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Intensives, nahezu spiegelndes Grüngelb. Unmittelbar nach dem Aufziehen deutliche Firnenote und auch etwas Kellermuff. Da geht der Wein direkt für eine Stunde in die Karafffe und dann zeigte er sich, wie ich es bereits oft bei Breuer-Weinen erlebte, von einer ganz anderen Seite. Der Muff und die Alternoten nun gänzlich verschwunden. Jetzt die erhoffte klare, präzise gezeichnete Nase eines großen, gereiften Rieslings. Ausgeprägter kräuter-würziger Duft mit packendem mineralischem Spiel. Die Frucht zurückgenommen, aber grüne Apfelaromen und Zitrusfrüchte verleihen der Nase ein kühle Frische, feinfühlig mit den Graphit- und Feuersteinanklängen verwoben. Klassische, ein Tick strenge Rheingau-Stilistik mit feiner Firne und einer erdig-würzigen Grundausrichtung.

Pikant saftiger Auftakt im Mund. Ein Wein von mittlerem Körper und betont trockener Stilistik. Im vorderen Verlauf dominieren erneut die grünen Äpfel (Granny Smith) und Zitrusfrüchte. Sehr klar und animierend. Im weiteren Verlauf vermehrt Extraktsüße, die sich mit einer tiefen erdig-würzigen Mineralik verbindet, erinnert mich fast an etwas Humus oder Torf. Diese stimmige Kombination wird von einer pikanten, sehr reifen Säure getragen, die ohne jede Spitzen daherkommt, aber ihre Herkunft auch nicht verleugnet. Bis dahin sind wir voll auf 90+-Punkte Kurs. Dann zeigt sich aber doch das schwierige Jahr 1997, denn im Abgang kann der Wein diese Spiel nicht ganz durchhalten. Die Frucht zieht sich nach meinen Vorstellungen zu schnell zurück und so bleibt nur diese, durchaus angenehme Mineralik zurück. Mittlere Länge notiere ich ein wenig enttäuscht – das Fluch einer offenen Verkostungen und beim Nonnenberg sind meiner Erwartungen eben sehr hoch. Trotzdem ein sehr guter Wein, dem die knapp 15 Jahre in der Flasche gut getan haben und als Essensbegleiter zu bestimmten Speisen sein ganzes Potential ausspielen dürfte. Wird sich noch einige Jahr auf dem Niveau halten. Übrigens, der 97-Schlossberg liegt in dem Jahr spürbar darüber.

Vom Fachhandel, damals 18 DM, heute um die 60 Euro, 88/89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2017

Deutscher, hochpreisiger Spätburgunder boomt – dem Vernehmen einiger Händler nach. Und doch „kränkelt“  der eine oder andere Top-Spätburgunder deutscher Herkunft weiterhin an einem altbekannten Problem, namentlich dem teilweise zu massiven Holzeinsatz, den so macher Winzer seiner Kresenz zukommen lässt. Dass hier manchmal etwas weniger Barrique viel mehr wäre, scheint sich nur langsam und mühsam durchzusetzen. Vielleicht habe ich aber auch nur das Konzept dieser EG und GG nicht verstanden. Oder es fehlt die Erfahrung, wie so manches EG/GG nach zwanzig- oder fünfunfzwanzigjähriger Reife schmeckt – falls der Wein da noch lebt. Wer hier leichte Zweifel heraus liest, tut dies schon zu Recht, denn die grundsätzliche außerordentliche Alterungsfähigkeit deutscher Spätburgunder, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht, habe ich bislang nicht kennengelernt. Man möge mich auch nicht falsch verstehen – das ist kein Makel. Nur bitte, warum dann eine Holzschminke aufsetzen, die vorgibt, der Weine könne/müsse/solle so alt werden…?

Aber genug der Vorrede, die mit dem heutigen Wein auch eigentlich nichts zu tun hat. Allenfalls: der heutige Wein hat das Holz-Problem wohltuend nicht. Kräftig ist das Holz auch hier, aber es erschlägt den Wein nicht. Aber er gehört als „R“ ja auch nicht in die Spitze der Angebotspalette bei Koehler-Ruprecht. Und ob z.B. der „RR“ das Holz besser verträgt, gilt es noch zu ergründen…

Dunkles Rubinrot, ins Ziegelrot gehend. In der Nase eine kräutrige Sauerkirschfrucht, die – etwas laktisch – von Milchschokoladenschmelz und röstigen Noten stimmig begleitet wird. Mit mehr Luft wird der Wein zunehmend kräutrig und entwickelt ein sattes Spiel zwischen Frucht und gut eingebundenen Holznoten.

Schon voller Antrunk, eine Melange aus Waldbeeren, Kirschen und grünen Kräutern, sehr sortentypisch. Die Säure knackig, das Holz wird mit zunehmendem Luftkontakt schmelzig schokoladiger. Viel Kirschextrakt, ein leichter Speckanklang. Auch ein Hauch Malz…

Ein ausdruckstarker Verführer. Mit leichter Fruchtsüße, die von der Säure sofort an die Hand genommen wird. Wann immer man denkt, es könnte einmal kurz banal werden, kommen Holz und Säure und sorgen für Ernsthaftigkeit. Langer, kirsch-kräutriger Nachhall, bestens balanciert. Stimmiger Verlauf. Allenfalls etwas mehr Tiefe fehlt für mehr… dennoch aufgrund der Harmonie des Weines einer der Sorte „ausgezeichnet“.

1 Stunde in der Karaffe, danach offen probiert.

Aus dem Fachhandel, 26 EUR, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2014 trinken

Strohgelbe Farbe. In der Nase irritierende, leicht gemüsige Noten, die an Kohl erinnern, zum Glück aber mit weiterer Belüftung im Glas abnehmen. Danach zunehmend Apfel und gelbe Steinfrucht, die aber weiterhin schwer auszumachen sind.

Mittlerer bis schon voller Körper. Der Wein bietet viel Fruchtstruktur, auch hier wieder das Apfel-Steinfruchtgemisch, er wirkt aber schnell hitzig. Das ist schade, denn ansonsten hat der Wein durchaus Statur, wartet neben der Frucht mit einer merklichen Mineralität und auch salmiak-salzigen Eindrücken auf. Und doch wird der Wein durch ein zuviel an Alkohol wieder auf den Boden geholt. Da kann dann auch die feingliedrige (aber kräftige) Säure, die gut eingebunden ist, die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer heben. Leicht schärfend und wärmend wird der Eindruck, wenngleich der Wein nicht brandig wird. Mittellanger, auch hier wieder salzige Anklänge präsentierender Nachhall, in dem Apfelnoten überwiegen.

Der Wein lässt mich etwas ratlos zurück – und ich bin ernsthaft unentschieden, ob ich nochmals nachprobieren möchte. Schwierige Phase – oder einfach nicht balanciert? ich meine, eher letzteres…

Über drei Stunden belüftet, dann offen probiert.

Im Fachhandel gekauft, 32 EUR, 84 Punkte (gut), jetzt bis 2014+

Ein alter Freund, mit dem ich vor vielen Jahren ausgedehnte Reisen durch Italien unternahm, kam kürzlich vorbei. Passenderweise brachte er ein paar dieser typischen recht mächtigen Würste mit, wie sie so gerne in Umbrien in die Pasta geschnitten werden. Damit war das Abendessen klar und dazu musste natürlich der passende Wein her.

Da hieß es für mich tief in meinem Keller zu graben, bis ich in meine, mitterweile sehr überschaubare, Umbrien-Ecke angekommen war. Es sollte ein einfacher, kräftig-rustikaler Landwein sein. Kein großes Gewächs, sondern ein Rosso der sich auch noch von den dicken Schweinswürsten auf unseren Tellern nicht einschüchtern lässt. Die Wahl viel auf den Montefalco Rosso von der Casale Triocco. Ein Verschnitt aus 70% Sangionvese, vielleicht 15% Sagrantino und der Rest weiß vermutlich nicht mal diese Erzeugergemeinschaft. 2003 war auch in Umbrien heiß, auf dem Etikett prangen 14 % vol. und so wunderten wir uns nicht, dass wir bekamen was wir wollten – einen recht rustikalen, kräftigen Saufwein mit ordentlich Kanten, ähh Tanninen.

Sattes, mitteldiches Kirschrot mit durchscheinendem Kern – der Sangiovese macht sich bemerkbar. In der Nase fällt sofort der dunkle Faßbrand auf, derart deutlicher Duft nach verbranntem Holz, Röst- ja fast Grillnote, dunklem Kaffee und Herrenschokolade. Daneben eine etwas oberflächliche, recht süße Frucht, die uns an Himbeeren erinnert. Mit etwas Wärme kommt etwas Schärfe auf, der Alkohol wärmt.

Kerniger Antrunk mit viel Frucht und noch mehr Holz. Eigentlich ist es weniger Frucht, der Wein hat einfach viel Fruchtsüße und erinnert an verwaschene rote Beeren. Leider besitzt die Frucht kein sonderliches Volumen, vielmehr wirkt sie hohl und gar etwas aufgesetzt. Es dominieren (zu)viele Aromen vom Holz und hinzu gesellen sich eine ganze Menge austrockenende Tannine, deren Charme doch arg begrenzt sind. Erneut diese dunklen Holzaromen nach dunkler Bitterschokolade, Rauch und Zedernholz. Der Abgang ist recht kurz und endet auf grasigen Aromen. Als Solist macht der Wein keine Trinkfreude, es fehlt die innere Harmonie. Dazu kommt ein gänzlich unverhältnismäßiger Holzeinsatz, dem die Beeren nichts entgegensetzen konnten. Zu unserer fetten Pasta hat er uns einigermaßen unterhalten. Mein Kumpel fand ihn lecker und so habe ich halt nur innerlich über den Wein lästert. Zu teuer.

Vom Handel, 12 Euro, 81 Punkte (gut), jetzt bis 2013

Eine bestens gereifte Rieslingnase drückt aus dem Glas. Die Belüftung von zwei Stunden in der Karaffe haben dem Wein zunehmend gut getan. Schon die Nase gibt einen ersten Eindruck auf den mineralischen Charakter dieses Weines preis, es prickelt fast in der ansonsten kernobstigen Nase, die einerseits eine deutliche Apfelnote, andererseits einen leichten Akazienhonigton preisgibt. Eine merkliche Botrytis scheint hier aber nicht am Werke zu sein. Mit mehr Luft auch Orangenblüte, die der ehedem schon komplexen Nase eine weitere Schicht hinzugibt.

Ein extraktreicher, aber zugleich nur  mittelvoller Antrunkt. Substanz – ohne jede Schwere. Quitte, Dosenananas, wieder gelbes Kernobst. Ebenso wie in der Nase auch im Mund ein leichter Reifeton, schön die satte, wenn auch leicht süßliche Frucht stützend. „Eindringlich und durchaus nahezu perfekt balanciert“ – so meine Notiz weiter.

Eine klar fokussierende Mineralität, die ich in dieser Eindringlich- und Unaufdringlichkeit zugleich lange nicht geschmeckt habe. Das Mineral zieht sich wie ein festgeküpfter Perserteppich über den Gaumen – aber hier wurde Seide verwoben. Hier kullern keine Felsklumpen durch den Mund – die heftige Mineralität bleibt zwar stets haptisch greifbar, aber sie schlägt sich nicht geschmacklich überhaupt nicht nieder. Da tänzelt weiter nur die satte Frucht um die Papillen, als gebe es nur Sonnenschein, aber ganz bestimmt kein morgen…

Die Säure jahrgangstypisch eher von der weichgespülten Sorte, und ich mag mir nicht meine Verzückung ausmalen, wenn mir dieser Wein mit einem Plus an Säure begegnet wäre. So aber bleibt der Eindruck diesbezüglich eher brav. Leichte Karamellspuren und ein von rosa Grapefruit getragener Nachhall. Nicht lang. Auch nicht sehr lang. Minutenlang bleibt dieser haptische Eindruck der Mineralität – insofern eine außergewöhnliche Länge.

2 Stunden karaffiert, dann offen bestaunt.

Als Geburtstagsgeschenk bekommen, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2015

Der 83er von Chevalier soll ein sehr klassischer, überaus gelungener Vertreter dieses Jahrganges sein , dass überwiegend eher leichte und elegante Weine hervorbrachte. Nach meinen Dafürhalten wurden im südlicheren Medoc die besseren Weine erzeugt – es blieb dort eben trocken im Herbst, während es im Norden viel regnete. Insbesondere der Chevalier wird in der Literatur immer wieder lobend erwähnt und so kam der Wunsch auf diesen Wein einmal im Glas zu haben.

Sehr helles, durchscheinendes Ziegelrotbraun mit rostbraunen Reflexen, deutlicher Wasserrand. Nicht untypisch für einen 83er, aber doch arg dünnflüssig, fast wässrig abfliessend an der Innenwand meines Glases. Ich gestehe, ein wenig Sorgen um meine Investition von immerhin 60 Euro machte ich mir auf Anhieb. Die Nase zeigt unmittelbar einen gereiften Bordeaux an. Erstaunlich expressiver, aber noble zurückhaltender Duft. Ein wilde Mischung aus Gewürzen, tierischen Anklängen, frischen Kräutern und einem medizinalen Touch, der mich an Jod erinnert. Demnach auch ein mineralischer Einschlag. An Aromen notiere ich ein Mix aus Waldboden, Minze, Pilze, ein Hauch Brombeeren, Leder und auch Tabaknoten. Die anfänglichen Muff- und Altersnoten ala Liebstöckel und gar Bartensaft verschwinden nach 2-3 Minuten im Glas. Die Minze kommt immer stärker auf und haucht dem Chevalier Frische ein. Trotzdem bleibt es eindeutig eine Nase von einem gereiften Wein, dessen Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist. Ausgemachter Altweintrinker muss man dafür aber nicht sein. Die Tiefe und feinsinnige Art mildern meine anfängliche Sorge.

Im Mund wirkt der Wein nun doch älter, schon knapp über den Höhepunkt hinweg. Recht schlanger, fast harter Antrunk. Zwar findet man noch eine Vielzahl an Aromen, aber man muss schon ein wenig Zeit mitbringen – kein Wein für schnelle Blindverprobungen. Deutliche Altersnoten in Form einer Winzigkeit zuviel Kräuter, einer prägnanten Säure und er wirkt auch bereits ein wenig gezerrt. Dahinter zeigt sich aber sehr deutlich seine ehemalige Kraft und Struktur. Dunkle Kirschen, halbbittere Schokolade und feine Tabakaromen sorgen noch für einen angenehmen Verlauf. Die Tannine sind gut eingebunden, trocknen leider aber immer noch etwas aus. Die opitmale Balance wird er nicht mehr finden. Der Körper ist hierfür zu dünn und die Frucht bereits zu sehr auf dem Rückzug. Was bleibt ist seine Eleganz, sein Spiel, einfach seine aromatische Tiefe. Für Freaks wie mich, die immer auf der Suche nach dem Aromabild eines Weines sind, ein ungemein spannendes und lehrreiches Spiel. Im hinteren Verlauf gewinnt der Wein. Die Eleganz nimmt zu und seine Strenge ab und verwöhnt im Nachhall gar mit warmen Tabakschwaden, dunklen Waldfrüchten und ein wenig Wild- und Ledernoten. Sehr gute Länge. Ach ja, das Bordeaux der 80er war halt einfach schön. 1 Stunde in der Karaffe, baute am zweiten Tag deutlich ab.

Vom Fachhandel, ca. 60 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Transparentes Purpurrot. Ganz verhalten orangefarbene Reflexe zum Rand hin. Aus der frisch geöffneten Flasche wirkt die Nase scheu und unzugänglich, kaum präsent. Ganz anders nach drei Stunden Karaffierzeit. Eine zunehmend komplex verwobene Nase mit roter Frucht, Kräutern, wobei hier Thymian dominiert, Krokant und weitere Schichten mit herber Sahne drängen aus dem Glas.  Mit mehr Luft zunehmende Kaffeenoten.

Saftiger Auftakt, dann frische Säure zeigend, die mit der stets elegant bleibenden Extraktsüße spielt. Herzkirschen, Hagebutten und ein wuchtiger Krokantton vom Holzkontakt. Der rotfruchtige Kern wird flankiert von einer merklich mineralischen Note. Wunderbare Fülle ohne jede Schwere.

Der Wein spielt ab seiner Mitte fast verschwenderisch mit seinen Elementen – und bei aller Wucht (jedoch nicht im alkoholischen Sinne), die der Wein anbietet, dem Wein haftet doch jederzeit eine noble und tiefe Eleganz an. Allenfalls das Holz ist derzeit noch zu präsent, der Wein lässt aber mühelos weiteres aristrokratisches Potential erkennen: das Tannin ist feinporig. Deutlich wahrnehmbar, aber nicht trocknend.

Langer bis schon sehr langer Nachhall, der dem Wein ein gelungenes Finish beschert; auch hier nochmal ein Ticken zu viel Holz – noch jedenfalls… dabei ist der Wein jetzt schon sehr harmonisch.

Offen verkostet, drei Stunden in der Karaffe, danach über Stunden mit großer Freude genossen.

Im Fachhandel gekauft, 45 Euro, 92-93+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017+

Klares Gelbgold. Ruhige Perlage. Fast noble, tiefe ungemein schmeichelnde Nase nach einem gereiften Früchtekorb, erinnert mich an mürbe Äpfel und Birnen. Gleichwertig schmelzige, recht reife Brioche-Noten nach Hefeteig und Brotkruste, dahinter etwas süße Blüten. Fullminanter, fruchtiger Auftakt im Mund. Da lacht mein Herz als Champangner-Novize. Die ersten am Tisch fangen zum rummoppern an, weil ihnen die Komplexität und die Mineralität fehlt. Ich erfreue mich dagegen an der ungemein cremigen, nahezu seidigen Textur, großer Trinkspaß im Glas und ich muss aufpassen, dass ich mir nicht gleich die ganze Pulle genehmige. Feine Fruchtaromen mit nussigen Einschlag, für mich hat der Champagner durchaus eine tiefgründige Mineralität, bleibt sehr lange am Gaumen haften, vielleicht ist er ein klein wenig zu süß, hat sicherlich einen hohen Anteil an Dosage erhalten. Trotzdem ein überaus schmackhafter Champagner, genau das Richtige zum Start.

Bei Freunden, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Bei einer Mitbringprobe kamen zufällig zwei ausgezeichente Weißweine auf den Tisch. Der Hausherr bereite ganz vorzügliche Kalbsbäckchen, zu denen beide Weine auf ihre Weise gut passten.

1 Domaine Trimach Cuvée Frédéric Emile, 2001
Großartige, tiefe Rieslingnase nach kandierten tropischen Früchten, Zitronenschalen, Limettten – von Karamell ummantelt. Blutorangen, weiße Blüten, leicht oxidativer Einschlag, aber noch sehr jung und von großer Vitalität. Der Antrunk elegant und vielschichtig, wir sind am Tisch alle sofort betört  – hören die Sirenen und lassen uns verführen. Feinste, durchaus kraftvolle Säure begleitet den Wein über den gesamten Verlauf, erneut der oxidative Einschlag, junge Zitrusfrüchte, komplexe Mineralik nach Graphit, kalter Kohle, etwas Jod, große Komposition, noch sehr jung, fast unnahbar. Wirklich ausgezeichneter Riesling, am Anfang seiner Reifephase; dürfte uns noch ein lange Zeit auf hohem, vielleicht irgendwann großem Niveau begleiten.
94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2026

2 Domaine Bouchard Pere & File Meursault Perrieres, 2004
Duftet nach Quittengelee und weißen Blüten, junge Melone, ein Touch Buttermilch und kalkiger Mineralik. Fein-fruchtiger, ungemein frischer Antrunk, erneut eine Ahnung von Buttermilch, junge Äpfeln, nussiger Anklänge, sehr präzise und frisch, überraschend präsente Säure, die aufgrund der cremigen Textur eine wunderbare Frische in den Wein bringt, geschliffene Aromatik über den gesamten Verlauf, noch sehr jung, großes Potential, lang-verspielter mineralischer Nachhall.
92/94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2014

Kürzlich ergab sich die Gelegenheit eine große Bandbreite trockener Spitzenrieslinge von 2001 bis 2003 binnen weniger Stunden im Glas zu haben. Alle Weine wurden blind serviert, nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Zehn erfahrene Rieslingfreaks trafen sich in Engelskirchen und steckten ihre Nase in insgesamt knapp 40 große Gewächse, getrieben von der Neugier wie sich die einzelnen Jahrgänge entwickelt haben und in welchem Reifestadium sie sich aktuell befinden. Es sollte so einige Überraschungen geben. Alle Notizen wurden vor dem Aufdecken verfasst. Aufgrund der knappen Zeit war für eine vollständige und exakte Beschreibung keine Zeit. Die Notizen dienen daher nur für eine erste Orientierung.
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Tief gelbe Farbe mit grünen Reflexen, sehr klar und glänzend, enge gotische Kirchenfenster bildend. Aromatische Nase mit feinen Reifenoten. Reife, etwas mürbe Äpfel, Nektarinen und Zitruszesten, verbindet sich leichtfüßig mit einer grazilen Firnenote. Die gleichberechtige Mineralik nach erhitzem Stein, Grafit und Asche bringt Tiefe und Komplexität. Ohne Zeifel haben wir hier ausgezeichneten Riesling vor uns. Im Mund gar noch einen Tick besser. Perfekt gereifter, vielschichtig komponierter Riesling, dessen Aromatik nur eine längere Lagerung hervorbringen kann. So besitzt er noch hinreichend Frucht, Säure und Frische und ergänzt dies mit wunderbaren Reifenoten und die reife Mineralik kann ihre ganz Bandbreite und Vielschichtigkeit ausspielen. Der Verlauf ist ein Feuerwerk an Aromen. Ist der Antrunk noch überwiegend von der Frucht dominiert, so spielt im packenden, ungemein langen Nachhall die Mineralik die erste Geige. Ein trockener Wein mit viel Extraktdichte, der über den gesamten Verlauf stimmig und animierend ist. Er wird begleitet von einer subtilen Firnenote und die Mineralik gräbt sich tief in den Gaumen und läßt uns irritiert zurück. Charme, Finesse und Spiel. Großartig! Zwei Stunden in der Karaffe, kam blind auf den Tisch. Jetzt auf dem Höhepunkt, von da kann es nur noch langsam bergab gehen.

Vom Fachhandel, 35 Euro, 93-94 Punkte, jetzt bis 2013

Die Farbe ein mittleres, schimmerndes Bernsteingold. Elsass eben. Packender, komplexer Duft, der für deutsche Riesling-Nasen vermutlich etwas ungewohnt sein dürfte. Ich höre sie schon: kein Riesling, sofort die AP-Nummer entziehen, keine Sortentypizität – als hätte Deutschland ein Monopol auf DIE Rieslingaromatik. Nein haben wir natürlich nicht, denn genau hier haben wir Identität und regionalen Ausdruck im Glas. Genau so soll Elsass, ja Rangen de Thann riechen. Auffallend natürlich sofort der feine oxidative Einschlag, der Duft wird nicht von den üblichen Früchten dominiert, vielmehr erfreue ich mich hier an floralen und kräuterigen Aromen: herbe Blüten, auch Flieder und Lindenblüten. Ebenso ausdruckstark die Gewüze wie Kerbel, Muskat und Zitronenmelisse. Dazwischen blitzt immer wieder erfrischende kandierte Zitronen und glasierte Äpfel auf. Balanciert und tief.

Dichter Antrunk von packender Frische, zeigt unmittelbar große Tiefe und Klarheit an, wirkt fast reduktiv. Konsequent trockene Stilistik, die Aromatik der Nase findet sich auch am Gaumen wieder – nahezu fruchtfrei, ein wenig Mirabellen und Aprikosen harmonisieren die herben Kräuter und blumigen Aromen. Beherrschend ist aber die packende mineralische, subtile Struktur (Feuerstein ohne Ende) des Weines. Gemeinsam mit dem packenden Säurebogen behält der Wein, trotz der ungewohnten Aromatik, sein Trinkigkeit. Die Flasche ist binnen einer Stunde leer. Langer, packender Abgang mit viel salziger Mineralik, weißen Blüten und diversen Kräutern. Ein großartiger Elsass aus dieser renomierten Lage, der erst ganz am Anfang seiner Entwicklung steht. Der hohe Preis ist voll gerechtfertigt. Jeder Rieslingliebhaber sollte sich mit dieser Lage regelmäßig beschäftigen.

Vom Weingut, ca. 45 Euro, 93+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2027

Recht dichtes Kirschrot mit orangen Reflexen am Rand. Die Farbe entspricht den Erwartungen an einen 20 Jahre alten Bordeaux. Die Nase zeigt mustergültig seine Herkunft mit deutlicher Holzwürze. Die Frucht erinnert in aller erste Linie an Schwarzkirschen, dahinter süße Himbeeren. Wie gesagt, die Holzwürze deutlich präsent, aber ungemein weich, elegant und fast nobel. Erinnert mich an Lakritz, warmen Rauch und Milchschokolade, hat jedoch auch einen Hauch derbe Anklänge von Leder und Waldboden. Leicht frucht-süßlicher, verführerischer Auftakt, mit viel Kirschkonfit und erneut Ankängen von Himbeeren, aber auch roten Waldbeeren. Fast samtiger, geschmeidiger Verlauf, die Tannine sind vollständig abgeschmolzen und die Säure intakt, hält sich aber dezent im Hintergrund auf. Allein die Holzwürze zeigt eine derb-herbe Seite mit viel Kräuterwürze, fast Unterholz. etwas Lakritz und Pfeiffentabak. Dies steht dem Wein, aus meiner Sicht, ganz ausgezeichent, denn aufgrund der extaktsüßen Frucht, schafft sie so ein wunderbare Balance. Dies bewahrt der Wein über seinen gesamten Verlauf mitsamt eines langen Abgangs. Ein ungemein stimmiger und nun auf den Punkt gereifter BDX auf dem Graves, der seinen Rang als zweites Gewächs in Léognan gerechtfertigt. Offen auf den Tisch, mehrere Stunden in der Karaffee.

Vom Fachhandel, ca. 50 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2014

Für einen Spätburgunder dunkles, intensives Kirschrot. In der Nase viel Kirschfrüchte (konfitürig), etwas Mandelsplitter und florale Noten im Hintergrund. Das Barrique tritt typisch Deutsch auf, also mit einer Menge herben Würze (Nelken, Kokos). Rauchschinken und dunkler Herrenschokolade. Elegant ist das nicht, aber etwas Spiel und Tiefe kann man nicht abstreiten. Warmer, fast pfeffrige Antrunk, von mittlerem Körper. Fein-fruchtiger Geschmack mit einer prägnanter Holzwürze und ein wenig zu sehr vom Alkohol getragen. Viel Schwarzkirschen, ein Touch Preisel- und Brombeeren, verbinden sich ansprechend mit einer fein-nervigen Holzwürze, die ein wenig streng daher kommt und erneut an dunkle Herrenschokolade und Zedernholz erinnert; adstringiert zum Abgang hin. Muss man mögen, gibt dem Wein aber auch Kontur. Die Tannine neigen ebenfalls zum Austrocknen, insbesondere im mittellangen Abgang. Die Kirschfrucht hält der Wein über den gesamten Verlauf schön durch und zeigt sich auch im Nachhall. Nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich überzeugend. Das Holz ist mir zu rustikal und es fehlt im an Spiel und Tiefe. Auch der Alkohol könnte eine Spur besser eingebunden sein. Trotzdem ein schmackhafter deutsche Spätburgunder, den man am besten als Essenswein auftischt. Drei Stunden in der Karaffe, offen verkostet.

Vom Weingut, 25 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014

An den Rändern ein altersgerechtes Ziegelrot, im durchscheinenden Kern ein mittelintensives Kirschrot, zarter Wasserrand. Zieht schöne gotische Kirchenfenster in der Glasinnenwand. Gänzlich aufgeblühte, wunderbar zarte Bordeaux-Nase. Noble Vielschichtigkeit der leisen Töne, kommt auf Zamtpfoten daher. Reife, rote Waldbeeren und Backpflaumen verwoben mit Rauch (erinnert irgendwie an versengte Textitien), Tabak und Teernoten. Letzeres sorgt für Kontur und Spannung. Nach einer Weile wird das Bukett noch um Leder und Schokolade ergänzt. Zum reinlegen. Am Gaumen ebenso zurückhaltend, von schlanker Statur, setzt voll auf Eleganz. Diese schwerelos-leichte Art hält der Wein über seinen gesamten Verlauf, auch seine Tannine und die Röstaromen vom Faßausbau spielen mit. Delikater, feinfruchtiger und würziger Auftakt. Milde, fast samtige Tannine kugeln über meine Zunge und zu meiner Freude zeigen sie im hinteren Verlauf ein klein wenig Kontur. Das Holz ist vollkommen mit den rotbeerigen Fruchtaromen verwoben. Ahnungen von Schinkenspeck, Rauch, mildem Kaffee und Tabaknoten, retronasal kommen die Röstaromen etwas verstärkt auf. Leider kann der Wein dieses noble Spiel nicht im Abgang durchhalten. Hier wird ihm seine Eleganz zum Verhängnis, denn nun eher dünn bleibt nach einem knapp mittellangem Abgang nicht mehr viel zurück. Trotzdem bin ich hin und weg ob der Eleganz und der vielschichtigen Aromatik. Hier beherrscht jemand sein Handwerk ganz ausgezeichnet. Von der Flasche ins Glas und war sofort bereit groß aufzutrumpfen. Ein Solo-Wein zum Selbststudium.

Der 89er-Jahrgang ist in dieser Dekade eine Ausnahme. Die meisten anderen 80er-Jahrgänge erreichen in der Regel nicht diese Qualität, vielleicht ausgenommen vom 83er. Die neueren Jahrgänge sollen aber wieder sehr schmackhaft sein.

Vom Fachhandel, ca. 60 Euro, 91,5 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2015

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