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Sagrantino, eine umbrische Rebsorte, erlebte in den letzten Jahren eine Art Renaissance und so geht ihre Bedeutung mittlerweile weit über die Grenzen Umbriens hinaus. Ihr Potential scheint mit den führenden roten Rebsorten vergleichbar, doch bisher bleibt der Sagrantino wegen seines enormen Gerbstoffes problematisch, in manchen Jahren gar, verbunden mit unzureichender Zuwendung im Winzerkeller, kann der Wein (für mich) untrinkbar sein.

Bei Colpetrone, einer der führenden Anbieter, quantitativ wie qualitativ, dürfte diese Gefahr allerdings nicht bestehen. Er belässt den Wein für mindestens 18 Monate im Barrique und weitere 12 Monate in der Flasche, bevor der Wein in den Verkauf kommt. Das DOCG-Gebiet liegt zauberhaft zwischen Assisi, Montefalco und Spoleto. Aus eigener Erfahrung kann ich einen Besuch nur wärmsten empfehlen, insbesondere alle jenen, die meinen mit der Toskana das Schönste an Italien bereits kennengelernt zu haben.

2001 war ein sehr gutes Jahr. Im Glas präsentiert sich der Wein im satten Schwarzrot mit dichtem Kern und die Schlierenbildung im Glas verrät die hohe Extraktdichte. Die Nase noch sehr verschlossen, dicht und tief mit deutlichen Röstaromen, dunkle Beeren- und Kirscharomen, Leder, Anklänge von Zedernholz und mineralische Noten. Im Mund noch viel ungezähmte Tannine, deutliches, aber gut integriertes Holz, wieder deutliche Mineralität, erste saftige Fruchtaromen, aber noch extrem jung und verschlossen. Der Abgang schon jetzt sehr lang, aber noch sehr adstringierend, dahinter schöner Schmelz und Frucht erkennbar. Der Wein kämpft mit all seinen Bestandteilen, für den Fall die Tannine schmelzen schneller ab wie die Frucht, hat der Wein noch eine große Zukunft vor sich. Der Wein war doppelt dekantiert und 12 Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 25 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), bis 2016+

Die Lage Nonnenberg befindet sich im Alleinbesitz von Breuer und zählt hinter dem Schlossberg zu den großen Gewächsen dieses Weingutes. 2004 war wahrlich kein einfaches Jahr und auch Breuer blieb davon nicht verschont. So musste auch der Nonnenberg einiges an Kritik einstecken. Mal sehen, was der Wein kann. Im Glas präsentiert er sich im tiefen Gelbgold von strahlendem Glanz und die hohe Extrakdichte zeichnet schöne Kirchenfenster. Die Nase wird verwöhnt mit einem opulenten Früchtestrauß nach Steinobst, reifen Äpfeln und getrockneter Aprikose, sehr harmonisch und bestens komponiert mit einer bereits leichten Petrolnote, dahinter schöne grüne Noten nach frisch geschnittenem Gras. Im Mund überraschend trocken und saftig zugleich mit intensiven Aromen nach Pfirsich, exotischen Früchten und Äpfeln, sehr dicht und zupackend mit viel Konzentration und von guter Tiefe und Komplexität. Der Abgang ist ein grandioses Erlebnis, sehr komplex, eine Kombination aus apfeligen Aromen und verspielter Säure mit schmelziger Textur, sehr lang. Aufgrund vorhandener Reifenoten scheint der Wein bereits jetzt auf seinem Höhepunkt und sollte demnach die nächsten Jahre getrunken werden. Ein ausgezeichneter Riesling, wenngleich er nicht ganz an die Jahrgänge 2003 und 2005 herankommt.

Von Privat, 27 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), bis 2011

Die Basisqualität von Haag präsentiert sich in hellem Weißgold mit gelben Reflexen im Glas. In der feinen kräuterwürzigen Nase Aromen von Zitrus, Pfirsich und zurückhaltende mineralische Anklänge. Im Mund präsente Pfirsichfrucht und Anklänge von Äpfeln mit zarten kräuterigen Noten. Die Säure ist gut eingebunden, jedoch ein klein wenig rustikal. Der ordentliche bis gute Abgang bietet schöne apfelige Noten. Ein schöner, unkomplizierter Riesling für jede Gelegenheit in dem noch bevorstehenden Sommer.

Vom Weingut, 8,30 Euro, 82 Punkte (gut), bis 2009

Im Glas ein klares, strahlendes Gelbgold. Die Nase wird betört von intensiven Fruchtaromen nach reifem Steinobst und gelben Äpfeln, dann auch deutliche mineralische Noten und Anklänge von Tabak und trockenen Gräsern, insgesamt sehr dicht und intensiv. Am Gaumen vorneweg eine ausgeprägte und voluminöse Frucht mit wirklich deutlich zu schmeckender Süße, aber nicht übertrieben oder gar klebrig, sondern klar und saftig, wieder mit viel Mineralität und tabakigen Noten. Die schöne feinperlige Säure ist für eine Auslese erstaunlich mild und sorgt im Abgang für eine tolle Erfrischung. Dort auch noch Aromen von herben Kräutern. Alle Aromen sind glasklar, es scheint, wie wenn kaum edelfaules Traubengut verwendet wurde. 12,5% Alkohol weisen auf geringen Restzucker hin und sorgen bei dieser Auslese für eine untypische Leichtigkeit und Transparenz. Ein grandioses Beispiel für das einmalige Spiel von Säure und Süße, wie es dies nur beim Riesling gibt. Dem Wein fehlt es nur ein wenig an Dichte und Tiefe für die absolute Spitzenklasse.

Vom Weingut, 22 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), bis 2016+

Das Flaggschiff von Glatzer ist ein Cuvée aus mindestens 50% Blaufränkisch, 30% Merlot und geringen Anteilen von Zweigelt, St. Laurent und Syrah. Rubinrot mit einem zarten Wasserrand im Glas, Kirchenfenster verweisen auf eine hohe Extraktdichte. In der Nase komplexe Fruchtaromen nach Himbeere und Kokos, daneben leicht rauchiges Zedernholz und Anklänge von Gräsern. Im Mund saftig, die vorhandene Säure ist fein eingebunden und harmoniert prächtig mit den sanften Tanninen und den vorsichtigen Holzaromen. Die Fruchtaromen erinnern an Kirsche mit ordentlich Extraktsüße, was eigentlich nicht unbedingt meine Sache ist, aber hier gefällt es. Der Wein hat gute Länge und im Abgang zeigt sich die Extraktsüße nochmals in Form von Nougataromen. Jetzt schon sehr gut zu trinken. Dürfte sich aber auch noch einige Jahre auf dem Niveau halten.

Rotweissrot.de, 25,50, 88 Punkte (sehr gut), bis 2013

Göttlesbrunn, das Herz des Weinbaugebietes Carnuntum, ist die Heimat von Gerhard Pimpel, dem jungen Winzer mit einem besonderem Interesse für die Typizität einzelner Rebsorten auf diversen Böden und in den unterschiedlichen Ausbaumöglichkeiten. Sein Spitzengewächs, der Optime, ein reinsortiger Merlot, eine Rebsorte mit Tradition im Carnuntum, präsentiert sich in dunklem Kirschrot mit leicht konzentriertem Kern im Glas. Bereits kurz nach Öffnen der Flasche präsentiert er sich mit einer eindringlichen Nase nach reifem Kirschfleisch mit einladender Fruchtsüße, dahinter Anklänge von Kräutern. Am Gaumen zunächst viel Säure, die Tannine trocknen den Mund leicht aus und wirken noch jung und daher recht hart. Dahinter Aromen von dunklen Beeren und nach einer Weile kommt eine Fruchtsüße von Kirschen zum Vorschein. Im Abgang verwöhnt mich der Wein etwas mit einer schönen schmelzigen Textur und einem ganz ordentlichen Abgang. Trotzdem bereit der Wein keinen besonderen Trinkspaß. Beim Potenzial bin ich mir unschlüssig, da der Wein nur über eine mittlere Textur besitzt und die Fruchtaromen dünn wirken. Vielleicht nochmals in 2-3 Jahren verkosten.

Rotweissrot.de, 17,90 Euro, 80 Punkte (gut), bis 2011 (?)

Frisch geliefert, gleich in die Kühlung, den neuen Schraubverschluss (jetzt auch bei Schloss Lieser) geöffnet und ab ins Glas — klar und hell, feine prickelnde Kohlensäure. Eine klassische frische Rieslingnase mit Steinobst und Kräutern. Im Mund alles andere als zu jung, zu spitz oder zu sauer. Die Säure ist zwar packend und noch austrocknend, aber schon jetzt filigran. Die Frucht ist schmelzig, hat viel Spiel und schöne mineralische Anklänge. Ein toller einfacher Gutsriesling mit schöner Säure und ganz feiner Frucht. Sehr gelungen! Macht große Hoffnung für das 2007er Sortiment.

Vom Weingut, 6,90 Euro, 85 Punkte (sehr gut), bis 2011

Im Glas sehr klar, ein glänzendes, relativ dunkles Goldgelb. Die Nase verströmt ein beeindruckend opulentes Bukett. Reifes gelbes Steinobst, gelbe Trockenfrüchte, Trockenkräuter — fruchtig und tabakig. Im Mund ungemein extraktreich, wieder volle Fruchtaromen, dazu eine dichte Mineralität. Insgesamt sehr reif. Ein wenig mehr Frische würde ihm noch gut stehen, die Säure ordnet sich stark unter. Der Körper ist schwer, durch die 14 % Alkohol auch etwas breit. Der Abgang hat gute Länge. Insgesamt eine schöne konzentrierte trockene Spätlese von großer Opulenz, guter Konzentration und schöner Tiefe, Kleinere Abzüge in der Frische und vielleicht auch im Potenzial. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Heymann-Löwensteins Parzellen auf erster Lage gewachsen. Und Rüdiger Kröber hat viel daraus gemacht — vielleicht sehen wir diese Spätlese ja bald als Großes Gewächs wieder? Zumindest so lange ist dieser Wein ein gutes Schnäppchen. Und mit der 2007er Säure könnte er nochmal interessanter werden! Unbedingt verkosten!

Vom Weingut, 12,50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), bis 2010

Im Glas ein dunkles Purpurrot, fast violett, viskos, leicht trüb, mit dunklem Kern in der Glasmitte und extraktreichen Kirchenfenstern. Die Nase ist verhalten, der Wein scheint schon im Glas zu schwer, um sein Bukett verströmen zu können. Es entlocken sich ihm aber dunkle süße Fruchtnoten von Schwarzkirschen und Himbeeren, Pfeffer, sehr viel Extraktsüße, auch ordentlich Alkohol. Das Verkosten ist ein haptisches Erlebnis, das konzentrierte Extrakt bleibt förmlich im Mund stehen. Ein pulsierendes Spiel von opulenter Süße, frischer Säure und einem gehörigen Körper mit viel Alkohol. An Aromen kommen erneut Kirschen und Beeren zur Geltung, auch wieder Pfeffer und etwas Lakritze. Zusätzlich zur Säure kühlt ein ätherischer Kräuterton wie von Eukalyptus. Die Tannine sind gereift, weich und sehr aromatisch. Der Abgang ist mittel und endet auf den süßen Tanninen. Der Carpe Diem mit jeweils 50 % Syrah und Grenache ist das einfachere der drei Cuvées der Domaine. Trotz gleichsam niedrigster Erträge von 15 hl/ha ist der Preis günstiger. Qualitativ gibt es jedoch keinen Unterschied zu verbuchen. Ich sehe ihn auf einem Niveau mit dem Talisman 2003. Der Carpe Diem ist die eigentliche Entdeckung der Domaine, die es leider nicht mehr gibt (mehr dazu in der Verkostung des Opera 2003).

Wineandco, 13,90 Euro, 89 Punkte (sehr gut), bis 2010

Dieser Haut-Medoc aus Lamarque — zwischen St. Julien und Margaux zur Gironde hin gelegen — präsentiert sich dunkel und schon im Glas erkennbar mit einem dichten Extrakt. Am Rand wird er dünner, es gibt erste braune Reflexe. Die Nase ist rauchig, würzig mit Leder und Pferdeschweiß und bietet eine schöne Cassis-Note. Im Mund einiges, schon rundes Tannin. An Aromen schwarzer Tabak, Himbeeren, etwas Mandeln. Neben der Würze und viel Tannin eine von der Extraktsüße fast schon parfümierte Frucht. Gute samtig-kühle Struktur, ein schöner mittlerer Abgang auf den aromatischen Tanninen. Ein moderner Cru Bourgeois mit einer weichen Variante der klassischen würzigen, tanningeprägten Haut-Medoc-Stilistik. Nicht tief, aber delikat. Jetzt sehr gut zu trinken!

Von Privat, 20 Euro, 87 Punkte (sehr gut), bis 2011

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