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von_winningDas Weingut von Winning mag nur Wenigen bekannt sein, bis Anfang dieses Jahres firmierte es nämlich unter dem Namen Dr. Deinhard. Der neue Besitzer Achim Niederberger, dem unter anderem auch die Weingüter Bassermann-Jordan und von Buhl sowie die Marke „Villa Niederberger“ gehören, unter der die Pfälzer Kellermeister-Legende Hans-Günter Schwarz im Ruhestand seinen Beruf zum Hobby gemacht hat, benannte das Gut Anfang dieses Jahres um, um damit dem beabsichtigten Neuanfang Rechnung zu tragen. Neuer Name, neuer Kellermeister, neue Etiketten – bereits für den ersten Jahrgang unter neuer Leitung schärmen nun Zeitgenossen, die die etwas konservativ-langweiligen Weine von Dr. Deinhard bislang nicht mal mit dem verlängerten Rücken angesehen haben. Erwähnte ich schon, dass Niederberger in erster Linie Reklame macht? Der Mann versteht sein Handwerk.

Kräftiges Gelb mit grünlichen Reflexen. Eine sehr jugendliche Nase, die unmissverständlich klarmacht, dass man es hier mit einem GG zu tun hat. Zitrone, Biskuitrolle, gelbes Steinobst, nasser Stein, kühlende Mineralik und schöne Kräuterwürze verbinden sich zu einem Gesamteindruck, der für den Mund vor allem eines verspricht: Druck. Beim ersten vorsichtigen Schluck zeigt sich dann, dass dieser Wein natürlich noch weit von seiner Trinkreife entfernt ist, die einzelnen Elemente stehen noch ein wenig nebeneinander. Im Laufe des Abends fügt sich alles besser zusammen, dennoch braucht dieser Kieselberg sicher noch zwei bis drei Jahre, bis er alles zeigt, was er kann. Doch der Reihe nach: Eine ordentliche Restsüße ist der erste Eindruck. Zitrone, etwas mürber gelber Apfel, cremig, sehr mineralisch und eine tief integrierte, wahnsinnig kraftvolle Säure. Im mittleren Verlauf hat er derzeit eine kleine Delle, die gerne noch mit mehr Tiefe ausgefüllt werden dürfte. Ich bin aber sicher, dass da im Lauf der Zeit noch etwas kommen wird. Hinten etwas kratziger Gerbstoff und ein nahezu unheimlicher Abgang: lang, lang, lang. Es bleibt ein etwas parfümiert wirkender, aber dennoch schöner Nachhall stehen – und zwar minutenlang.

Ich muss sagen, ich bin angetan. Dieser Kieselberg ist zwar nicht gerade ein Statement des Individualismus, dafür entspricht er zu sehr dem Stil, der augenblicklich das Große Riesling-Gewächs der Mittelhaardt definiert. Sollte sich diese Frühform bei von Winning aber halten oder gar weiterentwickeln, wächst den Großen in Deidesheim und Forst ein echter Konkurrent heran. Ich bin sehr gespannt.

Als Geschenk erhalten, 26 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2015

2006-VMMMittwochswein, der II.

Dunkles schwarzrot mit leicht violetten Reflexen. Die Nase drückt aus dem Glas, voll praller dunkler Frucht, leicht alkoholisch ist die Nase, dahinter aber findet sich ein versöhnender Korb voller Blau- und Brombeeren, verhalten auch etwas Kümmel. Mit mehr Luft auch florale Anklänge, die mich an Veilchenblüten erinnern. Man merkt sofort: der Wein kommt nicht auf der intellektuellen Schiene daher, das ist eher ein Pathos-Typ der schmeichelnden Art…

Saftig dicht im Antrunk, der Wein baut frisch aus der Flasche fast nur auf seine verschwenderische Frucht, die ein seidiges Mundgefühl hinterlässt. Mäßig tief, aber wieder diese üppig fette, dunkle Frucht, die mir am heutigen Abend einfach gut gefiel. Das Tannin ist schon ziemlich abgeschmolzen, es bleibt leicht trocknend stehen. Frische Säure, der Trinkfluss entwickelt sich stimmig. Am Gaumen bleibt der Wein  mit würzigen Schokoladentönen, Beerenfrucht und wieder Veilchen knapp mittellang stehen. Gewinnt noch etwas mit Luft, ein bis zwei Stunden in der Karaffe schadet dem Wein jedenfalls nicht; ich habe ihn leicht gekühlt (bei ca. 15 Grad) getrunken, und ich will es gar nicht verhehlen: ich mochte ihn. Allerdings, nicht vorbehaltslos: denn was mir vor allem gefehlt hat, war die Tiefe und, fast noch schlimmer, die fehlende Regionaltypizität. Blind hätte ich den Wein warscheinlich nicht einmal nach Italien verortet. Das wird wohl aber an mir liegen… schliesslich vergab der Gambero Rosso 3 von 3 Gläsern; jedenfalls wirbt jeder Händler damit. Und die Herren und Damen Italien-Spezialisten müssen es ja schliesslich besser wissen… *hüstel*. Kistenweise nachkaufen werde ich ihn jedoch nicht, auch wenn der Wein ein wirklich ansprechendes Preis-Genussverhältnis hat. Aber als Mittwochswein, vielleicht so ein/zwei Flaschen, ja, warum denn eigentlich nicht?!

Im Fachhandel, 6,50 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt bis 2011.

Meyer-Fonne Riesling 2008 2 (1 von 1)Im Herbst brachte ein Händler meines Vertrauens freudig erwartet die neuen Weine von Meyer-Fonné direkt aus dem Elsass mit. Endlich ergab sich die Gelegenheit die erste Flasche aufzuziehen und ich war sehr gespannt. War 2008 im Elsass ähnlich gut wie in Deutschland? Wie verläuft die Entwicklung bei Meyer-Fonné und wie schmecken seine Weine in der Jugend, denn bisher verloren sich nur seine gereifteren Weine in meinem Glas? Vorab will ich gerne meine große Leidenschaft für seine Weine gestehen, erwarten Sie daher keine allzu objektive Verkostung, wenn´s denn so etwas überhaupt gibt.

Also, auf die Flasche seines einfachen Gutsriesling, ab ins Glas damit und sofort daran schnuppern. Frische junge Nase, eine Menge grüner Apfel, unreifer Pfirsich, Zitrusnoten und frisch geschnittenes Gras. Die Primärnoten dominieren eindeutig und sind noch ziemlich wild, dahinter zeigt sich ein blasses Abziehbild von den bekannten Meyer-Fonné-Aromen: Kerzenwachs, kandierte Tropenfrüchte, rauchig-jodige Mineralität. Recht schlank und ohne besonderen Tiefgang, aber er hat ein gewisses Spiel und Individualität. Im Mund merkt man dem Wein seine Jugendlichkeit noch stärker an. Im Antrunk viel gelbe Grapefruit, Zitrus, junger Apfel und eine resche Säure, knochentrocken und noch sehr unruhig. Im Abgang baut dann die Frucht doch schnell ab und es treten stärker die rauchigen mineralischen Noten zu Tage, ohne jedoch sonderlich intensiv zu sein. Bei allem Wohlwollen, aber der Wein bricht hinten doch zusammen und es bleibt wenig von ihm im Mund zurück. Aufgrund seiner allgemeinen Unruhe vermute ich, dass überwiegend seine Jugendlichkeit dafür verantwortlich ist. Für einen einfachen Gutsriesling auf Kabinett-Stufe bietet der Wein ein vielschichtige Aromatik. Der Trinkspaß dürfte aber in sechs Monaten noch deutlich größer sein.  Liegt eindeutig unter der darauf folgenden Qualitätsstufe, dem Vinoble de Katzenthal. Für nur 2 Euro mehr zeigen sich alle Besonderheiten eines Meyer-Fonné-Rieslings deutlich präsenter und präziser. Zum heutigen Stand eine lohnende Investition. Ohne viel Tam-Tam aufgezogen und offen verkostet.

Vom Fachhandel, 9,50 Euro, 83+ Punkte (gut), jetzt bis 2011

Martinetti Sulbric 1996 (1 von 1)

Wenn Barbera auf den Tisch kommt, dann sehr gerne von Franco Martinetti. Seit vielen Jahren begeistere ich mich regelmäßig für seine ganz eigene Art den Barbera auszubauen. Probieren Sie einmal seinen Montruc! Klasse und noch bezahlbar. Eine Stufe darüber der Sul Bric, eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon und Barbera, gewachsen vor dem Abgrund auf der Spitze eines wilden Hügels (auf piemontesisch eben „Sulbric“). Ein Wein, den ich am liebesten möglichst gereift trinke, denn erst dann läßt er sich all seine Tiefe und Komplexität entlocken. Leider ist das Vergnügen viel zu selten, der Wein hat seinen Preis,  was bei nur vier Hektar und einem Ertrag von durchschnittlich 31hl/ha kein Wunder ist.

Heute gibt es den 96er im Glas, ein wirklich ausgezeichnetes Jahr im Piemont. Im Schnitt sehr lagerfähige, ausdrucksstarke Weine konnten die Topwinzer erzeugen. Der Sulbric aus diesem Jahr ist hier keine Ausnahme. Na denn los mit der Lobhudelei: Dunkles Rubinrot mit schwarzrotem, undurchscheinbaren Kern, leichte Trübung, Aufhellung zum Rand, kaum Wasserrand. Zunächst kein Bukett, nur ein indifferenter Muffton steigt in die Nase. Doch in den folgenden vier Stunden durchlebt der Wein eine unglaubliche Metamorphose. Nun feingezeichnet, nach reifem Fruchtfleisch der Schwarzkirsche, angetrockneten Pflaumen, etwas Feige und Cassis. Dies alles umhüllt von zarter Bitterschokolade und ein Hauch Pfeiffentabak benetzt die Schleimhäute. Klar, ein gereifter Wein auf seinem Höhepunkt, dessen langsamer Niedergang unmittelbar bevorsteht. So der Eindruck zumindest in der Nase. Im Mund wirkt der Wein deutlich jünger. Zunächst im Antrunk sind die Primärfrüchte noch reif, teilweise bereits etwas angetrockent. Im weiteren Verlauf bilden sich die Aromen aber reifemäßig zurück und enden auf einem jugendlichen Destilat aus Kirsche, Feige und Cassis. Zur Frische trägt auch eine Ahnung grüner Paprika und eine gut eingebundene, verspielte Säure bei. Die Tannine sind butterweich wie flüssiges Karamell und die Holzaromen beschränken sich angemessen darauf, die Primäraromen zu harmonisieren. Der Abgang ist lang und ausdruckstark, mit den beschriebenen Früchtebukett und endet auf zart-herber Kirsche mit feinsten Röstaromen vom Fassausbau. Nicht unendlich tief, aber unheimlich verführersich. Der perfekte Wein für lange Abende vor dem knackenden Kaminfeuer. Zu Hause mit Freunden offen verkostet, alle kamen zum selben Urteil (hmmm, lecker!!!), vier Stunden in der Karaffe, von Glas zu Glas besser.

Vom Fachhandel, 31 Euro, 91 Punkte (hervorrangend), jetzt trinken

Deis Grasberg 2004 (1 von 1)Auf der Spitze, überhalb einer der bekanntesten Grand Cru-Lagen des Elsass, dem Altenberg de Bergheim, liegt die Premier Cru-Parzelle Grasberg. Trotz der Nord-Ost-Ausrichtung gibt es dort gerade noch ausreichend Sonne. Die Böden sind karg, stark kalkhaltig und so müssen die Reben weit in die Tiefe vordringen, um ihr Überleben zu sichern. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Grasberg wohl die leichtesten und feinsten Weine von Deiss hervorbringen. Was bleibt, ist der Mischsatz, und so haben wir hier Riesling, Grauburgunder und Gewürtztraminer im Glas.

Strahlendes Strohgelb. Äußerst fein gezeichnete Nase nach Zitruszesten, mild-herber gelber Grapefruit, saftigen Gräsern, ein Touch Honignoten und eleganten mineralischen Noten. Sehr anregend, die Aromen scheinen zu vibrieren, ständig zeigt er seine beiden Seiten: Tiefe und Filigranität. Auch im Mund ein schlanker, transparenter und graziös gezeichneter Wein, so durchscheinend wie klares Quellwasser. Im Antrunk vergleichbare Aromen wie in der Nase, dazu fällt sofort eine deutliche Zuckerspitze auf und feinporige Gerbstoffe und ein leichter Schimmer Mineralik. Alles perfekt verwoben, vereint in dem Ziel, eine leichte, restsüße Spätlese zu entwerfen. Die Säure ist großartig mit der Süße abgestimmt, sie verschwindet im langen Abgang vollständig, und es bleiben nur die Essenzen von Früchten im Mund zurück, allem voran grüne Apfelschalen und Zitrusnoten. Der Mund ist vollständig von der Säure erfrischt und man möchte sofort zum nächsten Schluck ansetzen, was bei 12,5% Alkohol ziemlich gefährlich ist, weil man gefühlsmäßig von 9% ausgeht, so perfekt hat Deiss ihn versteckt. Für mich ein wunderbarer Solist. Komponiert wurde er freilich als Esswein, der zu Fisch und zu nicht scharfen asiatischen Gerichten bestimmt perfekt harmoniert. Zu Hause zum Geflügel offen verkostet. 2 Stunden in der Karaffe bei 10 Grad gekühlt verkostet.

Vom Fachhandel, 32 Euro, 91 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2019

Chasse Spleen 89 (1 von 1)Der Zufall will es, dass ich relativ kurz nach dem 1986er nun auch die Gelegenheit habe den 1989er zu verkosten. Gemeinhin als das kleinere Jahr im Moulis beurteilt, nur Parker befindet den 89er als des beste Jahr des Weingutes und gibt ihm 91 Punkte. Wie auch immer, klein ist dieser Wein keines falls. Uns hat er zumindest diesen Abend zum gegrillten Steak perfekt begleitet. Kirschrot mit purpurroten Reflexen lag er im Glas. Kaum Wasserrand. Nach zwei Stunden im Dekanter öffnete sich der Wein und bietet ein anregendes Spiel aus verschiednen Düften nach Trüffeln, herben Cassis und reifen Pflaumen, dahinter etwas Tinte, eine Spur Eukalytus und grüne Paprika. Im Antrunk sehr kräftig, robust mit einer gekonnten Mischung an grasigen und fruchtigen Noten. Wieder viel Cassis und Pflaume, daneben grüner Paprika, Grafit und eine herbe Würze vom Fassausbau nach Zedernholz und trockenem Tabak. Manche meinen auch feuchtes Laub und/oder Waldboden zu vernehmen. Einig sind wir uns darin, dass wir einen Bordeaux im perfekten Reifezustand vor uns haben, der noch keinerlei Altersschwächen zeigt und wohl noch einige Jahre auf den Niveau bleiben wird. Dazu passend die vitalen, aber sehr feinporigen Tannine und eine gut eingebundene, vitale Säure. Der lange Abgang wird getragen von einem sich zum Schluss hin schlanker werdenden Früchtebukett und endet auf grasigen Noten. Keine Frage, die über 70% Cabernet Sauvignon machen ihn zu einem robusten, maskulinen Bordeaux, der etwas spröder daherkommt, im Vergleich zum 86er. In unserer Runde konnte nicht jeder etwas mit dem Wein anfangen (zwischen 84 und 89 Punkte). Mir hat es sehr gut gefallen, weil der Wein nie langweilig wurde und sowohl zum Essen, wie auch als Solist durchaus Spaß machte. Offen bei Freunden verkostet, zwei Stunden in der Karaffe und das letzte Glas war eindeutlich das Beste. Also trauen und ihn ein paar Stunden Zeit geben.

Vom Fachhandel, ca. 22 Euro (damals), jetzt ca. 50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014

bassermann_ungeheuer_kab_2007Helles Strohgelb. Eine wunderbare, wenngleich noch junge Rieslingnase: Zitrus und Weinbergspfirsich, Kräuterstrauß, Tabak, nasser Kieselstein, schöne, kühle Mineralik, Anklänge an Speck, Extraktsüße. Im Mund straff und kühl, nicht ganz trocken, Limette, wieder Pfirsich, ganz leicht gemüsig, wie Gurke. Über allem eine im Reifen befindliche Säure in schönem Zusammenspiel mit der Mineralik, etwas Rauch, im leider etwas zu kurzen Abgang ein wenig adstringierender Gerbstoff und viel mürber Apfel.

Ein vorbildliches Ungeheuer mit einer fein ziselierten Kabinettstilistik. Dennoch lautet meine Empfehlung, im Augenblick die Finger davonzulassen: Die jugendliche Frische am Gaumen hat der Wein abgelegt, ohne dass an diese Stelle schon eine reife Tiefe getreten wäre, die ich ihm durchaus noch zutraue. Im Augenblick möchte er meiner Ansicht nach erstmal in Ruhe reifen.

Im Fachhandel, 9,50 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), Mitte 2010 bis 2011

Prieler Pinot Noir 2006 (1 von 1)Kirschrot. Schöne Burgundernase von mittlerer Intensität mit viel Kirschen und Pflaumen und einer leichten Holzwürze vom Barrique. Im Mund öffnet sich der Wein erst am zweiten Tag, ohne dabei sich ganz zu entblättern. Er ist halt immer noch ein wenig jung, erst ganz langsam nähert er sich seinem Höhepunkt. Die Komponenten passen gut zusammen, nur das Holz ist am ersten Tag noch ein wenig präsent. Das hat sich aber am nächsten Tag erledigt, nur ein sanfter Hauch von Bitterschokolade und Kakaonoten erninnern an das Barrique. Im Abgang wird es dann kräftiger. Doch von Beginn an. Der Antrunk von mittlerem Körper, dunkle Waldbeeren, etwas Casis, recht intensive Kräuterwürze, fast Pfeffrig, mit einer robusten Säure. Im weiteren Verlauf fallen mir die feinporigen Tannine auf, die nach dem Abgang gänzlich verschwunden sind. Sehr schön, wie der gesamte Abgang, der knapp lang ist und von einer leckeren Fruchtsüße dominiert wird. Trotzallem wirkt der Wein immer noch ein wenig gehemmt, so als würde er sich zieren all seine Tiefen und Geheimnisse preis zu geben, wenn es die denn auch wirklich gibt!? Ich bin mir im Zweifel. Heute fehlt mir ein wenig die Komplexität, der Überraschungs- bzw. Spannungsmoment. Gut gemacht, aber nicht wirklich aufregend kommt mir in den Sinn. In mein Kellerbuch notiere ich 2011 als Öffnungdatum für die nächste Flasche. Dann wird wieder berichtet. Offen bei Freunde verkostet, zuvor zwei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 25 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), 2011-2016

Knipser Mergelweg SB 2005 (1 von 1)Im Sommer hatte ich den 2004er im Glas, der mir sehr gut gefiel, sich aber noch ein wenig jung und ungehobelt präsentierte. Ein Esswein mit kräftigem Holzeinsatz attestierte ich ihm damals. Heute befindet sich der Jahrgang 2005 im Glas, zum ersten Mal als Großes Gewächs vermarktet.

Für einen Spätburgunder kräftiges Kirschrot mit ziegelroter Randaufhellung. Der Wein zieht wunderschöne Kirchenfenster in meinem Burgunderglas. Die Nase dezent, aber vielschichtig: rote, leicht angetrockenete Beeren, frische Zwetschge und eine Ahnung Erdbeere, daneben feuchter Waldboden und ebenso feuchte Tabakkiste. Deutlich harmonischer und feiner komponiert als der 2004er. Gleich zu Beginn am Gaumen offenbart der Wein eine robuste Struktur mit Tiefgang. Rote Beeren, ein Hauch Bitterschokolade, feuchtes Laub und eine kühlende Mineralik trage ich spontan in mein Verkostungsbuch ein.  Auch im weiteren Verlauf höchstens von mittlerem Körper,  ein filigraner Zeitgenosse, der ohne breiten Holzeinsatz auskommt und mit seiner zunehmenden kargen Mineralik, den sanften Tanninen und vielfältigen Kräuteraromen voll überzeugt; ja, gar eine eigene Note aufweist. Der Abgang unterstreicht seine Klasse. Lang ist er, mit einer fast intensiven roten Beerenfrucht, sie blitzt dank einer leichten Süße kurz hervor und harmoniert wunderbar mit der feingliederigen Säure und den angenehmen Tanninen, die leider eine kleine Winzigkeit zu lange zurückbleiben. Insgesamt spürbar über dem Vorjahr. Der Wein ist jetzt sehr gut zu trinken, sollte jedoch einige Stunden in der Karaffe belüftet werden. Am nächsten Tag noch besser.

Vom Weingut, 32 Euro, 90 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2015

2005-HRA Auf Tonschiefer gewachsen ist dieser Riesling im Alsenzer Elkersberg. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu ergründen, wie die Namensfindung im Hause Hahnmühle von Statten gegangen sein wird, zumal, da die Lage nach eigenen Angaben die Spitzenlage des Weinguts für Rieslinge darstellt.

Goldgelbe Farbe. In der Ansätze von Tiefe zeigenden Nase finden sich verhalten hefige Spontinoten, dahinter deutlich Cassis, rosa Grapefruit, etwas Ananas, ein rauchiger Honigton, etwas saubere Botrytis. Mit mehr Luft auch cremiger Butterkeks. Im Antrunk wirkt der Wein zunächst dank der Honignoten recht saftig und dicht. Diesen ersten haptischen Eindruck kann der Wein im Mundverlauf aber nicht durchhalten, er wirkt im hinteren Mundraum schlanker als zunächst erahnt. Dies stört aber nicht, im Gegenteil, es macht den Wein angenehm trinkig. Der Wein hat jedoch etwas Restsüße, die ihm an Schärfe im Profil nimmt. Geschmacklich mit Cassis, herben Kräutern, welken Blättern und wieder Honignoten. Mit einer reife Säure, die ich in diesem Jahrgang auch schon in einigen anderen Weinen vorgefunden habe. Reif, aber nicht müde. Der Wein gefällt mit seiner deutlichen Mineralik, die leicht salzig und mit kräftigem Biss bis in den deutlich mittellangen Abgang stehen bleibt. Der Wein hat hier wieder einen sehr nachhaltigen Stil. Der Wein endet dann deutlich mittellang mit schmelzigen Grapefruittönen, etwas Ananas, den salzigen Anklängen und wieder mit dieser bissigen Mineralik, die am Gaumen schärfend nachhallt.

Der Wein scheint auf dem Höhepunkt zu sein, dürfte sich aber auch noch im nächsten Jahr angenehm zeigen. Offen und undekantiert über zwei Abende getrunken, ein bis zwei Stunden in der Karaffe wären in der Nachschau aber nicht falsch gewesen, jedenfalls dann, wenn die Flasche noch am selben Abend getrunken werden soll. Leider wird sich diese Frage für mich nicht mehr stellen – es war die letzte ihrer Art.

Ab Hof gekauft, 9 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2010.

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„Satelliten“, „kleine Bordeaux-Appellationen“, „Best of the Rest“: Der Titel der Oktober-Probe der Bonner Weinrunde war nicht ganz leicht zu formulieren. Thorsten hatte sich vorgenommen, abseits der bekannten Pfade nach Weinen zu suchen, die Aufmerksamkeit verdienen. In sechs Flights und mit einem Betthupferl stellte er uns „seine“ Reise durch das Libournais vor. Weiterlesen

schieferterrassenThorsten hat diesen Wein bereits vor ziemlich genau einem Jahr recht euphorisch besprochen, ich trank ihn ungefähr zur gleichen Zeit und war nicht sonderlich begeistert, mir fehlte es schlicht an Tiefe. Ein Jahr ist vergangen, genug Zeit für den Riesling, zu sich zu finden, höchste Zeit für mich, mein Urteil zu überprüfen.

Kräftiges Gelb im Glas. In der Nase eine ausgeprägte Schiefermineralik, fast ein wenig röstig, Rauch, Speck, Kräuter, etwas Brot und Extraktsüße. Deutlich kräftiger als in meinen Notizen aus dem November 2008 festgehalten. Frucht finde ich hier allerdings wenig, sie tritt weit hinter die mineralischen Komponenten zurück. Im Mund eine üppige Restsüße, hier zeigt sich nun eine deutliche Zitrusfrucht, Blumenwiese, eine klar gezeichnete Mineralik, mundfüllend breitet sich der Wein aus. Im mittleren Abgang ein wenig kratzig. Immer noch finde ich den Wein nicht gerade ewig tief, er kommt mir nun aber deutlich offener vor, ist schön zu trinken und macht einfach Spaß.

Vom Weingut, 12,50 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2011

2005-LDSFDies ist ein klassischer Fall der Kategorie „Mittwochswein“. Mittwochsweine sind in unserem Haushalt Rotweine, die arbeitszeitbedingt „unter der Woche“ ohne lange Dekantierzeit zum Abendessen geöffnet werden; es sind Weine, die keine intellektuellen Herausforderungen erwarten lassen und zumeist als Einzelflasche in den Keller gewandert sind; Weine, die mit ihrer in der Regel einstelligen Eurozahl auch kein Loch in die Geldbörse reißen. Weine, die man spontan aufmacht, wenn man noch Lust auf ein Glas Wein hat, oftmals, ja fast immer, bleibt auch noch ein Rest für „Donnerstag“.  Niemand erwartet hier vinophile Hochgenüsse — aber manch Wein dieser Kategorie bieten dennoch positve Überraschungen bzw. taugt als gute Alltagsempfehlung, weshalb ich in loser Folge auch von ihnen berichten will.

Also, Mittwochswein, der erste. Wer erinnert sich noch an die süditalienische Traubensorte, für deren Namen ich schon vor einiger Zeit prognostiziert hatte, dass man ihn sich eh nur schlecht wird merken können? Richtig, aus genau jener regionaltypischen Traubensorte ist auch dieser Wein gemacht. Gallioppo heisst das Kind! Dem Wein wurden 3 Gläser im Gambero Rosso verliehen, Vinum zückte im Sommer 2009 gar 17/20 Punkte. Aber wie man ja weiss, Punkte allein kann man nicht trinken…

Rubinrote Farbe. In der Nase zunächst warme Kirschkonfitüre, schmeichelnd, dann auch Granatapfel, etwas Himbeere, eine unaufdringliche Holznote, die an Bitterschokolade erinnert. Feine Anklänge an Weihnachtsgewürze. Im Antrunk mit viel Kirsche und süßer Himbeere, einem feinwürzig-harzigen Ton, der dem Wein einen etwas rustikalen Touch verleiht dazu helle rote Beeren; die Frucht wird begleitet von einer frischen Säure, die ganz leicht neben dem Wein steht und ihm ein klein wenig die Harmonie nimmt. Am Gaumen mit einem dezenten, leicht stumpfenden Tannin versehen. Balanciert in Sachen Alkohol. Knapp mittellanger, fruchtig-würziger, auch leicht tabackiger Abgang. Als stimmiger Begleiter zu einer Lasagne nach sizilianischer Art offen und undekantiert probiert.

Im Fachhandel, 7,90 Euro, 83 Punkte (gut), bis Ende 2010 trinken.

2005 PGMSKnapp 350 Verkostungsnotizen hat es gedauert, bis – endlich – einmal ein Weisswein von der Loire im Mittelpunkt der hiesigen Aufmerksamkeit steht. Schändlich, schändlich, diese gröbliche Mißachtung, wenn man sich die Qualität der dort angebauten Produkte einmal bewußt vor Augen führt. Aber ich gelobe im Namen der Blogbesatzung hiermit Besserung (auch wenn ich im Zweifel alleine dafür herhalten muss).

Während man die nur ca. 30 km entfernte Appellation Sancerre auch weit über die Landesgrenzen hinaus gut kennt, fristet die AOC Menetou-Salon ein weitgehendes Schattendasein. Nicht zu Recht, wie ich finde. Der Stil der Weine ist denen aus Sancerre recht ähnlich, die Qualitäten sind auch durchaus vergleichbar (soweit ich das bislang beurteilen kann), allein die Preise sind ein klein wenig entspannter, so mein gefestigter Eindruck. Ich selbst bin dieser AOC (und zugleich auch diesem Weingut)  zuerst vor einigen Jahren auf einer Weinmesse begegnet, die Qualität, die ich dort ins Glas bekam, liess mich aber schnell hellhörig werden. Und nach einem ersten „Manitou-wer?“ ist die Appellation auch nicht mehr in Vergessenheit geraten. Sauvignon Blanc, das wird nun wirklich niemand mehr überraschen können, ist in der Region die prägende Weissweinrebe. Sie wächst hier (wie auch in benachbarten Appellationen) auf Kalksteinböden.

Auf dem Famlienweingut der Gilberts macht man seit dem 18. Jahrhundert Wein, seit Ende des letzten Jahrzehnts steht es unter der Leitung von Philippe Gilbert, der auf 27 ha neben Sauvignon Blanc auch Pinot Noir anbaut.

Blasses Strohgelb. In der Nase zunächst deutliche Spontinoten, die einen leicht gummiartigen Ton preisgeben, der aber verfliegt – mit mehr Luft schält sich erst verhalten, dann immer deutlicher werdend ein ätherischer Zitrusduft nach vorne, die Nase bleibt dabei weiterhin mineralisch-rauchig-schmutzig (im absolut positiven Sinne). Höchst erfreulich ist das gänzliche Fehlen von Katzenurinnoten – derartige Noten, die einem bei Sauvignon Blanc ja in unterschiedlichster Intensität begegnen können,  muss man mögen – oder (so wie ich in aller Regel:) halt nicht. Insofern: erfreulich. Der Antrunk lässt keinen Zweifel offen, das wird ein mineralisches Vergnügen. Saftig, zugleich ätherisch, breiten sich die recht elegant wirkenden Zitronennoten, begleitet von einem leichten und nicht störenden Gerbstofffilm im Mund aus, um dann doch umgehend von der sehr kraftvollen Mineralik umschlossen zu werden. Der Wein ist absolut trocken, ich habe keine genauen Werte, tippe aber auf etwa 2-3 g/l Restzucker. Auch im langen, leicht zitrusschmelzigen Abgang baut der Wein ganz auf die kraftvolle Mineralik. Der Wein gewinnt nochmals mit steigender Temperatur im Glas und sollte bei ca. 12 Grad getrunken werden; was seine Stilistik betrifft: dies ist kein Wein für Freunde von fruchtbetonten Sauvignon Blanc. Ein wirklich ansprechender, ja auch ein wenig (positiv) anstrengender Wein mit einem sehr ordentlichen Preis-Genussverhältnis. Offen und undekantiert getrunken.

Im Fachhandel gekauft, 12,50 Euro, 89 Punkte (sehr gut), bis 2010 trinken.

becot_4Am rechten Libournaiser Ufer gibt es noch immer einiges zu entdecken — kleine Weingüter, die aus Niedrigerträgen einige wenige Flaschen mit recht guten Qualitäten erzeugen. Eines davon ist das unscheinbare Chateau Joanin Becot, das geführt wird von Juliette Bécot, der Tochter von Gerard Bécot, seines Zeichens Inhaber und Kellermeister von Chateau Beau-Séjour Bécot in Saint-Emilion. Nur 6,5 Hektar werden hier bewirtschaftet, die Erträge liegen bei rund 30 hl/ha. Joanin ist der Name der einzigen Lage des Weinguts, der Wein wird bereitet aus 75 % Merlot und 25 % Cabernet Franc. Im Glas rubinrot, lila Reflexe und leicht trüb. In der Nase süße Noten von reifen Himbeeren und Brombeeren, dazu Erde und Graphit, auch etwas Zimt, Piment und Vanilleschote. Eine opulente Primärfrucht, die etwas an Weine aus der Neuen Welt erinnert. Im Mund wird der Wein dann ganz französisch — die Säure ist markant, der Wein ist völlig trocken, aber schwer und dicht im Extrakt. Auch hier wieder die beerige Frucht, jetzt auch Pflaume, dazu schweißige wie auch kräuterige Noten und auch etwas Garrigue. Am Gaumen bleiben Tabak, Schokolade und Zedernholz stehen. Es ist überraschend, wie jung der Wein noch wirkt. 2001 ist eigentlich als früh zugänglicher Jahrgang bekannt, vor allem in den Cotes um Pomerol und Saint-Emilion herum. Der Joanin Becot ist aber auf eine längere Reife hin ausgebaut, sehr dicht und zugleich straff, mit viel Tannin und reich an Extrakt. Ein Wein mit Ecken und Kanten, nicht auf Eleganz, sondern mehr auf Üppigkeit getrimmt. Positiv fallen dabei die 12,5 Prozent Alkohol auf. Es scheint, als ob die Bécots hier einen Gegenentwurf zu ihrem eleganten Saint-Emilion erschaffen wollen. Das gelingt ihnen gut. Ein schöner Wein mit eigenem Charakter.

Aus dem Fachhandel, 17,50 Euro, 86 Punkte (sehr gut), 2012-2015

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