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2008-FBSBBHelles purpurrot, mit leicht durchscheinendem Rand. Eine zunächst nur verhalten kräutrige  Walderdbeernase, etwas Kirsche und Himbeere, wird nach kurzer Zeit im Glas expressiver. Man ahnt den Holzeinsatz mehr als man ihn riecht, es erinnert nur verhalten an Bitterschokolade. Mit mehr Luft gesellt sich eine weitere Nuance, nämlich roher Speck hinzu. Die noch jugendlich wirkende und balancierte Nase bleibt dabei aber wohltuend transparent.

Im Mund: Charmant. Wohlschmeckend. Harmonisch. Drei Attribute, denen man entnehmen kann, dass der Wein gefallen hat: mittlerer Körper, im Antrunk Walderdbeere und Kirsche, ein charmanter, extraktreicher Fruchtkern, gestützt von einer wieder nur zu erahnenden Holzaromatik. Die leicht schärfende Säure sorgt für ungemeinen Trinkfluss und balanciert die feine Fruchtsüße, dass Tannin ist unauffällig, ja kaum vernehmbar. Wieder nur angedeutete Bitterschokoladenaromatik im weiteren Verlauf – der Winzer geniesst nicht ohne Grund den Ruf, exzellent “mit Holz umgehen zu können”. Gute Konzentration, mit ordentlicher Tiefe. Dass wir es hier noch mit einem Wein der unteren Qualitätsstufe der Beckers zu tun hatten, wurde erstmals im Nachhall bewusst – denn das Finale ist zwar harmonisch, aber doch nur knapp mittellang. Der Trinkfreude, die wir mit diesem Wein hatten, tat dies aber keinen Abbruch.

Ich sehe noch ein wenig Potential für die weitere Reife, was sich aber in der Bewertung insgesamt wohl nicht mehr nennenswert niederschlagen wird.

Im Fachhandel, 17 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis Ende 2015

Keller Nierstein Riesling Kabinett H, 2012 (100 von 1)Die Überraschung unseres diesjährigen Besuches im Weingut Keller. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern jemals einen derartig ausdrucksstarken und gleichzeitig so filigran, feingezeichneten Kabinett getrunken zu haben. Die Nase ist purer Kalkstaub, mit glockenklaren Apfelaromen, eine Hauch Blütenblätter und jugendlich tropischen Früchten, der Duft vollkommen fluide und tänzelt mir derart auf den Schleimhäuten herum, dass es eine wahre Freude ist. Am Gaumen von mittlerem Körper, tanzelnd leicht und crisp. Fruchtbetonter, spannungsgeladener Antrunk von jungen Äpfeln, Mango und floraler Kräuterwürze, der Kalkstein beisst sich in den Gaumen, großer Ausdruck, durchaus komplex, kühl und distanziert, einfach grandios ist das Säurespiel, von Beginn an bringt sie den Wein derart unter Spannung, dass die Flanken meiner Zunge fast fibrieren, dieses Spiel hält sie mühelos bis zum Ende durch, schöner langanhaltender Nachhall. Das ist ein Musterbeispiel eines Kabinetts und zeigt die ganze Größe dieses Prädikates an. Jede Suche wert und ein Schnäppchen. Dazu mit 8.5% der perfekte Tropfen, wenn es auch noch ein zweites Glas sein soll. Wird sich noch lange halten, ich werde ihn aber jung geniessen.

Vom Weingut, 14,50 Euro, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

2003-QDRDRSeit langer Zeit mal wieder ein Wein der Marke “Kellerfund” – keine Ahnung, wie dieser Wein in meinen Keller kam, jüngst beim Umräumen entdeckt. Recherchen im Internet ergeben, dass dieses Weingut insbesondere für seine Portweine bekannt ist, seine Geschichte geht zurück bis in das frühe 18. Jahrhundert. Bei diesem Reserva soll es sich um eine Cuvée aus 55% Touriga Nacional, 30% Touriga Franca and 15% Tinta Roriz handeln. Da die Verkostungsnotizen, die ich im Internet fand, diesem Wein unisono Trinkreife attestierten, musste ich meine Neugierde zum Glück nicht mit Unvernunft paaren…

In der expressiven, gereiften Nase süßer Tabak, nasse Erde, blutiges Fleisch, dazu ein feiner Brombeer-Schwarzkirsch-Mix. Und nochmals Zigarrenkiste, die mit einem zarten Herrenschokoladenschimmer unterlegt ist. Keinerlei Hitze. Ansprechend streng und animierend zugleich.

Mittlerer bis schon dichter Antrunk, der sich in einer wohlschmeckenden, aromatisch tiefen Mischung aus Brombeere und säuerlicher Johannisbeere wiederspiegelt. Die Frucht geht mit der Säure, die reif erscheint, ein schönes Wechselspiel ein, zusammengehalten wird dieses durch ein wohlplatziertes Schoko-Gerüst, ergänzt wiederum durch merklich tabackige Aromen. Feines Mineral.

Einfach nur beeindruckend ist das feinpudrige, saftige Tannin, das den Gaumen hochelegant förmlich ausstäubt, zart und saftig zugleich. Der Wein wirkt trotz seiner Fruchtintensität recht trocken, was auch dem Zusammenspiel mit der Säure geschuldet ist. Ein wunderbar balancierter Eindruck, der Wein schmeckt prototypisch fruchtig nach seiner sonnendurchfluteten “Duoro-Tal”-Herkunft, aber ohne Überreife und alkoholische Hitze. 13,5 % Alkohol waren hier ein echtes Geschenk der Natur.

Mittellanges, eher feines, aber durchaus nachhaltiges Finale, das dem Wein einen insgesamt runden Auftritt sichert. Perfekte Reife.

Im Handel ca. 25 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

2011-SKRSSKtrDas Familienweingut Schmitt´s Kinder ist eines der fünf Weingüter der auf Terroir-Weine bedachten Vereinigung “Trias”.

Schon in aktuell zehnter Generation macht das Weingut aus Randersacker Wein – Frankenwein. Der vermeintlich ungewöhnlich Name des Weinguts geht übrigens auf einen Erbfall in der Vergangenheit zurück – anstatt das Erbe zu teilen hat die damalige Erbengemeinschaft das Weingut gemeinsam weiterbewirtschaftet. Und schnell war der Name für das fortan gemeinsame Tun gefunden…

Blasses Weißgold. Eine verhaltene, reine und sortentypische Nase bietet dieser Kabinett, in der sich erdige Noten, Zitrusabrieb, auch Mandarine und etwas Apfel zeigen – eine distinguierte, merklich Kühle verströmende Nase, insgesamt sehr ansprechend.

Im Mund überraschend spannungsgeladen für einen Kabinett, ein mineralischer und feinfruchtiger Auftakt, sehr balanciert und sehr trinkanimierend. Der Wein zeigt dabe eine feingliedrige Fruchtaromatik, die an Apfel und Mandarine erinnert. Der Wein hat seiner erste Jugendlichkeit hinter sich gelassen – und sich nunmehr gefunden. Trockenes Geschmacksbild, ohne jede Strenge. Die feine Frucht ist elegant und saftig zugleich, Leichtigkeit vermittelnd, für sein Prädikat aber angemessen. Guter Verlauf, mit ordentlichem Zug zum Gaumen hin. Dort zeigt sich eine stimmige mineralische Herbe, bevor die Frucht leise ausfächert.

Das Finale ist zwar etwas schnell beendet, aber dies ist ein Wein der Kategorie “dann schenk halt nach” – und genau so wurde es gemacht!

Im Fachhandel gekauft, 10 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014+

2004-RCLLVPCDass auch anerkannt gute Winzer mit schwachen Jahrgängen zu kämpfen haben, zeigt dieser Wein (leider) recht eindrücklich. Die Nase deutet zwar Tiefe an, sie wird dann aber leider das einzige echte Highlight dieses Weines bleiben…

2004 zählt in Burgund wohl zu Recht zu den schwächeren Jahrgängen des Jahrzehnts – denn Winzer und Lage geniessen im Übrigen schon mein Vertrauen.

Komplexer Aromenauftakt im Glas, es riecht nach Kirschfrucht und nobler Walderdbeere, einem Bündel getrockneten Kräutern und – zunehmend – nach Zitrusfrucht. Die Holzaromatik ist bestens eingebunden, der Wein vermittelt hier keinerlei Schokosüße. Eine ansprechende Komposition.

2004-RCLVPC2Der mitteldichte Antrunk nimmt diese vielschichtigen Nasenaromen nur bedingt mit, im Mund dominieren zunächst die kräutrigen Aromen; zwar gesellt sich auch hier der feinfruchtige Mix aus Walderdbeere, Kirsche und Zitrus hinzu, der Verlauf wirkt aber dank einer den Fruchtkörper überlagernden Säure nicht stimmig. Das Tannin ist zwar nicht übertrieben kräftig, aber doch drängt sich sofort die Assoziation “rustikal” oder gar “bäuerlich” auf, was durch die deutliche Herbe, die der Wein im Finale entwickelt, kaum gemindert wird… so holpert sich der Wein in ein nur mäßig charmantes Finale, was insbesondere am zweiten Abend noch ausgeprägter wird und damit zu Abzügen führt. Bevor ich nun gänzlich den Stab über diesem Wein breche – man merkt hier schon die vorhandene Qualität des Winzers… die Performance bleibt jedoch unter den Erwartungen.

Im Fachhandel gekauft, 48 EUR, 86 Punkte (sehr gut),  jetzt bis 2015

Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997 (100 von 1)Der Cabernet von Gianni Paoletti erfüllte punktgenau unsere Erwartungen an einen Cabernet aus Napa Valley. Eine noch sehr frische und ausdruckstarke Nase nach reifen Herzkirschen, dunkler Schokolade, viel, leicht süßlicher Minze, dahinter eine verhaltene Kräuterwürze, hat auch den charakteristischen charmanten Touch der Napas, keine intellektuelle Herausforderung, jedoch entsteht viel Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen ist er ebenso typisch für einen hochwertigen Cabernet aus Kalifornien. Zum einen hat er Schmelz, charmante Extraktsüße, fleischige, dichte dunkle Beerenfrucht und Herzkirschen, er wirkt fast fett, ist jedoch sehr frisch, von mittlerem Körper, da juckt kein Alkohol und nerven keine überreifen Aromen, trotz der Süße bleibt der Wein stets frisch und trinkt sich angenehm leicht, stets im Hintergrund viel Minze, erinnert an After Eight, eine natürlich Minznote wäre mir lieber, feines, reifes Säurespiel, das Holz hält sich stark zurück, gibt dem Wein jedoch klare Konturen, wobei es im Nachhall leicht trockendend wirkt, mittlere Nachhall. Sein Stärke sind die glockenklaren und fleischigen dunklen Beerenfrüchte und Herzkirschen. Den Sekundäraromen fehlt es an Tiefe und Ausdruck, der Wein wird zwar nie langweilig, hält aber auch keine sonderlichen Überraschungen bereit. Trotzdem ohne Mühe ein ausgezeichneter Wein, ist aber in Deutschland recht teuer. Vom Fachhandel, 89 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2027

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Premiere Crus aus Morey-Saint-Denis

Burgundische Gemeindeprobe bei der Bonner Weinrunde, Teil Nr. 2.

Nach dem gelungenen Auftakt im vergangenen Jahr, damals mit schönen Weinen aus Gevrey Chambertin, ging es diesmal nach Morey-Saint-Denis. Um ein gutes Vergleichsniveau erreichen zu können, entschieden sich Caro und Steffen diesmal dazu, nur Premiere Crus in die Probe zu nehmen, was – bis auf wenige Ausnahmen – auch fast vollzählig gelang…

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