Emrich-Schönleber Riesling trocken Monzinger Halenberg, 2010

Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg trocken, 2010 (100 von 1)In der Nase finde ich einen noch jugendlichen und hochreinen Rieslingduft, samt den Eigenheiten des Jahrganges, worunter ich auch einen sehr spezifischen Reifeton verstehe, der sich aber seit drei Jahren überhaupt nicht verändert. Dieser Ton erinnert mich an eine Mischung von leicht gesüßtem Pfeiffentabak, Lindenblüten und Kautschuk, wenn das irgendwie Sinn macht. Sehr präsent der Halenberg aber auch in seiner Terroirausprägung, also diverse getrockenete Kräuter, etwas angetrocknete Grapefruit, kandierte Äpfel und rauchig, röstige Mineraität. Ansprechendes, durchaus hochwertiges Bukett. Am Gaumen von mittlerer Dichte, packender Auftakt, die Saftigkeit der Frucht animiert den Wein in großen Schlucken zu trinken, und dies trotz der hoch stehenden Säure, aber die Restsüße puffert die pikante Säure, ohne sich jemals unangemessen in den Vordergrund zu spielen, auch im Mund diese eigentümliche Note, die aber nur eine weitere Facette für mich hinzufügt, packende, ja hochfeste Mineralität, die sich in den Gaumen arbeitet, fordernder Zug, eine feine Bitternote durchzieht den gesamten Gaumeneindruck, gute Nachhaltigkeit und Komplexität, die Frucht springt zwischen noch jugendlichen Äpfeln und angereiften Zitrusfrüchten hin und her, die mittlere Extraktdichte verleiht diesem Halenberg eine herrliche Finesse, wie gewohnt bei Schönleber glockenklar mit sehr langem Finish. Ich bleibe dabei, 2010 war ein überaus ansprechendes Jahr bei Emrich-Schönleber, auch wenn mir da vermutlich nicht jeder, auch das Weingut selbst, zustimmen mag. Es bleibt aufregend, dieses Jahr weiter in seiner Entwicklung zu beobachten, vielleicht werden wir alle noch staunen.

Vom Weingut, 14 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme über Zustand und Entwicklungspotential nach sieben Jahre Flaschenreife

DSC_0150Noch gut erinnern kann ich mich an die lebhafte Diskussion über die Güte des Jahrganges 2007 kurz nach dem Verkaufsstart der Großen Gewächse. Nach dem schwierigen Jahrgang 2006 gefiel zahlreichen Weinfreunden und auch Kritiker die klare, saftige Primärfruchtigkeit, auch die Säure wirkte im Vergleich zum Vorjahr frischer. Andere bemängelten die hochreife Stilistik, die üppige Ausbauweise und die immer noch zu weiche Säure. Nach unserer letzten Vertikalverkostung des Jahrganges vor vier Jahren (Hier lesen) hatte ich kein klares Bild vom Jahrgang. Die Weine waren sehr unterschiedlich, meine Punkte von 84 bis 93 ließen eine große Bandbreite vermuten. Viele Weine waren mir schlicht zu dick, die Frucht zu reif und zuweilen gar überreif, die Säure konnte die barocke Konzentration nicht immer stemmen. Also, ein richtiger Fan des Jahrganges war ich offensichtlich nicht.

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Österreich Weiß/Rot – Großer Riesling, Grüne Veltliner, Blaufränkisch und Co.

Österreich Weiß-Rot (121 von 22)Nach dem die letzte Probe mit Rotweinen aus Österreich mittlerweile wieder über zwei Jahre zurücklag, lud ich im November 2014 zu einer bunten Probe aus weißen und roten Spitzenweinen aus Österreich zu mir ein. Die Auswahl traf ich gemäß meinen eigenen Vorlieben und Erfahrungen und war somit in keiner Weise repräsentativ.

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Weingut Keller Riesling trocken von der Fels, 2011

Keller von der Fels, 2011 (100 von 1)Nach einer kurzen Verschlußphase präsentierte sich uns der 2011er -von der Fels- heute deutlich geöffneter. Es lohnt sich daher die ersten Flaschen aus dem Karton zu holen. In der Nase ein prachtvolles Bukett nach jugendlicher rosa Grapefruit, reifen, saftigen Pfirsichen, einem Hauch Rauch und erdiger Mineralität, dahinter Anklänge nach diversen Kräuter und etwas Traubenzucker. Eine Nase die weit über einen gefälligen Rieslingduft hinausreicht, ohne dass man hierfür ein Sensorikstuidium absolviert haben muss. Am Gaumen von mittlerer Dichte, herrlich saftiger Antrunk nach reifen Steinfrüchten, Blutorangen, sprich die Herbheit der Nase leicht zurückgenommen, dafür spielt die Mineralik schön in die Frucht, Basalt, Rauch, herbe Anklänge setzen einen angenehmen und notwendigen Kontrapunkt zur eingängigen Saftigkeit, die Säure mit feinem Spiel und eher mild, es fehlt aber nicht an Zug am Gaumen. Mir gefällt besonders die Reintönigkeit und der herrliche Trinkfluss für dieses doch recht warme Jahr, der -von der Fels- neigt erfreulicherweise nicht zur Wärme oder Breite, bleibt aber ein fruchtbetonter, charmanter Wein mit wahrnehmbarer Fruchtsüße, der zu vielen Gelegenheiten mit Freude und Freunden genossen werden kann und soll, zu einer ausgezeichneten Bewertung fehlt es ihm an Länge und Straffheit und an dem mineralische Biss und der Komplexität der großen Gewächse und genau deswegen ist es mal wieder eine Punktlandung.

Vom Weingut, 14 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016+

Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Schlehdorn Tafelwein Rhein, 2006

Kühn Schlehdorn 2006 (100 von 1)Der 2006er-Schlehdorn präsentiert sich bereits seit einigen Jahren auf ausgezeichneten Niveau, nun bewegt er sich langsam nicht Richtung wahrer Größe. Die Nase ist Kühn pur im allerbesten Sinne, nur ohne Frucht. Duftete nach Schießpulver, Fahrradschlauch, dunkle Beeren, besonders Wachholder, geröstete Kräuter und Nüsse und feinstes Karamell ohne Süße. Am Gaumen konzentriert, ungemein fokussierter Verlauf, viel Röstaromen von getrockneten Kräutern, Nüssen, Zitruszesten, animierender Säurezug, herrlich trockene Stilistik, alle Komponenten wirken absolut stimmig, fester, sehr packender Fluß, hat mittlerweile seine Kantigkeit verloren, sondern fächert heute herrlich auf und bietet ein distinguiertes Aromenspiel, dass weniger an Rieslinge erinnert, sondern eher an die großen Chenin Blancs von der Loire, oder an die weißen Chardonnays aus dem Burgund, kaum endender Nachhall, ein Feuerwerk aus Nüssen, Kräutern, Röstigkeit und salziger Mineralität. Jetzt auf seinem, vermutlich, ersten Höhepunkt angelangt, ist aber noch derart jugendlich, dass ich ihm eine weitere, lange und sehr positive Entwicklung zutraue. Wer davon noch ein paar Flaschen im Keller hat, sollte davon nun unbedingt probieren und genießen. War direkt nach dem Öffnen ein Genuß, hielt sich aber auch problemlos über eine Woche im Kühlschrank ohne große Veränderung.

Vom Fachhandel, 50 Euro, 94+ (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Kraftakt Riesling Teil VII – 2014

Kraftakt 2014 Titel (100 von 1)Exzellent vorbereitet wurde der diesjährige Kraftakt von unserem Master of Wine Steffen, der uns, dank einer genauen Aufführung welche Rieslinge schon beim Kraftakt in den Ring steigen durften, motivierte neue Winzer, Wein und Lagen ausfindig zu machen, die dazu noch die Kraftakt-Kriterien erfüllen; Potential von 90+ Punkte, hinreichend gereift und aus Deutschland, Österreich oder dem Elsass sollen sie kommen. Und siehe da, auch für die 7. Ausgabe des Kraftaktes fanden sich noch ausreichende Rieslinge.

Dieses Jahr ging die Rieslingkrone knapp in die Wachau mit einem großen 2001er-Loibner Berg von F.X. Pichler, dicht gefolgt von einem 2009er-Buschenberg von Veyder-Malberg, ebenfalls Wachau und dem 2004er-Kirchspiel von Klaus-Peter Keller aus Rheinhessen. Insgesamt war die Spitze recht breit, aber es gab auch leider einige Enttäuschungen, wie z.B. die beiden Emile von Trimbach am Ende, hier hatten wir leider kein Flaschenglück.

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Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

Piemont-Reise 2014 (125 von 121)Nach unserer Elsass-Reise im letzten Jahr (Hier lesen) lag unser Ziel diese Jahr deutlich südlicher. Piemont mit seinen sanften Hügeln, seinem Nebel in den Hängen, seinen pittoresken Ortschaften und natürlich mit all den großen Weinen und seiner vorzüglichen Küche. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr in diesem Landstrich und so war meine Vorfreude auf weiße Trüffeln, Pasta, Barbera und Nebbiolo besonders hoch. Traditionell haben wir uns zwei Weingüter pro Tag ausgewählt und abends ging es dann in die besten Lokale der Gegend.

Um die Anreise aus Bonn ein wenig entspannter zu gestalten, machten wir am Kaiserstuhl im Schwarzen Adler bei Franz Keller einen Zwischenstop. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge am Fuße des Kaiserstuhls, die reifen Spätburgundertrauben hingen prall am Rebstock, wurden wir dann im Restaurant herzlich in Empfang genommen. Um es der Küche ein wenig zu erleichtern, bestellten wir alle das fünf Gänge-Menü und beschäftigten uns anschließend intensiv mit der über 1000 Positionen umfassenden Weinkarte. Bei einer derartigen Auswahl und bei sieben Weinfreaks ist es nahezu aussichtlos eine für jeden adäquate Auswahl zu treffen. Der eine will nur in Burgunder schwimmen, aus einer anderen Ecke kommt erwartbar der Ruf nach Priorat-Weinen, die Schnäppchenjäger machen sich schon Sorgen um ihr Budget und der ein oder andere hat einfach nur Durst. Zum Glück war Bernd mal wieder bestens vorbereitet und sichtete bereits am Vortag die Karte und wählte zielstrebig die besten Tröpfchen aus.

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