich erneut keiner der Weine von Cote-de-Beaune oder Cote-de-Nuit absetzen. Sie sind anspruchsvoll, sensibel, und schwer zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Und dafür leider ganz schön teuer.

Zweitens hatten wir diesmal endlich wieder einen deutschen Spätburgunder dabei, der uns richtig zu begeistern wusste und der uns vor allem die typischen Schubladen vergessen ließ. Und so zeigte der Herrenberg »R« vom Weingut Seeger, wie hervorragend deutscher Spätburgunder reifen kann. Mit einer Nasenlänge Vorsprung konnte er die Probe vor einer ganzen Reihe an Franzosen gewinnen – als erster deutscher Kandidat in sieben Kraftakten! Lasst uns eine Lanze für den deutschen Spätburgunder brechen und genau diese Weine suchen.

Drittens hatten es die Pinots aus der neuen Welt diesmal wieder richtig schwer. Ihre Frucht, Kraft und Sahnigkeit passen einfach nicht ins Line-up mit den Franzosen und den hochwertigen Deutschen. In der Komplexität fallen sie einfach zurück. Ihre Fruchtigkeit und ihre seidigen Tannine finden wiederum nicht die richtige Beachtung. Vor allem fiel uns das bei dem Felton Road auf. Diese Weine brauchen eine eigene Annäherung, einen offene Geist oder zumindest mal einen eigenen Flight.

Nach so viel Arbeit entspannten wir uns zum Schluss noch mit zwei Süßweinen, beide ohne Botrytis. Der Emrich-Schönleber Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese »Rutsch« Versteigerung 2011 hat schöne Grapefruitaromen, ist gar nicht mal so süß, dafür ungeheuer mineralisch, leicht, tänzelnd, erstaunlich transparent, wunderbar zupackend und auf seine leichte Art betörend. Für das Kontrastprogramm sorgt die Hermann Dönnhoff Hermannshöhle Riesling Spätlese Versteigerung 2011 – ungleich dichter, sogar Handcreme in der Nase, sehr konzentriert, sehr süß, aber genau so schmelzig, saftig, nachhaltig, körnige Säure, eine Spätlese mit ungeheurem Extrakt und schon in geringsten Mengen ein Erlebnis.

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