Domaine Lucie et Auguste Lignier Gevrey-Chambertin Les Seuvrées, 2006

L&A Lignier Gevrey-Chambertin Les Seuvrées, 2006 (100 von 1)Les Seuvrées ist eine Village-Lage direkt an der Grenze zu Morey-Saint-Denis, aus der ich schon 2-3 ansprechende Weine versuchen konnte. Gemäß meiner beschränkten Erfahrung verbinde ich damit feinfruchtige Weine mit klarer Frucht, denen aber immer auch die Gevrey-Würze anhängt. 2006 war das erste Seuvrées-Jahr von der aus der Not gegründete neuen Domaine L&A Lignier im Jahr 2005. Die ganze traurige Geschichte können Sie hier lesen [Weiterlesen]. Um so bemerkenswerter ist die Qualität der 2006er. Ich probiere mich gerade ein wenig durch die verfügbaren Weine und bisher präsentierten sie sich sauber, stets feinfruchtig, mit nur dezentem Holzeinfluß und sie zeigen Herkunft. Da machte der Les Seuvrées keine Ausnahme und für 30 Euro bekommt man da einen schon heute gut zu trinkenden Gevrey-Village ins Glas, der sicherlich noch ein klein wenig zulegen kann.

Zart duftiges Bukett nach Kirschsaft, roten Johannisbeeren, darin verwoben ein Hauch von Gevrey-Würze, präsentiert sich rein und sauer, ohne besondere Tiefe, jedoch herrlich leicht wirkend. Dies bestätigt sich auch am Gaumen, eher von schlankem Körper, frische Fruchtigkeit im Auftakt, jugendliche Sauerkirschen, Himbeeren, rote Johannisbeeren und auch ein Schlag Wacholder, getrockente, mediterrane Trockenkräuter und Zitrusfrüchte, vom Holz ist so gut wie nichts zu schmecken, die Tannine nicht gänzlich integriert und samt der leicht unruhigen Säure wirkt er heute noch nicht vollständig entwickelt, ja man muss es sagen, er trocknend ein wenig im hinteren Bereich, auch seine Komplexität und Tiefe halten sich ebenfalls in Grenzen, aber er ist hinreichend reichhaltig, von befriedigender Struktur und überzeugt mich dank seines klaren, durchaus vielschichtigen Früchtespiels, guter Nachhall. Noch zwei Jahre liegen lassen. Ein ansprechender Village und Kompliment an die Winzerin für diesen sehr guten ersten Jahrgang.

Vom Fachhandel, 30 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2016 bis 2021

Weingut Keller Nierstein Pettenthal Großes Gewächs, 2009

Keller Pettenthal, 2009 (100 von 1)Nach drei Stunden in der Karaffe entwickelte der Wein seine wahre Pracht. Das Bukett geprägt von einer komplexen Kräuterwürze, nahezu von herber Karkheit, dahinter schält sich eine sehr klare und jugendliche Apfelfrucht hervor, auch Blutorangen und Zitruszesten treten auf, die strafe Mineralität reizt meine Schleimhäute, sehr puristisch, zeigt Herkunft.

Am Gaumen setzt sich die Nase fort, komplexes Duett aus Frucht und Kräuterwürze, Schalen von Kernobst, kandierte Zitrusfrüchte, alles mit herben Scharm, stets wechselnde Nuancen, große Ernsthaftigkeit, die erste Jugend ist abgeschmolzen und so zeigt der Wein auch am Gaumen Pettenthal pur, ohne unnötige Süße und Speckschwarte, die kräutrig-röstige Mineralität lässt meine Gaumen zusammenziehen, entwickelt enormen Druck auf den Gaumen, aber ohne jede Schwere und Stoffigkeit, sehr langes Finish, es bleibt eine animierende Aromatik aus Fruchtfleisch und Kernen von jungen Äpfeln zurück. Ein ausgezeichneter, noch jugendlicher Riesling, der die Charakteristik der Lage auf den Punkt herausarbeitet, kann groß werden. Dank der geringen Alkoholgradation behält er trotz seiner Konzentration seinen Trinkfluß, wenngleich es ein Wein für Freaks bleibt. Hat soeben seine erste Trinkphase erreicht.

Vom Weingut, damals um die 30 Euro, 94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2029

Domaine Weinbach Tokay Pinot Gris Cuvee Ste Catherine, 1978

Weinbach Tokay, 1978 (100 von 1)1978 durfte Theo Faller von Weinbach entsprechend der Tradition im Elsass seinem Pinot Gris noch das Wort Tokay vorstellen, bevor die allseits beliebte EU-Behörde in Brüssel Ungarn den Begiff exklusiv zubilligte. Und so ist der Weinbau in Europa wieder um eine liebenswerte Verrücktheit ärmer…

Drückendes Bukett nach sauberer Botrytis, viel Malz und nussige Anklänge, junge Melone, viel Würze, wirkt sehr harmonisch und unglaublich jugendlich. Am Gaumen von mittlerem Körper, fruchtiger Auftakt mit erfrischendem Säurespiel, die saubere Botrytis herrlich verwoben, erneut kommen nussige Anklänge auf, im weiteren Verlauf getrockente Kräuter, Birnenschale und Mirabelle, sehr dicht ohne Breit zu wirken, auch im Mund erstaunlich jugendlich, keine Reifenoten zu erkennen, mittlerer Nachhall. Ein erstaunlich trinkiger 35 Jahre alter Grauburgunder.
90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2024

 

Domaine Lucie et Auguste Lignier Morey-Saint-Denis, 2005

Lignier Morey-Saint-Denis, 2005 (100 von 1)Jugendliches, ansprechend sauberes Bukett nach Kirschen und roten Johannisbeeren, dahinter etwas Krokant und Würze vom Faßausbau. Nicht sonderlich komplex und noch leicht jugendlich gehemmt, aber sofort animierend und Vorfreude auf den ersten Schluck weckend. Am Gaumen von mittlerem Körper, herrlich klarer und saftige Auftakt, ganz viel Sauerkirschen und rote Waldbeeren, wirkt ganz klar und feinfruchtig, ab dem mittleren Bereich fächert der Pinot etwas mehr auf und zeigt für Morey die typische Waldkräuter und auch einen Hauch Trüffel, das Holz nimmt sich vornehm zurück, ebenso die Tannine, sie geben Kontur, sind aber kaum trocknend, sehr feines, lebendigens Säurespiel, bestens mit der Frucht verwoben. Der Wein lebt von seiner fruchtigen Frische, seinem herrlichen Trinkfluß und einer Balance und Feinheit, wegen der ich die Weine von der Côte De Nuits so schätze. Da verzeihe ich ihm gerne seine limitierte Komplexität und den nicht sonderlich langen Nachhall, auch wenn er wahrlich kein Schnäppchen ist.  Könnte sich noch leicht verbessern.
14 Euro (0,375 l), 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2020 

Chateau Pontet-Canet Pauillac, 1996

Pontet-Canet, 1996 (100 von 1)1996 gilt als eines der besten Jahrgänge der Dekade im Bordeaux (nur linkes Ufer), die Weine benötigen jedoch aufgrund ihrer dichten Struktur und den reichlichen (aber reifen) Tanninen eine lange Reifezeit. Die allermeisten Bordeaux-Kenner werden ihre OHKs noch gar nicht aufgemacht haben, aber nach knapp 20 Jahren darf dann doch mal erlaubt sein, eine Flasche zu versuchen. Wir wurden nicht enttäuscht, der Wein präsentierte sich zwar noch nicht gänzlich ausgereift, besonders die Tannine griffen jugendlich wirsch in den Gaumen und engten den Nachhall aromatisch ein, trotzdem offenbarte er stets die gehobene Güte des Jahrganges.

Das präsente Bukett dominiert eine vielschichtige Cabernet-Merlot-Aromatik, ein Potpourri aus vollkommen ausgereiften Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren, Schwarzkirschen und roten, leicht süßlichen Paprika. Über die Frucht legen sich Schwaden von den Barriques, die uns an Marzipan, Leder und braunem Kaffee erinnern, im Hintergrund zeigt ein Touch Vanille das jugendliche Fett an, insgesamt eine von der Jugend geprägte, aber angehend geöffnete Medoc-Nase der gehobenen Güte. Am Gaumen gefällt mir besonders das Wechselspiel aus der Strenge des Pauillac und der Reife und Stuktur des Jahrgangs. Vermutlich macht das jetzt nur bedingt Sinn, jedoch neigt Pontet-Canet in den 90er-Jahren zuweilen recht streng, ja monolitisch zu wirken. Auch der 96er zeigt Anlagen dazu, aber dank der reifen und saftigen Fruchtaromatik erhält er ein Gegengewicht und diese macht ihn schon heute zu einem echten Spitzenwein. Bereits im Auftakt von fester Struktur, wird von der Süße aus Frucht und Fassaromen beinahe überlagert, für mich zum jetzigen Zeitpunkt ein Hauch süßer, als ich es persönlich bräuchte, aber das wird sich finden. Vergleichtbar mit der Nase, wird das komplexe Früchtespiel von einem noblen Holz ansprechend begleitet, dazu gesellen sich mineralische Noten,  die an Graphit erinnern, reife, tänzelnde Säure, sehr konsistenter, überzeugender Verlauf, der Nachhall zeigt die Eingangs erwähnten Probleme, aber das wird sich aller Voraussicht noch finden. Heute als Speisebegleiter eine unbedingte Empfehlung, wird in zehn Jahren völlig erblüht sein und dann selbst als Solist den verwöhntesten Gaumen Freude bereiten.

Vom Fachhandel, 91-92+ Punkte (ausgezeichnet), 2018 – 2036

 

Domaine Barmes Buecher Gewürztraminer Steingrubler Grand Cru, 2003

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Wenn man von Bio fasziniert ist, auch gern in seiner extremen Ausprägung, ist man im Elsass bekanntlich gut aufgehoben. Nicht nur Ostertag, Deiss, Kreydenweiss und vor allen anderen den Demeter-Winzer Pierre Frick trifft man hier an. Auch die etwas unbekanntere Domaine Barmes-Buecher in Wettolsheim zählt zu den konsequent biodynamischen Weingütern vor den Toren von Colmar. Man ist Mitglied in Nicolas Jolys elitärem Verband der Renaissance des Appellation, hier gibt der Mondkalender von Maria Thun den Rhythmus vor und der Wein wird auch im Keller in Ruhe gelassen. Die Faszination an dieser konsequenten Haltung zog uns damals in die Verkostungsstube des Weinguts (siehe hier). Damals öffnete für uns Sophie, die noch recht junge und sehr sympathische Tochter des Weinguts, auf unbeschwerteste Weise die Flaschen. Vater François weilte gerade auf Mission in Brasilien, zusammen mit seinen Kollegen von der Renaissance des Appellation, um den Biowein in der neuen Weinwelt zu fördern. Ein Schatten der Trauer legt sich heute über die Erinnerung, denn nur drei Jahre später, im Jahr 2011, starb François unerwartet und die Verantwortung für das Weingut ging eben an die oben genannte Sophie und ihre Schwester Maxime über. Doch zurück zu den Weinen, denn diese stellten sich als Erlebnis heraus, in vielerlei Hinsicht.

Nun ja, es gibt Weine, die sich von völlig abscheulichen zu nahezu großen Gewächsen wandeln können. Und in ihrer Entwicklung alle Regeln brechen, oder sagen wir, zumindest die Regeln, die wir Weinamateure uns so zusammengelegt haben. Dieser hier ist auf jeden Fall einer dieser Weine. Dazu sei vorweg eines verraten. Es handelt sich um einen Gewürztraminer mit (ich sag mal mindestens) 14,5 Umdrehungen. Die Traube hat eh wenig Säure und viel Zucker. In Jahren wie 2003 kann sie wahre Monster gebären. Nun ja, so eben auch dieser hier. In der Verkostung am Weingut war ich von der Urwüchsigkeit und Tiefe des Weins beeindruckt. Er war damals schon ein Geschoss, aber hatte eine fette Frucht und eine Frische wie aus Zauberhand; es war wohl die Fruchtigkeit, die mich verführte, ihn zu kaufen. Drei Jahre später dann ungläubige Blicke auf die Flasche. War das hier Schnaps oder Wein? Der Alkohol stand auf eine richtig fiese Art wie eine Eins und ließ kaum mehr etwas zu außer sich selbst. Die jugendliche Frucht war weg, nur ein bisschen Dörrpfirsich und Trockengras. Die letzte Flasche ließ sich also recht einfach im Keller vergessen, und wurde jetzt — einfach mal zum Spaß — raufgeholt. Und schrieb wieder eine neue Geschichte: Im Glas ein Goldgelb, so war er auch jung schon, von Reife wenig Spur. Die Nase zeigt eine saftige Lycheefrucht, die aus dem Duft reifer, gelber Früchte herausragt. Auch Mandarinen, junge Orangen. Dazu kommen florale Noten, ein wenig Rose ist dabei, hinzu kommt eine gewisse wirklich sehr schöne Tabakigkeit, die mir im Gewürztraminer noch nicht oft begegnet ist. Dazu kommen einige Reifetöne wie von feuchten erdigen Pilzen. Klingt nicht schön, ist es aber. Besonders erstaunlich aber die Eleganz in der Nase, hier ist nichts fett oder zu intensiv, der Aromakern bleibt zusammen und wirft mal dieses, mal jenes Aroma um sich. Das hat Vielschichtigkeit und sogar etwas Tiefe.

Der Antrunk ist zuerst von einer gehörigen Restsüße geprägt, die gereift schmeckt wie dickes Frucktkaramell und sehr schön integriert ist und überhaupt nicht die Aromatik oder den Verlauf blockiert. Im Mund mehr opulente Aromen von Kräutern, Gewürzen und Fruchtkandis, man mag auch sagen weihnachtliche Klümpchenbude. Seine Herbheit passt gut dazu. Dieser Wein hat eindeutig Gerbstoffe, aus dem verblendeten Glas könnte er mit seiner Kräuterigkeit und den Tanninen zunächst auch bei fortgeschrittenen Sensorikern als Rotwein durchgehen. Dann erledigt sich dieser Verdacht aber von selbst. Die fette, honigartige, dickflüssige Textur zeigt klar, wo es lang geht, Am Gaumen kommt der Wein wie gesüßter schwarzer Tee daher, Bitterstoffe und karamellige Süße. Zum Ende hin schiebt sich dann der Alkohol doch noch bis nach vorne durch. Der Abgang ist richtig lang mit einem mürbem gelbem Apfel, die Gerbstoffe dringen erneut durch, der Apfel wird nach hinten hin immer getrockneter und herber, hinten bleibt dann doch vor allem Alkohol stehen.

Für Freunde barocker Weine ein Erlebnis und zumindest in der Nase sogar richtig Tiefgang. Im Mund ist er dann doch ein gehöriges opulentes Paket. Trotzdem, dieser Wein hat sich auf faszinierende Weise entwickelt. Sein Alkoholproblem ist er zwar doch nicht ganz los geworden, aber als 2003er kann man ihm das vielleicht verzeihen. Ich bin äußerst neugierig auf diesen Wein, wenn er aus besseren Jahrgängen stammt.

Vom Weingut, circa 20 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Pierre Ponnelle Chardonnay Bâtard-Montrachet Grand Cru, 1964

Pierre Ponnelle Barard-Montrachet, 1964 (100 von 1)Die Domaine ging 1999 in den Besitz von Jean-Claude Boisset über, der zahlreiche kleine Güter dann unter dem Dach der Domaine La Vougeraie zusammenführte. Die alten Weine von Ponnelle genießen einen ausgezeichneten Ruf und so war es wenig überraschend, dass auch dieser Wein überzeugen konnte.

Spannungsgeladenes Bukett nach Kümmel, Nüssen, Creme Brûllée, Melone und feinen Reifenoten. Die Runde ist spontan angetan. Am Gaumen in perfekte Balance, wirkt über den gesamten Verlauf sehr entspannt und in sich ruhend. Fruchtiger Auftakt geprägt von viel Würze nach getrockneten Kräutern, eine dezente Karamellsüße vom Faßausbau ist noch zu erkennen, die Säure reif und eher mild, mittlere Tiefe, feines Finish mit mineralischen Anklängen und einer schönen Mischung aus Mandeln und Blütenblättern.

89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2020