Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

Weiter lesen…

Château Cos Labory Saint-Estéphe, 1990

Cos Labory, 1990 (100 von 1)Dieses 5er-Cru liegt genau gegenüber seines berühmten und viel größeren Schwesterngut Cos d´Estournel, gehörten bis zur französischen Revolution sogar zusammen, und zählt mit 18 Hektar eher zu den kleinen Weingütern im Bordelais. Es erzeugt meines Wissen eine recht gleichmäßige Qualität auf mäßigem Niveau. In den neueren Jahren sollen 2009 und 2010 anständig gelungen sein und wenn es was gereiftes sein soll, dann empfiehlt sich 1989 oder 1990. Hier soll man dann aber auch für “kleines” Geld einen vollwertigen Claret ins Glas bekommt. Auch ich las davon und so erstand ich kürzlich ein paar Flaschen vom 1990er.

Glänzendes Granatrot, nur leichte Randaufhellung, sieht gut aus. Geöffnetes, sehr klassisches Bordeaux-Bukett nach Tabak, Kräutern, Zedernholz, etwas Leder, durchzogen mit einer intensiven Cassis und Kirschnote, dahinter feiner Graphit-Ton, eher herb, als charmant – Saint-Estephe eben. Am Gaumen von mittlerer Dichte, feine Viskosität zeigend, entspricht aromatisch dem Naseneindruck, sehr harmonisch spielen die Frucht- mit den Sekundäraromen, die Tannine sind abgeschmolzen und das Holz zeigt sich nur noch leicht, der Cabernet wirkt gänzlich ausgereift und so begleitet mich bis zum mittleren Bereich ein schöne Süße. Er bleibt jedoch auch im Mund auf der herben Seite, was zu seiner Herkunft gut passt. Bis zur Mitte bin ich hier locker im ausgezeichneten Niveau unterwegs, auch weil die Nase so vielschichtig duftet. Im hinteren Bereich hält er die Harmonier leider nicht ganz durch, nicht dramatisch, aber erkennbar nimmt die Herbheit dann zu und verdrängt die Frucht und deren Süße zu sehr in den Hintergrund, hier fehlt es dann einen Tick an Dichte und so zeigt sich der Nachhall aromatisch limitiert, gar ein wenig dünn und herb. Ertragsreduzierung würde hier vermutlich helfen. Nichts destotrotz ein wirklich schöner, ja sehr guter Bordeaux, der sein Geld mir wert erscheint.

Vom Fachhändler, 30 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2017

Große Vandermeulen Burgunder-Probe der Jahre 1921 bis 1955

Vandermeulen 2014 Titel 3 (100 von 1)Am 13. September 2014 konnte ich dank Achim an einer nicht zu wiederholenden Burgunderprobe teilnehmen. Insgesamt 19 (!) Vandermeulen präsentierte uns Achim in diversen Flights, stets kombiniert mit anderen hochkarätigen Erzeugern aus dem gleichem Jahrgang. Nach zwei Weißwein-Flights gingen wir chronologisch von 1921 bis 1995 vor, nur beim letzten Flight ging es dann zurück zum formal schwächeren Jahrgang 1952. Die Probe entpuppte sich als ein einziges Feuerwerk der Aromatik des Burgunds. Keine Flasche war fehlerhaft und der schwächste Wein war mit 86 Punkten immer noch sehr gut trinkbar. Darunter fanden sich mit dem 1947er-Chambertin, dem 1995er-Vosne-Romannee, dem 1926er-Chambertin und dem 1947er-Richerbourg die Mütter aller Burgunder. Dem letzten „musste“ ich dann als ersten Wein meines Lebens 100 Punkte vergeben, einen derartig perfekten anmutigen Wein hatte ich bis dahin noch nie erleben dürfen. Ein unvergesslicher Weinmoment in kundiger und angenehmer Gesellschaft. Dazu bereitete uns das Team im Landhaus Mönchenwert einen herzlichen Empfang und verwöhnte uns mit einem Menü auf Sterneniveau.

Weiter lesen…

Hospices de Beaune: Domaine Seguin-Manuel Pinot Noir Volnay Premier Cru “Cuvée General Muteau”, 1995

1995-HdBSMVIch hatte durchaus leichte Bedenken hinsichtlich des Zustandes dieses Weines, während ich den vollständig durchtränkten Korken mit viel Mühe aus der Flasche herausarbeiten musste – aber einmal mehr bewahrheitete sich, zum Glück, dass der Zustand des Korkens allein kein Indiz für den Zustand des Weines in der Flasche selbst ist (der Flasche hatte auch einen sehr guten Füllstand).

Dieser Wein, eine Cuvée aus fünf Premier Cru Lagen in Volnay (Le Village, Carelles sous Chapelle, Les Fremiets, Taille Pieds, Les Caillerets Dessus), dessen Namenspatron ein Kriegsheld aus dem ersten Weltkrieg ist,  zeigt sich mit braun-rostroter Farbe, einem leichten Wasserrand und einer ansprechenden und durchaus schon vielfältigen würzig-schokoladigen Nase, die sehr angenehm begleitet wird von süßlicher, dunkler Kirschfrucht, weitern dunklen Früchten und tertiären Waldbodenaromen (Champignons), zudem zeigt sich hier eine balsamischen Aromen-Mischung aus Teer, Soya-Soße, Speck und schwarzem Tee.Der Wein verändert sich an der Luft stetig, auch Orangeschalenzesten finden sich nach einiger Zeit; das ist wirklich schön, hier wiederholt auf Entdeckungsreise gehen zu können.

Im Mund etwas weniger weit fortgeschritten, was den Reifezustand im Vergleich zur Nase betrifft – leider aber nicht ganz so vielfältig: klarer und kräutriger Schwarzkirschantrunk, auch Brombeere, Speck und eine feine Minzigkeit, dazu eine stimmig begleitende dunkle Schoko-Holz-Würze, die für einen etwas herberen Gegenpart zur Frucht sorgt; die Frucht öffnet sich im Mund und dem weiteren Verlauf, sie wird von einer stimmigen Extraktsüße nur begleitet, dann aber von der durchgehend mitschwingenden Holzwürze eingefangen und aromatisch verdrängt.Mittlere Dichte im Mund, der Wein hat einen trinkanimierenden und beweglichen Körper. Die frische Säure verpasst dem Wein eine gute Führung und sorgt für eine speichelanregende Pikanz. Hierdurch hat der Wein auch wieder etwas Balsamisches.

Dieser Burgunder zeigt einen insgesamt harmonischen Verlauf, wenngleich seinen Anlagen – im Mund jedenfalls – einen ganz leichten Hang zur Rustikalität haben, die aromatisch der Holzwürze und der Säure geschuldet sind. Klasse hat dieser Wein, ohne Frage, auch regionale Typizität. Erst im deutlich mittellangen Nachhall zeigen sich die aus der Nase bereits bekannten Tertiäraromen stärker – ohne insoweit zu stören.In seiner Jugend mag dies ein eher Holz-betonter Wein gewesen sein, nach knapp 20 Jahren Reife ist das Tannin aber schon sehr weit abgeschliffen, es bleibt mit dem Nachall nur ein leicht trocknender Film zurück, der das Trinkvergnügen nicht (mehr) sonderlich beeinträchtigt. Macht sich besonders gut als Essensbegleiter zu Fleischgerichten.

Am ersten Abend eine Stunde karaffiert, dann über zwei Abende mit gleichbleibender Güte getrunken. Der Wein ist heute voll trinkreif – er wird sich auf diesem Niveau sicher noch zwei, drei  oder vielleicht auch fünf Jahre halten. Aber wozu warten?

Aus der Versteigerung, um  25  EUR, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Gereifte Rieslinge aus 2002 und 2003 in Oberhausen

Oberhausen Riesling 2002 und 2003 Titel (100 von 1)Als mein guter Weinfreund Norbert zu einer Probe reifer Rieslinge einlud stand für mich natürlich fest, du muss ich hin. Also pilgerte ich voller Vorfreude im Juli 2014 ein weiteres Mal in Richtung Oberhausen. Meine Erwartungen an die Probe sollten nicht enttäuscht werden. Im Schwerpunkt probierten wir Spitzenweine aus 2002 und 2003. Das Line-Up samt der Jahrgänge war den Teilnehmer komplett unbekannt, die Weine wurden blind präsentiert und nach jeder Flasche wurde aufgedeckt. Wie immer wurden Notizen sowie Beurteilungen vor dem Aufdecken verfasst.

Weiter lesen…

Riesling Große Gewächse 2013

Wiesbaden 2014 Titel (100 von 1)Manche professionellen Verkoster mögen uns kritisieren, aber wir finden die großen Rieslinge des Jahrganges 2013 eigentlich ganz gut. Sie unterschieden sich deutlich vom Vorjahr und haben kaum etwas mit dem Jahrgang 2011 zu tun. Im besten Falle sind sie eine gelungene Mischung aus 2008 und 2010, oder einfach sehr eigenständig. 2013 ist ein Jahrgang, in dem sich allgemeine Aussagen über dessen Güte schlicht verbieten, denn zu unterschiedlich waren die klimatischen Bedingungen in den einzelnen Regionen. Für die Winzer wird 2013 als überaus anstrengendes und Nerven zehrendes Jahr in die Geschichte eingehen. Früh einsetzende Fäulnis und ständige Regenschauer während der Lese verlangten vielen Winzern permanenten Einsatz in den Weingärten ab.

Weiter lesen…

Domaine Maillard Pére & Fils Corton-Renardes Grand Cru, 2006

Maillard Corton-Renardes Grand Cru, 2006 (100 von 1)Expressives Bukett nach roten Waldbeeren, dazu Himbeeren, eigenwillige Note nach Trüffeln, dahinter florale Anklänge, etwa staubige Faßaromen, leider zieht der Alkohol ein wenig die Nase hoch, trotzdem angenehm freinfruchtig die Blume. Am Gaumen dicht strukturiert, kräftiger Auftakt nach dunklen Früchten, sehr würziger Einschlag, der Wein explodiert aromatisch förmlich im Mund, die Ursache dafür liegt leider im Alkohohl, denn davon wird der Wein deutlich über seinen gesamten Verlauf getragen, das Holz ist bereits gut eingebunden und auch die Tannine wirken reif und sind nur noch angenehm griffig am Gaumen zu spüren, mittlere Länge und Komplexität. Eigentlich ein gelungener Corton, der jedoch, zumindest am ersten Abend, ein echtes Alkoholproblem hatte und sich im jetzigen Zustand wenig animierend trinkt, dies mag jedoch zu einem kräftigen Essen ganz anders sein. Am darauffolgenden Abend begegnete mir der Wein deutlich entspannter und auch die alkoholische Note besser eingebunden. Freilich war es noch ein kräftiger Wein, seine Frucht wirkte nun jedoch reichhaltiger und gewogener, samt schöner schokoladigen und milder Kräuterwürze im langen Nachhall. Wie gesagt; zum Essen schon heute sehr gut, es ist jedoch nicht wagemutig ihm eine gute Entwicklung in, sagen wir mal, fünf Jahren, zuzutrauen. Nur eine positive Disposition zu der kräftig-kernigen Corton-Stilitik wird vom geneigten Weinfreund abverlangt. Aber dies ist nunmal nicht ein Makel des Weines…

Vom Fachhandel, 36 Euro, 87-88+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2021