Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Schlehdorn Tafelwein Rhein, 2006

Kühn Schlehdorn 2006 (100 von 1)Der 2006er-Schlehdorn präsentiert sich bereits seit einigen Jahren auf ausgezeichneten Niveau, nun bewegt er sich langsam nicht Richtung wahrer Größe. Die Nase ist Kühn pur im allerbesten Sinne, nur ohne Frucht. Duftete nach Schießpulver, Fahrradschlauch, dunkle Beeren, besonders Wachholder, geröstete Kräuter und Nüsse und feinstes Karamell ohne Süße. Am Gaumen konzentriert, ungemein fokussierter Verlauf, viel Röstaromen von getrockneten Kräutern, Nüssen, Zitruszesten, animierender Säurezug, herrlich trockene Stilistik, alle Komponenten wirken absolut stimmig, fester, sehr packender Fluß, hat mittlerweile seine Kantigkeit verloren, sondern fächert heute herrlich auf und bietet ein distinguiertes Aromenspiel, dass weniger an Rieslinge erinnert, sondern eher an die großen Chenin Blancs von der Loire, oder an die weißen Chardonnays aus dem Burgund, kaum endender Nachhall, ein Feuerwerk aus Nüssen, Kräutern, Röstigkeit und salziger Mineralität. Jetzt auf seinem, vermutlich, ersten Höhepunkt angelangt, ist aber noch derart jugendlich, dass ich ihm eine weitere, lange und sehr positive Entwicklung zutraue. Wer davon noch ein paar Flaschen im Keller hat, sollte davon nun unbedingt probieren und genießen. War direkt nach dem Öffnen ein Genuß, hielt sich aber auch problemlos über eine Woche im Kühlschrank ohne große Veränderung.

Vom Fachhandel, 50 Euro, 94+ (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Kraftakt Riesling Teil VII – 2014

Kraftakt 2014 Titel (100 von 1)Exzellent vorbereitet wurde der diesjährige Kraftakt von unserem Master of Wine Steffen, der uns, dank einer genauen Aufführung welche Rieslinge schon beim Kraftakt in den Ring steigen durften, motivierte neue Winzer, Wein und Lagen ausfindig zu machen, die dazu noch die Kraftakt-Kriterien erfüllen; Potential von 90+ Punkte, hinreichend gereift und aus Deutschland, Österreich oder dem Elsass sollen sie kommen. Und siehe da, auch für die 7. Ausgabe des Kraftaktes fanden sich noch ausreichende Rieslinge.

Dieses Jahr ging die Rieslingkrone knapp in die Wachau mit einem großen 2001er-Loibner Berg von F.X. Pichler, dicht gefolgt von einem 2009er-Buschenberg von Veyder-Malberg, ebenfalls Wachau und dem 2004er-Kirchspiel von Klaus-Peter Keller aus Rheinhessen. Insgesamt war die Spitze recht breit, aber es gab auch leider einige Enttäuschungen, wie z.B. die beiden Emile von Trimbach am Ende, hier hatten wir leider kein Flaschenglück.

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Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

Piemont-Reise 2014 (125 von 121)Nach unserer Elsass-Reise im letzten Jahr (Hier lesen) lag unser Ziel diese Jahr deutlich südlicher. Piemont mit seinen sanften Hügeln, seinem Nebel in den Hängen, seinen pittoresken Ortschaften und natürlich mit all den großen Weinen und seiner vorzüglichen Küche. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr in diesem Landstrich und so war meine Vorfreude auf weiße Trüffeln, Pasta, Barbera und Nebbiolo besonders hoch. Traditionell haben wir uns zwei Weingüter pro Tag ausgewählt und abends ging es dann in die besten Lokale der Gegend.

Um die Anreise aus Bonn ein wenig entspannter zu gestalten, machten wir am Kaiserstuhl im Schwarzen Adler bei Franz Keller einen Zwischenstop. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge am Fuße des Kaiserstuhls, die reifen Spätburgundertrauben hingen prall am Rebstock, wurden wir dann im Restaurant herzlich in Empfang genommen. Um es der Küche ein wenig zu erleichtern, bestellten wir alle das fünf Gänge-Menü und beschäftigten uns anschließend intensiv mit der über 1000 Positionen umfassenden Weinkarte. Bei einer derartigen Auswahl und bei sieben Weinfreaks ist es nahezu aussichtlos eine für jeden adäquate Auswahl zu treffen. Der eine will nur in Burgunder schwimmen, aus einer anderen Ecke kommt erwartbar der Ruf nach Priorat-Weinen, die Schnäppchenjäger machen sich schon Sorgen um ihr Budget und der ein oder andere hat einfach nur Durst. Zum Glück war Bernd mal wieder bestens vorbereitet und sichtete bereits am Vortag die Karte und wählte zielstrebig die besten Tröpfchen aus.

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Weingut Joh. Babt. Schäfer Riesling Dorsheimer Goldloch Großes Gewächs, 2007

Joh.Babt.Schäfer Goldloch, 2007 (100 von 1)In wenigen Wochen wenden wir uns in der Breite dem Jahrgang 2007 bei den Riesling-GGs zu und so will ich mich ein wenig eintrinken mit Weinen, die es nicht auf das finale Line-Up schaffen. Der Wein hätte es eigentlich verdient gehabt…

Ich empfehle den Wein am Vorabend zu öffnen und erst am darauffolgenden Abend zu genießen. Das Bukett präsentiert sich dann ansprechend vielschichtig. Eine kräutrige Rieslingnase mit deutlichen Reifenoten, ohne terziär zu wirken. Vielmehr präsentiert er neben einer reifen Apfelfrucht getrocknete Kräuter, Creme Brulée, ein Hauch, sehr angenehmen Bratapfel, mineralische Anklänge nach Basalt. Am Gaumen ist die Süße des Vorabend verflogen und so präsentiert er, bei einer mittlerer Dichte, einen herrlich saftigen Antrunk, ohne jede Breite, dieses GG trinkt sich ungemein beweglich und feinsinnig, sicherlich ist da auch die etwas charmante Frucht des Goldlochs, eine intellektuelle Veranstaltung wird diese Lage vermutlich nie mehr, aber der Wein vermeidet nun jede übermäßige Süße, oder Konzentration und so kann sich eine feinsinnige Kräuterwürze und steinige Mineralität ausbreiten, erneut viel Basaltnoten, etwas Kümmel, Stroh, Kandis, rote, recht reife Apfelfrucht, weiches, cremiges Mundgefühl, das im hinteren Bereich erstaunlich abnimmt und so wirkt dieses GG sehr frisch und agil wirkt, knapp langer Nachhall. Jetzt auf dem Höhepunkt, aufgrund der Reife würde ich meine Flaschen nicht mehr allzu lange aufbewahren.

Vom Weingut, ca. 22 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Domaine Heresztyn Gevrey Chambertin Vieilles Vignes, 2002

Heresztyn Gevrey-Chambertin Vieilles Vignes, 2002 (100 von 1)Erneut ein sehr schöner Pinot von der Domaine Heresztyn. Der Vieilles Vignes ist von der Menge und Wirtschaftlichkeit der wichtigste Wein für diese Domaine. Soweit ich weiß, werden davon jedes Jahr über 20.000 Flaschen gefüllt und er kommt aus mehreren, unterschiedlichen Village-Lagen, die von der Domaine teilweise bereits seit drei Generationen bewirtschaftet werden. Die große Erfahrung mit den Terroirs (gepflanzt ab 1926) und den vielfältigen Möglichkeiten zur Assamblage vor Abfüllung, sorgen für eine gleichbleibend hohe Qualität. Ein weiteres Plus ist sein verhältnismäßig günstiger Preis.

Der 2002er hat jetzt seine volle Trinkreife erreicht und zeigt einen animierenden herben, leicht teerigen Duft, gecrunchte Kräuter, verhältnismäßig dunkle Beerenfrüchte für einen Gevrey, dahinter rauchig-holzige Noten vom Faßausbau und feines Sattelleder. Weckt sofort Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen für einen Village-Wein erstaunlich dicht, der Auftakt bietet seine satte, dunkle Beerenfrucht in der herbe Kräuter und Gewürze verwoben sind, im weiteren Verlauf spielt die Säure fein und schwungvoll auf und die Frucht wandelt sich vermehrt zu roten Johannisbeeren, was dem Wein Frische verleiht, es bleibt jedoch die würzig, leicht herbe Tonart erhalten, dazu tauchen immer wieder Ledernoten und Röstaromen auf, insgesamt balanciert, guter Trinkfluss und durchaus vielschichtig, hinten raus klingt er dann mittellange sehr harmonisch aus. Ein wirklich gelungener Village, den ich jetzt die nächsten fünf Jahre trinken würde.

Vom Fachhandel, ca. 25 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2019

Peter Jakob Kühn Riesling Doosberg 3 Trauben, 2005

2005-PJKD3TrDunkles goldgelb. Dieser Doosberg hat eine schier ausladende Nase, sie bietet in gewissem Maß eine Reizüberflutung: einerseits florale Blütentöne, dann aber grüner Tee, wechselnd zu Trockenkräutern, sich verändernd  in Richtung Mokka, um dann zu mürbem gelben Apfel zu changieren – und zu guter Letzt gesellt sich dann noch ein feiner Malz-/Honigton hinzu. Über diese vielfältigen Eindrücke unterschiedlichster Couleur legt sich ein allumspannendes Netz von flintigem Schießpulverduft, so, wie man es von den Kühn-Weinen in der Dreitrauben-Selektion kennt. Das braucht Ruhe und Geduld auf Konsumentenseite – aber es wird belohnt: was füe eine wunderbare Nase.

Barocker Auftakt im Mund, der Wein ist hochkonzentriert – aber er wird nicht undefiniert süß. Natürlich hat dieser Wein jede Menge Fruchtextrakt zu bieten, aber süßlich erscheint er beileibe nicht. Es macht vielmehr den Eindruck, dass dieser Wein sich nicht entscheiden kann – Rubens-hafte Fruchtstruktur und Dichte auf der einen Seite, mineralische Askese auf der anderen Seite. Die Wahrheit bzw. konkreter: die Eindrücke im Mund, sie liegen zwischen diesen Polen, und der Wein nimmt beide Extreme jeweils bis zum Anschlag mit.

Im weiteren Verlauf zeigt sich somit reife Apfelfrüchte, der Wein verweilt aber nur kurz bei seiner Fruchtigkeit, weil er sich schnell auf die mineralische Seite schlägt. Dunkles Gesteinsmehl in gesättigter Lösung, fast schon ins Herbe gehend, dazu wieder Noten von schärfebefreitem Wasabi und grünem Tee, aus dem Nichts dann mit Verweildauer im Glas wird der Apfel ersetzt durch eine reife gelbe Steinfrucht, diese mariniert in einer Kräuteressenz. Durchgehend: eine steinige Herbe, die dem Wein nur bedingt Charme verleihen kann – es vermutlich aber auch gar nicht soll.

Der Doosberg hat eine sehr ruhige, getragene Säure – auch sie ist es, die dem Wein einen tiefenentspannten Charakter verleiht, der eher an ein Moll-Musikstück denken lässt. Sehr nachhaltig bis ins mittellange, allein von mineralischen Aromen geprägte Finish. Seine 13,5 % Alkohol verstaut er mühelos in einer Felsspalte.

Der Wein dürfte sich auf dem Höhepunkt befinden und hier noch für zwei bis drei, vielleicht auch mehr Jahre verbleiben. Reifetöne hat der Wein zwar noch keine, ich möchte aber die Fruchtnoten, die mit weiterer Reife vermutlich weniger vernehmbar werden, hier nicht missen – deshalb ein eher konservatives Trinkfenster (nach meinem Geschmack).

Was bleibt? Dieser Wein ist ein Charakterkopf für eine ruhige Stunde, der dem Trinker die volle Aufmerksamkeit abverlangt – ganz weit weg von “easy drinking” & gedankenlosem Trinkspaß. Mir persönlich gefällt er etwas beausser, wenn er unter 10 Grad Trinktemperatur bleibt. Ist schließlich gut für die Figur, wenn man sich öfter zum Kühlschrank hin bewegt: und das ist wirklich ganz sicher – hier läuft man, wenn auch nicht an jeden Tag!

Nachtrag: der Wein hat binnen weiterer 24 Stunden in der geöffneten Flasche nochmal hinzugewonnen und zeigt nun noch mehr fokussierte Struktur. Von daher ist eine Aufwertung von 92 auf 93 Punkte absolut gerechtfertigt. Ausreichendes Belüften lohnt hier also.

Chapeau, Herr Kühn!

Aus dem Fachhandel, 26 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Weingut Schloss Lieser Riesling Auslese Niederberg Helden Lange Goldkapsel, 2012

Lieser Helden Auslese LGK, 2012 (100 von 1)Mittelintensiver Duft nach Quitten und mittelreifen Aprikosen, Karamell, frisches Gebäck, vollkommene Reinheit aller Nuancen, bereits in der Nase könnte ich in den Wein versinken. Am Gaumen, ich muss es sagen, eine nahezu perfekte Auslese, die die mitunter schwierige Balance aus Süße und Säure mit spielerischen Selbstverstänlichkeit bewältigt, niemals erscheint uns der Wein zu süß, immer steht Säure, Mineralität und animierende Beweglichkeit dagegen. Zum Auftakt glockenklare Steinfrüchte, reife Quitten, erneut ein ganzer Korb Aprikosen, vollständig verwoben dazu die typische 2012er-Säure, im Ansatz eher mild, ja schmeichelnd, aber mit soviel Spiel unterwegs, das der Wein den hinreichende Kick erhält, es bleibt aber eine Auslese, die auch Säureempfindliche sehr gut genießen können, überaus gewogener Verlauf, fein-cremiges Mundgefühl, die saftige Fruchtigkeit begleitet mich über den gesamten Verlauf, die Mineralität ist ob der Jugend noch hinter der Frucht verborgen, der Wein zeigt trotzdem eine ansprechende aromatische Tiefe, aber da geht mit der Reife bestimmt noch mehr, trotzdem werde ich einige Flaschen aus meinem Bestand bestimmt jung geniessen, der Abagang hat eine sehr gute Länge. Eine große Auslese.

Vom Weingut, 18 Euro, 95 Punkte (groß), jetzt bis 2032