Das Weingut von Winning mag nur Wenigen bekannt sein, bis Anfang dieses Jahres firmierte es nämlich unter dem Namen Dr. Deinhard. Der neue Besitzer Achim Niederberger, dem unter anderem auch die Weingüter Bassermann-Jordan und von Buhl sowie die Marke „Villa Niederberger“ gehören, unter der die Pfälzer Kellermeister-Legende Hans-Günter Schwarz im Ruhestand seinen Beruf zum Hobby gemacht hat, benannte das Gut Anfang dieses Jahres um, um damit dem beabsichtigten Neuanfang Rechnung zu tragen. Neuer Name, neuer Kellermeister, neue Etiketten – bereits für den ersten Jahrgang unter neuer Leitung schärmen nun Zeitgenossen, die die etwas konservativ-langweiligen Weine von Dr. Deinhard bislang nicht mal mit dem verlängerten Rücken angesehen haben. Erwähnte ich schon, dass Niederberger in erster Linie Reklame macht? Der Mann versteht sein Handwerk.
Kräftiges Gelb mit grünlichen Reflexen. Eine sehr jugendliche Nase, die unmissverständlich klarmacht, dass man es hier mit einem GG zu tun hat. Zitrone, Biskuitrolle, gelbes Steinobst, nasser Stein, kühlende Mineralik und schöne Kräuterwürze verbinden sich zu einem Gesamteindruck, der für den Mund vor allem eines verspricht: Druck. Beim ersten vorsichtigen Schluck zeigt sich dann, dass dieser Wein natürlich noch weit von seiner Trinkreife entfernt ist, die einzelnen Elemente stehen noch ein wenig nebeneinander. Im Laufe des Abends fügt sich alles besser zusammen, dennoch braucht dieser Kieselberg sicher noch zwei bis drei Jahre, bis er alles zeigt, was er kann. Doch der Reihe nach: Eine ordentliche Restsüße ist der erste Eindruck. Zitrone, etwas mürber gelber Apfel, cremig, sehr mineralisch und eine tief integrierte, wahnsinnig kraftvolle Säure. Im mittleren Verlauf hat er derzeit eine kleine Delle, die gerne noch mit mehr Tiefe ausgefüllt werden dürfte. Ich bin aber sicher, dass da im Lauf der Zeit noch etwas kommen wird. Hinten etwas kratziger Gerbstoff und ein nahezu unheimlicher Abgang: lang, lang, lang. Es bleibt ein etwas parfümiert wirkender, aber dennoch schöner Nachhall stehen – und zwar minutenlang.
Ich muss sagen, ich bin angetan. Dieser Kieselberg ist zwar nicht gerade ein Statement des Individualismus, dafür entspricht er zu sehr dem Stil, der augenblicklich das Große Riesling-Gewächs der Mittelhaardt definiert. Sollte sich diese Frühform bei von Winning aber halten oder gar weiterentwickeln, wächst den Großen in Deidesheim und Forst ein echter Konkurrent heran. Ich bin sehr gespannt.
Als Geschenk erhalten, 26 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2015

Im Herbst brachte ein Händler meines Vertrauens freudig erwartet die neuen Weine von Meyer-Fonné direkt aus dem Elsass mit. Endlich ergab sich die Gelegenheit die erste Flasche aufzuziehen und ich war sehr gespannt. War 2008 im Elsass ähnlich gut wie in Deutschland? Wie verläuft die Entwicklung bei Meyer-Fonné und wie schmecken seine Weine in der Jugend, denn bisher verloren sich nur seine gereifteren Weine in meinem Glas? Vorab will ich gerne meine große Leidenschaft für seine Weine gestehen, erwarten Sie daher keine allzu objektive Verkostung, wenn´s denn so etwas überhaupt gibt.
Auf der Spitze, überhalb einer der bekanntesten Grand Cru-Lagen des Elsass, dem Altenberg de Bergheim, liegt die Premier Cru-Parzelle Grasberg. Trotz der Nord-Ost-Ausrichtung gibt es dort gerade noch ausreichend Sonne. Die Böden sind karg, stark kalkhaltig und so müssen die Reben weit in die Tiefe vordringen, um ihr Überleben zu sichern. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Grasberg wohl die leichtesten und feinsten Weine von Deiss hervorbringen. Was bleibt, ist der Mischsatz, und so haben wir hier Riesling, Grauburgunder und Gewürtztraminer im Glas.
Der Zufall will es, dass ich relativ kurz nach dem
Helles Strohgelb. Eine wunderbare, wenngleich noch junge Rieslingnase: Zitrus und Weinbergspfirsich, Kräuterstrauß, Tabak, nasser Kieselstein, schöne, kühle Mineralik, Anklänge an Speck, Extraktsüße. Im Mund straff und kühl, nicht ganz trocken, Limette, wieder Pfirsich, ganz leicht gemüsig, wie Gurke. Über allem eine im Reifen befindliche Säure in schönem Zusammenspiel mit der Mineralik, etwas Rauch, im leider etwas zu kurzen Abgang ein wenig adstringierender Gerbstoff und viel mürber Apfel.
Kirschrot. Schöne Burgundernase von mittlerer Intensität mit viel Kirschen und Pflaumen und einer leichten Holzwürze vom Barrique. Im Mund öffnet sich der Wein erst am zweiten Tag, ohne dabei sich ganz zu entblättern. Er ist halt immer noch ein wenig jung, erst ganz langsam nähert er sich seinem Höhepunkt. Die Komponenten passen gut zusammen, nur das Holz ist am ersten Tag noch ein wenig präsent. Das hat sich aber am nächsten Tag erledigt, nur ein sanfter Hauch von Bitterschokolade und Kakaonoten erninnern an das Barrique. Im Abgang wird es dann kräftiger. Doch von Beginn an. Der Antrunk von mittlerem Körper, dunkle Waldbeeren, etwas Casis, recht intensive Kräuterwürze, fast Pfeffrig, mit einer robusten Säure. Im weiteren Verlauf fallen mir die feinporigen Tannine auf, die nach dem Abgang gänzlich verschwunden sind. Sehr schön, wie der gesamte Abgang, der knapp lang ist und von einer leckeren Fruchtsüße dominiert wird. Trotzallem wirkt der Wein immer noch ein wenig gehemmt, so als würde er sich zieren all seine Tiefen und Geheimnisse preis zu geben, wenn es die denn auch wirklich gibt!? Ich bin mir im Zweifel. Heute fehlt mir ein wenig die Komplexität, der Überraschungs- bzw. Spannungsmoment. Gut gemacht, aber nicht wirklich aufregend kommt mir in den Sinn. In mein Kellerbuch notiere ich 2011 als Öffnungdatum für die nächste Flasche. Dann wird wieder berichtet. Offen bei Freunde verkostet, zuvor zwei Stunden in der Karaffe.
Im Sommer hatte ich den 2004er im Glas, der mir sehr gut gefiel, sich aber noch ein wenig jung und ungehobelt präsentierte. Ein Esswein mit kräftigem Holzeinsatz attestierte ich ihm damals. Heute befindet sich der Jahrgang 2005 im Glas, zum ersten Mal als Großes Gewächs vermarktet.
Auf Tonschiefer gewachsen ist dieser Riesling im Alsenzer Elkersberg. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu ergründen, wie die Namensfindung im Hause Hahnmühle von Statten gegangen sein wird, zumal, da die Lage nach eigenen Angaben die Spitzenlage des Weinguts für Rieslinge darstellt.
Thorsten hat diesen Wein bereits vor ziemlich genau einem Jahr recht euphorisch
Dies ist ein klassischer Fall der Kategorie „Mittwochswein“. Mittwochsweine sind in unserem Haushalt Rotweine, die arbeitszeitbedingt „unter der Woche“ ohne lange Dekantierzeit zum Abendessen geöffnet werden; es sind Weine, die keine intellektuellen Herausforderungen erwarten lassen und zumeist als Einzelflasche in den Keller gewandert sind; Weine, die mit ihrer in der Regel einstelligen Eurozahl auch kein Loch in die Geldbörse reißen. Weine, die man spontan aufmacht, wenn man noch Lust auf ein Glas Wein hat, oftmals, ja fast immer, bleibt auch noch ein Rest für „Donnerstag“. Niemand erwartet hier vinophile Hochgenüsse — aber manch Wein dieser Kategorie bieten dennoch positve Überraschungen bzw. taugt als gute Alltagsempfehlung, weshalb ich in loser Folge auch von ihnen berichten will.
Knapp 350 Verkostungsnotizen hat es gedauert, bis – endlich – einmal ein Weisswein von der Loire im Mittelpunkt der hiesigen Aufmerksamkeit steht. Schändlich, schändlich, diese gröbliche Mißachtung, wenn man sich die Qualität der dort angebauten Produkte einmal bewußt vor Augen führt. Aber ich gelobe im Namen der Blogbesatzung hiermit Besserung (auch wenn ich im Zweifel alleine dafür herhalten muss).
Am rechten Libournaiser Ufer gibt es noch immer einiges zu entdecken — kleine Weingüter, die aus Niedrigerträgen einige wenige Flaschen mit recht guten Qualitäten erzeugen. Eines davon ist das unscheinbare Chateau Joanin Becot, das geführt wird von Juliette Bécot, der Tochter von Gerard Bécot, seines Zeichens Inhaber und Kellermeister von Chateau Beau-Séjour Bécot in Saint-Emilion. Nur 6,5 Hektar werden hier bewirtschaftet, die Erträge liegen bei rund 30 hl/ha. Joanin ist der Name der einzigen Lage des Weinguts, der Wein wird bereitet aus 75 % Merlot und 25 % Cabernet Franc. Im Glas rubinrot, lila Reflexe und leicht trüb. In der Nase süße Noten von reifen Himbeeren und Brombeeren, dazu Erde und Graphit, auch etwas Zimt, Piment und Vanilleschote. Eine opulente Primärfrucht, die etwas an Weine aus der Neuen Welt erinnert. Im Mund wird der Wein dann ganz französisch — die Säure ist markant, der Wein ist völlig trocken, aber schwer und dicht im Extrakt. Auch hier wieder die beerige Frucht, jetzt auch Pflaume, dazu schweißige wie auch kräuterige Noten und auch etwas Garrigue. Am Gaumen bleiben Tabak, Schokolade und Zedernholz stehen. Es ist überraschend, wie jung der Wein noch wirkt. 2001 ist eigentlich als früh zugänglicher Jahrgang bekannt, vor allem in den Cotes um Pomerol und Saint-Emilion herum. Der Joanin Becot ist aber auf eine längere Reife hin ausgebaut, sehr dicht und zugleich straff, mit viel Tannin und reich an Extrakt. Ein Wein mit Ecken und Kanten, nicht auf Eleganz, sondern mehr auf Üppigkeit getrimmt. Positiv fallen dabei die 12,5 Prozent Alkohol auf. Es scheint, als ob die Bécots hier einen Gegenentwurf zu ihrem eleganten Saint-Emilion erschaffen wollen. Das gelingt ihnen gut. Ein schöner Wein mit eigenem Charakter.