Rudi Pichler Grüner Veltliner Federspiel, 2011

2011-RPGVF“Viel Wein für wenig Geld” schrieb Rainer jüngst über Rudi Pichlers GV-Federspiel aus dem Jahrgang 2013.

Dem kann ich mich bezüglich der Ausführung 2011, die ich vor 2 Wochen geöffnet habe, durchaus anschließen:

Mit goldgelben Reflexen kommt der Wein ins Glas. Seine Nase fruchtbetont, eine satte birnig-melonige Frucht hat er, dazu Orangenblüte und eine feine vegetabile Würze – nur eine Nuance weißer Pfeffer. Recht voller Antrunk für ein Federspiel, betonte Fruchtigkeit ohne schwülstige Cremigkeit, eher weiche Säure; erst im weiteren Verlauf meldet sich seine Würzigkeit, die dem Wein straffere Züge verleiht. Saftig-würziger Stil, die Früchte aus der Nase finden sich auch im Mund aromatisch wieder.

Der in der Flasche verbliebene Restschluck zeigte sich am übernächsten Abend noch etwas betont würziger, die Frucht stand hier nun weniger im Vordergrund – was den Wein noch attraktiver machte. Gewiss, richtige Tiefe kommt auch mit dieser zusätzlichen Belüftung nicht auf, aber der Wein ist auch ohne Fokussierung ein im besten Sinne “Trinkwein mit sehr guten Anlagen”.

Aus dem Fachhandel, 11 EUR,  85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

Frisch verkostet — 5 Weine jenseits des Beuteschemas

Beifang beim Weinkauf — das ist ein Phämomen, das es ganz sicher schon so lange gibt wie die ersten guten Weinhandlungen. Man kennt das — da geht man bzw. klickt man sich zum Händler seines Vertrauens mit dem Vorsatz, eine ganz bestimmte Flasche zu kaufen. Und hinaus geht man mit einem bunten bis zuweilen schrägen Strauß an Weinen, die einen einfach zu charmant angelacht haben. Die Neugier obsiegt, die Vernunft wird zurecht gedreht, der Beifang wird in den Keller eingefahren. Ein Mancher wird solche Flaschen geheim halten. Wir aber bekennen uns dazu. Aus diesem Grund treffen wir uns regelmäßig, um den Beifang wegzutrinken, was uns nicht selten glücklich macht. So wie vor drei Tagen, als wir uns zum Thema »Rebsorten, die wir höchstens erst einmal in diesem Jahr im Glas hatten« trafen. Verkostet wurde wie immer blind als Ratespiel.

Trockene Schmitts Gewürztraminer trocken Randersackerer Lämmerberg, 2012

Und da war er schon, der Gewürztraminer, eine äußerst beliebte, aber gefährliche Rebsorte unter den selten getrunkenen Weinen. Das Erkennen war nicht schwer, die Verortung gelang uns aber überhaupt nicht. In der Nase ist sie da, die typische gelbfleischige Note — die Frucht wirkt aber frisch, die Nase ist fein, überhaupt nicht überbordend, mehr florale als Lychee-Aromen, dazu viele frisch geschnittene Kräuter. Im Mund knochentrocken, aber mit viel Frucht und einer ordentlichen Kraft, die er sehr gut verpackt; sehr schöne Nase. Traminer kann das, schwer sein und trotzdem frisch. Nicht nur in Südtirol. Auch in Franken. Schöner, etwas spezieller Essenswein. (86 Punkte)

Henri Badoux Aigles les Murailles Aigle Vaud Suisse, 2012

Jetzt wurde es schwieriger. Im Glas selbst sowie auch von der Aufgabe her. Wir konnten das Rätsel dann doch noch knacken und fühlten uns ganz kurz unbeschreiblich kompetent. Chasselas vom Genfer See. Für mich eine Entdeckung, was diese Rebsorte schaffen kann. In der Nase buttrige Birne, Melone und etwas grüne Zitrusnoten. Im Mund dann eine opulente geschmackvolle gelbfleischige Frucht, dazu Melone, etwas Sellerie, etwas Fenchel, floral-kräuterig bis leicht lakritzig, sehr lecker. Obgiech wenig Säure, hat der Wein Spiel und genug Frische. Hinten ist er sogar richtig lang. Sehr dicht und konzentriert. Das leere Glas duftet wie eine Naturkerze. (89 Punkte)

Jamek Weißburgunder Smaragd Ried Hochrain, 2008

Sämtliche Begeisterung über unsere Expertise wurde dann mit dem nächsten Wein gleich wieder zum Erliegen gebracht. Wir schafften es nicht mal, im Entferntesten seine Spur aufzunehmen. Was da im Glas war, gefiel uns aber verdammt gut. In der Nase eine duftige, vielschichtige Frucht, unreife Aprikose, eingelegte Stachelbeeren, reife Zitrone, dazu duftige Kräuter, etwas Waldmeister. Im Antrunk dann eine breite, reife, getrocknete bis kandierte, delikate Zitrusader, vor allem Aromen von Blutorange und Pampelmuse, eine schöne herbe Note, reife Säure, leichte biskuithafte Reifetöne und unter allem eine starke mineralische Unterlage. Ein begeisternder, wenn auch nach unserer Erfahrung sehr untypischer Weißburgunder. Wer davon etwas im Keller liegen hat, sollte das bald aufziehen. (90 Punkte)

Umathum Zweigelt Ried Hallebühl, 2006

Nun wurde auf Rotwein umgeschwenkt. Den Anfang machte ein leicht erkennbarer Österreicher mit der Wacholderigkeit, Pimentigkeit und Würzigkeit eines Blaufränkisch, der sich aber dann doch als Zweigelt herausstellte. Der Wacholder aber stimmte, denn, so sagt Josef Umathum, schmeckt ganz einfach die Lage selbst so — in jedem Wein, den man darauf anbaut. In der Nase also Wacholder, dazu Veilchen, Kirschkerne, Piment, ein tiefer mineralischer Zug und einige Kraft. Auch im Antrunk vor allem Wacholder, dann eine breite Spur Graphit, ganz viel Bleistift, eine fast schmierige Mineralität, sehr herb, aber nicht bitter, röstig, kräftig, schöne Tiefe für einen Zweigelt. Insgesamt also — tatsächlich — ein Wacholderwein, der auch noch gut weiter reifen kann. (88 Punkte)

Terredora Taurasi Riserva DOCG CampoRe, 2003

Am Ende des Line-ups nun das schwerste Geschoss, das beim Einkauf eigentlich leider ein Unfall war. Gewünscht war eigentlich ein Aglianico mit weniger Holz, bei dem die rote Würze, Pikanz und Salzigkeit der Rebsorte richtig zum Vorschein kommt. Nun kam in der Flasche aber ein Riserva, der 30 Monate in neuen Fässern gelegen hat. Egal, wir verschoben das Rebsorten-Erlebnis und fügten uns schwere Opulenz zu. Erkannt haben wir zumindest Süditalien. Das Zuordnen von Rebsorten in süditalienischen Riservas sollte man dann besser echten Masters of Wine überlassen. Und sich dem Spaß am Wein hingeben: In der Nase Amarena-Kirschen, Marzipan, Zigarrenkiste, deutliche, aber gereifte Holznote. Im Antrunk vor allem ein Auftritt angetrockneter Kirschen, etwas dunkle Erde, Tabak, sehr kräftig, rustikal, aber mit Spiel und Länge, die Rotwürzigigkeit kommt durch, dazu eine vitale angereifte Säure. Insgesamt ein bereits ansatzweise komplexer Wein mit sehr schönem Holzeinsatz und gutem Abgang, aber noch kirschig-kernig jung. Der Wein will weiter in Würde reifen. (89+ Punkte)

Keller Riesling Spätlese trocken S, 2001

Gerade an ungewissen Weinabenden sollte der Reparatur-Riesling bereitstehen. Und obwohl es zu keinem Notfall kam, wurde er trotzdem geleert. In der Nase eine blitzsaubere sehr schön gereifte Steinfrucht, eine kreidig-sandige Mineralität; Kräuterigkeit, Geschmack von kalter Cola, dazu eine reife gelbe Frucht. Der Wein steht nach 13 Jahren noch super da. Die Säure ist wunderbar reif, der Wein bleibt hinten tänzelnd leicht. Ein wunderbarer Repräsentant, der zeigt, was die Spätlese und der ganz klassische deutsche Rieslingstil kann. Auch wenn man fairerweise erwähnen muss, dass diese Spätlese auf dem heiligen Boden der Westhofener Aulerde gewachsen ist. Der Wein stammt interessanterweise aus dem ersten Jahr unter der Leitung von Klaus-Peter Keller. Und da war er auch schon gut. (89 Punkte)

Domaine de Montille Pinot Noir Pommard 1er Cru Les Grand Épenots, 2009

Montille Pommard Grands Epenots, 2009 (100 von 1)Brilliant funkelndes Kirschrot, herrlich durchscheinend. In der Nase klar, dominiert von dunkler Frucht, vornehmlich Brombeeren und Himbeeren, für einen derart jugendlichen Pinot Noir zeigen sich die Faßaromen nur sehr dezent, gut mit der Frucht verwoben, auf seinem Höhepunkt in 10  Jahren wird dann nur die pure, dunkle Frucht der Cote de Beaune verblieben sein, im Hintergrund Kräuter, eine Ahnung Staudensellerie. Am Gaumen von mittlerer Dichte, im Antrunk liegt die dunkle Frucht satt auf dem Gaumen, Pflaumen, Schwarzkirsche, Brombeeren, etwas Wachholder steigen retronasal empor, sehr sauber gezeichnet, ja von nobler Güte, für einen Montille bereits erstaunlich zugänglich, die Tannine sicherlich noch zu präsent, aber keineswegs harsch, oder garstig, der Wein entwickelt sich am Gaumen durchaus kräftig, entspricht daher den Erwartungen an den Jahrgang, gerät aber nicht aus den Fugen, die Säure zeigt sich an der richtigen Stelle, passt also zum Fruchtanzug, insgesamt ein stimmiger Verlauf, im hinteren Verlauf noch verschlossen, es tauchen herbe, uncharmante Kräuter  auf,  die Frucht zieht sich zu, mittlerer Nachhall. Meines Ermessens nach dürfte sich der Wein in 10 Jahren harmonisch entwickelt haben, aber seine Güte zeigt er heute bereits. Ein kräftiger Vertreter des Burgunds, eben typisch Pommard, dafür untypisch trinkig in der Jugend insbesondere für einen Montille.

Vom Fachhandel, 79 Euro, 90-91+ (ausgezeichnet), jetzt bis 2030

 

Domaine de la Bouissiere Gigondas, 2004

2004-DdlBG Böse Zungen behaupten, das Gigondas sei die hässliche Schwester von Chateauneuf du Pape – ich finde, das sind gewiß zu Unrecht geäußerte Vorurteile. Unbestritten, die Weine aus Gigondas genießen nicht den Weltruhm des wohlbekannten Nachbarn, stilistisch sind sie jedoch mit absolut ähnlicher Charakteristik unterwegs – und auch qualitativ brauchen sich die Gigondesen nicht schamvoll zu verstecken. Vorreiter der Region sind neben der heute im Fokus stehenden Domaine de la Bouissiere sicherlich die ebenfalls bekannt gewordenen Weingüter “Santa Duc” und “Saint Cosme” (deren Cuvée Valbelle ich jedem Weinfreund der Region nur dringend ans Herz legen kann – so er diese oftmals elegante Interpretation eines südlichen Rhone-Weines noch nicht kennen sollte).

Auch wenn im Gigondas die Preise langsam steigen, ist die Entwicklung dort sicherlich mehr als moderat, jedenfalls im Vergleich zu den Preisen, die für hoch beparkerte hoch bepunktete Weine aus der Nachbarregion aufgerufen werden. Weltruhm will bezahlt werden, bitteschön. Dabei ist doch der Weinsee an überalkoholisierten Wuchtbrummen in Ch9dP, wie man verkürzend so schön neudeutsch sagt, mitunter auch mal mehr als knietief. *Böse Vorurteile auf: aus *  Was ich abseits aller vermeintlichen Polemik sagen will:  für all diejenigen, der den Stil der Region mögen, lohnt den Blick über den Tellerrand, hin zu den Weine vom Fuße der Dentelles de Montmirailles…

Blickdichtes purpurot ohne Wasserrand. Eine dichte, vielfältige Nase nach Johannisbeere und schwarzen Kirschen, wilden Kräutern, einer Spur Leder und schwarzem Pfeffer und Eisen. Ein Anklang an Fleischbrühewürfel deutet auf seinen beginnenden Reifezustand hin. Ernsthafter Stil ohne marmeladigen Kitsch.

Im Antrunk mit der erwarteten Fülligkeit, auf schlanken Fuß sind die Weine dieser Region ja bekanntlich selten unterwegs, wieder Johannisbeeren und schwarze Kirsche, eine Spur Zitrusabrieb sorgt für wunderbar herbe Frische. Etwas Leder und deutlich dunkler Tabak. Schmelzige Holzaromen begleiten die nicht verkochte Fruchtsüße dieses Weines, der zwar mit Extrakt, aber nicht mit Überextraktion auffällt. Leichte Wärme im Verlauf, allenfalls ein wenig likörig, aber nun gut, die Sonne brannte halt auch im – als guten Jahr bekannten –  Jahrgang 2004. Mit Essensbegleitung wird dies jedenfalls unauffällig.

Dunkle Nuss-Schokolade und satte, in Reife übergehende Frucht im mittellangen Finale, hier erstmals fällt das noch präsente Tannin auf, dass aber dankenswerter Weise nicht trocknet, sondern feinporig in den nächsten Jahren harmonisch ausreifen wird.

Heute bereits ein mehr als angenehm zu trinkender Wein, der mit deutlich mittellangem Finale endet. In ca. drei Jahren auf dem Punkt, er könnte dann durchaus an die 90-Punkte heran kommen.

Aus dem Fachhandel, 15  EUR, 87+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Weingut Randolf Kauer – Herrlich, leichte Kabinette aus 2013

Kauer Titel1 (100 von 1)Randolf Kauer Kauer Riesling Kabinett trocken, 2013 (11,5 % vol.)
Duftet nach Pampelmuse, Abrieb von der Limette, Anflug von Hefe und röstiger Mineralität, ausgewogen, noch etwas scheu. Am Gaumen von schlankem Körper, wässrige Essenzen von Kernfrüchten, jugendliche Zitrusfrüchte, nicht ganz trocken, die Säure recht pikant, leichtfüßig, beschwingter Verlauf, überzeugt mit seiner blitzsauberen Frucht, seine Tugend ist Frische, was ihn zu einem gelungener Terrassenriesling für den Alltag macht, der ohne Anstrengung genossen werden kann.
83/100, jetzt bis 2018, 7,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Bacharacher Wolfshöhle Kabinett trocken, 2013 (11,5% vol.)
Für einen Euro mehr, erhält man erstaunlich viel mehr Wein ins Glas. Die Nase, wenngleich noch verhalten, zeigt eine durchaus tiefe Kräuterwürze, dazu erwürzige Mineralität, die Frucht noch verschlossen, eher auf der Apfelfrucht. Am Gaumen leichtfüssig, aufgrund seiner mineralische, kräutrigen Art, wirkt er heute noch ein wenig kantig, da die Frucht auch hier noch nicht aus ihrer Höhle hervortreten möchte, über den gesamten Verlauf ein sehr feines Säurespiel, schiefrig-würzige Mineralität, feiner Biss, wirkt trockener als der einfache Kabinett, gute Nachhaltigkeit, herrlich klar und animierend zu trinken, mittlerer Nachhall. Würde ich zwei Jahre liegen lassen, dann dürfte dieser Kabinett sich herrlich trinken lassen. Überaus gelungener, leichtfüssiger, ja finessiger Kabinett!
87+/100, 2016 bis 2020, 8,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Kloster Fürstenthal Kabinett trocken, 2013 (11,0% vol.)Kauer Titel2 (100 von 1)
Etwas fruchtiger kommt der Kabinett aus dem Fürstenthal daher. Duftet nach Cassisblättern, weißen Johannisbeeren, jungen Steinfrüchten, noch Hefenoten. Am Gaumen in Tick dichter, fein-fruchtiger Auftakt mit einem animierenden Touch Restsüße, trotzdem sensorisch als trocken zu verorten, über den gesamten Verlauf eine gelungene Verbindung aus jugendlichen Steinfrüchten, helltöniger, steiniger Mineralität und einem feinem Säurespiel, dass sich bereits gut integriert präsentiert, leicht schmelziges Mundgefühl, trinkt sich heute etwas schmeichelnder, als der Kabinett aus der Wolfshöhle und dürfte sich in einem halben Jahr bereits voll entwickelt zeigen.
86/100, 2015 bis 2020, 8,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Oberdiebacher Fürstenberg Kabinett feinherb, 2013 (11,0% vol.)
Dezenter, aber herrlich reintöniger Duft nach jugendlichen Steinfrüchten, etwas Limettenabrieb und helltöniger Mineralität. Am Gaumen ein Hauch dichter im Vergleich zu den trockenen Kabinets, im Antrunk die Pracht eines jugendlichen Riesling, der munter zwischen angereiften Steinfrüchten, einer zarten Restsüße (ich tippe so auf 15 g/l)  und einer feinnervigen, reifen Säure hin und her tanzt. Wer einen solchen Wein nicht sofort in großen Schlucken genießen möchte, ist Biertrinker. Sorry, ich werde unseriös. Über den gesamten Verlauf ist sein Vorzug seine Leichtigkeit, sein Spiel und die tänzelnde, reife Säure, die höhere Restsüße tut dem Riesling einfach ungemein gut, es macht ihn in seiner jetzigen Jugend noch charmanter und wird ihn vermutlich auch gut reifen lassen. Wir sind begeistert!
87-88+/100, jetzt 20202, 8,50 Euro

Alle drei trockenen , sowie insbesondere der feinherbe Kabinett haben mich positiv überrascht. So elegant kann Mittelrhein schmecken! Ungemein klare Rieslinge, niedrige Alkoholgrade, beschwingtes Säurespiel, faire Preise. Blind verkostet wäre mein Tipp Mosel oder gar Saar gewesen, derart finessige, fein-pointierte Weine erzeugt Randolf Kauer.

 

2009 Weingut Dönnhoff Riesling Schloßböckelheim Felsenberg “Felsentürmchen” GG

2009-DFGGUnsere vor einigen Wochen durchgeführte Probe mit Riesling-GGs aus dem Jahr 2009 hatte bei mir die Vorfreude auf diesen Wein geweckt. Er hat meine Erwartungen nicht enttäuscht, das kann ich vorwegnehmen. Und auch diesem Wein wird kein früher Tod beschert sein, weshalb sich die mit ihm gemachten Erfahrungen stimmig in die Eindrücke der 09er-Probe einreihen. Schön auch, dass dieser Riesling aus einer Steilage (45-55% Gefälle) mit reiner Südexposition mit wunderbar viel Zug ins Glas kam. Ich hatte einen weitaus wuchtigeren, schwerfälligeren Wein aus diesem ja vollreifen Jahr befürchtet.

Schon in der Nase verheißungsvoll und viel Kontrast bietend: einerseits kristalin und spannungsgelanden aus dem Glas drückend, um andererseits mit cremiger, gelbfleischiger Frucht aufzuwarten. Hier findet sich neben mürbem Apfel auch gelbe Birne sowie vollfleischige Nektarine. “Vanille?” notiere ich etwas irritiert.

Die Irritation verdichtet sich dann im Mund, denn auch hier schmecke ich nach einer Stunde Belüftung in der Karaffe neben gelbfleischiger Frucht einen leichtenVanilleton heraus. Was mich dann entgültig irritiert: diese Eindrücke sind in sich stimmig und geschmacklich absolut passend eingebunden. Druckvoller Körper, aber nicht zu weit ausladend. Mit einem tiefen mineralischen Kern gesegnet.

Im heutigen Zustand ist mir die gelbfruchtige Extraktsüße noch ein wenig zu präsent, insbesondere im Finale bleibt doch ein kleiner Zuckerschwanz stehen. Dies sollte sich mit einigen Jahren aber finden, zumal der Wein insgesamt noch sehr jugendlich erscheint. Aus der frisch geöffneten Flasche jedenfalls wirkte er aromatisch noch recht unentwickelt.

Sehr gut gefällt mir bereits heute die Säure, der Wein verläuft insoweit erst recht ruhig, erst im langen Finale steht die Säure mit Vehemenz gegen die Mineralität und den Fruchtextrakt, was hier dann für einen straffen, ja fast schon strengen, herb-pikanten Eindruck sorgt – und der ist sowas von animierend.

Guter Trinkfluss, der Wein ist vielleicht zu druckvoll, um ihn noch elegant nennen zu können: ein Wein mit Klasse ist er aber allemal. Ausreichend belüftet schon jetzt hochinteressant.

Aus dem Fachhandel, 32 EUR, 92 Punkte (ausgezeichnet),   2015 bis 2021+

Wachau Jahrgang 2013 – Riesling und Grüner Veltliner

Wachau 2013, 7 (100 von 1)Nach drei Jahren war es im Juli 2014 endlich wieder soweit: ein Besuch in der Wachau stand auf dem Programm. Ein Grund für die Reise war der Jahrgang 2013. Auch in der Wachau brachte das Vorjahr einige klimatische Kapriolen mit sich. Von Hochwasser, über extreme Hitzewellen, samt erhebliche Verrieselungsschäden, bis hin zu Trockenstress war auch in der Wachau alles geboten. Der Herbst war feucht und kühl und so reichte die Lese bis Ende November hinein. Die hohen Temperaturunterschiede ließen die Zuckerwerte beim Grünen Veltliner nicht sonderlich rasch steigen. Im Mittel sind daher leichtere bis mittelgewichtige Veltliner entstanden, wobei die Unterschiede in Qualität und Stilistik weit auseinandergehen sollen. Pauschale Aussagen zur allgemeinen Güte des Jahrganges sind gerade in 2013 wenig hilfreich. Das gilt auch für den Riesling, wobei die Säure im Mittel spürbar höher liegt als in den beiden Jahren davor. Sie wirkt jedoch ein Hauch feiner und reifer als im Vergleich zu 2010.

Fünf Weingüter standen auf dem Besuchsprogramm und insgesamt empfand ich die Weine als überaus ansprechend. Der Kick mehr an Säure erfrischt besonders den Grünen Veltliner, einzelne Weine warteten mit einem derartig finessigen Säurebogen auf, wie ich es bei jungen GVs noch nicht erlebt habe, selbst im Federspiel-Bereich. Und so unterhielt uns Abends zum Essen auch gerne einmal ein knackjunges GV-Federspiel auf das Allerbeste. Der Riesling wirkt reintönig, mit deutlichem Terroirausdruck, mit prägnanter, aber immer mit feinrassiger und reifer Säure. Die Reifeentwicklung schätze ich als beachtlich ein. Ein Jahrgang, den sich jeder ambitionierte GV- und Riesling-Freund in den Keller legen sollte. Geduld sollte man jedoch mitbringen, wobei die Federspiele bereits in der Jungend gute Dienste leisten sollten.

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