November 19, 2009 von Rainer
Vor gut einem Jahr begeisterte mich der 2006er ganz besonders, womöglich auch wegen der damals charmanten Begleitung. Heute begleitet mich bei der Verkostung nur der Wein. Mal sehen ob es eine Ernüchterung gibt. Mittlerweile hat auch der Edeka (nicht ganz um die Ecke) Meyer-Fonné Weine, wobei die 14 Euro satte drei Euro über dem Preis meines üblichen Fachhändlers liegen. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen….Die Farbe wie gewohnt, ein strahlendes Gelbgold mit blassgelben Reflexen. Duftet nach Pfirsich, Mirabelle, gelben Apfel und zarten mineralischen Gestein. Präsente, fast kraftvoll-jugendliche Nase, die sehr fein gezeichnet ist, aber noch nicht die Tiefe und das Spiel vom 2006er hat. Im Mund wie erwartet unglaublich saftig und animierend. Die Säure tänzelt wie verrückt auf meinem Gaumen und fordert im positivsten Sinne meine ganze Sensorik. Ahh, wie ich es liebe! Sie puffert perfekt die merkliche Restsüße. Viel Steinfrüchte, reife, knackige Äpfel und deutliche Zitrusnoten verleihen dem Wein sein Aromenspiel und zeigen seine Jugend an. Im weiteren Verlauf nehmen die Zitrusnoten immer weiter zu und die Säure ist fast resch. Erste Anzeichen von mineralischen Noten und ein Touch Wachs. Alles noch etwas zurückgenommen und so endet der Wein knapp lang auf grasigen und vegetabilen Noten. Mir scheint dies seiner Jugend geschuldet zu sein. Im besten Fall dürfte auch dieser Jahrgang das Spiel des 2006er innerhaben. Allemal schon jetzt ein tolles Trinkvergnügen. Zu Hause offen verkostet, von der Flasche ins Glas.
Vom Fachhandel, 13,99 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2010 bis 2012
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November 18, 2009 von Guido
Dunkles strohgelb mit goldfarbenen Reflexen. Frisch geöffnet entweicht ein kleiner Sponti-Stinker aus der Flasche, die Nase öffnet sich dahinter aber recht schnell, entwickelt rauchige Noten, Orangencreme, Honigwürze und Kräuteranklänge, dazu leichte Reifenoten. Beim ölig wirkenden Antrunk zucke ich ein wenig innerlich zusammen, die Süße dieses Weines trifft mich unvermittelt, obwohl ich es hätte ahnen müssen, denn gerade im Jahre 2002 hat das Weingut deutlich mit dem Restzucker gespielt. Und gerade aus diesem Jahrgang habe ich in den letzten Jahren nun schon einige Flaschen der Lagenweine geleert… ich tippe mal, ein gutes Dutzend, eher mehr. Da weiss man eigentlich, was kommt. Und eigentlich konnte ich daran stets Gefallen finden… aber heute?
Ähnlich seinem Pendant aus der Lage Klosterberg Millichberg kommt auch dieser Wein, der auf Braunschiefer gewachsen ist, mit einer deutlichen Auslesestilistik einher. Allerdings, ihm fehlt im direkten Vergleich das animierende Spiel. Im Mund wirkt der Wein behäbig, mit kandierten Orangen, rauchig, sehr mineralisch, weitere kandierte gelbe Früchte, er hat auch einen gewissen Schmelz. Allein die Süße, sie lässt den Wein breit und unfokussiert erscheinen. Die weich wirkende Säure des Weines kommt hiergegen noch nicht (?) / nicht mehr (?) an — schwierig. Am Gaumen wird der Wein sehr rauchig und kippt dann geschmacklich etwas in herbe Orangecreme mit leicht salzigen Tönen. Klingt netter, als ein Bild meines Nippens am Glas es vermitteln würde: nach einem Glas fühle ich mich gänzlich satt. Der Wein hat einen mittellangen Abgang, der nicht der vielfältigste ist. Es beschleicht mich im Verlauf der nächsten Tage das Gefühl: der wird wohl nicht mehr schöner. Offen und mit 2 Stunden Vorlauf in der Karaffe aus großen Gläsern probiert.
In 2004 für 11,80 Euro im Fachhandel gekauft, 83 Punkte (gut), jetzt trinken
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November 17, 2009 von Rainer
Helles Gelbgold mit grünen Reflexen. In der Nase deutlich der für Kühn typisch intensiv mineralische Duft nach feuchten Kieselsteinen, überaus fein gezeichnet, wenn überhaupt, nur ein ganz kleiner Spontimuff. Daneben und nahezu gleichgestellt ein gelungener Früchtestrauss aus reifen Pfirsichen, Maracuja und ein Touch Zesten von der Zitrone. Beide ergeben ein schönes Duett. Saftiger Antrunk mit viel Frucht. Pfirsich, Aprikose und tropische Noten fallen mir ein. Im Vergleich zur Nase wirkt die Mineralik etwas zurückgenommen, leicht salzig und erinnert nun stärker an Zündstein und Graphit. Im weiteren Verlauf getrocknete Gräser, Trockenblumen und feinherbe Küchenkräuter. Die Säure ist durchaus präsent, jedoch perfekt eingebunden von der Zuckerspitze und ist sehr feinporig. Nicht ganz tief, aber durchaus gehaltvoll. Mittellanger Abgang. Der Wein ist deutlich weiter als bei der Verkostung vor einem Jahr (hier zu lesen) und nun auf seinem Höhepunkt. Zu Hause offen verkostet, kurz am Vortag dekantiert.
Vom Weingut, 8,60 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2010
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November 16, 2009 von Florian
Das Weingut von Winning mag nur Wenigen bekannt sein, bis Anfang dieses Jahres firmierte es nämlich unter dem Namen Dr. Deinhard. Der neue Besitzer Achim Niederberger, dem unter anderem auch die Weingüter Bassermann-Jordan und von Buhl sowie die Marke „Villa Niederberger“ gehören, unter der die Pfälzer Kellermeister-Legende Hans-Günter Schwarz im Ruhestand seinen Beruf zum Hobby gemacht hat, benannte das Gut Anfang dieses Jahres um, um damit dem beabsichtigten Neuanfang Rechnung zu tragen. Neuer Name, neuer Kellermeister, neue Etiketten – bereits für den ersten Jahrgang unter neuer Leitung schärmen nun Zeitgenossen, die die etwas konservativ-langweiligen Weine von Dr. Deinhard bislang nicht mal mit dem verlängerten Rücken angesehen haben. Erwähnte ich schon, dass Niederberger in erster Linie Reklame macht? Der Mann versteht sein Handwerk.
Kräftiges Gelb mit grünlichen Reflexen. Eine sehr jugendliche Nase, die unmissverständlich klarmacht, dass man es hier mit einem GG zu tun hat. Zitrone, Biskuitrolle, gelbes Steinobst, nasser Stein, kühlende Mineralik und schöne Kräuterwürze verbinden sich zu einem Gesamteindruck, der für den Mund vor allem eines verspricht: Druck. Beim ersten vorsichtigen Schluck zeigt sich dann, dass dieser Wein natürlich noch weit von seiner Trinkreife entfernt ist, die einzelnen Elemente stehen noch ein wenig nebeneinander. Im Laufe des Abends fügt sich alles besser zusammen, dennoch braucht dieser Kieselberg sicher noch zwei bis drei Jahre, bis er alles zeigt, was er kann. Doch der Reihe nach: Eine ordentliche Restsüße ist der erste Eindruck. Zitrone, etwas mürber gelber Apfel, cremig, sehr mineralisch und eine tief integrierte, wahnsinnig kraftvolle Säure. Im mittleren Verlauf hat er derzeit eine kleine Delle, die gerne noch mit mehr Tiefe ausgefüllt werden dürfte. Ich bin aber sicher, dass da im Lauf der Zeit noch etwas kommen wird. Hinten etwas kratziger Gerbstoff und ein nahezu unheimlicher Abgang: lang, lang, lang. Es bleibt ein etwas parfümiert wirkender, aber dennoch schöner Nachhall stehen – und zwar minutenlang.
Ich muss sagen, ich bin angetan. Dieser Kieselberg ist zwar nicht gerade ein Statement des Individualismus, dafür entspricht er zu sehr dem Stil, der augenblicklich das Große Riesling-Gewächs der Mittelhaardt definiert. Sollte sich diese Frühform bei von Winning aber halten oder gar weiterentwickeln, wächst den Großen in Deidesheim und Forst ein echter Konkurrent heran. Ich bin sehr gespannt.
Als Geschenk erhalten, 26 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2015
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November 15, 2009 von Guido
Mittwochswein, der II.
Dunkles schwarzrot mit leicht violetten Reflexen. Die Nase drückt aus dem Glas, voll praller dunkler Frucht, leicht alkoholisch ist die Nase, dahinter aber findet sich ein versöhnender Korb voller Blau- und Brombeeren, verhalten auch etwas Kümmel. Mit mehr Luft auch florale Anklänge, die mich an Veilchenblüten erinnern. Man merkt sofort: der Wein kommt nicht auf der intellektuellen Schiene daher, das ist eher ein Pathos-Typ der schmeichelnden Art…
Saftig dicht im Antrunk, der Wein baut frisch aus der Flasche fast nur auf seine verschwenderische Frucht, die ein seidiges Mundgefühl hinterlässt. Mäßig tief, aber wieder diese üppig fette, dunkle Frucht, die mir am heutigen Abend einfach gut gefiel. Das Tannin ist schon ziemlich abgeschmolzen, es bleibt leicht trocknend stehen. Frische Säure, der Trinkfluss entwickelt sich stimmig. Am Gaumen bleibt der Wein mit würzigen Schokoladentönen, Beerenfrucht und wieder Veilchen knapp mittellang stehen. Gewinnt noch etwas mit Luft, ein bis zwei Stunden in der Karaffe schadet dem Wein jedenfalls nicht; ich habe ihn leicht gekühlt (bei ca. 15 Grad) getrunken, und ich will es gar nicht verhehlen: ich mochte ihn. Allerdings, nicht vorbehaltslos: denn was mir vor allem gefehlt hat, war die Tiefe und, fast noch schlimmer, die fehlende Regionaltypizität. Blind hätte ich den Wein warscheinlich nicht einmal nach Italien verortet. Das wird wohl aber an mir liegen… schliesslich vergab der Gambero Rosso 3 von 3 Gläsern; jedenfalls wirbt jeder Händler damit. Und die Herren und Damen Italien-Spezialisten müssen es ja schliesslich besser wissen… *hüstel*. Kistenweise nachkaufen werde ich ihn jedoch nicht, auch wenn der Wein ein wirklich ansprechendes Preis-Genussverhältnis hat. Aber als Mittwochswein, vielleicht so ein/zwei Flaschen, ja, warum denn eigentlich nicht?!
Im Fachhandel, 6,50 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt bis 2011.
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November 13, 2009 von Rainer
Im Herbst brachte ein Händler meines Vertrauens freudig erwartet die neuen Weine von Meyer-Fonné direkt aus dem Elsass mit. Endlich ergab sich die Gelegenheit die erste Flasche aufzuziehen und ich war sehr gespannt. War 2008 im Elsass ähnlich gut wie in Deutschland? Wie verläuft die Entwicklung bei Meyer-Fonné und wie schmecken seine Weine in der Jugend, denn bisher verloren sich nur seine gereifteren Weine in meinem Glas? Vorab will ich gerne meine große Leidenschaft für seine Weine gestehen, erwarten Sie daher keine allzu objektive Verkostung, wenn´s denn so etwas überhaupt gibt.
Also, auf die Flasche seines einfachen Gutsriesling, ab ins Glas damit und sofort daran schnuppern. Frische junge Nase, eine Menge grüner Apfel, unreifer Pfirsich, Zitrusnoten und frisch geschnittenes Gras. Die Primärnoten dominieren eindeutig und sind noch ziemlich wild, dahinter zeigt sich ein blasses Abziehbild von den bekannten Meyer-Fonné-Aromen: Kerzenwachs, kandierte Tropenfrüchte, rauchig-jodige Mineralität. Recht schlank und ohne besonderen Tiefgang, aber er hat ein gewisses Spiel und Individualität. Im Mund merkt man dem Wein seine Jugendlichkeit noch stärker an. Im Antrunk viel gelbe Grapefruit, Zitrus, junger Apfel und eine resche Säure, knochentrocken und noch sehr unruhig. Im Abgang baut dann die Frucht doch schnell ab und es treten stärker die rauchigen mineralischen Noten zu Tage, ohne jedoch sonderlich intensiv zu sein. Bei allem Wohlwollen, aber der Wein bricht hinten doch zusammen und es bleibt wenig von ihm im Mund zurück. Aufgrund seiner allgemeinen Unruhe vermute ich, dass überwiegend seine Jugendlichkeit dafür verantwortlich ist. Für einen einfachen Gutsriesling auf Kabinett-Stufe bietet der Wein ein vielschichtige Aromatik. Der Trinkspaß dürfte aber in sechs Monaten noch deutlich größer sein. Liegt eindeutig unter der darauf folgenden Qualitätsstufe, dem Vinoble de Katzenthal. Für nur 2 Euro mehr zeigen sich alle Besonderheiten eines Meyer-Fonné-Rieslings deutlich präsenter und präziser. Zum heutigen Stand eine lohnende Investition. Ohne viel Tam-Tam aufgezogen und offen verkostet.
Vom Fachhandel, 9,50 Euro, 83+ Punkte (gut), jetzt bis 2011
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November 11, 2009 von Rainer

Wenn Barbera auf den Tisch kommt, dann sehr gerne von Franco Martinetti. Seit vielen Jahren begeistere ich mich regelmäßig für seine ganz eigene Art den Barbera auszubauen. Probieren Sie einmal seinen Montruc! Klasse und noch bezahlbar. Eine Stufe darüber der Sul Bric, eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon und Barbera, gewachsen vor dem Abgrund auf der Spitze eines wilden Hügels (auf piemontesisch eben „Sulbric“). Ein Wein, den ich am liebesten möglichst gereift trinke, denn erst dann läßt er sich all seine Tiefe und Komplexität entlocken. Leider ist das Vergnügen viel zu selten, der Wein hat seinen Preis, was bei nur vier Hektar und einem Ertrag von durchschnittlich 31hl/ha kein Wunder ist.
Heute gibt es den 96er im Glas, ein wirklich ausgezeichnetes Jahr im Piemont. Im Schnitt sehr lagerfähige, ausdrucksstarke Weine konnten die Topwinzer erzeugen. Der Sulbric aus diesem Jahr ist hier keine Ausnahme. Na denn los mit der Lobhudelei: Dunkles Rubinrot mit schwarzrotem, undurchscheinbaren Kern, leichte Trübung, Aufhellung zum Rand, kaum Wasserrand. Zunächst kein Bukett, nur ein indifferenter Muffton steigt in die Nase. Doch in den folgenden vier Stunden durchlebt der Wein eine unglaubliche Metamorphose. Nun feingezeichnet, nach reifem Fruchtfleisch der Schwarzkirsche, angetrockneten Pflaumen, etwas Feige und Cassis. Dies alles umhüllt von zarter Bitterschokolade und ein Hauch Pfeiffentabak benetzt die Schleimhäute. Klar, ein gereifter Wein auf seinem Höhepunkt, dessen langsamer Niedergang unmittelbar bevorsteht. So der Eindruck zumindest in der Nase. Im Mund wirkt der Wein deutlich jünger. Zunächst im Antrunk sind die Primärfrüchte noch reif, teilweise bereits etwas angetrockent. Im weiteren Verlauf bilden sich die Aromen aber reifemäßig zurück und enden auf einem jugendlichen Destilat aus Kirsche, Feige und Cassis. Zur Frische trägt auch eine Ahnung grüner Paprika und eine gut eingebundene, verspielte Säure bei. Die Tannine sind butterweich wie flüssiges Karamell und die Holzaromen beschränken sich angemessen darauf, die Primäraromen zu harmonisieren. Der Abgang ist lang und ausdruckstark, mit den beschriebenen Früchtebukett und endet auf zart-herber Kirsche mit feinsten Röstaromen vom Fassausbau. Nicht unendlich tief, aber unheimlich verführersich. Der perfekte Wein für lange Abende vor dem knackenden Kaminfeuer. Zu Hause mit Freunden offen verkostet, alle kamen zum selben Urteil (hmmm, lecker!!!), vier Stunden in der Karaffe, von Glas zu Glas besser.
Vom Fachhandel, 31 Euro, 91 Punkte (hervorrangend), jetzt trinken
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November 10, 2009 von Rainer
Auf der Spitze, überhalb einer der bekanntesten Grand Cru-Lagen des Elsass, dem Altenberg de Bergheim, liegt die Premier Cru-Parzelle Grasberg. Trotz der Nord-Ost-Ausrichtung gibt es dort gerade noch ausreichend Sonne. Die Böden sind karg, stark kalkhaltig und so müssen die Reben weit in die Tiefe vordringen, um ihr Überleben zu sichern. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Grasberg wohl die leichtesten und feinsten Weine von Deiss hervorbringen. Was bleibt, ist der Mischsatz, und so haben wir hier Riesling, Grauburgunder und Gewürtztraminer im Glas.
Strahlendes Strohgelb. Äußerst fein gezeichnete Nase nach Zitruszesten, mild-herber gelber Grapefruit, saftigen Gräsern, ein Touch Honignoten und eleganten mineralischen Noten. Sehr anregend, die Aromen scheinen zu vibrieren, ständig zeigt er seine beiden Seiten: Tiefe und Filigranität. Auch im Mund ein schlanker, transparenter und graziös gezeichneter Wein, so durchscheinend wie klares Quellwasser. Im Antrunk vergleichbare Aromen wie in der Nase, dazu fällt sofort eine deutliche Zuckerspitze auf und feinporige Gerbstoffe und ein leichter Schimmer Mineralik. Alles perfekt verwoben, vereint in dem Ziel, eine leichte, restsüße Spätlese zu entwerfen. Die Säure ist großartig mit der Süße abgestimmt, sie verschwindet im langen Abgang vollständig, und es bleiben nur die Essenzen von Früchten im Mund zurück, allem voran grüne Apfelschalen und Zitrusnoten. Der Mund ist vollständig von der Säure erfrischt und man möchte sofort zum nächsten Schluck ansetzen, was bei 12,5% Alkohol ziemlich gefährlich ist, weil man gefühlsmäßig von 9% ausgeht, so perfekt hat Deiss ihn versteckt. Für mich ein wunderbarer Solist. Komponiert wurde er freilich als Esswein, der zu Fisch und zu nicht scharfen asiatischen Gerichten bestimmt perfekt harmoniert. Zu Hause zum Geflügel offen verkostet. 2 Stunden in der Karaffe bei 10 Grad gekühlt verkostet.
Vom Fachhandel, 32 Euro, 91 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2019
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November 9, 2009 von Rainer
Der Zufall will es, dass ich relativ kurz nach dem 1986er nun auch die Gelegenheit habe den 1989er zu verkosten. Gemeinhin als das kleinere Jahr im Moulis beurteilt, nur Parker befindet den 89er als des beste Jahr des Weingutes und gibt ihm 91 Punkte. Wie auch immer, klein ist dieser Wein keines falls. Uns hat er zumindest diesen Abend zum gegrillten Steak perfekt begleitet. Kirschrot mit purpurroten Reflexen lag er im Glas. Kaum Wasserrand. Nach zwei Stunden im Dekanter öffnete sich der Wein und bietet ein anregendes Spiel aus verschiednen Düften nach Trüffeln, herben Cassis und reifen Pflaumen, dahinter etwas Tinte, eine Spur Eukalytus und grüne Paprika. Im Antrunk sehr kräftig, robust mit einer gekonnten Mischung an grasigen und fruchtigen Noten. Wieder viel Cassis und Pflaume, daneben grüner Paprika, Grafit und eine herbe Würze vom Fassausbau nach Zedernholz und trockenem Tabak. Manche meinen auch feuchtes Laub und/oder Waldboden zu vernehmen. Einig sind wir uns darin, dass wir einen Bordeaux im perfekten Reifezustand vor uns haben, der noch keinerlei Altersschwächen zeigt und wohl noch einige Jahre auf den Niveau bleiben wird. Dazu passend die vitalen, aber sehr feinporigen Tannine und eine gut eingebundene, vitale Säure. Der lange Abgang wird getragen von einem sich zum Schluss hin schlanker werdenden Früchtebukett und endet auf grasigen Noten. Keine Frage, die über 70% Cabernet Sauvignon machen ihn zu einem robusten, maskulinen Bordeaux, der etwas spröder daherkommt, im Vergleich zum 86er. In unserer Runde konnte nicht jeder etwas mit dem Wein anfangen (zwischen 84 und 89 Punkte). Mir hat es sehr gut gefallen, weil der Wein nie langweilig wurde und sowohl zum Essen, wie auch als Solist durchaus Spaß machte. Offen bei Freunden verkostet, zwei Stunden in der Karaffe und das letzte Glas war eindeutlich das Beste. Also trauen und ihn ein paar Stunden Zeit geben.
Vom Fachhandel, ca. 22 Euro (damals), jetzt ca. 50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014
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November 8, 2009 von Florian
Helles Strohgelb. Eine wunderbare, wenngleich noch junge Rieslingnase: Zitrus und Weinbergspfirsich, Kräuterstrauß, Tabak, nasser Kieselstein, schöne, kühle Mineralik, Anklänge an Speck, Extraktsüße. Im Mund straff und kühl, nicht ganz trocken, Limette, wieder Pfirsich, ganz leicht gemüsig, wie Gurke. Über allem eine im Reifen befindliche Säure in schönem Zusammenspiel mit der Mineralik, etwas Rauch, im leider etwas zu kurzen Abgang ein wenig adstringierender Gerbstoff und viel mürber Apfel.
Ein vorbildliches Ungeheuer mit einer fein ziselierten Kabinettstilistik. Dennoch lautet meine Empfehlung, im Augenblick die Finger davonzulassen: Die jugendliche Frische am Gaumen hat der Wein abgelegt, ohne dass an diese Stelle schon eine reife Tiefe getreten wäre, die ich ihm durchaus noch zutraue. Im Augenblick möchte er meiner Ansicht nach erstmal in Ruhe reifen.
Im Fachhandel, 9,50 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), Mitte 2010 bis 2011
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November 7, 2009 von Rainer
Kirschrot. Schöne Burgundernase von mittlerer Intensität mit viel Kirschen und Pflaumen und einer leichten Holzwürze vom Barrique. Im Mund öffnet sich der Wein erst am zweiten Tag, ohne dabei sich ganz zu entblättern. Er ist halt immer noch ein wenig jung, erst ganz langsam nähert er sich seinem Höhepunkt. Die Komponenten passen gut zusammen, nur das Holz ist am ersten Tag noch ein wenig präsent. Das hat sich aber am nächsten Tag erledigt, nur ein sanfter Hauch von Bitterschokolade und Kakaonoten erninnern an das Barrique. Im Abgang wird es dann kräftiger. Doch von Beginn an. Der Antrunk von mittlerem Körper, dunkle Waldbeeren, etwas Casis, recht intensive Kräuterwürze, fast Pfeffrig, mit einer robusten Säure. Im weiteren Verlauf fallen mir die feinporigen Tannine auf, die nach dem Abgang gänzlich verschwunden sind. Sehr schön, wie der gesamte Abgang, der knapp lang ist und von einer leckeren Fruchtsüße dominiert wird. Trotzallem wirkt der Wein immer noch ein wenig gehemmt, so als würde er sich zieren all seine Tiefen und Geheimnisse preis zu geben, wenn es die denn auch wirklich gibt!? Ich bin mir im Zweifel. Heute fehlt mir ein wenig die Komplexität, der Überraschungs- bzw. Spannungsmoment. Gut gemacht, aber nicht wirklich aufregend kommt mir in den Sinn. In mein Kellerbuch notiere ich 2011 als Öffnungdatum für die nächste Flasche. Dann wird wieder berichtet. Offen bei Freunde verkostet, zuvor zwei Stunden in der Karaffe.
Vom Weingut, 25 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), 2011-2016
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November 6, 2009 von Rainer
Im Sommer hatte ich den 2004er im Glas, der mir sehr gut gefiel, sich aber noch ein wenig jung und ungehobelt präsentierte. Ein Esswein mit kräftigem Holzeinsatz attestierte ich ihm damals. Heute befindet sich der Jahrgang 2005 im Glas, zum ersten Mal als Großes Gewächs vermarktet.
Für einen Spätburgunder kräftiges Kirschrot mit ziegelroter Randaufhellung. Der Wein zieht wunderschöne Kirchenfenster in meinem Burgunderglas. Die Nase dezent, aber vielschichtig: rote, leicht angetrockenete Beeren, frische Zwetschge und eine Ahnung Erdbeere, daneben feuchter Waldboden und ebenso feuchte Tabakkiste. Deutlich harmonischer und feiner komponiert als der 2004er. Gleich zu Beginn am Gaumen offenbart der Wein eine robuste Struktur mit Tiefgang. Rote Beeren, ein Hauch Bitterschokolade, feuchtes Laub und eine kühlende Mineralik trage ich spontan in mein Verkostungsbuch ein. Auch im weiteren Verlauf höchstens von mittlerem Körper, ein filigraner Zeitgenosse, der ohne breiten Holzeinsatz auskommt und mit seiner zunehmenden kargen Mineralik, den sanften Tanninen und vielfältigen Kräuteraromen voll überzeugt; ja, gar eine eigene Note aufweist. Der Abgang unterstreicht seine Klasse. Lang ist er, mit einer fast intensiven roten Beerenfrucht, sie blitzt dank einer leichten Süße kurz hervor und harmoniert wunderbar mit der feingliederigen Säure und den angenehmen Tanninen, die leider eine kleine Winzigkeit zu lange zurückbleiben. Insgesamt spürbar über dem Vorjahr. Der Wein ist jetzt sehr gut zu trinken, sollte jedoch einige Stunden in der Karaffe belüftet werden. Am nächsten Tag noch besser.
Vom Weingut, 32 Euro, 90 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2015
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November 5, 2009 von Guido
Auf Tonschiefer gewachsen ist dieser Riesling im Alsenzer Elkersberg. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu ergründen, wie die Namensfindung im Hause Hahnmühle von Statten gegangen sein wird, zumal, da die Lage nach eigenen Angaben die Spitzenlage des Weinguts für Rieslinge darstellt.
Goldgelbe Farbe. In der Ansätze von Tiefe zeigenden Nase finden sich verhalten hefige Spontinoten, dahinter deutlich Cassis, rosa Grapefruit, etwas Ananas, ein rauchiger Honigton, etwas saubere Botrytis. Mit mehr Luft auch cremiger Butterkeks. Im Antrunk wirkt der Wein zunächst dank der Honignoten recht saftig und dicht. Diesen ersten haptischen Eindruck kann der Wein im Mundverlauf aber nicht durchhalten, er wirkt im hinteren Mundraum schlanker als zunächst erahnt. Dies stört aber nicht, im Gegenteil, es macht den Wein angenehm trinkig. Der Wein hat jedoch etwas Restsüße, die ihm an Schärfe im Profil nimmt. Geschmacklich mit Cassis, herben Kräutern, welken Blättern und wieder Honignoten. Mit einer reife Säure, die ich in diesem Jahrgang auch schon in einigen anderen Weinen vorgefunden habe. Reif, aber nicht müde. Der Wein gefällt mit seiner deutlichen Mineralik, die leicht salzig und mit kräftigem Biss bis in den deutlich mittellangen Abgang stehen bleibt. Der Wein hat hier wieder einen sehr nachhaltigen Stil. Der Wein endet dann deutlich mittellang mit schmelzigen Grapefruittönen, etwas Ananas, den salzigen Anklängen und wieder mit dieser bissigen Mineralik, die am Gaumen schärfend nachhallt.
Der Wein scheint auf dem Höhepunkt zu sein, dürfte sich aber auch noch im nächsten Jahr angenehm zeigen. Offen und undekantiert über zwei Abende getrunken, ein bis zwei Stunden in der Karaffe wären in der Nachschau aber nicht falsch gewesen, jedenfalls dann, wenn die Flasche noch am selben Abend getrunken werden soll. Leider wird sich diese Frage für mich nicht mehr stellen – es war die letzte ihrer Art.
Ab Hof gekauft, 9 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2010.
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November 5, 2009 von Florian

„Satelliten“, „kleine Bordeaux-Appellationen“, „Best of the Rest“: Der Titel der Oktober-Probe der Bonner Weinrunde war nicht ganz leicht zu formulieren. Thorsten hatte sich vorgenommen, abseits der bekannten Pfade nach Weinen zu suchen, die Aufmerksamkeit verdienen. In sechs Flights und mit einem Betthupferl stellte er uns „seine“ Reise durch das Libournais vor. Weiterlesen
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November 4, 2009 von Florian
Thorsten hat diesen Wein bereits vor ziemlich genau einem Jahr recht euphorisch besprochen, ich trank ihn ungefähr zur gleichen Zeit und war nicht sonderlich begeistert, mir fehlte es schlicht an Tiefe. Ein Jahr ist vergangen, genug Zeit für den Riesling, zu sich zu finden, höchste Zeit für mich, mein Urteil zu überprüfen.
Kräftiges Gelb im Glas. In der Nase eine ausgeprägte Schiefermineralik, fast ein wenig röstig, Rauch, Speck, Kräuter, etwas Brot und Extraktsüße. Deutlich kräftiger als in meinen Notizen aus dem November 2008 festgehalten. Frucht finde ich hier allerdings wenig, sie tritt weit hinter die mineralischen Komponenten zurück. Im Mund eine üppige Restsüße, hier zeigt sich nun eine deutliche Zitrusfrucht, Blumenwiese, eine klar gezeichnete Mineralik, mundfüllend breitet sich der Wein aus. Im mittleren Abgang ein wenig kratzig. Immer noch finde ich den Wein nicht gerade ewig tief, er kommt mir nun aber deutlich offener vor, ist schön zu trinken und macht einfach Spaß.
Vom Weingut, 12,50 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2011
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